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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

22.11.06 – Buß- und Bettag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Offb.3,14 – 22

 

Die Verfasserin betrachtet den Text der ev. Reihe IV zum evangelischen Feiertag. Stichworte: Umkehr zum Leben, Eindeutigkeit statt Anpassung. Sie nennt Kriterien für christliches Reden und Handeln und zeigt auf, in welchen Bereichen Kirche und Christinnen und Christen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zur Umkehr aufgefordert sind. 

Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christinnen und Christen ein Tag der Besinnung und des Neuanfangs.

Bis 1995 war der Buß- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag. Da wir heute den Buß- und Bettag an einem Werktag feiern, findet der Gottesdienst in der Regel abends statt. Es bietet sich auch an, den Gottesdienst als Friedensgottesdienst zu feiern, da der Buß- und Bettag in der Friedensdekade liegt Einen ausgearbeiteten Vorschlag für einen Bittgottesdienst für den Frieden wird jährlich vom Kirchenamt der EKD herausgegeben. Wer das Thema „Beten“ herausstellen möchte, findet in diesem Predigtbuch unter „Rogate / 6. Sonntag in der Osterzeit“ (21. Mai 2006) wertvolle Anregungen.

 

Exegetische Überlegungen

Der Brief an die Gemeinde in Laodizea ist der letzte der 7 Sendschreiben der Offenbarung des Johannes. Die Vollzahl 7 deutet darauf hin, dass alle Christen und Christinnen gemeint sind. Der Brief ist gegliedert in Anrede, Selbstdarstellung Christi, Zustandsbeschreibung der Gemeinde, Ruf zur Umkehr, Androhung der Züchtigung, Angebot der bleibenden Gemeinschaft und Weckruf.

Die Stadt Laodizea war berühmt durch Handel, Bankwesen und eine Ärzteschule. Die Gemeinde fühlte sich reich und war selbstzufrieden. Der erhöhte Christus tadelt in scharfem Ton die Gemeinde. Der Tadel ist gegen ein laues und träges Christentum gerichtet, das zu angepasst ist. Christus sagt, dass die Gemeinde im geistlichen Sinne arm, nackt und blind ist. Er bietet den wahren Reichtum.

Der Ruf zur Umkehr zum wahren Leben ist sehr deutlich und wird durch das Bild des vor der Tür stehenden Christus noch unterstrichen. Den Umkehrenden verspricht Christus engste Verbundenheit (Mahlgemeinschaft) mit ihm und Anteil an der Herrschaft.

 

Assoziationen

Ist die Kirche heute angepasst, weder kalt noch heiß?

Diese Frage kann sicher unterschiedlich beantwortet werden. Menschen, die eine Stellungnahme im Sinne eines Bekenntnisses zu den Themen „Wirtschaften im Dienst des Lebens“ (Globalisierung) fordern, erleben ihre Kirche nicht kalt noch warm, sondern lau. Sie kritisieren, dass Kirche nicht eine einseitig an wirtschaftlichen Interessen orientierten Globalisierung, als unvereinbar mit dem Glauben anprangert. Auch in Friedensfragen fordern Christen und Christinnen, klare Aussagen der Kirche.

Wie weit bin ich selbst angepasst?

Wann halte ich den Mund, um nicht abgestempelt zu werden? In welchen Situationen gehe ich den einfacheren Weg?

„Sagen Sie auch dann ihre Meinung, wenn sie damit rechnen müssen, dass niemand sie teilt?“, so lautete die Frage in einem Kommunikationsspiel. Menschen, die darauf mit „ja“ antworteten und Situationen schilderten, die dies belegten, wurden bewundert. Es ist nicht selbstverständlich, ehrlich seine Meinung zu äußern.

Auch die Frage „Sind sie Christ?“ wird selbst von Mitgliedern der Kirche nicht mit einem eindeutigen „ja“ beantwortet. Es könnte bei einem Bekenntnis Vorurteile oder unerfüllbare Erwartungen entstehen. Viele von uns wurden erzogen, nicht unnötig aufzufallen.

Doch wie steht es mit Äußerungen der Kirche? Christen und Christinnen, die eine eindeutige Stellungnahme erwarten, werden nicht selten enttäuscht und fragen: Warum äußert sich Kirche, die doch auf der Seite der Armen zu stehen hat, nicht deutlich zu Sozialabbau, Arbeitsplatzverlagerung in Billiglohnländer und Abbau von Steuervergünstigungen für die Reichen? Menschen, die für den Umweltschutz eintreten, erwarten eine klare Aussage der Kirche zum Erhalt der Artenvielfalt, die durch den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut gefährdet ist. Alle wünschen sich eine Kirche, die glaubwürdig redet und handelt. Aber was heißt das? Während die einen z. B. in der Förderung von Photovoltaikanlagen eine sinnvolle Unterstützung der regenerativen Energie sehen, ist das für die anderen eine Verschwendung von Steuergeldern. Während die einen aus Gründen des Naturschutzes und der Sicherheit den Ausbau eines Flughafens ablehnen, argumentieren die anderen mit dem Erhalt der Arbeitsplätze. Mit dem Arbeitsplatzargument kann man zurzeit alle anderen stichhaltigen Argumente schlagen, wobei es dann auch keine Rolle mehr zu spielen scheint, was in den Betrieben hergestellt wird.

