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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26.11.06 – Christkönigssonntag / Ewigkeitssonntag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 65, 17-19 (20-22) 23-25

Dan 7, 2a.13b-14

Offb 1, 5b-8

Joh 18, 33b-37

 

Der katholische Christkönigs- und evangelische Ewigkeitssonntag beschließt das jeweilige Kirchenjahr, und im Monat November findet der Blick auf die letzten Dinge (mit diesem Sonntag) seine Abrundung: "Mein Reich, mein Königtum, ist nicht von dieser Welt", sagt Jesus im Johannesevangelium und verweist auf die Vollendung und das Reich Gottes, die der tiefste Inhalt seiner Botschaft sind. Im Römerbrief sieht Paulus die ganze Schöpfung in Geburtswehen liegen, auf diese Zukunft bei Gott hin.

Zu den Schrifttexten dieses letzten Sonntags im Kirchenjahr (zunächst der kath. Leseordnung):

1.) Kurze Exegese:

a) Dan 7, 2a.13b-14

Die bedrängte Gottesgemeinde wird in Visionen von Gott als gerettet erlebt, Gott (Jahwe), der in der Vergangenheit heilte, wird dies auch in Zukunft tun. Am Ende siegen nicht die Chaosmächte (symbolisiert in den vier Tieren), sondern der Menschensohn mit ewiger Königsherrschaft.

In den Passionserzählungen finden wir den Menschensohntitel auf den leidenden Jesus übertragen, der sich in Tod und Auferstehung als Repräsentant Jahwes, als Repräsentant Gottes offenbart.

b) Offb 1, 5b-8

Ebenfalls ein endzeitlicher (apokalypt.) Text, der auch trösten und ermutigen will und einleitet in den Brief des letzten biblischen Buches. "Herrscher über die Könige der Erde" und "Herrscher über die ganze Schöpfung" wird Gott genannt (analog zu Daniel), dem der Glaube gilt und der die Hoffnung ist in aller Bedrängnis und Verfolgung.

Nicht der Kaiserkult wird die Oberhand behalten, sondern die Wahrheit des Christenglaubens und die Liebe. Christi Herrschaft zeigt sich in der Ohnmacht des Leidenden und Geschundenen am Kreuz, und der Christ wird durch seine Taufe teilhaftig am Herrschaftsbereich Christi.

c.) Joh 18, 33b-37

„Die Evangelien sind erweiterte Passionsgeschichten", hat ein Exeget gesagt. In dieser Stelle wird dem röm. mächtigen Prokurator der wehrlose Jesus gegenübergestellt. Pilatus und Jesus scheinen aneinander vorbei zureden.

Christi Königreich ist eben nicht von dieser Welt, sondern ein Reich der Wahrheit und der Liebe. Politische Gewalt lehnt dieser Messias ab und sein Gegenüber wird zum Gefangenen seiner eigenen Machtspiele.

2.) Diese Bibeltexte in Bezug zu uns und zum Anliegen der Ökologie, zum Suchen nach Gerechtigkeit und Frieden in der Einen Welt

a) Dan 7, 2a.13b-14

Auch heute sehen viele unserer Zeitgenossen die Welt in der Hand von Chaosmächten. Ausbeutung, Verletzung und Zerstörung dieser unserer Erde in Flora und Fauna, in Terror und Kriegsgefahr, dies ist traurige Realität und dem bibl. Auftrag entgegengesetzt. Wenn es in einer der Schöpfungserszählungen heißt: "Macht euch die Erde untertan" und "Wachst und mehret euch", dann heißt das für damals: Kämpft für Euer Überleben! - und für heute: Hegt und pflegt diese Erde und bedroht sie auch nicht durch Überbevölkerung!

