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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

27.08.06 – 21. Sonntag im Jahreskreis / 11. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Gal 2, 16-21

Jos 24, 1-2a.15-17.18b

Eph 5, 21-32

Joh 6, 60-69

 

Betrachtet werden außer den Predigttexten auch die Lesungstexte der ev. Leseordnung, da diese eine thematische Einheit bilden, die sich inhaltlich auf den Galatherbrief hin zuspitzt (Hl. Franziskus); Stichworte (e): Beschreibung / krit Hinterfragung unseres Umgangs mit Tieren (Infragestellen gängiger Wertmuster); gelungene Biografie im Glauben („Lebensentwurf“ d. Franziskus); (k): Bekennen zu Gott bedeutet Ehrfurcht vor seinen Werken, falsche / richtige „Götter“ und zugeordnete Orte der Besinnung; „Anstrengung Zusammenwirken der Teile (eine Welt)“: Christi Leib als lebenstiftendes Symbol ist dezidierte Anfrage an unseren Umgang mit Gewalt

A. Texte der katholischen Leseordnung

Josua 24, 1-2a, 15-18b

Es handelt sich um Teile der Rede Josuas, der das Volk zur Entscheidung ruft für oder gegen den Herrn.

Das Volk entscheidet sich für den Herrn, und Josua stellt einen Stein als „Zeugen“ auf für diesen Bundesschluss in Sichem als dem bedeutungsvollen Ort für die Stämme: Abraham hatte hier einen Altar gebaut, Jakob die aus Mesopotamien mitgebrachten Götzen beseitigt. Hier werden die Heilstaten des Herrn erinnert, hier wird der Herr angerufen, andere Götter verworfen.

Denkanstoss: Benennen der heutigen Götter (Geld, Konsum, Esoterik als neuer Weg zur Selbsterlösung, globalisierte Macht, die Ethik des „just for fun and just for me“, …)

Frage nach unseren bedeutungsvollen Orten, wo man sich Gottes erinnert und wo man zur Entscheidung gerufen wird – unsere (Kirchen- und Kapellen-)Steine als Zeugnis für unser einstiges (?) Bekenntnis

Frage nach dem persönlichen Leben als dem „Ort“ der Entscheidung für oder gegen Gott und der daraus resultierenden Ethik (Wer z. B. Gott als den Schöpfer bekennt, kann die Schöpfung nicht zerstören, so wie man Kunstwerke nicht zerstört und Bücher nicht verbrennt. Das wäre durchzubuchstabieren als Gewaltlosigkeit gegenüber Menschen, Tieren, Pflanzen.).

Epheser 5, 21-32

Paulus’ idealisierende Sichtweise und Verknüpfung von menschlichem Leib, Ehe und Kirche. Er spricht von gegenseitiger Unterordnung in gemeinsamer Ehrfurcht vor Christus (21). Seine Trias: Kopf-Leib, Mann-Frau, Christus-Kirche bedingen und erklären einander.

Für seine Ethik der Geschlechterbeziehung ist ausschlaggebend der 2. Schöpfungsbericht, in dem erzählt wird, dass Mann und Frau ursprünglich eine körperliche Einheit sind und sich deshalb erkennen (Bein von meinem Bein; ein Fleisch werden; „erkennen“ als Wort für den Zeugungsakt), - für Paulus ein „großes Geheimnis“.

Denkanstoss: Gewalt gegen Frauen ist eigentlich undenkbar, es sei denn, der Mann würde an zerstörerischem Selbsthass leiden, der Kopf (Mann) autoaggressiv mit dem eigenen Leib (Frau) umgehen. Die Unterordnung des Leibes (Frau) unter den Kopf (Mann) lässt auch daran denken, dass selbst der klügste Kopf nicht ohne seinen Leib leben kann, wie der Leib nicht ohne Kopf.

Paulus’ idealisierte Sicht des Miteinanders aus Ehrfurcht vor Christus und das Bild vom Haupt und Leib ergibt (übertragen auf die Kirche) die Frage, ob denn Christi Leib zerfasert ist, ob es abgetrennte Glieder gibt und ob die Glieder untereinander sich missachten könnten, da doch „Christus die Kirche geliebt und sich für sie dahingegeben hat“ (25b) und erst das Miteinander aller unterschiedlichen Körperteile einen ganzen Leib, eine ganze Kirche gibt.