Der Gemeinde in Laodizea wird in dem Brief vorgeworfen, dass sie weder kalt noch warm ist. Sie hatte sich zu sehr angepasst. (Die Situation der Gemeinde kann hier beschrieben werden.) Die Kirche und auch jede und jeder von uns stehen in der Gefahr, sich anzupassen. Es gibt jedoch eine Entscheidungshilfe für unser Reden und Handeln. Wir können fragen:

„Was würde wohl Jesus sagen oder wie würde wohl Jesus handeln?“

Auch dann wird die Antwort nicht immer eindeutig sein, aber wir haben Kriterien, an denen wir unser Reden und Tun ausrichten können.

Wir können z. B. fragen:

·                dient die Äußerung oder das Handeln den Schwachen,

·                ist es gemeinschaftsstiftend,

·                ist es friedensstiftend,

·                ist es ein Beitrag zum Erhalt der Schöpfung,

·                ist es gerechtigkeitsfördernd,

·                ist es im Sinne der Nächstenliebe?

 

„Kehret um, kehret um, und ihr werdet leben“(EG Regionalteil Baden, Elsass, Pfalz Nr.650) – So lautet der Titel eines Liedes, das bei Kirchentagen oft gesungen wurde und die Thematik dieses Bibeltextes aufgreift.

Was ist das wahre Leben, das Christus anbietet? Materieller Reichtum, Selbstzufriedenheit, es allen recht machen sind keine Attribute des wahren Lebens.

Christus bietet uns etwas ganz anderes an. Er ist der Anfang der Schöpfung Gottes. In Ihm wird deutlich, dass Gott Anteil nimmt an dem Geschehen der Schöpfung. Deshalb ist Christus auch der Anklopfende, der uns zur Umkehr ruft. Er fordert uns dazu auf ein Leben zu führen, in dem die liebende Zuwendung zum Nächsten und die Bewahrung der Schöpfung Wirklichkeit werden, gegen soziale Kälte, Selbstzufriedenheit, Ausgrenzung und Egoismus.

Christus schenkt uns Gemeinschaft mit ihm, Vergebung und Neuanfang. Wir müssen ihm nur Eintritt gewähren und uns in Frage stellen lassen in unserem bisherigen Verhalten und uns seine Perspektive, die Arme und Schwache und die leidende Schöpfung sieht, zu Eigen machen.

Gemeinschaft mit Christus bedeutet immer auch Gemeinschaft mit den Mitmenschen, Bewahrung der Lebensgrundlagen und Einsatz für eine gerechte und friedliche Welt.

 

Nachhaltigkeitsbezug

Eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht den jetzigen und nachfolgenden Generationen ein menschenwürdiges Leben. Der Text wirft folgende Fragen auf:

1. In welchen Bereichen ist Kirche zur Umkehr im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung aufgefordert?

Im Bereich „Bewahrung der Schöpfung“ (Ökologie) sollte Kirche selbst vorbildlich handeln und das Umweltbewusstsein stärken, z. B. weniger Energie- und Ressourcenverbrauch.

Im Bereich „Gerechtigkeit“ (Soziales) ist Kirche als Arbeitgeberin gefragt, ob sie wie alle anderen Arbeitgeber Personalplanung vornimmt, oder ob für Kirche noch andere Werte gelten.

Im Bereich „Ökonomie“ sollte Kirche nicht in erster Linie an Selbsterhalt interessiert sein, sondern Ihre weltweiten Aufgaben im Blick haben.

 

2. In welchen Bereichen sind Christinnen und Christen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zur Umkehr aufgefordert?

Ressourceneinsparung – Gewohnheiten in Frage stellen (brauche ich das wirklich?), Reduktion des Energie- und Wasserverbrauches, zu alternativen Stromanbietern wechseln,

Konsum - z. B. fairen u. regionalen Handel und ökologischen Landbau unterstützen,

Mobilität -  z. B. Nahverkehr statt Auto benutzen,

Geldanlagen - Wechsel zu alternativen Geldinstituten z. B. Gemeinschaftsbank,

 

Quellen:

Eduard Lohse, Die Offenbarung des Johannes NTD 11, Göttingen

Hannes-Dietrich Kastner in Gottesdienstpraxis Serie A, IV. Perikopenreihe Band 3, Gütersloh

Wilhelm Pratscher in Gottesdienstpraxis Serie A IV. Perikopenreihe, Ergänzungsband Exegesen, Gütersloh

Bärbel Schäfer, Speyer

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