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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

29.10.06 – 30. Sonntag im Jahreskreis / 20. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1 Kor 7, 29-31

Jer 31, 7-9

Hebr 5, 1-6

Mk 10, 46-52

Der Verfasser geht auf alle vier Bibelstellen ein; Stichworte:
Endlichkeit der Schöpfung, nicht an Vergängliches binden, den Mund aufmachen, Stimme auch für Arme und Schwache sein

Stellung im Kirchenjahr:

Das Kirchenjahr nähert sich seinem Ende. Die Texte lassen sich schon darauf hin lesen, der 1. Kor spricht spricht von der Kürze der Zeit, Jer erzählt von der endzeitlichen Freude, Hebr vom ewigen Hohenpriester Christus, und Mk behandelt das letzte Heilungswunder Jesu.

1 Kor 7, 29 – 31:

Exegetische Hinweise:

Paulus hat die Gemeinde in Korinth auf seiner zweiten Missionsreise kennen gelernt. Dabei hielt er sich ca. 18 Monate hier auf, von Herbst 49 – Mitte 51 (vgl. Apg 18, 1-18). Korinth war eine der großen Städte der damaligen Zeit. Die Hafenstadt galt als Zentrum griechischer Kultur, in dem verschiedenste geistige und religiöse Gruppierungen zusammentrafen. Als Hafenstadt war sie auch ein Zentrum sexueller Ausschweifung, was ihr eine gewisse Berühmtheit verschaffte. Ein erster Brief des Paulus an diese Gemeinde ist verloren gegangen. Auf seiner dritten Missionsreise zwischen 53 – 56 schickt er den jetzigen ersten, d. h. den eigentlich zweiten Brief, vermutlich 56 entstanden. Anlass waren verschiedene Anfragen seitens der Korinther. Inhaltlich geben die beiden Briefe Einblick in das Leben des Apostels Paulus und in sein Verhältnis zu den Menschen, die den Weg zu Christus gefunden haben.

Ab Kapitel 7 beantwortet der Apostel verschiedene Fragen, u. a. zu Jungfräulichkeit und Ehe.

Assoziationen:

„Die Zeit ist kurz. ... die Gestalt dieser Welt vergeht.“ Darauf weist Paulus in seinem Brief hin.

Paulus will nicht Gleichgültigkeit gegenüber der Welt predigen oder gar Resignation. Denn was wir auch tun, wir hätten sowieso keine Chance. Das wäre Fatalismus. Nein! Paulus geht es um etwas ganz anderes. Er ermahnt die jungen Christen in Korinth, sich nicht an diese Welt zu verlieren.

Der Mensch hängt am Irdischen, verständlich, da er nichts anderes – materiell gesehen – hat. Mag er auch den Weltenraum erforschen und sehr kleine Schritte dorthin unternehmen, ihm bleibt letztlich nur die Erde, mit allem, was darauf existiert.

Die Naturwissenschaften lehren, dass es mit der Gestalt dieser Erde eines Tages vorbei sein wird. Die Sonne, lebensnotwendig für alles Leben auf unserem Planeten, wird eines Tages ausgeglüht sein.

Die Schöpfung, so wie sie dann sein wird, vergeht. Das, was am Anfang der Bibel in der Genesis, im ersten Buch Mose beschrieben ist, ist Schöpfung. Und die Schöpfung ist endlich. Sonst würde sie dem Schöpfer gleich. Sie ist aber Abbild seines Tuns und damit beschränkt.

Paulus lebt in dem Bewusstsein der baldigen Wiederkunft Christi. Die Christen damals glaubten, Jesus Christus käme nach seiner Himmelfahrt sehr bald wieder, um das Reich zu vollenden.

Daher braucht sich der Christ nicht mehr auf der Erde einzurichten. Die Dinge, die bisher wichtig waren, z. B. Ehe, Sorge um das Eigentum u. a. verlieren ihre Bedeutung.

Nun ist die Parusie, die Wiederkunft des erhöhten Herrn bis heute nicht eingetreten. Was geschehen würde, wenn Christus wieder auf die Erde käme, davon gibt es viele Visionen. Auch Dostojewski hat sich in seinem Roman „ Die Brüder Karamasoff“ im Kapitel „Der Großinquisitor“ darüber Gedanken gemacht.

