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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9.07.06 – 14. Sonntag im Jahreskreis / 4. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1 Petr 3, 8-15a (15b-17)

Ez 1, 28b - 2, 5

2 Kor 12, 7-10

Mk 6, 1b-6

 

Betrachtet wird insbesondere der Text der ev. Reihe IV, zu den Texten der katholischen Leseordnung erfolgt eine Anmerkung am Ende der Seite; Stichworte (e): christliches Leben ist vorbildliches Leben, fällt auf und ist unbequem (k): das Volk ist verstockt, Propheten finden kein Gehör

 

1 Petr 3, 8-15a (15 – 17)

Exegetische Hinweise

Der 1.Petrusbrief wendet sich an einen weiten Leserkreis: An die rasch wachsenden christlichen Gemeinden in fünf Provinzen Kleinasiens. Offensichtlich hat die Missionsarbeit des Paulus schon weite Kreise gezogen. Die jungen Christengemeinden in Kleinasien sollen durch den Brief gestärkt und getröstet werden. Denn durch ihr Bekenntnis zu Jesus Christus fühlen sie sich in der heidnischen Umgebung zunehmend fremd. Vermutlich sind sie oft unsicher, wie sie sich als Christen im Alltag verhalten sollen. Sie werden von Ungläubigen bedrängt und spüren immer mehr, dass ihr Glauben schwerwiegende Folgen hat. Mit dem Brief, der wahrscheinlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts geschrieben wurde, sollen die Gemeinden zur Standhaftigkeit und zu einem christlichen Leben ermahnt werden. Ihre Lebensregeln ergeben sich aus den Ordnungen der Schöpfung. Daraus ergeben sich Verhaltensweisen, die für Christen angemessen sind.

Der Autor des 1. Petrusbriefes ist nicht eindeutig zu ermitteln. Zwar wird in der Anrede der Apostel Petrus genannt als der, der von Rom aus nach Kleinasien schreibt. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich. In jedem Fall war der Autor ein guter Kenner des Alten Testamentes und der paulinischen Theologie.

 

Zum Inhalt der Perikope

Der vorliegende Abschnitt entstammt dem Kapitel über „Christliches Leben in Familie und Gesellschaft“. Die Gläubigen in Kleinasien werden ermahnt, sich besonders vorbildlich zu verhalten.

In Vs 3, 8-12 werden sie zu einem friedlichen Leben aufgefordert. Nachdrücklich wird ihnen brüderliche Liebe aufgetragen. Dazu zitiert der Verf. den Psalm 34 mit seinem Versprechen: Der wird ein gutes Leben haben, der niemand mit Worten verletzt, sondern Gutes tut, den Frieden sucht, das Böse meidet.

In Vs 3, 13-14 wird erwogen, dass auch ein friedlicher und um gerechtes Leben bemühter Mensch Opfer von Anfeindungen werden kann. Dies ist allerdings kein Grund, sich anders zu verhalten. Auch wer leidet, soll umso tugendhafter sein.

Die Vs 3, 15-17 verweisen deshalb auf Jesus Christus. Er ist Grund aller Hoffnung; wer ihn im Herzen trägt, braucht sich nicht zu fürchten. Von ihm geht die Kraft für ein rechtschaffenes Leben aus. Christen, die ihren Glauben ernst nehmen und versuchen, aus ihrem Glauben heraus zu leben, werden in ihrer Umgebung allerdings auffallen.

 

Ein anspruchsvolles ethisches Programm

Sicher waren die frühen Christen in ihrer Gründungsphase voller Enthusiasmus. Angestiftet von einer neuen Idee, von begeisterten Wanderpredigern, von dem Gott Jesu Christi, der ihnen Freiheit und neue Lebensqualität versprach. Vor allem für ihr Miteinander entstanden ungeahnte Perspektiven: Ein Leben in Frieden, in dem sich alle Menschen verstehen, niemand dem anderen Böses tut und nur gute Worte zueinander gesprochen werden – wer wünschte sich das nicht? Das schien auf einmal greifbar zu sein, im Namen Jesu Christi. Doch wie es mit jeder jungen Liebe geschieht, wurden auch die begeisterten jungen Gemeinden irgendwann ernüchtert. Christen sind keine besseren Menschen. Auch sie können einander wehtun und Unfrieden stiften. Jedes Gemeindeleben ist voller Konfliktpotential.

Deshalb muss an das anspruchsvolle ethische Programm Jesu Christi immer wieder erinnert werden. Diese Aufgabe hat der 1. Petrusbrief – und jede Predigt.

 

Selig, die Frieden stiften

Mit dem Versprechen von „Frieden auf Erden“ wurde die Geburt Jesu Christi angekündigt. Mit seinem Leben und mit seinem Sterben steht er dafür, dass Menschen sich um Frieden mühen müssen. Er sagte: „Selig, die Frieden stiften.“ Jesus selbst war ein Friedensstifter. Er half vielen Gequälten, Frieden mit sich selbst, mit ihrer Umgebung und mit Gott zu finden. Seine Frohe Botschaft ist eine Friedensbotschaft. Frieden zu finden und Frieden zu stiften sind allerdings höchst schwierige Aufgaben für uns Christen, an denen wir immer wieder scheitern werden. Es kann vorkommen, dass Menschen darüber müde werden oder zynisch. Denn wo Menschen sind, gibt es leider auch immer neues Konfliktpotential. Und der tägliche Blick in die Zeitung entmutigt nicht selten.

