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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

13.08.06 - 19. Sonntag im Jahreskreis / 9. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jer 1, 4-10

1 Kön 19, 4-8

Eph 4, 30-5, 2

Joh 6, 41-51

 

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV ein; Stichworte: Gaben und Aufgaben erkennen und wahrnehmen, Nachfolge heißt nach Gottes Plan handeln, Missstände in Kirche und Gesellschaft aufzeigen und Veränderung einfordern, Glaubwürdigkeit der Kirche, Macht und Ohnmacht, Heil und Unheil, der Angst begegnen, Gefahren und Chancen der Globalisierung.

 

Zu den kath. Lesungstexten lassen sich aus Sicht des Verfassers mehrfach Assoziationen zu einzelnen Stichworten des Jeremia-Textes herstellen: Zu 1 Kön 19, 4-8: Elia hatte, wie Jeremia, gegen religiöse Missstände zu predigen. Er wollte (aus Angst) lieber sterben, als Gottes Auftrag (Nachfolge) zu erfüllen. Damit Elia überleben konnte, wird er mit Brot (zwangs-)ernährt. Zu Joh 6, 41-51: In der Perikope wird Jesus als der dargestellt, der gegen das „murrende“ Volk zu reden (seine Aufgabe) hat. Er behauptet von sich „Brot des Lebens“ zu sein. Gottes Plan heißt Leben (Heil). Zu Eph 4, 30 - 5, 2: Seid Gottes Nachfolger, als seine Kinder (Gottes Geschöpfe) und wandelt in der Liebe (Glaubwürdigkeit).

 

Stellung im Kirchenjahr

Im Ablauf des evangelischen Kirchenjahres liegt der 13. August 2006 in der Trinitatiszeit. In ihr befassen wir uns mit verschiedenen Aspekten des Wirkens Gottes unter den Menschen und die Antwort der Menschen auf Gottes Wirken. Der 9. Sonntag nach Trinitatis wird durch das Evangelium von den anvertrauten Zentnern bestimmt. Gott hat uns Gaben gegeben, mit denen wir „wuchern“ sollten. Wir werden daran gemessen werden, wie wir diese Gaben fruchtbar einsetzen.

Das Buch Jeremia

Das Buch Jeremia liegt in zwei unterschiedlichen Textversionen vor, einer griechischen und einer hebräischen. Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen in Position und Reihenfolge verschiedener Perikopen, sowie in der Länge. Die hebräische Version ist um ein Siebtel länger. Ob nun die uns vorliegende hebräische Version oder die der griechischen Version (Septuaginta) älter ist, ist umstritten. Zu unserer Perikope ist festzuhalten, dass sie in beiden Versionen in gleicher Weise den Anfang bildet und sich auch inhaltlich nicht voneinander unterscheidet.

Jeremia („Jahwe erhöht“), Sohn des Priesters Hilkia, wurde um 650 v. Chr. in dem kleinen Dorf Anatot geboren. Seine Berufung zum Propheten könnte ca. 20 Jahre später erfolgt sein. Als König Joschia um 622 den Jahweglauben wieder favorisiert, endet die prophetische Verkündigung Jeremias zunächst. Er beginnt wiederholt im Namen Gottes zu sprechen, als unter Jojakim (609-597) abermals heidnische Sitten eingeführt werden. Sein Schreiber Baruch schreibt um 605 seine Worte auf, die Schriftrolle wird von Jojakim verbrannt. Jedoch hat es Baruch erneut aufgeschrieben. Als Nebukadnezar Jerusalem einnimmt und einen Teil der Bevölkerung in die Gefangenschaft nach Babylon führt, bleibt Jeremia in Jerusalem. Er wird von König Zedikija zeitweise gefangen gesetzt, bleibt auch bei der zweiten Verschleppung 586 in Jerusalem, wird dann aber gezwungen, mit Baruch nach Ägypten zu fliehen. Außerbiblische Quellen führen an, dass er in Ägypten den Märtyrertod erlitt.

Jeremia ist mit "Worten Jahwes" und mit "provozierenden Handlungen" (z. B. dem Tragen eines Joches, 27, 2) als scharfer Kritiker sowohl Königen als auch Priestern und Propheten in den Weg getreten. In seiner Botschaft kommt sowohl Gottes Anspruch an das politische und das religiöse Leben des Volkes zur Sprache. So kritisierte er scharf ihre soziale Bosheit und warf ihnen politische Kurzsichtigkeit vor. Worte, wie „Lug, Trug und Verlogenheit“ gelten als Schlüsselworte. Nicht mehr das Recht Jahwes bestimmt eine auf Solidarität gründende Gemeinschaft, sondern Täuschung, Betrug und Gewinn prägen die Gesellschaft. Jeremia muss sehen, dass der nahe Untergang Judas und Jerusalems bevorsteht. In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es konkrete Heilserwartungen - vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich jedoch nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, dass die Zeit des Unheils begrenzt ist, dass Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu Jahwe. So darf Jeremia auch hören, dass Gott einen Neuanfang verheißt - einen "neuen Bund".

 

Anmerkungen zum Text Jeremia 1, 4-10

Zu Vers 4: Jahwe redet zu Jeremia

Zu Vers 5: Die Berufungsgeschichte des Jeremia macht deutlich, dass der Mensch ein Geschöpf Jahwes ist („ehe ich (Jahwe) dich im Mutterleibe bereitete“) und dass jeder Mensch Jahwes volle Aufmerksamkeit besitzt. Beachtenswert ist der Aspekt, dass Jeremia seinen Beruf als Prophet bereits im Mutterleibe in die Wiege gelegt bekam. Er wird als „Prophet für die Völker“ bezeichnet. Dieser Titel charakterisiert ihn im gesamten AT als einen herausgehobenen Propheten. Die Verantwortung des Jeremia ist groß. Nicht nur Israel, sondern allen Völkern und Königreichen soll er das Wort Jahwes sagen. Dass es Jeremia bei diesem Gedanken etwas mulmig wird, ist gut zu verstehen.

Zu Vers 6: Jeremia wehrt er sich gegen seine Berufung; er hält sich für zu jung. Es ist zu erwarten, dass er aufgrund seines geringen Alters nicht ernst genommen würde. Hohes Alter galt als Garantie für Weisheit und Wissen.

Zu Vers 7: Jahwe lässt jedoch das Alters-Argument nicht gelten, denn er selbst sendet ihn, und die Autorität Jahwes kann letztlich keiner anzweifeln.

Zu Vers 8: Dass die Propheten immer wieder massiv bedroht wurden, lag auf der Hand! Die Bedrohungen gingen von denen aus, die er zu kritisieren hatte - den Mächtigen in „Kirche und Staat“ – von den Priestern und Propheten (Kap. 26-29) sowie Königen und Beamten (Kap. 21-24, 34-38). Jedoch lässt Jahwe seinen Propheten nicht im Stich: „Fürchte Dich nicht vor ihnen!“ – ist Jahwes Zuspruch.

Zu Vers 9: Wie bei anderen Propheten wird auch bei Jeremia der Mund des Berufenen durch Jahwe berührt. Jedoch geschieht dieses bei Jeremia lediglich durch Berühren der Lippen und nicht „mit feuriger Kohle“, wie bei Jesaja, der zuerst noch „gereinigt“ werden musste.

Zu Vers 10: Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist deutlich: Jahwe legt Jeremia seinen Beruf bereits in die Wiege. Es ist die Gabe (der prophetischen Rede), die Jahwe ihm anvertraut hat und mit der er nun umzugehen lernen muss. Die Aufgabe ist überwältigend, er hat noch nicht den Mut dazu. Aber letztlich fügt er sich dem Auftrag Gottes. Jeremias Auftrag konkret: „ausreißen und niederreißen, vernichten und einreißen, aufbauen und einpflanzen“. Auch wenn dem Übergewicht der beiden destruktiven Wortpaare am Anfang die Dominanz der Gerichtsreden im gesamten Buch Jeremia entspricht, so steht am Ende nicht das „zerstören und vernichten“ sondern das „bauen und pflanzen“!