Gleichgültig, wann Christus wieder kommt, die Haltung des Christen sollte nach Paulus die Indifferenz gegenüber den irdischen Dingen sein. Ich darf die irdischen Gaben nutzen. Ich bin sogar beauftragt, es zu tun nach den beiden Schöpfungsberichten und werde somit Mitarbeiter an der Schöpfung. Das macht zum wesentlichen Teil meine Würde als Mensch aus. Ich bin Mitarbeiter Gottes und ohne Arbeit bin ich einen großen Teil meiner Würde los. Aber meine Arbeit verweist mich immer auf den Schöpfer. Ich bin nicht allmächtig. Ich bin auch nicht berechtigt, alles einzufordern von meiner Ehefrau, meiner Familie. Auch sie haben ihre Freiheit wie ich, sind aber genauso endlich wie ich.

Mein Eigentum hat Grenzen. Wenn es mich beherrscht, verliert es seinen Wert. Im Gegenteil – es wird gefährlich, wenn ich mir eigene Götzen aus Geld oder Gold baue. Ich verliere den Blick für das Eigentliche, für Gott.

Daher die Ermahnung des Paulus, sich nicht an das Vergängliche zu binden. Diese Lebenshaltung befreit und macht offen für das Leben in und mit der Schöpfung.

Jer 31, 7 – 9

Exegetische Hinweise:

Der Prophet Jeremia hat an der Wende vom 7. – 6. Jahrhundert gelebt. Um 645 v. Chr ist er in eine Priesterfamilie in Jerusalem geboren worden. Seine Biographie ist gut überliefert. Es spricht von sich selber in seinem Prophetenbuch in der dritten Person. Er erzählt in einem bewegenden Zeugnis von seinem Leiden als Propheten. Unter König Joschija kam es um 622 zu einer großen Reform, zu einer Blüte des Glaubens in Jerusalem. Der König stirbt aber 609 und danach kommt der Untergang des Südreiches durch die Babylonier unter ihrem König Nebukadnezar. Der Tempel wird zerstört, die führenden Leute der Israeliten werden nach Babylon deportiert.

In diese Zeit hinein predigte Jeremia. Er drohte den Untergang an, er warnte und mahnte, aber die Könige hörten nicht auf ihn. Im Gegenteil. Jeremia wurde hart verfolgt und eingekerkert. In Ägypten ist er wohl gestorben.

Die Verse in Jer 31, 7–9 gehören zum so genannten Trostbuch. Neben den Worten der Klage und Anklage verkündet Jeremia dem Volk das Heil. Das, was Israel erlitten hat, ist nicht das Ende. Das Leben wird weitergehen. Das Reich wird wieder hergestellt werden. Jubel, Freude und Jauchzen wird in Jakob sein. Denn Gott verheißt: „...ich bin Israels Vater und Efraim ist mein erstgeborener Sohn.“

Assoziationen:

Jubel, Jauchzen, Lobgesang ist angesagt. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Freude auf diese Weise ausdrücken kann. Gesänge gibt es auch im Tierreich. Die Vögel, die sich zuzwitschern, die Gesänge der Wale sind berühmt. Aber die Freude durch Tanz, Gesang und überschwänglicher Ausgelassenheit zu begehen, das kann nur der Mensch. Er ist frei, dies zu tun. Kein Instinkt bestimmt ihn hier.

Die tiefe Trauer, die Israel erfahren hat im Untergang besonders des Tempels Salomos im Jahre 586 v. Chr. wird sich wandeln. Israel wird wieder jubeln. Der heilige Rest, diejenigen,die überlebt haben im Exil in Babylon, die Gott treu geblieben sind und die Thora befolgt haben, sie dürfen heimkehren und jubeln.

Zugleich ist diese eine endzeitliche Vision. „Seht, ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle sie von den Enden der Erde.“

Die Menschen werden allesamt gerettet werden. Keiner ist ausgeschlossen. Blinde, Lahme, Schwangere und Wöchnerinnen. Eine Perspektive für die Kinder aufzuzeigen und die schwangeren Mütter und das vor 2500 Jahren! Eine Vision auch für unsere Zeit, angesichts der immer höheren Abtreibungszahlen und der stets weiter zurückgehenden Geburtenzahlen in Deutschland. Müttern die Chance geben, auch wirklich Mutter sein zu können. Nicht an den Rand gedrängt und vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt bzw. materiell schlechter gestellt sein, sondern im Gegenteil ihnen zu sagen, ihr seid von Gott gesegnet und angenommen. „Ich führe sie an wasserführende Bäche, auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln.“ Die Wege für junge Familien oder Familien von mehreren Kindern sind nicht gerade in unserer Zeit. Zwar gibt es Elternteilzeit für Mann und Frau, aber die Theorie sieht oft anders aus, gerade auf dem privaten Arbeitsmarkt.