Johannes 6, 60-69

Jesus redet „unerträglich“ (60) und viele Jünger ziehen sich zurück. Auch hier eine Entscheidungsgeschichte, die sich in ihrer Tragweite nur durch die davorliegenden Verse ganz erschließt. Es geht nicht um die Entscheidung für oder gegen eine Jesuanische Ethik, sondern für oder gegen das „Brot des Himmels“, das den, der davon isst, leben lässt. Abendmahl und Eucharistie sind sofort im Blick, ebenso die Göttlichkeit Jesu in der „Ich bin“ - Rede, die an die Offenbarung des Gottesnamens bei Mose erinnert.

Davor aber müsste niemand davonlaufen. Vielmehr redet Jesus sehr drastisch von seinem Fleisch und Blut als den Gemeinschaft stiftenden Elementen, die gegessen und getrunken zum Lebensbrot werden.

Denkanstoss: Für die Menschen der Synagoge, die realiter koscheres Fleisch aßen und Blut vom Schächten her kannten, ist diese Rede hart; ebenso sollte sie Stein des Anstoßes sein für Christenmenschen, die bis heute meinen, sie könnten ohne Erschrecken Fleisch und Blut von Abermillionen von Tieren konsumieren. (Die ungeheuerlichen Zahlen und alles, was mit dem heutigen Tierverbrauch zusammenhängt, lässt sich erheben aus den Massenmedien oder bei Tierschutzorganisationen.) Sollte dieses Erschrecken provoziert werden? Oder ist sogar mehr intendiert? Oder gelingt der Transfer so ohne weiteres, dass Jesus das „fleischgewordene Wort Gottes“ ist, das den Menschen nährt?

B. Texte der evangelischen Leseordnung

2. Samuel 12, 1-10 13-15a

Natans Tiergeschichte als Strafandrohung für David und dessen Reue. Unabhängig von der Wirkung der Geschichte innerhalb der Vita Davids und der Rolle Natans hat sie interessante Aspekte:

Denkanstoss:
1. Der Konflikt zwischen Arm und Reich – dass Reiche immer reicher werden, wenn sie nur skrupellos genug sind, sich zu verschaffen, was sie wollen, dass Arme immer ärmer werden und sie der Willkür anderer ausgesetzt sind, wenn sich niemand für sie einsetzt (Beispiele lassen sich genügend finden), ist unschwer aus dieser Geschichte zu erheben.

2. Der Konflikt zwischen der Liebe zum Tier und menschlichen Verwertungsinteressen wird hier überdeutlich. Der eine (Arme) hält sein Lamm „wie ein Kind“, der andere (Reiche) sieht darin nur einen Lebensmittellieferanten. Interessant, dass dieser Konflikt uralt zu sein scheint und zu Herzen geht, bei König David zumindest (er bereut). Bereuen wir angesichts Abermillionen von Tieren, die „gekeult“ werden, wenn Marktpreise, BSE, Schweinepest oder Vogelgrippe das „erforderlich“ machen? Dürfen wir die Tierliebe von Mitmenschen so skrupellos missachten? Können wir Christen überhaupt noch von Mitgeschöpflichkeit reden angesichts unserer alltäglichen Realität? Wie sollen wir die Tiere halten: wie der Arme oder wie der Reiche in der Geschichte?

Interessante Parallele zu Natans Tiergeschichte: Konrad Lorenz „Das Gänsekind Martina“ in: Gotthard M. Teutsch: „Da Tiere eine Seele haben“, Kreuz Verlag 1987

Epheser 2, 4-10

Für Paulus ist der Mensch anders, wenn er Christ ist: lebendig, gerettet, mit Christus auferweckt, beschenkt von Gott, hat einen Platz im Himmel, ist Geschöpf, ist geliebt, ist dazu geschaffen, gute Werke zu tun.

Denkanstoss: Dazu passt ganz gut folgende Geschichte:

H. Beier: „Nachfolge“

Eines Tages geschah ein kleines Wunder: Jesus ging vorüber und sah einen Mann, der „von Heute“ hieß. Und er sagte zu ihm: “Folge mir nach“.

