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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12.11.06 - 32. Sonntag im Jahreskreis / drittletzter Sonntag im Kirchenjahr

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Hiob 14, 1-6

1 Kön 17, 10-16

Hebr 9, 24-28

Mk 12, 38-44 oder kurz
Mk 12, 41-44

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV und den Text zum kath. Evangelium ein. Stichworte (e): Begrenztheit des Lebens – Begrenztheit der Ansprüche an das Leben, (intergenerationelle) Gerechtigkeit, Leben „ausleben“ (k): Standesdünkel, Scheinheiligkeit der Gelehrten, Ernsthaftigkeit der eigenen Bemühungen

 

Stellung im Kirchenjahr

Der 32. Sonntag im Jahreskreis liegt mitten im November, dem Monat der Friedhofsbesuche und des Totengedenkens. Wir werden erinnert an die eigene Vergänglichkeit, an die Begrenztheit unseres Lebens.

 

Hiob 14,1-6

Das Buch Hiob

Das Buch Hiob gehört zur Weisheitsliteratur; in der vorliegenden Form stammt es aus nachexilischer Zeit. Am Beispiel des Menschen Hiob wird versucht, die Frage des Leids in der Welt und die Frage des Warum zu klären. Wer kennt solche Fragen nicht: Warum musste der oder die so früh sterben? Warum muss ich so schweres Leid tragen und anderen geht es – unverdientermaßen – so gut?

Hiob wird beschrieben als ein frommer Mann. Er war rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. Nach der Vorstellung der damaligen Zeit war er deshalb auch von Gott gesegnet: Es ging ihm ausgesprochen gut, er hatte viele Kinder und war sehr wohlhabend. Es war für Hiob völlig unerklärlich, warum sich das Schicksal – sprich Gott – gegen ihn wendete. Erklärungen, dass sein Unglück Folge seiner Sünden war, konnte er nicht akzeptieren. Angesichts des für ihn ungerechtfertigten und unverständlichen Leids wendet sich Hiob an Gott selber. Gott gibt ihm keine eigentliche Antwort, vielmehr weist er ihn auf sein Unvermögen hin, die Pläne Gottes, seine Absichten bei der Weltlenkung, seinen ewigen Ratschluss zu durchschauen.

„Das Buch Hiob zeigt einen Menschen im Leid, der Gott größer als den Menschen sein lässt und sich ganz dieser Größe Gottes anheim gibt. Das Leid bleibt ein ungelöstes Rätsel, das sich aller vernunftmäßigen Erklärung entzieht“ (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Einleitung zum Buch Ijob).

 

Exegetische Anmerkungen zum Predigttext

Hiob spricht erneut seine eigene aussichtslose Lage an. Die Armseligkeit seines kurzen und gehetzten Lebens vergleicht er mit der Vergänglichkeit einer Blume, mit der Flüchtigkeit eines Schattens. Angesichts dieser hinfälligen Existenz am Rande des Nichts bleibt Gottes Verhalten unverständlich. Hat Gott nichts Besseres zu tun, als dieses kleine Wesen Mensch wegen seiner Schwächen anzuklagen, schuldig zu sprechen und zu bestrafen? Dabei müsste doch gerade Gott um die Situation des Menschen, seine allgemeine Sündhaftigkeit wissen: Kein einziger Reiner kann kommen von Unreinen! Aus dieser geradezu schicksalhaften Sündenverhaftetheit kann kein Mensch aussteigen.

Keinen Augenblick zweifelt Hiob daran, dass das menschliche Leben begrenzt ist, auf den sicheren Tod hinausläuft. Aber wenn der Mensch einem solch unausweichlichem Schicksal unterworfen, sein Dasein so fest bestimmt und begrenzt ist, wo bleibt dann seine Verantwortlichkeit?

Aus diesem scheinbar unauflösbaren Dilemma ergibt sich Hiobs Bitte, Gott möge ihn während der paar Tage seines unbedeutenden Lebens doch in Ruhe lassen, damit er es sich nach seinem eigenen Geschmack gestalten kann.

 

Überlegungen zur Nachhaltigkeit

Folgere ich aus dem Konfrontiertwerden mit der Vergänglichkeit, dass meine Existenz, jeder einzelne Mensch, die Menschheit, ja sogar die ganze Schöpfung wertlos, letztlich unnütz und damit vernachlässigbar ist? Muss ich aus meiner begrenzten Lebenszeit möglichst viel herauspressen an Spaß, Lust oder auch Sinn? Muss ich alles haben, darf nichts verpassen, weil die Zeit ja knapp ist?

Oder führt das Wissen um meine Begrenztheit zur Begrenzung: Verzichte ich auf die Ausbeutung meiner Mitmenschen und meiner Umwelt, weil ich weiß, ich bin nicht allein und nicht ewig auf dieser Welt. Es sind andere neben mir, es kommen noch andere nach mir. Auch für die soll und muss es noch reichen! Denke ich somit an die nachfolgenden Generationen – lebe nachhaltig – weil ich über den Tellerrand meiner eigenen Existenz hinaus zu schauen vermag? Gehe ich sorgfältig mit der Schöpfung um, gerade weil ich um ihre Begrenztheit und Zerbrechlichkeit weiß?

Auch wenn Hiob Gott nicht unbedingt verstehen kann, so brodelt in ihm doch ein leidenschaftliches Verlangen nach Gerechtigkeit. Hiob lehnt sich auf gegen das Unrecht, das ihm widerfährt und ringt darin mit seinem Gott. Setzen wir uns entsprechend leidenschaftlich für Gerechtigkeit in unserer Welt, zwischen den Völkern, zwischen den Generationen, zwischen den Geschlechtern ... ein? Ringen wir mit Gott und der Welt auf der Suche nach gerechteren Strukturen, einer gerechteren Verteilung der Güter? Oder lassen wir uns durch kluge Reden vorschnell beruhigen?