Wenn man Jeremia ernst nimmt, ist dies eine Vision, die nicht erst am Ende der Tage Wirklichkeit werden soll, sondern bereits heute ihren Anfang nehmen kann. Der heilige Rest ist aus Babylon heimgekehrt. Es war keine leere Versprechung. Die Kranken wie die Alten sollten wie die Mütter eine Perspektive bekommen im gesellschaftlichen Leben unserer Zeit. Von einem Mehrgenerationenhaus wurde dieser Tage berichtet. Eine echte Alternative zum Leben als Single oder als Alleinerziehende bzw. Alleinerziehender. Der soziale Kontakt untereinander ist lebenswichtig. Dazu gehören die ganz jungen Menschen mit ihren Eltern, dazu gehören die Kranken und Alten sowie die Behinderten.

Oftmals können gerade diese Menschen durch ihr großes Einfühlungsvermögen eine tiefe und uneigennützige Herzlichkeit ausstrahlen. Bei Jeremia, d. h. bei Gott sind alle eingeladen. Diese Vision gilt auch für uns.

Hebr 5, 1 – 6

Exegetische Hinweise:

Der Hebr steht am Ende des paulinischen Kanons. Allerdings ist man sich in der Wissenschaft sicher, dass er nicht vom Apostel Paulus stammt. Seine sprachlichen Ausdrucksformen weisen auf einen anderen, unbekannten Autoren hin. Auch seine Entstehungszeit ist umstritten. Die Tempelzerstörung im Jahre 70 n. Chr. wird nicht erwähnt. Aber seine Aussagen sind zeitlos, so dass sie dieses Ereignis nicht eigens aufgreifen. Es wird auf die apostolische Zeit zurückgeblickt und auf eine Zeit der Bedrängnis, womöglich die Verfolgung unter Kaiser Domitian 85 – 95 v. Chr.).

Die Überschrift „An die Hebräer“ ist erst im 2. Jahrhundert hinzugefügt worden. Im Text finden sich hierzu keine Hinweise. Die Adressaten stammen aus verschiedenen Gruppen, vielleicht sogar heidenchristliche Gemeinden.

Der Brief will den Christen angesichts einer drohenden Gefahr Mut machen und sie aus ihrer Müdigkeit und Lauheit wecken, die sich eingestellt hat. Den Gläubigen wird das Leben als eine Pilgerschaft zur himmlischen Heimat beschrieben.

Der zweite Kerngedanke bezieht sich auf Christus. Christus, der ewige Hohepriester, hat durch sein Opfer die Opfer des alttestamentlichen Bundes ersetzt. Der Hebr zählt zu den wichtigsten Quellen der neutestamentlichen Offenbarung.

Assoziationen:

Der Mensch in seiner Schwachheit bringt Gott Opfer dar für seine Sünden. Die Hohenpriester tun dies stellvertretend für uns. Der Mensch weiß um seine Schwächen. Wieso weiß er darum? Weil er die Gabe hat zum Nachdenken, zur Reflexion. Der Mensch ist nicht instinktgeleitet wie ein Tier. Er empfindet Unrecht, wenn er etwas falsch gemacht hat. Sein Gewissen plagt ihn. Er erkennt seinen Fehler, es reut ihn und er kehrt um. Immer wieder haben das die Menschen getan. Sie sind Wege gegangen, die falsch waren. Sie haben Kriege geführt, die Natur ausgebeutet, die Welt verödet.

Aber immer wieder gab es Menschen, die erkannt haben, das ist der falsche Weg. Sie haben einen neuen Weg gesucht. Sie haben sich die Hand zum Frieden gereicht. Sie haben sich Gedanken über den Umweltschutz gemacht. Bereits Dtn 24 im AT weiß darüber zu berichten, ein modernes ökologisches Programm für Mensch und Natur!

Aber der Mensch muss sich darüber Rechenschaft ablegen. In seinem Mitmenschen findet er, wenn er Glück hat einen, der zuhören kann. Aber letztlich Vergebung findet er hier nicht. Denn sein Mitmensch hat auch seine Fehler und sucht nach Vergebung.