Bei aller Not und der vielfachen Sinnlosigkeit des menschlichen Tuns dürfen wir auf ein sinnvolles Fortbestehen der Geschichte von Erde und Mensch, Mitwelt und Umwelt hoffen. Hoffnung, Trost und Ermutigung schenkt uns dieser Text.

b) Offb 1, 5b-8

Das gilt auch heute: "Gott ist der Herrscher über die ganze Schöpfung" Der endzeitliche wiederkommende Gesandte Gottes, Jesus der Christus, wird auch der Richter sein: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan".

Der christliche Glaube ist geerdet, das Maß der Frömmigkeit ist mein Beitrag zum Gedeihen der Erde und allem, was auf ihr lebt. Die Vorräte sind zu hüten, das Nord-Südgefälle auszugleichen, Gerechtigkeit als Voraussetzung für den Frieden intensiv neu aufzurichten.

c) Joh 18, 33b-37

Jesus wollte sich nicht ein Traumreich schaffen - und lebte nicht an den Tatsachen unserer Welt vorbei. Wenn Jesus ein Träumer gewesen wäre, dann hätte man ihn wohl kaum ans Kreuz geschlagen. Dennoch reden Jesus und Pilatus aneinander vorbei. Pilatus mit seinem Machtapparat hat Angst vor diesem gewaltlosen Jesus, sonst hätte er ihn nicht beseitigen lassen.

Dieser gewaltlose Jesus steht den Machtstrukturen von Ausbeutung und Unterdrückung entgegen.

Jesu Anspruch ist Gewaltverzicht und Feindesliebe. Leider ist die Christenheit diesem Anspruch in seinen 2000 Jahren noch kaum gerecht geworden. Was verändert sich bei uns?

Wird durch mich meine Mitwelt verändert?

Gewaltbereitschaft des Menschen untereinander und gegenüber seiner Mit- und Umwelt gilt es zu ändern. Dann dürfen wir Aufbrüche der Herrschaft Christi erleben - die Vollendung steht noch aus und, kann allein durch Gott vollzogen werden, von dem letztlich Aufbruch und Ankommen geschenkt wird.

zu Jesaia 65, 17-22

1. Kurze Exegese

Ein Text zweifellos aus nachexil. Zeit.

Nach dem Edikt des Perserkönigs Kyros im Jahre 538 v. Chr. kehrten Teile der nach Babylon exilierten Israeliten in die Heimat zurück, und schon kurz nach 537 wurde auch schon mir dem Wiederaufbau des Tempels begonnen. Allerdings wurde er erst 515 fertiggestellt und eingeweiht. Es ist noch eine trostlose Zeit, in die der 2. und der 3. Jesaia mit ihren Schülern große Hoffnung verkünden: Die große Wende zum Guten kann wohl nicht paradiesischer ausgedrückt werden als im hier vorliegenden Text. In Jerusalem wird sich das Heil ereignen und die Freude, die alle ergreift, ist schon Teilhabe an der endzeitlichen Fülle.

2. Anwendung

So müßte es sein, sagen wir spontan, denn wohl jeder träumt davon, jedweden Negativkatalog hinter sich zu lassen. Die gesamte Mit- und Umwelt spielt mit als selbst heil und heilend für die Menschen. Die gefährdetsten Lebensabschnitte der Kindheit und des Alters verlieren die Gefahren, es wird alles gut zum Wohlergehen der von Gott Erwählten.

Das Heil wird kommen! Nicht, weil menschliches Wünschen und Träumen sich das Paradies erhofft, sondern weil Gott selbst es schenken wird, der die Sehnsucht und Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nicht ins Leere laufen läßt.

Auch aus dieser Stelle des Prophetentextes ergeht die Frage an uns: Sind wir unsern Mitmenschen zur Freude, fühlen wir uns mit ihnen solidarisch, leiten wir den Völkern, der Natur mit allem Leben wie ein Strom den Frieden zu, damit lautes Weinen und Klagen nicht mehr sind?

Jede Verheißung Gottes ist zugleich eine Frage an uns, an unser Tun und Lassen, an unser Leben.

Josef Rottländer, Hamm-Sieg

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