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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

19.11.06 – 33. Sonntag im Jahreskreis / vorletzter Sonntag des Kirchenjahrs

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Offb 2, 8-11

Dan 12, 1-3

Hebr 10, 11-14.18

Mk 13, 24-32

Betrachtet werden alle Texte des Sonntags; Stichworte (e): [mittelbar: Erlösungs- / Auferstehungshoffnung: paradiesische Zustände] (k): Verhältnis zu Tieren, ausgehend vom Gedanken des (christlich unsinnigen) Tieropfers / Tierschutz, Verantwortung des Menschen für die Schöpfung, für Frieden auf der Erde im Hier-und-Jetzt sorgen

zu Offb. 2, 8-11 und Dan. 12, 1-3:

Für sich allein genommen bieten die beiden Texte wenig zum Thema „nachhaltig predigen“. Sie müßten daher mit anderen Texten in Beziehung gesetzt werden, um für das Anliegen der Nachhaltigkeit fruchtbar zu werden, z. B:

·         Pred Sal 3, 1-8 (Jegliches hat seine Zeit): Der Tod gehört zum Leben.

·         Pred Sal 1, 3-7: Einordnung des Lebens in den Kreislauf von Entstehung und Vergehen.

·         Dan 12, 1-3 deutet eine Auferstehungshoffnung an, die von den Pharisäern und im Neuen Testament von Jesus und den ersten Christen konkretisiert wurde.

·         Offb 2,10-11 bietet ein Beispiel für diese Auferstehungshoffnung: Während der „erste Tod“ der irdische Tod ist, den wir alle eines Tages erleiden müssen und von dem der Prediger Salomo meint, spricht der Seher Johannes vom „zweiten Tod“. Damit meint er wohl die Hölle, vor der die treuen Gläubigen bewahrt werden. Er will hiermit die Christen, die verfolgt werden, trösten.

·         Röm 8, 18-25: Paulus dehnt die Erlösungshoffnung von den Menschen auf die Tiere aus, spricht aber nicht von einer Auferstehungshoffnung für Tiere.

·         Jes 11, 6-8 / Jes 65, 25: die Propheten Jesaja und Tritojesaja beschreiben, wie diese Wiederherstellung paradiesischer Zustände für Mensch und Tier aussehen könnten.

·         Pred Sal 3, 16-22: der Prediger Salomo hält eine Auferstehungshoffnung für Tiere immerhin für möglich, wenn er die Vergänglichkeit des Menschen mit der des Tiers gleichsetzt.

 

 

zu Hebr 10, 11-14.18

In den betrachteten Versen geht es zwar nicht um das Verhältnis Mensch-Tier, die gedankliche „Verdinglichung“ des Tieres im Opfergedanken prägt aber seit vorchristlicher Zeit unser Verhältnis zu Gottes Schöpfung mit. Die Textstelle zeigt die Sinnlosigkeit des Tieropfers aus christlicher Sicht auf und legt eher den Gedanken nahe, sich selbst einsetzen - als einziges „Opfer“.

Das Tieropfer bietet – neben Tierversuchen, Tierquälerei, übermäßiger Tierliebe, Jagd und Schlachtung – ein Beispiel für das Leiden der Tiere unter der Unterdrückung durch die Menschen. Während in Gen 22 das Menschenopfer noch durch das Tieropfer ersetzt wird, ersetzt der Autor des Hebräerbriefs bereits jetzt das wiederholte Opfern von Tieren durch das einmalige Opfer Christi. Da seine Worte wahrscheinlich nicht durch Tierliebe motiviert sind, würde ich von indirekter Tierliebe sprechen, die quasi als Nebenprodukt der Liebe Gottes zu den Menschen abfällt. Das Friedensreich von Jes 11 und 65 mit dem Endzeitfrieden zwischen Mensch und Tier, zwischen Mensch und Mensch und zwischen Tier und Tier wird in Hebr 10 zeichenhaft vorweggenommen. Das Verhältnis des Menschen zu den Mitgeschöpfen wurde in den christlich geprägten Gesellschaften zumeist geprägt von einem falsch verstandenen „Machet Euch die Erde untertan“ (Gen 1, 28), das im Sinne von Unterdrückung und Ausbeutung verstanden wurde. In der Evangelischen Kirchenzeitung der EKHN weist Manfred Gärtner darauf hin, daß im Christentum auch eine andere Umgehensweise der Menschen mit den anderen Kreaturen begründet werden kann und wurde:

