Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

17.09.06 – 24. Sonntag im Jahreskreis / 14. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Thess 1, 2-10

Jes 50, 5-9a

Jak 2, 14-18

Mk 8, 27-35

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV sowie auf die Bibelstellen zur kath. 2. Lesung und zum Evangelium ein. Stichworte: Worte und Taten, Selbstbeschränkung als aktives Werk des Glaubens, moderne Götzendienste, Öko-Rating, christl. Bereitschaft zur Annahme von Leid (Aufgabe von Komfort / Bequemlichkeit)

 

Beide neutestamentliche Lesungen (zweite Lesung nach katholischem Zyklus: Jak 2, 14-18; evangelische Predigtordnung: 1 Thess 1, 2-10) geben in ähnlicher Weise ein Thema vor, das zum Angelpunkt der Predigt und in ihr zum Anknüpfungspunkt für Gedanken der Nachhaltigkeit werden könnte: die guten Werke aus dem Glauben heraus bzw. die sich in vorbildhaftem Leben äußernde Bekehrung zum wahren Gott.

 

Die Jakobusbriefperikope und ihre Bezüge zur Nachhaltigkeit

Jakobus mahnt, dass der Glaube nicht ohne die helfende Tat auskommt. Trotz mancher Missverständlichkeiten und entsprechender Auslegungsgeschichte soll nicht einem Gegeneinander-Ausspielen von Glauben und Werken das Wort geredet werden. Es werden nicht die Werke des Gesetzes gegen den Glauben betont (das wäre ein Widerspruch zur paulinischen Botschaft des sola-fide-Prinzips), sondern die tätige Nächstenliebe gefordert als not-wendiger Ausdruck des Glaubens (ähnlich bei Paulus etwa Gal 5, 6). Es geht darum, dass die Mystik des Christentums eine Mystik der offenen Augen und dann der offenen Hände ist und dass ein Glaube, der nicht bereit ist, Konsequenzen im Leben zu ziehen, kraftlos und unglaubwürdig bleibt (und insofern „nicht retten kann“). Was das für Konsequenzen sein können, zeigt der Jakobusbrief an ganz konkreten Beispielen, die an die Gerichtsrede Mt 25 erinnern.

Gerade das Stichwort „geben, was die anderen zum Leben brauchen“ (V. 16) eröffnet dabei den Blick auf die Notwendigkeit nachhaltigen Lebens; denn das würde auch bedeuten: Beschränkung der eigenen Konsumgier und Überdenken der Haltungen des Verbrauchens ohne Rücksicht auf die begrenzten Ressourcen und den fehlenden Zugang anderer zu dem Lebensnotwendigen.

Ganz konkrete Beispiele für Auswirkungen könnte P etwa bringen mit Blick auf den Energieverbrauch: Wer sich ein Häuschen im Grünen „leistet“, verbraucht leicht bei seinem täglichen Weg zur Arbeit soviel Energie beim Autofahren wie für Heiz- und Warmwasserenergie. Wenn jeder Mensch so leben wollte.... Auch kann man Jak 2, 15 f. umformulieren: Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne das tägliche Brot ist und ihr sagt: „Sättigt euch“, verfüttert aber das Getreide an die Rinder, was nützt das? (Bei der (Rind-)Fleischproduktion ist von einem Bedarf von 10 kg Getreide pro kg Fleisch-Ertrag auszugehen!)

 

Die Perikope aus dem ersten Thessalonicherbrief und ihre Bezüge zur Nachhaltigkeit

Auch Paulus betont Ähnliches, wenn er zu Beginn die Gemeinde in Thessalonich als Vorbild hinstellt, denn er denkt lobend „an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung“ (Luther, rev. Text 1984). Das Werk des Glaubens lässt die biblische Idee vom Menschen als Co-Creator anklingen, und heute könnte man vielleicht auch sagen: als Mit-Retter der Welt. Die Mühen der Liebe (so F. Stier in seiner NT-Übersetzung) sprechen von der Achtsamkeit, mit der man in den Dialog mit anderen tritt, von der Begegnung auf gleicher Augenhöhe, die die Andersartigkeit des anderen ernst nimmt, auch wenn dies manchmal Mühe macht. Auch der Begriff der Compassion, der Aufmerksamkeit für fremdes Leid und der Mit-Leidenschaft, der inspiriert von der Theologie der Befreiung geprägt wurde, passt hier hin (vgl. J.-B. Metz u. a. in (Hg.): Compassion - Weltprogramm des Christentums. Soziale Verantwortung lernen, Freiburg 2000). Und solche Aufmerksamkeit richtet sich gerade auf die am Rande, die wenig Chancen haben, und erfordert auch Selbstbeschränkung.

In V. 6 betont Paulus, dass trotz großer Bedrängnis die Thessalonicher das Wort mit Freude aufnahmen. P könnte hier an den Slogan der Studie „Zukunftsfähiges Deuschland“ erinnern: „Gut leben statt viel haben.“ Z. B. macht die Verwendung von fair gehandelten sowie regionalen Produkten durchaus (Kosten und) Mühen, aber bringt auch Gewinn – für andere und einen selbst, wie die „slow-food-Bewegung“ betont.

Bei der Rede von der Bekehrung von den Götzen zum lebendigen Gott (V. 9) könnte P die Frage nach den heutigen Götzen stellen. Und unter Aspekten der Nachhaltigkeit gehören dazu Götzen wie „Mobilität um jeden Preis“, der Götze „dabei sein müssen“, der Götze „Erfolg“ oder der Götze „Markt“.

Dass der Markt ein Götze sein kann, zeigt sich etwa im Geldanlagebereich bei der Jagd nach der höchsten Rendite (ohne Rücksicht auf soziale oder ökologische Kriterien) oder bei der Tendenz, den Wert von Menschen immer stärker nur nach ihrer Leistungsfähigkeit zu beurteilen (mit entsprechender „Rutschgefahr auf der schiefen Ebene“, wie Diskussionen  etwa um Sterbehilfe zeigen).

 

Verbindung zur Evangelienperikope Mk 8, 27-35

Das Stichwort Götze / Gott bildet auch eine Brücke zum Evangelientext der katholischen Leseordnung. Das Messiasbekenntnis des Petrus und seine direkt sich anschließende Zurechtweisung zeigen das rechte Messiasbild, an dem sich Lob und harsche Kritik entscheiden: Es kann dem Messias nicht um ein Streben nach irdischer Macht und Herrlichkeit gehen. Das Leiden Jesu, das hier erstmals von ihm auf seinem Weg nach Jerusalem angekündigt wird, ist als eine Konsequenz seiner Liebe zu verstehen. Anders, ohne diese Ohnmacht und die Bereitschaft, das Leiden auf sich zu nehmen, können die Verhältnisse nicht durchbrochen werden, unter denen andere leiden; es bliebe ein Leben der einen auf Kosten der anderen.

Dieses Messiasverständnis, dieser Weg Jesu, der dem Petrus zunächst so unverständlich bleibt, ist auch heute eine Herausforderung an unseren Glauben, der in der Liebe wirksam sein soll. Denn es kommt nicht nur auf das rechte Bekenntnis an, sondern auch auf das richtige Handeln aus diesem Bekenntnis heraus (wie Petrus mühsam lernen musste).

Thomas Köster, Trier

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz