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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3.09.06 – 22. Sonntag im Jahreskreis / 12. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Apg 3, 1-10.(11-12)

Dtn 4, 1-2.6-8

Jak 1, 17-18.21b-22.27

Mk 7, 1-8.14-15.21-23

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV sowie den Text der Kath. 2. Lesung ein; Stichworte (e): Krankheit und Heilung (Eine Welt), Christen heilen als Ausdruck ihres Glaubens, (k): nicht nur hören, sondern auch handeln, soziale Gerechtigkeit als Gottesdienst

 

Apostelgeschichte 3, 1-10 Thema: Heilung

Einleitende Gedanken

Das Bild kommt uns auch heute bekannt vor. Wir kennen die verkrümmten Gestalten, die in südlichen Ländern, aber inzwischen auch gelegentlich bei uns als Bettler oft auch vor Kirchentüren auftreten. Haben sie hier eine besondere Erwartung auf Heilung? Wie viel Heilung müsste in unserer Welt heute noch geschehen. Wir sind keine Wunderheiler. Dann gibt es noch die vielen Wunden, die seelisch entsehen oder die Situation einer oft so unheilen Welt. Aber was können wir tun damit unsere Welt eine heilere wird und Menschen geheilt werden?

Exegese

Dieser Heilungsbericht gehört zu den Heilungsberichten die von  Lukas, wohl aber auch in den Erzählungen der Gemeinden um ihre führenden Persönlichkeiten geschlungen wurden. Johannes ist nach dem „aber“ wohl später eingefügt. Der Text macht deutlich, dass die junge Gemeinde die biblischen Gebetszeiten einhält. Der Bettler wird Zeit seines Lebens täglich zum Tempel gebracht an das Portal, an dem viele Menschen vorbeigehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Almosengeben gehörte für den frommen Juden zu den religiösen Herausforderungen. Als Petrus den Lahmen anspricht, hofft der wohl auf ein eine große Gabe, aber im Namen Jesu, d. h. nicht mit eigener Kraft heilt Petrus den Kranken. Zur Bestätigung springt der Lahme umher und lobt Gott, die Umstehenden sind außer sich über das was sie gesehen haben. Das ist der bei Wunder der übliche Chorschluss. Vieles im Text erinnert an Heilungen durch Jesus. (In den Versen 11 und 12 wird noch einmal betont, dass die Apostel nicht aus eigener Kraft gehandelt haben, die folgenden Verse werden zur Jesusverkündigung.)

Krankheit und Heilung

A Allgemein

Eine Krankheit ist eine Störung der körperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden negativ beeinflusst oder beeinflussen wird. Er ist ein regelwidriger vom Bild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand. Er bedarf der ärztlichen Hilfe. Diese ist in vielen armen Ländern gar nicht oder wenig, besonders für armen Menschen gegeben. Wir wollen dies bei Kinderkrankheiten deutlich machen.

Jedes Jahr sterben 10 Millionen Kinder an Krankheiten, die heilbar sind. Viele Menschen setzen sich auf der ganzen Welt dafür ein dies Sterben zu beenden.

Die Hauptgründe für den Tod der meisten Kinder unter 5 Jahren sind Durchfall, Atemwegserkrankungen, Masern, Malaria und Neugeborenenerkrankungen. Die Kindersterblichkeit ist durch AIDS wieder angestiegen; in manchen Ländern sterben Kinder, wie schon seit 30 Jahren nicht mehr. Etwa zwei Drittel der Todesfälle diesem Alter könnten durch Maßnahmen, die wenig kosten, verhindert werden. In den ärmsten Ländern sind die Gesundheitsdienste nicht in der Lage, diese Erkrankungen zu stoppen und oft hat die ärmere Bevölkerung kaum Zugang dazu.