Und der Mann sagte: “Ja. Aber erst muss ich noch alles mitnehmen, was das Leben wert macht und was mit wichtig ist. Und alles das, was nötig ist, um ein Mensch zu sein, was das Menschsein überhaupt ausmacht.“

Jesus lächelte, nickte und sprach: “So tue das, und komm dann.“

Und der Mann nahm alles Wichtige mit und folgte ihm nach. Er hatte viel eingepackt, hatte beide Hände voll, und auf dem Rücken trug er etwas, sogar auf dem Kopfe.

Und er lief hinterdrein, - aber schon bald sah er nur noch die Fußspuren des Herrn und folgte diesen.

„Mein Gott! Ist es schwer, dir nachzufolgen!“ keuchte er und schleppte alles das, was ihm teuer und wert war. Er beeilte sich.

Da sah er Jesus, wie er Kranke heilte, Traurige tröstete, Hungernde speiste, Tiere streichelte und mit Feinden wie mit Brüdern sprach.

Und er half ihm, so gut er nur eben konnte. Und als Jesus weiterging, folgte er ihm wieder. Und so geschah es noch sehr oft. Sie hatten alle Hände voll zu tun, denn es gab viele, unzählig viele, denen geholfen werden musste.

Und so kam es, dass er hin und wieder eines seiner Gepäckstücke, mit dem, was ihm wichtig war, stehen ließ und vergaß. Bis er zuletzt keines mehr hatte.

Und als Jesus weiterging, folgte er ihm wieder, und er ging so dicht hinter ihm, dass er das Wehen seines Mantels spüren konnte.

Da wandte sich Jesus um und lächelte: “Deine Hände sind ja leer. Wo ist das, was dir wert war?“ Und er lächelte ebenfalls und sagte: “Ich brauche es nicht mehr, Herr.“

(aus: Hrsg. H. Beier u. a. „Schöpfung am Kreuz“, Jugenddienst-Verlag 1985)

Lukas 18, 9-14

Diese Geschichte vom Pharisäer und dem Zöllner spricht für sich.

Denkanstoss: Vielleicht ist interessant, was bei den Chassidim über einen Frommen zu lesen ist, wo bei aller Kritik die Menschenliebe durchscheint: Rabbi Nachum wird um Fürbitte für einen Kranken gebeten, der „ein Mann (sei), weitberühmt um seines strengen Lebens willen und der Fromme geheißen“. „Ich weiß nicht“, erwiderte der Rabbi, „was das ist, ein Frommer, und auch von meinem Vater habe ich nichts darüber erfahren. Aber ich meine, es wird eine Art Kleid sein: Der Oberstoff ist aus Überhebung und das Futter aus Groll und genäht ist es mit den Fäden der Schwermut.“ (aus: M. Buber „Die Erzählungen der Chassidim“, S. 518, Manesse - Verlag, Zürich)

Vielleicht ist interessant, was bei Peter Rosegger (1843-1918) über „Die furchtbaren Sünden“ zu lesen ist: Alles, was dieses Geschlecht den hilflosen Tieren angetan hat aus Rohheit, aus Torheit, aus Übermut, aus Bosheit – es komme zurück. Aller Vorteil, den der Mensch grausam aus schwächeren Geschöpfen ziehen will, verwandle ich in Unheil, und die furchtbaren Sünden, die an Tieren begangen wurden, die unendlichen, schreienden und stummen Klagen der gepeinigten Kreatur, sie haben sich verdichtet zu einem Fluch, und das Verhängnis wird sich erfüllen. (aus: G. M. Teutsch „Da Tiere eine Seele haben“, S. 162, Kreuz Verlag 1987)

Galater 2, 16-21

Paulus wird nicht müde, immer wieder und überall zu verkündigen, dass nur der Glaube an Jesus Christus uns zu Menschen macht vor Gott und nicht das Befolgen wenn auch heiliger Gesetze. Die Rechtfertigung ist gleichzeitig die Veränderung durch Glauben.

Denkanstoss: Wohin das später führen wird, zeigen die Biografien der Heiligen, besonders aber die des Hl. Franziskus, der das verkörperte, was Paulus gefordert hat: nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir (20a).

Heidemarie Beier, Mainz

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