 

Jemand muss doch mit dem Frieden anfangen

Gerade deshalb werden wir als Christen nicht davon entlastet, uns immer wieder neu um friedliches Zusammenleben zu mühen. Auch wenn dies manchmal nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein scheint: Wie sähe die Welt erst aus, wenn es keine Menschen gäbe, die sich um Frieden bemühten? Wenn niemand versuchte, Konflikte zu bereinigen, verschiedene Meinungen zu tolerieren, andere in ihrem Anderssein zu akzeptieren. Eine oder einer muss doch damit anfangen, in der eigenen Umgebung mit dem ewigen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aufzuhören, den Rechtlosen Rechte zuzusprechen, sich um Frauen und Mädchen zu kümmern, die in ihren Familien nichts zählen, Kinder auszubilden, die von ihren Eltern auf die Straße gejagt wurden... Frieden stiften fängt allerdings immer bei jedem selbst an.

 

Wohin mit aggressiven Impulsen?

In der religiösen Friedenserziehung wurde oft jeder aggressive Impuls unterdrückt. „Nicht streiten“ galt als Ideal, und „Verzeihen um jeden Preis“, auch wenn die Streitpartner vielleicht noch zittern vor Wut und Verletztheit. Solch erzwungener „Frieden“ ist nicht sehr effektiv, sondern scheinheilig und birgt Zündstoff für neue Konflikte.

Heutige Psychologie weiß um aggressive Kräfte im Menschen. Sie sind ein Teil unserer Lebensenergien. Lebenslange Aufgabe ist es, diese zu bewältigen. Nicht das Streiten ist schlimm, sondern unfaires Streiten, Gewalt, Unterdrückung, Macht um jeden Preis. Nicht Meinungsverschiedenheiten sind das Problem, sondern auf welche Weise sie ausgetragen werden. Friedenserziehung fängt bei den Kindern an – aber sie ist ein komplexes Geschehen, das über ein naives „Wir haben uns doch alle lieb“ weit hinausgeht. Unverzichtbares Ziel ist und bleibt Versöhnung, aber sie muss manchmal erst reifen, um wirklich aus vollem Herzen ausgesprochen werden zu können.

 

Das Dilemma von Friedenssuchern

Menschen, die sich um friedliche Lösungen bemühen, werden nicht immer ernst genommen. In vielen Bereichen sind Ellbogen gefragt: „Selber schuld, wer rücksichtsvoll ist.“ Um Frieden bemühte Menschen bringen sich auch in Gefahr. Manchmal richtig in Lebensgefahr. Oder werden zum Gespött. Oder sie würden am liebsten aufgeben.

Aber für Christen gibt es keine Alternative!

 

Die Kraft, die von Jesus Christus ausgeht

Fürchtet euch nicht..., und laßt euch nicht erschrecken, sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! So fassen die Vs 3, 14.15a den zentralen Gedanken zusammen, der den 1. Petrusbrief wie ein Cantus Firmus durchzieht. Jesus Christus ist der Friedensstifter; in seiner Kraft können Menschen das Unmögliche möglich machen und sich unablässig für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Niemand muss diese manchmal mühsame Aufgabe alleine erledigen, nur aus eigener Kraft und eigenem Impuls. Jesus ist der Impuls, und er ist die Kraft. Weil sie auf ihn hoffen, finden Menschen die Kraft, nach Frieden zu streben und sich zu versöhnen. Ob es um den Frieden der Seele geht, um Frieden in der Familie, in der Gemeinde, oder gar um globale Zusammenhänge – Christen sind dazu berufen und beauftragt, sich für eine bessere Welt einzusetzen. Im Geist Jesu Christi sollen sie einander Segen sein: Segnet, denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen. (1 Petr 3, 9b)

 

Predigtthemen

·         Ihr sollt ein Segen sein

·         Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung

·         Barmherzig und demütig – es gibt keine Alternative

·         Suche den Frieden und jage ihm nach

Prediger sollten mit moralischen Appellen vorsichtig sein. Es gilt, die Forderungen Jesu deutlich zu benennen, aber dabei immer Jesus Christus als Quelle der Hoffnung und Kraft in den Mittelpunkt zu rücken. Der Geist Gottes sollte es sein, der im Menschen wirkt!

 

Anmerkung zu den Texten der katholischen Leseordnung

Die Texte der katholischen Leseordnung handeln von der Prophetenberufung (Ez 1, 28b – 2, 5), von der Verteidigung des Paulus gegen Kritiker (1 Kor 12, 7-10) und der fehlenden Anerkennung für Jesus in seiner Heimat (Mk 6, 1b – 6). Alle drei spiegeln eine pessimistische Grundhaltung wider: Das Volk ist verstockt, der Prophet wird angefeindet oder gilt nichts im eigenen Land.

Als biblische Grundlage für eine Predigt über Nachhaltigkeit / Frieden / Bewahrung der Schöpfung sind sie daher kaum geeignet. Sicher zweifeln die Verantwortlichen in einer Gemeinde angesichts konkreter Konflikte vor Ort, der bedrohten Schöpfung, den vielfältigen Kriegsherden öfter an der Wirkung der biblischen Worte und ihrer Predigten. Dies ist jedoch eher ein Thema für die supervisorische Bearbeitung manchmal frustrierender Seelsorgearbeit als für eine Predigt.

Martina Patenge, Mainz

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