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit wird ein umfassender Programmansatz, das "Integrierte Management von Kinderkrankheiten" (Integrated Management of Childhood Illnesses, IMCI), unterstützt. Zu diesem Ansatz gehören Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung und -verhütung im Kindesalter ebenso wie die Behandlung von Krankheiten. Bei IMCI werden Gesundheitsdienste, Gemeinden und Familien gemeinsam aktiv. Die Bundesrepublik unterstützt verschiedene Maßnahmen zur Eingrenzung der Kindersterblichkeit durch Unterstützung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen). Aufklärungsarbeit, Impfkampagnen und Behandlung von Durchfall, Malaria und Atemwegsinfektionen werden gefördert. Auch gegen Mangelernährung wird angegangen.

„Brot für die Welt“, das Hilfswerk der EKD, gab im Jahr 2004 28,3 Millionen Euro für die Entwicklungshilfe aus. 104 Projekte, hauptsächlich für die ländliche Entwicklung und Hungerbekämpfung, wurden damit unterstützt. In alle Projekte, die in Afrika durchgeführt wurden, war der Kampf gegen HIV/Aids integriert.

Misereor zeigte erneut eine Erhöhung der Einnahmen. 405 Projekte im Gesamtvolumen von 97 Millionen Euro konnten im letzten Jahr unterstützt werden. Im Niger sind über 3,5 Millionen Menschen, darunter 800.000 Frauen und Kinder akut von Hunger bedroht. Mehr als 150.000 Kinder gelten als stark unterernährt, dort hilft Misereor.

2005 versorgen Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas International Vertriebene im Sudan mit Zusatznahrung „Vor allem kleine Kinder sind betroffen“, erklärt Rainer Lang, der die Region im Auftrag von Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international besucht hat. Die beiden kirchlichen Hilfswerke unterhalten gemeinsam mit Partnern aus ihren weltweiten Netzwerken eine Reihe von Kliniken und Ernährungszentren, um eine Grundversorgung zu gewährleisten. Insgesamt werden 25 Gesundheitsstationen und 15 Ernährungszentren in West- und Süd-Darfur eingerichtet.

 

B In der Bibel

In der Schöpfungsgeschichte kommt Krankheit nicht vor. Aber durch die Sünde kommt der Tod in die Welt und damit auch die Krankheit. Sie sind Störungen des Schöpferwillens. Sie sind nicht Strafe sondern Konsequenz der Sünde. Im AT verletzt Gott und heilt (Ho 6, 1), er ist der Arzt („Ich bin der Herr dein Arzt“, 2 Mos 15, 26).Von der Krankheit darf z. B. nicht auf die Schuld der Eltern geschlossen werden, so Jesus (Joh 9, 3). Damit wird der alte Zusammenhang zwischen „Tat und Ergehen“ aufgebrochen. In der Krankheit ist der „Fürst dieser Welt“ (Joh 12, 31) am Werk. Jesus tritt ihm entgegen vor allem auch in seinen Krankenheilungen. Das Heilungsmonopol Gottes, das Jesus ausübt, überträgt er auf seine Jünger (Mt 10, 8). Salbend, segnend und fürbittend soll die Gemeinde tätig werden (Jak 5, 13-16). Wurde früher vor allem das „Ertragen“ als Weg mit der Krankheit umzugehen aufgezeigt, so ist es doch heute mehr der Einsatz wie bei Jesus für Genesung und Heilung. Wenn da Reich in der Vollendung kommt, wird die Krankheit ein Ende haben. Unser Glaube treibt uns, gegen die Krankheit in dieser Weltenzeit zu kämpfen und damit ein Zeichen zu setzen für die noch verborgene Gegenwart des Reiches Gottes in unserer Mitte.

Gedanken zur Ansprache

Jedes Jahr sterben 10 Millionen Kinder an Krankheiten, die heilbar sind. Grundlage der Erkrankungen sind oft Unter- und Fehlernährung. Durch AIDS nimmt die Kindersterblichkeit in den letzten Jahren wieder zu. Eine erschreckende Situation.

Petrus und Johannes heilen den Kranken. Sie weisen darauf hin, dass Jesus der Nazaräer in ihnen wirksam wird. Er hat da Heil in die Welt gebracht. Das hat er selbst durch Heilungen immer wieder deutlich gemacht. Zum Kommen des Gottesreiches gehört das Ende von Unheil und damit auch von Krankheit.

