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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8.10.06 – 27. Sonntag im Jahreskreis / 17. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 49, 1-6

Gen 2, 18-24

Hebr 2, 9-11

Mk 10, 2-16 oder kurz
Mk 10, 2-12

 

Der Autor geht auf alle Texte des Sonntags ein. Bezüge zu Nachhaltigkeit sieht er in Gen 2, Hebr 2 und Mk 10. Stichworte: „Prinzip Partnerschaft“ (als Mann-Frau-, Mensch-Tier-, Mensch-Natur-Verhältnis), intergenerationelle Gerechtigkeit

zu Jes 49,1-6:

Der zu den Knecht-Gottes-Liedern gehörende Predigttext bietet m. E. nichts zum Thema „Nachhaltig predigen“.

zu Gen 2, 18-24 (+ 15)

Bei dem Lesungstext, zu dem man V. 15 noch hinzunehmen müsste, handelt es sich um einen zentralen Text einer ökologisch orientierten Theologie:

Gen 2, 18-24 steht in einem gewissen Kontrast zu der Beschreibung des sechsten Schöpfungstages in Gen 1, 27-28: „27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde und machet sie Euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (Bibelübersetzung Luthers)

Nach der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau segnet Gott den Menschen also und setzt ihn über die Tiere. In unserem Text schafft Gott den Menschen und setzt ihn als Gärtner in den Garten in Eden (V. 15), schafft dann die Tiere, bringt sie vor Adam, der unter ihnen eine Gehilfin finden soll und sie benennt (V. 19-20), und nachdem Adam unter den Tieren keine Gehilfin für sich gefunden hat, macht er ihm eine Frau als Gehilfin und begründet damit die Ehe (V. 20-24).

Da der Mensch wie Tier und Natur geschaffen wurde, kann man mit unserer Stelle ein nahezu gleichgestelltes Verhältnis zwischen Mensch und Natur und Mensch und Tier begründen:

·         Der Mensch soll als Gärtner die Natur bauen und bewahren und nicht zerstören und ausbeuten.

·         Die Tiere werden von Gott als Partner des Menschen geschaffen, der jedem Tier einen Namen gibt. Er hat dadurch zwar Macht über sie – vgl. „Rumpelstilzchen“ -, aber er macht sie sich dadurch auch vertraut und übernimmt damit Verantwortung für sie. Dieses Motiv übernimmt Antoine de Saint-Exupery, dessen kleiner Prinz vom Fuchs aufgefordert wird, ihn zu zähmen, um ihn zum Freund zu machen.

In Gen 1, 28 soll sich der Mensch die Erde untertan machen und über die Tiere herrschen. Diese Stelle wurde oft dazu benutzt, um die Natur zu zerstören und die Tiere auszubeuten. Doch der Mensch ist hier nicht als böser Diktator gedacht, sondern als Statthalter Gottes, der seine Untertanen gerecht und fürsorglich behandelt. Damit kommt auch dieser scheinbar unserem Text widersprechende Schöpfungstext den natur- und tierfreundlichen Aussagen des Paradiestextes sehr nahe.

Unterstützende Texte und Materialien:

·         Röm 8, 18-25: Paulus dehnt die Erlösungshoffnung von den Menschen auf die Tiere aus, spricht aber nicht von einer Auferstehungshoffnung für Tiere.

·         Jes 11, 6-8 / Jes 65, 25: die Propheten Jesaja und Tritojesaja beschreiben, wie die Wiederherstellung paradiesischer Zustände für Mensch und Tier aussehen könnten.

·         Pred Sal 3, 16-22: der Prediger Salomo hält eine Auferstehungshoffnung für Tiere immerhin für möglich, wenn er die Vergänglichkeit des Menschen mit der des Tiers gleichsetzt.

sonstige Textvorschläge:

·         Antoine de Saint-Exupery; „Der kleine Prinz“ („Le petit Prince“), Kap. 11, zit. auf Internetseite http://www.welt-der-rosen.de/adventrose/8r.htm

·         Andreas Knapp: Anti-Genesis (Publik-Forum Nr. 6/28.3.1997, S. 25, bei Nachfrage bitte Mail an mich senden, J. R.: roggenbuck.joerg@web.de)

·         Jörg Zink: Die letzten sieben Tage der Schöpfung

·         Franziskus von Assisi: Der Sonnengesang

Text- und Bildvorschlag:

Umweltschutzplakat der Grünen zur Europaparlamentswahl 1979: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. Die Grünen“, Herausgeber: Bundesbüro der Grünen, Bonn, abgedruckt auf Internetseite vom Deutschen Historischen Museum; http://www.dhm.de/sammlungen/plakate/pli02940.html

Liedvorschläge:

Laudato si – Sei gepriesen (EG 515)

Komm, bau ein Haus (HN 589)

 

zu Hebr 2, 9-11

Der unserem Text zugrundeliegende Ps 8, 5-9 bewundert die Schöpfung und dankt dem Schöpfer für sein Werk, nämlich den Himmel und den Menschen: „4 Wenn ich sehe die Himmel, Deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die Du bereitet hast: 5 was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß Du Dich seiner annimmst? 6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast Du ihn gekrönt.“ Wie in Gen 1, 28 setzt Gott den Menschen zum „Herrscher“ über Natur und Tiere: „7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über Deiner Hände Werk, alles hast Du unter seine Füße getan: 8 Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, 9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.“ (Bibelzitat aus der Übersetzung Luthers)

Diesen Bezug auf die Schöpfungsordnung vermeidet der Autor des Hebräerbriefes, indem er „Elohim“ von Ps 8 nicht mit „Gott“ übersetzt, sondern aus der Septuaginta die Übersetzung „Engel“ übernimmt, und den Menschensohn mit Jesus Christus gleichsetzt. Somit geht es nicht mehr um das Verhältnis Gott – Mensch – Natur und Tiere, sondern um die – zeitweise – Unterordnung Jesu unter die Engel, dem nach seiner Erhöhung wieder alles untertan ist.

 

zu Mk 10, 2-16

Der erste Teil des Lesungstextes (V. 2-12) verbietet – basierend auf Schöpfungsordnung (Gen 1, 27) und der paradiesischen Zustände (Gen 2, 24) die Ehescheidung und gibt wenig her zum Thema „Nachhaltig predigen“.

In V. 13-16 dagegen segnet Jesus die Kinder. Zum Segen gehört auch das Hinterlassen einer intakten Schöpfung mit gesunden Lebensgrundlagen und ausreichenden Energievorräten, wie ein inzwischen „historisches“ Wahlplakat der GRÜNEN von 1979 dies so ausgedrückt hat: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ (Quelle s. o.)

Text- und Bildvorschlag: Umweltschutzplakat „Wir haben die Erde ...“

Jörg Roggenbuck, Dreieich

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