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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25.06.06 – 12. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Kor 14, 1-3. 20-25

Ijob 38, 1.8-11

2 Kor 5, 14-17

Mk 4, 35-41

 

Der Autor geht auf die Texte der katholischen Leseordnung ein. Stichworte: Anerkennung der Größe des Schöpfers als einer Grenzmarke menschlichen Wollens; Wahrnehmung von Verantwortung als Geschöpfe Gottes; Einsatz für die Würde des Menschen und Erfüllung seiner elementaren Bedürfnisse; Reich-Gottes-Verträglichkeitsprüfung. Der ev. Predigttext ermöglicht einen Ansatz über das prophetische Reden.

Die Texte der katholischen Leseordnung bieten mit den Stichworten „Größe des Schöpfers“ (bei Ijob), „neue Schöpfung sein“ (in 2 Kor) und „Gefährdung durch die entfesselten Kräfte der Schöpfung“ (Seesturm bei Mk) Möglichkeiten zur Anknüpfung von Gedanken der Nachhaltigkeit; dabei sollte allerdings beachtet werden, dass ein zu assoziativer Umgang mit den Stichworten leicht zu einer Auslegung kommen könnte, die an der Sinnspitze der Texte vorbeiginge.

Der evangelische Predigttext (aus 1 Kor) ist für die Thematik allenfalls über das Stichwort des prophetischen Redens zu öffnen.

 

Zur ersten Lesung

Die Perikope ist ein Ausschnitt aus der ersten Antwortrede Gottes auf die Klagen und Fragen Ijobs angesichts seines kaum tragbaren Leids. Hätte man nach dem Lesen der ersten 37 Kapitel eine Antwort Gottes im Sinne einer Selbstrechtfertigung erwartet, müsste man enttäuscht sein. Die Rede Gottes betont in vielen Beispielen die Macht Gottes des Schöpfers und seine Souveränität. Ijob erkennt letztlich, dass er Gott nicht anfragen kann, sondern sein Heil (seine Heilung) darin findet, sich ihm zu unterwerfen (vgl. Ijob 42, 6).

In diesem Sinne ist auch Ijob 38, 11 zu verstehen. „Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz“ - der Vers, adressiert an das Meer, dem Gott eine Grenze setzt, erinnert stark an eine Grundfrage zukunftsfähigen heutigen menschlichen Handelns: Darf der Mensch alles, was er kann? Im Sinne der Nachhaltigkeit kann die Frage mit der Notwendigkeit der Selbstbeschränkung beantwortet werden, z. B. was den Umgang mit den natürlichen Ressourcen betrifft oder manche Bereiche der Gentechnik. P müsste allerdings beachten, dass die Perikope nicht so sehr eine Antwort auf die Frage nach einer konkret zu benennenden Grenze gibt, sondern auf die Frage nach der Motivation, überhaupt eine Grenze zu akzeptieren: Sie liegt in der Anerkennung der Größe des Schöpfers. Und die hat heute angesichts der Möglichkeiten des Menschen, die Schöpfung auch zu (zer-)stören, andere Konsequenzen (eben z. B. Selbstbeschränkung!) als bei Ijob.

 

Zum Evangelium

Die Rettungswundererzählung vom Sturm auf dem See ist in formalem Sinne ähnlich zu lesen: Es handelt sich um eine „Überbietungserzählung mit epiphanialem Einschlag“ (R. Pesch, in: HThKNT, zur Stelle) nach dem Motiv: „hier ist mehr als Jona“, Jesus ist mehr als ein Prophet.

Für P bietet sich natürlich an, im Anschluss an V. 38 Beispiele für eine Übertragung ins Heute zu bringen. Zu Fragen der Nachhaltigkeit könnte dies sein: Zugrundegehen angesichts der Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlagen - Stichwort Klimaerwärmung o. ä. -; Gefahr der Zerstörung der Zukunftsfähigkeit durch massive soziale Fehlentwicklungen - s. z. B. die Krawalle in französischen Vorstädten durch marginalisierte Jugendliche. - Die Aussage des Evangeliums darf aber nicht vordergründig mit einer Übertragung von V. 40 „gelöst“ werden: Aufruf zum Glauben an Gott im Sinne eines sich „beruhigt-zurücklegen-Könnens trotz der Stürme der Zeit“. Vielmehr wäre die Frage Jesu „Habt ihr noch keinen Glauben?“ zu verstehen als Aufforderung, seine Größe anzuerkennen - und aus dieser Haltung heraus den menschen-möglichen Beitrag zu tun, dass wir, die Schöpfung, die Gesellschaft, nicht zugrunde gehen, sondern weiter zukunftsfähig sind.

 

Zur zweiten Lesung

Die Rede von der „neuen Schöpfung“ hat für Paulus nicht so sehr eine ökologische Komponente, sondern bezeichnet das neue Leben der Christen. Sie sind, wenn sie ihrem Namen entsprechend leben, in Christus, d. h. sie richten sich in ihrem Sein und Handeln an ihm, seinem Leben und seiner Botschaft aus. Zu fragen wäre daher, wie Versöhnung (s. den ganzen Abschnitt 2 Kor 5, 11-21) und Ausrichtung an Jesu zentraler Botschaft vom Reich Gottes aussehen können, für den einzelnen wie für die Gemeinschaft der Glaubenden. Für die Kirche hat U. Eigenmann in seinem Buch „Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit für die Erde. Die andere Vision vom Leben (Luzern 1998)“ den interessanten Gedanken einer Reich-Gottes-Verträglichkeitsprüfung ihres Handelns entwickelt und in Thesen formuliert (Kap. 6.4; z. B. fordert er, Optionen zu klären und für das Leben einzutreten und Kooperationen einzugehen aufgrund sachlicher Gemeinsamkeiten). Für den einzelnen wäre v. a. V. 16 zu meditieren: Was bedeutet es, niemanden mehr nur nach menschlichen Maßstäben einzuschätzen? Doch zumindest, dass ein Einsatz für die Würde jedes einzelnen und die Erfüllung seiner elementaren Bedürfnisse Aufgabe eines Lebens in Christo, eines Lebens in der „neuen Schöpfung“ist.

Thomas Köster, Trier

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