Wir glauben, dass dies Reich Gottes schon verborgen in unserer Mitte gegenwärtig ist. In unserem Glauben und Handeln geben wir Zeugnis für diese Gegenwart. Wir handeln im Namen Jesu. Wir begegnen ihm aber auch selbst in diesem Handeln, wie er bei seiner großen Gerichtsrede sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25, 40)“. So haben wir in unserem Handeln eine unmittelbare Begegnung mit Jesus.

Eine friedvolle Welt ist eine möglichst heile Welt, dazu sollten wir unseren Beitrag leisten. Das geschieht auch in vielfältiger Weise in unseren kirchlichen Werken, die großartig von den Gläubigen unterstützt werden und die sehr gute Arbeit leisten und die mit vielen anderen Werken national und international den Kampf gegen die Krankheit und für Heilung führen.

Der Tod so vieler Kinder ist auch ein Zeichen der Strukturen der Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Unser Einsatz für Gerechtigkeit, aber auch unser Ruf in den Staat für mehr Engagement für eine gerechtere und damit heilere Welt muss noch intensiver werden. Damit bekennen wir auch den Glauben an den heilenden Herrn.

Literatur

Calwer Bibellexikon Bd. 1 Stuttgart 2003 Stichwörter:  „Krankheit“ und „Krankenheilungen“ 

Internationale Zeitschrift für Theologie 34. Jahrgang / November 1998 · Heft 5 Krankheit und Heilung

Homepages unter anderem von BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung),Welthungerhilfe, Brot für die Welt und Misereor, Diakonie Katastrophen-hilfe und Caritas International

 

Jakobus 1,17-18, 21b-22, 27 - Einsatz für die Schwachen ein makelloser Gottesdienst

Einführung

Oft wird gesagt, Gebet und Gottesdienst seien echte Gottesbegegnungen weil vertikal zu Gott führend, diakonisches Handeln sei eher vertikal zu sehen, hier wird es aber als reiner und makelloser Gottesdienst bezeichnet. Diakonie ist, wenn man es so sagen will, ebenso „Kerngeschäft“ eines Christen wie Liturgie.

Exegese

Der Jakobusbrief enthält alle Elemente der spätjüdischen Armenfrömmigkeit, wie sie z. B. auch in Qumran sehr gepflegt wurde, dort wird die Armut auch zu einer geistigen Haltung nämlich der „Demut“. Die Sorge für die Armen hat ja schon im AltenTestmant ihren Ursprung und umfasst vor die Fremden, vor allem aber auch Witwen und Waisen, die eines besonderen Schutzes bedurften. Sie standen unter dem Schutz Gottes (so Ex 22). Der sorgte sich um sie und sein Auftrag an den König war es, in besonderer Weise für die Armen und Schwachen da zu sein. Diese Haltung zu den Schwachen taucht an verschiedenen Stellen im Brief auf. So auch hier im Vers 27.

Deutlich fordert der Text zum Handeln nach dem Wort und nicht nur auf das Hören des Wortes. Der Wille Gottes wird verkündet um getan zu werden. Ein Glaube ohne Werke ist nutzlos (Jak 2, 20). Im Werk wird der Glaube vollendet. Der Glaube kann auf Grund der Werke gezeigt werden (Jak 2, 18).

Unrein ist für das Alte Testament der Götzendienst vor allem, im Dienst für die Schwachen liegt reiner, also richtige Gottesdienst vor. Makellos kam zuerst aus dem kultischen Bereich, ein Opfertier musste ohne Makel sein, wurde dann aber auch auf das sittliche Handeln übertragen. Dieses Frömmigkeitsideal entstammt der besten jüdischen Tradition und dem Geist der Bergpredigt. Reichtum ist dem Brief ein Gut, was verfault (5, 2) Der Einsatz für die Armen und Schwachen und damit der Einsatz für Gerechtigkeit für alle ist wahrer Gottesdienst.

