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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

15.10.06 – 28. Sonntag im Jahreskreis / 18. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jak 2, 1-13

Weish 7, 7-11

Hebr 4, 12-13

Mk 10, 17-30 oder
Mk 10, 17-27

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV sowie den Text des kath. Evangeliums ein; Stichworte: Umgang mit Reichtum und Armut, Solidarität und Gerechtigkeit; Nachfolge

 

Thema: Reichtum und Armut

Einführung

Sowohl der Text aus dem Jakobusbrief als auch das Evangelium befassen sich mit den Thema Reichtum und Armut, wenn auch unter verschiedenen Rücksichten. Deshalb soll das Grundsätzliche zum Thema gemeinsam gesagt werden. Diese Themen sind ja gerade auch heute von großer Aktualität, den Reichen wird meist noch der rote Teppich ausgerollt, für die Armen reicht der Hintereingang. Wie gehen wir damit um, auch als trotz aller Probleme reiche Kirchen. Gehört zu diesem Thema auch die Diskussion um die sogenannte „Zweiklassenmedizin“ nicht nur bei uns, sondern weltweit? Einzuordnen sind diese Texte unter dem Thema Gerechtigkeit und Solidarität.

Exegese

Jakobus 2, 1-13

Das Thema ist: Keine Bevorzugung der Person. Nach der Themenangabe wird beispielhaft eine Situation geschildert. Der Fall lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Gemeinde zu, war aber nach Baustil in manchen Synagogen üblich, die Tora war vorne, dort war der Platz der Reichen, und die Armen standen hinten. Diese Haltung ist auch eine Gefährdung für die christliche Gemeinde, obwohl sie keinen Toraschrein hatte. Die christliche Gemeinde bestand überwiegend aus Armen, aber auch für Reiche war sie offen. Die Haltung der Bevorzugung der Reichen wird kritisiert, es sind z. B. die Unterdrücker, die Armen aber sind die Erben des Königsreiches. Die Gemeinde soll durchaus Partei ergreifen, aber für die Armen. Die Verachtung der Armen widerspricht dem Gebot der Nächstenliebe. Unterdrückung, Wehrlosigkeit vor Gericht usw. werden schon im AT genannt. Das soll in der Gemeinde nicht sein. Wer gegen das Gebot der Liebe verstößt, verstößt gegen alle Gebote. Das Gericht wird erbarmungslos gegen die Erbarmungslosen sein. Zwischen dem irdischem Verhalten und dem jenseitigem Gericht besteht eine Entsprechung. (vgl. Mt 5, 7).

Markus 10, 17-30

Der Mann rechnet, bei der Begegnung gnädig davon zu kommen. Deshalb stellt er sich in ein gutes Licht. Er kennt die Gebote und hält sie auch seit Jugend an. Jesus sieht ihn freundlich an und sagt zu ihm, dass ihm noch eines fehle, nämlich alles zu verkaufen und den Armen zu geben. Reichtum ist ein gefährliches Gut für das Kommen in das Reich Gottes. 25 ist wohl ein authentisches Jesuswort, vermutlich muss statt Kamel „Schiffstau“ übersetzt werden (griechisch „kamilos“). Damit würde das Paradoxon aufgelöst. Dann wird es auch einsichtiger, dass Gott auch das Menschenunmögliche möglich machen kann. Was letztlich bei allen zählt ist Gottes Gnade, Reichtum ist dafür aber ein erschwerendes Gut. Aus der Auslegungsgeschichte geht hervor: „Die Güter dieser Welt sind für alle da, solange es noch Arme gibt, darf es keine Reichen geben.“

 

Zu Reichtum und Armut und medizinische Versorgung

Zweiklassenmedizin bedeutet, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung je nach finanzieller Situation eines Menschen unterscheidet. Eine Vielklassenmedizin war viele Jahrhunderte Realität. In weiten Bereichen der Erde ist sie es heute noch. Es lässt sich bei uns wachsend und in vielen Ländern sehr deutlich sagen: „Je ärmer, desto kränker.“ In Brasilien kommen 1,3 Krankenhausbetten auf 1000 Einwohner, in Deutschland 6,3, das ist relativ hoch. In den reichen Ländern werden 300 $ pro Kopf für Medikamente ausgegeben, in den ärmsten 5 $.

Nach den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation kommt weltweit ein Arzt auf 4.000 Einwohner. In den reichen Nationen beträgt das Verhältnis Arzt auf Patienten eins zu 500, in Indien eins zu 2.500 und in den 25 ärmsten Ländern der Erde, die mehrheitlich zur afrikanischen Sub-Sahara-Region zählen, eins zu 25.000 Einwohner. Durch das Stadt-Land-Gefälle ist davon auszugehen, dass auf dem Land ein Arzt auf 50.000 kommt. Die armen Menschen haben dort nahezu keine Chance. Medizin ist nahezu ausschließlich für die Reichen.

Hier ist unsere Solidarität herausgerufen. Solidarität meint, dass jeder eine Verantwortung für das Ganze mitträgt. Die katholische Soziallehre kennt deshalb den Satz, dass Eigentum sozialpflichtig ist. Diese Ungerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung ist eine Herausforderung für jeden. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6, 2)

 

Gedanken zur Ansprache

„Weil Du arm bist, musst Du früher sterben“, sagt ein Sprichwort. Die Lebenserwartung in armen Ländern ist deutlich geringer als bei uns. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt beträgt in Deutschland zur Zeit etwa 76 Jahre und in Afghanistan und weiten Teilen Afrikas um 45 Jahre. Dies liegt einmal an der Hungersituation, aber vor allem auch an der Gesundheitsversorgung. Hunger und Krankheit gehören zusammen. Auf dem Land in Sub-Sahara-Afirka kommen 50.000 Menschen auf einen Arzt, bei uns etwa 500. Bei uns spricht man schon von eine „Zweiklassenmedizin“, weltweit ist sie das erst recht.

Reichtum ist unter dieser Rücksicht fast verantwortungslos. Die Bibel geht damit kritisch um.

(Der Jakobusbrief warnt davor, dass die Reichen in der Gemeinde besser behandelt werden als die Armen. Diese Unterschiede vor allem weltweit auch in den armen Ländern, in denen die Reichen alle Chancen haben, sind nicht zu rechtfertigen, hier wird Reichtum zu einer echten Unterdrückung.)

(Im Markusevangelium wird der Reiche aufgefordert, seinen Reichtum den Armen zu geben, erst dann geht er den Weg der echten Nachfolge. Reichtum wird sozialpflichtig.)

Hier ist unsere Solidarität in den reichen Ländern angefordert. Wer mehr hat, ist auch herausgefordert, mehr zu geben, eine größere Last zu schultern. Die deutschen Christen haben dies erkannt, ihre Solidaritätsleistungen z. B. in Misereor und Brot für die Welt sind an dieser Stelle beispielhaft, aber auch Menschen wie die Ärztin Ruth Pfau und ehemals Albert Schweitzer können deutlich machen, zu welchen Wegen die Vollkommenheit in der Nachfolge herausfordert.

 

Literatur

Balz, H. R.; Schrage, W.: Die katholischen Briefe, in: NTD, Göttingen (auch als CD)

Gnilka, J.: Das Evangelium nach Markus, EKK, Zürich 1977

 

Siehe auch Internet:

Kamerun Helfen und Heilen (www.misereor.de)

Difäm, Fachstelle für Gesundheit in der einen Welt (www.difaem.de)

Dr. Ernst Leuniger, Limburg

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