Gott ist es, der mir vergibt. Nicht als Postulat der praktischen Vernunft nach I. Kant, sondern weil er selber um das Menschsein weiß. Er ist Mensch geworden, einer wie du und ich. Einer, der das Leben nicht nur schenkt, sondern es auch mit dem Menschen geteilt hat in Jesus Christus.

Er ist Mensch geworden wie wir, aber zugleich ist er Gott. Und er versöhnt uns durch seinen Lebens -und Leidensweg mit Gott auf unüberbietbare Weise. Daher ist er der ewige Hohepriester. Sein Opfertod ist einmalig und nicht überbietbar.

Unsere Schwächen sind von ihm angenommen worden. Er hat uns seine offenen Arme am Kreuz ausgestreckt. Wir dürfen uns fallen lassen, ganz bewusst. Wir werden aufgefangen!

Mk 10, 46 – 52

Exegetische Hinweise:

Mk ist das älteste Evangelium. Mit Mk hat sich diese Gattung erst entwickelt. Vermutlich ist es vor dem Jahre 70 n. Chr. entstanden, da es keine Hinweise auf die Zerstörung des Jerusalemer Tempels gibt. Als Autor kommt nach altkirchlicher Überlieferung der Jerusalemer Judenchrist Johannes Markus in Betracht.

Mk verzichtet auf eine Kindheitsgeschichte in seinem Text. Er beginnt mit der Taufe Jesu. Charakteristisch ist die Darstellung des Leidensweges Jesu. Dabei betont er nicht Jesu Messianität, sondern spricht satt von „Messias“ vom „Menschensohn“.

Die Heilung des Blinden Bartimäus ist das letzte Heilungswunder Jesu. Danach beginnt sein Einzug in Jerusalem.

Assoziationen:

Wunderheilungen werden in den Evangelien immer wieder geschildert. Auch das AT weist auf die Rettung der Kranken hin, z. B. in Jer 31.

Dabei ist ein aktives Tun des Behinderten gefordert. Jesus geht an einem blinden Bettler vorbei, heißt es. Als dieser mitbekommt, wer da an ihm vorbeizieht, ruft er laut aus. Der Blinde ruft. Er spürt, wer ihm helfen kann. Blinde Menschen haben einen besonderen Sinn zu hören. Sie nehmen viel intensiver wahr, wer sich ihnen nähert. Bartimäus erkennt, das hier sein Retter nahe ist. Und er lässt sich auch nicht abhalten von den anderen, die ihn als Störenfried empfinden. Er ruft. Er ist blind, aber nicht stumm. Es macht auf sich aufmerksam. Er lässt sich nicht abschieben, damit die Welt für den Weg Jesu heil und sorgenfrei sich darstellt. Die Welt ist nicht heil. Das Leid ist da. Jesus geht diesen Weg des Leids ganz bewusst nach Mk.

In unserer Gesellschaft wird das Leid leicht versteckt, im Krankenhaus, im Altenheim, im Behindertenheim usw.

Dabei zählen diese Menschen zu unserer Gesellschaft. Eines Tages gehören auch wir, die scheinbar Gesunden zu den Alten und womöglich Kranken.

Wer sich von ihnen noch selber äußern kann und dies auch tut, hat Mut wie Bartimäus. Und er erfährt Hilfe. Sein Weg, den er erkannt hat, ist Christus. Bisher saß er am Weg. Nun hat er seinen Weg gefunden in Christus. „Und er folgte Jesus auf seinem Weg.“

Manch einer ist blind vor Arbeit. Manch einer ist blind vor Gefühlskälte. Viele von denen haben nicht den Mut aus ihrer Haut, aus ihren Gewohnheiten auszusteigen. Dann brauchen sie Menschen, die sie unterstützen, die sagen: „Hab nur Mut, er ruft dich!“ Hab nur Mut, einmal innezuhalten in deinem Alltag. Hör einmal in Dich hinein. Lass dein Leben nicht an Dir vorüberziehen, sondern zieh mit ihm mit.

Lass nicht über dich bestimmen, sondern mach den Mund auf und sei in der Gesellschaft dabei.

Auch die Kranken, Alten und Behinderten gehören dazu. Und wenn sie sich nicht selber äußern können, sei du ihr Sprachrohr.

Quellen: Echter Bibel, HTKNT, NTD, Neue Jerusalemer Bibel

Reimund Franz, Riegelsberg

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