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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6.08.06 – Verklärung des Herrn / 8. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Kor 6, 9-14.(18-20)

Dan 7, 9-10.13-14

2 Petr 1, 16-19

Mk 9, 2-10

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV und den Text zum kath. Evangelium ein. In der Katholischen Kirche wird am 6. August das Fest der Verklärung des Herrn gefeiert. Stichworte (e): Lasterkatalog, Götzen Geld, Lust und Macht als Aspekt von Ungehorsam gegen Gott, Umgang mit Gier, strukturellen „Zwängen“, Entwicklung von lebenslangen Gegenstrategien; (k): Durchblick auf den „verklärten Herrn“ durch Arbeit an der Gerechtigkeit (soziale Gerechtigkeit), der Bewahrung der Schöpfung etc., „Wohlfühlhütte“ ist keine Lösung!

 

Verklärung des Herrn

Dem Fest liegen die im Wesentlichen übereinstimmenden Berichte der drei synoptischen Evangelien zugrunde (Mt 17, 1-8; Mk 9, 2-9; Lk 28b-36). Zum Gegenstand einer liturgischen Festfeier wurde diese Begebenheit schon ab dem 5. Jahrhundert in den Ostkirchen. Innerhalb der fränkisch-römischen Kirche taucht das Fest erstmals im 10. Jahrhundert auf. Das damals aufblühende Interesse am Heiligen Land und an einzelnen Stationen im Leben Jesu trug wahrscheinlich zur raschen Verbreitung bei. Für die Gesamtkirche wurde das Fest 1457 durch Papst Calixtus III. eingeführt, und zwar zum dankbaren Gedächtnis an den im vorausgehenden Jahr errungenen Sieg über die Türken.

Die Festmesse, die sich in den drei katholischen Lesejahren A, B, C nur durch die drei synoptischen Evangelien unterscheidet, ist ganz vom biblischen Festereignis geprägt. Von ihm berichtet auch die zweite Lesung (2 Petr), während die alttestamentliche Lesung (Dan) die Vision von dem „Hochbetagten auf feurigem Thron“ und das Erscheinen des Menschensohnes beinhaltet. Die Eigenpräfation sieht die Bedeutung des Festereignisses darin, dass Jesus den Jüngern die Kraft gab, „das Ärgernis des Kreuzes zu tragen“ und der ganzen Kirche „Hoffnung schenkte, vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen“.

Mk 9, 2-10

In dieser Perikope erfahren die drei Jünger die Antizipation der himmlischen Seligkeit. Hier berühren sich Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit. Das zeigt, dass Jenseits und Diesseits nicht geteilt werden können. Der Himmel soll auch auf Erden sichtbar werden. Grundlage dafür ist, so sagt es Gottes Stimme in den Wolken, „auf ihn zu hören“ – hören auf das, was Jesus sagt, wie er mit den Menschen spricht, denen er begegnet; in das hineinhören, was er tut und wie Menschen darauf reagieren. Überall, wo Menschen aus menschenunwürdigen Lebensbedingungen befreit werden, wo ungerechte Strukturen durchbrochen werden und Frieden die Frucht der Gerechtigkeit wird, wo die Schöpfung bewahrt wird, eröffnet sich auch heute ein Durchblick auf den „verklärten“ Herrn. Wenn so etwas vom Reich Gottes spürbar wird, können Menschen sagen: „Schön, dass wir hier sind“, ohne sich in eine „Wohlfühlhütte“, wie Petrus vorschlägt, zurückzuziehen. Auf Jesus hören bedeutet eben nicht, auf dem Berg der Verklärung stehen zu bleiben und es sich dort wohl sein zu lassen. Der Weg geht weiter, denn ohne Gerechtigkeit für alle gibt es keine Verklärungshütte.

1 Kor 6, 9-14.18-20

Im vorliegenden Lasterkatalog kritisiert der Apostel Paulus Missstände, die in der korinthischen Gemeinde aufgekommen sind. Die genannten Laster der „Heiden“ (der Ungerechten; 1 Kor 6, 9), die ihr Leben bestimmen und die auch in der christlichen Gemeinde auftauchen, sind vom Problem der Beziehung zum Gotteswillen her zu denken. Lasterkataloge sind Beschreibungen von Götzendienst oder Ungehorsam gegen Gott, wobei einzelne Begriffe des Kataloges zugleich das gesamte Verhalten umfassend kennzeichnen können.

Eine wesentliche Rolle spielt das Problem der porneia. In einer individuell-moralischen Füllung ergibt sich aus dem Wort „Hurerei“ die Vorstellung, dass die Angesprochenen in sexueller Unmoral oder einer laxen Haltung der Sexualität gegenüber leben. Porneia ist aber in jüdischen und neutestamentlichen Texten nicht mit irgendeiner Moral in Zusammenhang zu sehen, sondern mit dem Willen Gottes, der der Tora zu entnehmen ist. Das Wort porneia hat neben der Beziehung auf Sexualität auch einen weiteren Sinn: die Ablehnung des Gotteswillens überhaupt.