„Der Tierschutzgedanke wurzelt in der christlichen Barmherzigkeit: Dafür stehen Namen wie Franz von Assisi oder Albert Schweitzer.“ Gärtner spielt damit darauf an, daß Franziskus den Tieren gepredigt haben soll und Gott im Sonnengesang die Schöpfung pries und Schweitzer den Satz „Ehrfurcht vor dem Leben“ prägte. Des Weiteren meint Gärtner: „Auch Martin Luther sorgte sich um die ‚Vögelein’ und verbot seinem Diener die Fallenstellerei. Theologen schließlich gründeten auf den britischen Inseln und in Deutschland die ersten Tierschutzvereine. (...)

Die württembergischen Pfarrer Adam Christian Dann und Albert Knapp bemühten sich, das christliche Gewissen gegenüber der mißhandelten und mißachteten Kreatur zu schärfen. Knapp, Gründer des ersten deutschen Tierschutzvereins, gilt heute als „Vater des Tierschutzes” in Deutschland. Der Schweizer Theologe Fritz Blanke, von dem der Begriff “Mitgeschöpflichkeit” stammt, fordert, die Idee der Herrschaft des Menschen über die Erde auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückzuführen, wonach er zum Verwalter, Helfer, Fürsorger und Hüter der Natur berufen ist. Und nicht dazu, sie auszubeuten.“

(EVANGELISCHE KIRCHENZEITUNG Nr. 42 - 21.10.2001, S. 12: GLAUBE KONKRET: Ehrfurcht vor dem Leben. Ein Streifzug durch das christliche Naturverständnis)

 

Textvorschlag:

Franziskus von Assisi: Der Sonnengesang

 

Liedvorschlag:

- Laudato si - Sei gepriesen (EG 515)

 

 

zu Mk 13, 24-32

Die apokalyptischen Texte der Bibel sollen v. a. dem Zweck dienen, die unterdrückten Christen damit zu trösten, daß ihre Leidenszeit bald vorbei sein wird, da die Welt bald untergehen wird. Bei vielen Menschen, die heute diese Texte auslegen, hat man aber den Eindruck, daß sie sich in den schrecklichen Beschreibungen des Weltuntergangs nahezu suhlen, sie geradezu herbeisehnen und am liebsten sogar herbeiführen wollen.

 

Diese Weltverachtung und Zerstörungssehnsucht

·         lenkt vor dem im konziliaren Prozeß von uns Christen geforderten Einsatzes für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ ab,

·         ist zudem gotteslästerlich, da sie die Vernichtung von Gottes guter Schöpfung in Kauf nimmt,

·         wird lebensgefährlich, wenn sie von Menschen in Machtstellung und sogar mit Verfügungsgewalt über Atombomben vertreten wird. So wollte US-Präsident Reagan „das Reich des Bösen“ notfalls durch ein „Harmaggedon“ vernichten und drohte sein Nachfolger George W. Bush der „Achse des Bösen“ mit einem Kreuzzug.

Andere Christen hingegen teilen nicht die christliche Hoffnung mit der Erwartung der Wiederkehr Jesu Christi und die Vollendung des Reiches Gottes. Zum einen soll man jedoch so leben, als würde Jesus jederzeit wiederkommen, damit man nicht schlafend gefunden wird, wenn Jesus plötzlich kommt (V. 36) oder einen der Tod vorher ereilt. Zum anderen soll man so handeln, als wenn Jesus nicht wiederkommen würde, und sich der Verantwortung für das Wohl des Nächsten und der Welt stellen. Im Rahmen der eigenen von Gott gegebenen Möglichkeiten kann und soll jedermann sich für „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ einsetzen. Hierbei kommt es in erster Linie nicht auf den Erfolg an, sondern darauf, daß man die Anstrengung unternommen hat.

 

Textvorschläge:

Andreas Knapp: Anti-Genesis (Publik-Forum Nr. 6/28.3.1997, S. 25, bei Nachfrage bitte Mail an mich senden, J.R.: roggenbuck.joerg@web.de)

Jörg Zink: Die letzten sieben Tage der Schöpfung

 

Liedvorschlag:

Komm, bau ein Haus (HN 589)

Jörg Roggenbuck, Dreieich

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