Zum Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“

Drei Artikel unseres Grundgesetzes betonen das Sozialstaatsgebot. So steht im Artikel 20, 1 „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Ob dies so noch stimmt kann angesichts z. B. der hohen Arbeitslosenzahlen und der Abbautendenzen des Sozialstaates durchaus gefragt werden. Es wird schon von einer Zweiklassenmedizin gesprochen. Weltweit läuft die Tendenz, dass die Reichen immer reicher werden, die Armen aber immer zahlreicher.

In der Enzyklika von Pius XI. „Quadragesimo anno“ (1931) kommt der Begriff  „Soziale Gerechtigkeit“ ausdrücklich vor. „88...Höhere und edlere Kräfte müssen es sein, die die wirtschaftliche Macht in strenge und weise Zucht nehmen: die soziale Gerechtigkeit und die soziale Liebe!“

Im Konzil wird gesagt (Gaudium et spes-1965):„66. (Abbau übergroßer sozialökonomischer Unterschiede) Um den Erfordernissen von Gerechtigkeit und Billigkeit Genüge zu tun, müssen ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, um ... die übergroßen und noch weiter zunehmenden Ungleichheiten der wirtschaftlichen Lage und die damit Hand in Hand gehende persönliche und soziale Diskriminierung möglichst rasch abzubauen."

Das gilt auch von der weltweiten Situation der sozialen Ungerechtigkeit.

Gedanken zur Ansprache

Es gibt nach UN-Zahlen etwas 27 Millionen Sklaven auf der Welt, 700.000 Menschen geraten jährlich in die Schuldknechtschaft, faktisch Sklaverei. Kindersoldaten und Kinderarbeit sprechen eine schlimme Sprache. Vor allem um ihre Menschenwürde betrogen sind viele Frauen und Mädchen, die in die Zwangsprostitution verkauft oder verschleppt werden. 1988 betrug der Verdienst im Frauenhandel etwa 50 Millionen US$, heute sind es eher Milliarden. Auf Grund der wirtschaftlichen Probleme in vielen Ländern soll der Handel zunehmen. Aus Bangladesh sollen eine Million Frauen in der Zwangsprostitution sein. Aber auch unser Land ist von solchen Tendenzen nicht verschont. Seit dem Fall der Mauer ist Deutschland zur Drehscheibe der Zwangsprostitution aus östlichen Ländern geworden. Das Geschäft der Händler ist inzwischen riesig, die polizeilichen Erfolge gering. Man lockt die Frauen oft unter verkehrten Behauptungen hierher, nimmt ihnen den Pass ab und droht ihnen schlimmste Strafen an, und das in Deutschland.

Oder fragen Sie einmal nach den sogenannten Illegalen in Deutschland. 500.000 bis 1 Million in Deutschland, 100.000 sollen es allein in Berlin sein. Ohne Recht, bei „Sub- Subunternehmern“ beschäftigt für ein Hungergeld, ohne Papiere, keine soziale Sicherung, vielleicht 5 € die Stunde und noch Abzüge. Unsere neue Bundeshauptstadt sei nicht unwesentlich von ihnen mitgebaut worden.

Das alles ist himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Nicht nur das, der Sozialstaat ist in Gefahr, geopfert zu werden. Vor allem auch Frauen und Kinder leiden in unserem Land an sozialer Ungerechtigkeit. Für viele Macher ist der Begriff der sozialen Gerechtigkeit auch obsolet, eher eine Neiddiskussion, wie gesagt wird.

Der Jakobusbrief lässt so etwas nicht zu. Wer glaubt, der hat sich in besonderer Weise um die Armen und Schwachen zu kümmern, das ist dann ein überzeugender Dienst an den Menschen, zugleich aber auch ein makelloser Gottesdienst.

Literatur

Haag, H., Bibel-Lexikon, Zürich³1982

Mußner, F., Der Jakobusbrief, Freiburg 1981

Leuninger, E., Gerechtigkeit schafft Frieden, Sozialkurs CD, Köln 2003
(und www.kath-soziallehre.de)

Dr. Ernst Leuniger, Limburg

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