Neben porneia spielt auch „pleonexia“, zumeist als „Habgier“, von Luther als „Geiz“ übersetzt, eine prominente Rolle. „Habgier“ ist wie sexuelle Zügellosigkeit nicht nur das Problem einzelner unsittlicher, haltloser Menschen, das auf einer falschen innerlichen Einstellung zum Besitz beruht. Auch hier geht es um den Ungehorsam gegen den Willen Gottes, um Dienst am Götzen „Geld“, der an die Stelle Gottes getreten ist. Leonard Ragaz hat darauf hingewiesen, dass Götzen da herrschen, wo Gott nicht herrscht. Die Folge des Abfalls von Gott ist Leere, die durch unendliche Gier ausgefüllt wird. Diese Gier „wirft sich erfahrungsgemäß besonders auf das Geld. Allerdings auch auf die Macht und die Lust.“ (Leonhard Ragaz, Die Gleichnisse Jesu, Hamburg 1971, 42)

Die Götzen Geld, Lust und Macht beherrschen den einzelnen wie die ganze Gesellschaft im Drang nach Leben, Sicherheit, Ruhe, Macht und Besitz aus Lebensangst. Das ist Ungehorsam gegen Gottes Willen, Teilhabe an Sünde und Götzendienst.

So analysieren die Lasterkataloge die heidnische Gesellschaft, indem sie versuchen, die Strukturen der heidnischen Gesellschaft in ihren politischen, kultischen, ökonomischen, technischen und sexuellen Aspekten zu erfassen. Dabei geht es nicht um Unmoral, sondern um Illegitimität im Sinne der Tora. Dem entspricht, dass aus der Perspektive der Heiden dieses Verhalten gerade nicht illegitim (oder gar unmoralisch) ist, sondern legitim. Es sind die heidnischen Gesellschaften, die damit verbundenen sexuellen, politischen und ökonomischen Strukturen, die hier für illegitim gehalten werden. Die Gesamtheit des heidnischen Lebens hat eine falsche Richtung.

Diese Analyse wird nicht selbstgerecht und klagend vorgetragen, so als seien Juden und Christen nicht davon betroffen. Die Strukturen und Gefährdungen werden im Zusammenhang einer Praxis der Befreiung thematisiert. Durch Christi Tod und Auferstehung ist das Heil durch Gott verwirklicht worden. Auf dieses Geschehen bezieht sich der christliche Glaube und stellt sich in den Zusammenhang des Lebens nach Gottes Willen. Christen haben zu prüfen, was der Wille Gottes ist.

Heutige Christen werden sagen, dass zwar Leben ohne Hurerei und Habgier im moralischen Sinne möglich ist, aber im strukturellen Sinne in einer von Geldwirtschaft geprägten Welt kaum vorstellbar sei. Unveränderbar erscheinende gesellschaftliche Strukturen verlangen einen lebenslangen Widerstand, damals wie heute. Die Gier, die die Leere nach dem Verlust Gottes ausfüllen will, ist kein unausweichliches Schicksal, denn Christen glauben an einen Gott, der sie durch Christi Tod und Auferstehung von der Macht der Sünde befreit hat. Die Befreiung von unendlicher Gier und der lebenslange Widerstand gegen sie sind – damals wie heute – elementare Gotteserfahrung.

So wie die frühchristlichen Gemeinden Gegenstrategien gegen sündige Strukturen der heidnischen Gesellschaft entwickleten, so geht es auch heute um Gegenstrategien, wenn Wirtschaftsformen Menschenopfer fordern und die Schöpfung zerstören; wenn uns von der Werbung eingetrichtert werden soll, „dass Geiz geil ist“, wenn „shareholder value“ der Masstab für Unternehmenserfolg ist; wenn das postmoderne Credo suggeriert, „das alles gleich-gültig“ ist.

Die Arbeit, die die Befreiung von Sündenmacht uns abverlangt, hat Aussicht auf Erfolg, wie die Geschichte der urchristlichen Gemeinden zeigt. Habgier, Lust und Macht sind nicht relativ leicht vermeidbare, moralische Fehler, sondern ein Kapitulieren vor der Macht des Götzen, der eine wesentliche Seite der Weltmacht Sünde ist. „Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht gemacht im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geiste unseres Gottes (1 Kor 6, 11).

Literatur: Luise Schottroff, „Habgierig sein – das heißt den Götzen dienen“ (Eph 5, 5). Kritik an der Habsucht als theologische Analyse, in: Kuno Füssel, Franz Segbers (Hg.), „…. So lernen die Völker des Erdkreises Gerechtigkeit, Luzern 1995, 168-178; Leonhard Ragaz, Die Gleichnisse Jesu, Hamburg 1971

Christoph Hof, Andernach

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