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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20.08.06 – 20. Sonntag im Jahreskreis / 10. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 62, 6-12

Spr 9, 1-6

Eph 5, 15-20

Joh 6, 51-58

 

Der Verfasser geht auf die Bibelstellen der katholischen Leseordnung ein, der Text der evangelischen Reihe bietet zum Thema Nachhaltigkeit keinen direkten Ansatz; Stichworte: Brot und Wein als Gabe, nicht für die körperliche Ernährung, sondern als Öffnung zur Welt hin; Ordnung der Gemeinde hin zu Armen und Entrechteten Kraft Brot und Wein

 

1.

Alltäglich und sonntäglich treffen sich weltweit Frauen und Männer, Kinder zur Feier des Herrenmahles, zur Feier der Eucharistie. Priester wandeln Brot und Wein, und teilen diese Gaben aus.

Wir preisen deinen Tod, wir glauben, dass du lebst, wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt?

So beten Christen und Christinnen oft nach dem Einsetzungsbericht und bekennen sich damit zu einer Wirklichkeit in unserer Welt, die Raum lässt für Entwicklungen, Visionen, die nicht wir Menschen in der Hand haben, sondern die wir Gott zutrauen.

Es ist auch gut so, dass wir Menschen dazu in der Lage sind, damit nicht alles so bleibt wie es ist.

Frag hundert Katholiken

Was das wichtigste ist

in der Kirche.

Sie werden antworten:

die Messe.

Frag hundert Katholiken,

was das wichtigste ist

in der Messe.

Sie werden antworten

die Wandlung.

Sag hundert Katholiken,

dass das wichtigste in

der Kirche die Wandlung ist.

Sie werden empört sein:

Nein, alles soll bleiben

wie es ist!

(Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, München 1987)

2.

Wir erleben Jesus in dem Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium, wie er Menschen, die ihm gefolgt sind, über seine Person, über seine Sendung, über das, womit er Menschen nährt, die ihm folgen, in ein geistliches Streitgespräch verwickelt. Es ist für die, die ihm folgen, kaum verständlich, dass er sie durch Fleisch und Blut nähren will. Für den gläubigen Juden waren diese beiden Begriffe geradezu Schlüsselworte, die etwas zutiefst über die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott aussagen. Der Mensch ist Fleisch und Blut. Seine leibliche Identität wird dadurch ausgedrückt, sein Geschaffensein letztlich von Gott. Sie wussten, wenn jemand Fleisch und Blut hergibt, dann gibt sich dieser Mensch ganz und gar her.

Für uns ist diese Sprache Jesu eine fast unerträgliche Sprache, wecken doch gerade das Essen von Fleisch eher archaische Gefühle, die tief in uns Menschen schlummern. Wir werden konfrontiert mit all den Fragen unserer Gegenwart nach guter, gesunder und nicht schädigender Nahrung.

Horrormeldungen über Nahrungsmittelskandale schrecken uns auf. Ja, selbst der bisher so lupenrein gepriesene deutsche Wein bekommt legitimierte Konkurrenz aus den USA, synthetischer Wein darf hergestellt und exportiert werden, sogar nach Deutschland!

Aber ist das die Fährte, auf die Jesus seine Zuhörenden bringen will? Es ist seine radikale Frage, wovon die Menschen leben, von welcher Nahrung! Von nur vergänglicher Speise, die vordergründig den Hunger stillt oder von weitergehender Nahrung, die über den Tag hinausreicht?

3.

Er macht deutlich, dass er mit seinem Fleisch und Blut, durch sich selber, von Grund auf und bis in den tiefsten Grund Menschen speisen will mit seinem Wort, mit seiner Sendung als Sohn Gottes. Er ist Gottes Sohn, gezeugt als Menschenkind und inkarniertes ewiges Wort Gottes. Er ist kein Gott, der vom Himmel gekommen ist in die sündige Welt, sondern er ist gezeugt, geboren und sozialisiert in dieser Welt von Maria und Josef und von vielen anderen. Er ist bei der Taufe im Jordan durch Johannes von Gott als sein Sohn bestätigt und mit dem Heiligen Geist ausgestattet worden. Jesus ist nicht von einem Stern heruntergefallen, schuldlos und unbescholten, sondern hat sich mit dieser Welt auseinandergesetzt und ihr eine Richtung gegeben: jeder und jede ist in Gottes Hände eingeschrieben, mag das Leben auch hier begrenzt sein, Gott wird alles vollenden.

 

<Tut!> Feiert das Mahl, esst und trinkt von mir und lasst euch wandeln und geht zu den Menschen, teilt mit ihnen das Geheimnis Gottes.

Wir Christen sind geheißen, das Brot der Zuversicht und der Hoffnung, das Jesus in Fleisch und Blut gibt, das er selber ist, zu teilen, nicht lammfromm in der Hl. Messe, sondern im Leben, mit den Menschen, in denen Gott uns begegnet.

Ein Drittel

der Menschheit

wird etwa

so ernährt wie

Die Insassen des

KZ Auschwitz.

Nur kann jetzt

Keiner sagen,

er hätte nichts

davon gewusst.

So provoziert Jörg Zink in einem nachdenklichen Gedicht (aus: Beten durch die Schallmauer, 10. Auflage 1997, S. 200).

4.

Die Vergegenwärtigung in Wort und Brot, in der feiernden Gemeinschaft, die sich auf die Sorge um die Armen und Entrechteten hinordnet, kann und darf nur ein erster Schritt in diese Richtung sein und zu keinem feierlichen Selbstzweck geraten. Jesus ist nicht gekommen, um sich feierlich zelebrieren zu lassen, sondern um zu dienen. Wir Menschen dürfen uns von Fleisch und Blut Christi ergreifen lassen, von der Frage, was Menschen wirklich von Grund auf zum Leben brauchen; denn der Mensch lebt nicht vom Fleisch und Blut allein, aber zunächst davon, dass sein leiblicher Hunger gestillt wird.

Die Feier der Eucharistie, sein Angebot der Sättigung mit seinem Fleisch und Blut will zur tiefen und radikalen Begegnung mit Jesus führen und nicht zu liturgischen Festlichkeiten, die manchmal mehr an die Tradition und Kultur höfischen Lebens erinnern statt daran, dass es um die Vergegenwärtigung Gottes unter uns geht.

Lassen wir uns durch Nachdenkliches von Anton Rotzetter aufmuntern, nach neuen Wegen aus der tiefen Krise der Menschheit zu suchen und uns aufzumachen:

Eine neue Wissenschaft

lass uns erfinden

Du

der Du das Leben willst

Eine Wissenschaft für das Brot

Eine neue Technik

lass uns erfinden

Du

der Du das Leben schaffst

Eine Technik für das Brot

Eine neue Politik

lass uns erfinden

Du

der Du das Leben zeugst

Eine Politik für das Brot

Eine neue Wirtschaftsordnung

lass uns erfinden

Du

der Du das Leben trägst

Eine Wirtschaftsordnung für das Brot

(Anto Rotzetter, Gott, der mich atmen lässt, Freiburg 1985, S. 200

Josef Kolbeck, Gau-Algesheim

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