Für Hiob und die Menschen seiner Zeit war der Tod eine endgültige Grenze. Es gab nichts danach! Wir hingegen wissen um das ewige Leben bei Gott. Gibt uns dieses Wissen um eine ewig dauernde, grenzenlose, paradiesische Existenz die Gelassenheit, die es uns ermöglicht, nicht schon hier auf Erden alles ausleben zu müssen? Hilft es uns dabei, freiwillig, aus tieferer Einsicht heraus dem „Alles-haben-wollen“ zu widerstehen?

 

Markus 12, 38-44

Exegetische Anmerkungen zum Evangelium

Das Sonntagsevangelium untergliedert sich in zwei Abschnitte: die Warnung vor den Schriftgelehrten und die Erzählung vom Opfer der Witwe.

Im Markusevangelium werden die Schriftgelehrten wiederholt als die Hauptgegner Jesu dargestellt. In dieser Perikope wird nicht nur deren persönliche Eitelkeit und Geltungssucht angesprochen. Kritisiert wird der Standesdünkel der Schriftgelehrten, der darin besteht, dass sie sich Gott besonders nahe und sich dadurch im Besitz der wahren Lehre wähnen. In der Gewissheit, dass sie Gottes Wort und Willen offenbaren, beanspruchen sie selbstverständlicherweise auch eine herausgehobene Funktion in der Gemeinde und glauben ein Anrecht darauf zu haben, vom Volk entsprechend gewürdigt und geehrt zu werden.

Dabei, so kritisiert Jesus, befolgen sie als Schrift- und damit Rechtsgelehrte nur scheinbar den Auftrag zum Schutz der Witwen (und Waisen), der im Alten Testament klar festgehalten ist (vgl. z. B. Ex 22, 21; Jes 1, 7 ff.; 10, 2).Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit wird die Notlage ausgenutzt. Sie lassen sich ihre Anwaltstätigkeit so hoch bezahlen, dass die Witwen ihr Erbe an ihre Rechtshelfer verlieren. Sie beten nur zum Schein, benehmen sich damit wie „Ungläubige, die sich mit dem Mantel der Heuchelei umhüllen“ (Gnilka).

Beim Opfer der Witwe handelt es sich um die Schilderung einer idealen Szene. Jesus wird dargestellt als Visionär, der Einsicht in die wahre Dimension einer scheinbar unbedeutenden Handlung hat. Indem er den verborgenen Wert des Opfers der Witwe offenbart, belehrt er seine Jünger über die Bedeutung menschlichen Handelns im Hier und Jetzt.

Vor den Schatzkammern des Jerusalemer Tempels standen mehrere Opferstöcke. Die Priester nahmen die Gaben entgegen und der Opfernde gab dabei ihre Größe bekannt, so dass ein Beobachter dies hören konnte. Mit den zwei kleinen Münzen sind wahrscheinlich zwei Lepta gemeint. Das war die kleinste Kupfermünze. Dies mag dem Lohn eines Tagelöhners entsprochen und damit zur Deckung des notdürftigsten Unterhalts gereicht haben. Die Frau gab also alles, was sie an diesem Tag zur Verfügung hatte. Sie tat dies sicherlich nicht im Bewusstsein, etwas Großes getan zu haben. Doch wird klar: Diese Frau bringt sich ganz, mit ihrem Leben, ein. Im Gegensatz zu den Reichen, die nur einen kleinen Teil ihres Überflusses abgeben.

 

Überlegungen zur Nachhaltigkeit

Anhand des ersten Teils des Evangeliums kann die Frage thematisiert werden, wie ernst es uns wirklich mit dem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden oder den Umweltschutz ist. Ist unser Tun wahrhaftig, oder letztlich doch nur ein Lippenbekenntnis, das nicht von entsprechendem Handeln begleitet wird. Geben wir uns als Kämpfer für Menschenrechte oder als Umweltschützer, weil es gerade opportun oder politisch korrekt ist? Oder sind wir wirkliche „Überzeugungs-Täter“ (die tun, wovon sie überzeugt sind)?

Zum Opfer der Witwe: Machen wir uns vielleicht auch etwas vor über die Größe unseres Opfers? Glauben wir – nur weil wir die Brötchen mit dem Fahrrad statt mit dem Geländewagen holen fahren – Entscheidendes für die Umwelt zu tun? Beruhigen wir unser Gewissen auch da mit der Überweisung einer Spende, wo wir durch unser Handeln eine Veränderung der Situation, der Strukturen erreichen könnten? So könnte z. B. die nachhaltige Veränderung unseres Einkaufsverhaltens etliches bewirken. Aber ist uns das nicht zu unbequem? Wird es da nicht zu konkret? Es bleibt die Frage, ob wir es wie die Witwe halten, die tatsächlich ihre Existenz in ihr Opfer gelegt hat oder ob wir, wie die Reichen, die nur von ihrem Überfluss abgegeben haben, an der Oberfläche bleiben. Haben wir das Gottvertrauen der Witwe, die im wahrsten Sinne des Wortes alles gab, ohne Angst zu haben, letztlich zu kurz zu kommen, auf der Strecke zu bleiben?

 

Kommentare:

Die neue Echter Bibel. Kommentar zum Alten Testament: Heinrich Groß, Ijob, Würzburg 1986

Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament: Rudolf Pesch, Das Markusevangelium II. Teil, Freiburg-Basel-Wien 1980

Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament II/2: Joachim Gnilka, Das Evangelium nach Markus 2, Zürich-Einsiedeln-Köln und Neukirchen-Vluyn 1979

Manfred Loskyll, Edenkoben

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