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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

5.11.06 - 31. Sonntag im Jahreskreis / 21. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jer 29, 1.4-7.10-14

Dtn 6, 2-6

Hebr 7, 23-28

Mk 12, 28b-34

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV ein und macht eine Anmerkung kath. ersten Lesungstext; Stichworte (e): Verantwortung übernehmen, selbst im Exil, das Beste in einer Situation anstreben, nicht mit zu wenig zufriedengeben, (k): intergenerationelle Perspektive des Glaubens

Stellung im Kirchenjahr

Im Ablauf des evangelischen Kirchenjahres ist der 21. Sonntag nach Trinitatis (5. November 2006) zugleich Reformationsfest (Sonntag nach dem vielfach nicht mehr begangenen Reformationstag), mithin ein Anlass, nach der Bedeutung der Kirche für die Gesellschaft zu fragen, also nach dem Verhältnis von „Bürgergemeinde und Christengemeinde“ (Karl Barth).

Zudem ist der November mit Friedensdekade, Buß- und Bettag und Volkstrauertag zumindest im evangelischen Bereich eine Zeit, in der Fragen der Verantwortung von Christen für „die Welt“ – Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung - vielerorts verstärkt zur Sprache kommen.

Dass dabei das Stichwort „Nachhaltigkeit“ eine wichtige Rolle spielt, versteht sich.

Zu den Texten:

1.) Jeremia 29, 1.4-7.10-14

Der Prophet schreibt an die israelitische Exilgemeinde in Babylon. Vorangegangen war eine militärische Niederlage und politische Katastrophe, die in der Verschleppung eines großen Teils der Bevölkerung gipfelte. Ein Leben in der Fremde, in einer fremden Kultur, unter fremden Menschen, mit vielfach eingeschränkten Rechten, abgeschnitten von der religiös-kultischen Tradition. Der Psalm 137 etwa beschreibt die Situation und auch die Gefühle der Exulanten sehr anschaulich. Nun ruft Jeremia nicht zum Widerstand auf, nicht zu Sabotage und Arbeitsverweigerung, auch nicht dazu, sich fernzuhalten von den Babyloniern und sich einzuigeln – quasi zu einem „inneren Exil“ im äußeren Exil. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn!“ ist sein Appell. Also: Das Leben geht weiter! Engagiert euch positiv in der Fremde! Tragt zum Gemeinwohl bei! Übernehmt Verantwortung! Begründung: Zum einen hängt euer Wohl vom Wohl der Stadt ab. Zum zweiten vertraut darauf, dass sich die Zeiten wieder ändern werden. Was jetzt ist, muss nicht so bleiben. Gottes Gedanken reichen weiter als ihr euch das vorstellt, sie haben „Zukunft und Hoffnung für euch“ als Ziel, eine Zeit der Übereinstimmung zwischen Gott und seinen Menschen (V. 12 f. – Lied: „Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen, das Friede und Freude die Kreatur erfüllt, da gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.“)

„Suchet der Stadt Bestes!“ – Die „Stadt“ kann als Metapher für den Lebensraum der Menschen stehen. Während dieser früher am Stadttor endete und damit auch der Verantwortungsbereich (für die umgebende Natur brauchte der Mensch nicht verantwortlich zu sein, sie war noch nicht gefährdet, jedenfalls längst nicht so nachhaltig wie heute), ist dieser Verantwortungsbereich heute viel weiter zu ziehen: die gesamte Erde mit allem Leben auf ihr, auch schon der Weltraum, denn auch dahin weitet der Mensch seine Aktivitäten aus.

Auch die zeitliche Perspektive reicht heute viel weiter; schönes Stichwort dabei: „Enkelverträglichkeit“.

Ziel des Handelns: das „Beste“. Das Bestmögliche für das Zusammenleben der Menschen (damaliger Horizont) und aller Geschöpfe (heutiger Horizont) muss das Ziel sein. Sich nicht mit faulen Kompromissen abspeisen lassen, nicht zu schnell zufrieden sein, sich nicht hinter Befehlen, Vorschriften, Sachzwängen verstecken, nicht erst aktiv werden, wenn es einen selbst betrifft...

Dieses „Beste“ will gesucht werden. Suchen ist Arbeit, ist Verantwortung übernehmen, ist Anstrengung. Suchen braucht Zeit. Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung ist wie das Bohren dicker Bretter. Es dauert und verträgt keine Schnellschüsse. Meist liegt das Beste nicht einfach auf der Hand. Suchen geht am Besten gemeinsam. Keiner überblickt und durchblickt mehr die Zusammenhänge alleine. Zusammenarbeit und Vernetzung sind notwendig. Auch Auseinandersetzungen um das Ziel und den Weg dahin. Suchen braucht Wurzeln und Visionen: Aus dem Vertrauen auf den Gott, der hinter allem Leben steht und allem Leben treu bleibt, wächst die Hoffnung auf die Vollendung der Schöpfung, in der nicht das Leiden, sondern der Schalom Gottes das Leben bestimmt. Suchen ist Bewegung. Allerdings: Oft in sehr kleinen Schritten, manchmal auch wieder rückwärts. Aber nie Stillstand.

„... dahin ich euch habe wegführen lassen.“ Wer mag, kann damit Erfahrungen von Enttäuschung, Niederlagen, Scheitern etc. beim Engagement für die Bewahrung der Schöpfung verbinden. Allerdings Vorsicht! Nicht überstrapazieren! Umweltbewegte Christen sind keine Märtyrer in einem feindlichen Umfeld, sondern eingebunden in gemeinsame Schuld und gemeinsame Verantwortung. Vor allem wichtig ist die große, ermutigende Perspektive, die in dem Jeremiatext steckt: Gedanken des Friedens, Zukunft und Hoffnung!

Eine Predigt zu diesem Text sollte mit Beispielen gelungener kleiner Schritte (es dürfen auch mal größere dabei sein) arbeiten, die Mut zum Mitgehen und Verantwortung übernehmen machen. Wenn es gut geht, natürlich solche, wo sich Kirchengemeinden oder einzelne Christen im Bereich der „Bürgergemeinden“ mit engagiert haben.

2.) Kurze Hinweise zu Deuteronomium 6, 2-6

Ein „Nachhaltigkeits“-Aspekt in diesem Text liegt m. E. noch am ehesten in der generationenübergreifenden Weitergabe des Bekenntnisses zu dem Gott, der Ursprung und Erhalter des Lebens ist, und zu seinen Geboten. Dazu ist es gut, - zumindest für sich selbst - den Text weiter zu lesen bis zum Ende des Kapitels. Die menschliche Treue gegenüber dem Gott, der selbst seiner Schöpfung treu bleibt, ist Grundlage des Lebens „in dem Land, da Milch und Honig fließen“ (V. 3). Dass diese Verheißung eines Lebens in Fülle hier allerdings nur auf die Israeliten zielt, wird es schwierig machen, die heutige Problematik des Umgangs mit der Schöpfung von diesem Text aus zu bedenken.

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt

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