 

Vorschlag für Thema und Gliederung der Predigt

Gott hat einen Plan (1.) für mich, - (2.) für die Kirche, - (3.) für die Welt

Anmerkungen zur Predigt

Zu 1.) Die Predigt könnte mit einem kurzen Text von Henry Nouwen „Zwillinge im Mutterleib“ eingeleitet werden. Nach überleitenden Worten den Predigttext lesen. Habe mich zur Ausgabe: „Die Bibel im heutigen Deutsch“ entschieden, weil in dieser Übersetzung der Vers 5 so übersetzt ist: „Noch bevor ich dich im Leib deiner Mutter entstehen ließ, hatte ich schon meinen Plan mit dir...“ Gott hat einen Plan mit mir, der letztlich darin mündet, dass er mit mir „bauen und pflanzen“ möchte. Eindringlich klingt der Auftrag Gottes an mich hindurch, mich selbst als Geschöpf zu betrachten und die Schöpfung zu bewahren. Während im 1. Predigtteil eine Art Selbstverpflichtung enthalten ist, ist in den beiden folgenden Teilen von mir gefordert, dass ich dazu beitrage, dass Mißstände in Kirche und Gesellschaft offen gelegt werden, wie Jeremia es auch getan hat.

 

Zu 2.) Welches sind Mißstände in der Kirche? Ich denke hier an die zunehmende Angst unter kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um ihren Arbeitsplatz. Auch wenn nach wie vor betont wird, dass „auf Betriebsbedingte Kündigungen“ noch verzichtet werden kann, so wird der Umgangston innerkirchlich rauer. Zugegeben – die sinkenden Mitgliederzahlen in den Kirchen führen zwangsläufig auch zu einem Rückgang von Kirchensteuermitteln. Die Frage, die wir als Kirche an uns selbst zu stellen haben, ist die, wo Kirche ihre Prioritäten setzt. Kirche muss glaubwürdig sein, wenn ihre Botschaft gehört werden soll. Die Kirche wird daran gemessen werden, ob es den Verantwortlichen gelingt, sozialen Belangen vor ökonomischen den Vorrang zu geben. Ein weiteres Beispiel: wenn wir bei der Glaubwürdigkeit der Kirche bleiben und dabei auf das Streben der Einheit unter den Kirchen blicken, beobachten wir eine seltsame Diskrepanz. Sie lässt sich teilweise etwas vereinfacht so darstellen lässt: Je mehr Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen untereinander Kontakte pflegen, umso schwieriger scheint sich eine Einheit auf kirchenleitender Ebene zu gestalten. Dabei sind formal Voraussetzungen auf dem Weg hin zur Einheit der Christen längst geschaffen, etwa mit der „Charta Oecumenica“, diese gilt es auszugestalten, zu leben.

 

Zu 3.) Welches sind die Mißstände im gesellschaftspolitischen Bereich - weltweit? Bevor auf die weltweiten – globalen – Missstände eingegangen wird, könnte in einem ersten Teil auf die zu erwartenden sozialen Probleme in einem zusammenwachsenden Europa hingewiesen werden. Zu nennen sind etwa in wirtschaftlicher Hinsicht das „Ost-West-Gefälle“, das Abwandern von Unternehmen aus Westeuropa in Osteuropäische Länder, aber auch das Einwandern von Menschen aus Osteuropa in die westlichen Mitgliedsländer. Soziale Missstände (Arbeitslosigkeit, Ausbeutung durch Billiglöhne, …) sind geradezu vorprogrammiert. Betrachten wir einzelne Aspekte des EU-Verfassungsvertrages, etwa solche, die sich mit Sicherheitsfragen befassen, wird deutlich, dass die Verfasser des Verfassungsvertrages sozialen „Sprengstoff“ allein schon damit produziert haben, dass sie allen EU-Mitgliedsstaaten milliardenteure militärische Projekte vertraglich abverlangen. Wie eingangs erwähnt, könnte an dieser Stelle die Linie auf die weltweite Ebene (Globalisierung) fortgezeichnet werden. Allerdings wäre es notwendig, dass auch positive Aspekte der Globalisierung Erwähnung finden.

 

Zum Schluß: Es sollte hervorgehoben werden, dass Jahwe einen Plan für seine ganze Schöpfung hat und dieser Plan ist gut. Die Devise ist zukunftsorientiert und heißt: „bauen und pflanzen“! Jedem Menschen hat Jahwe Gaben in die Wiege gelegt, die er im Sinne dieses „Bauens und Pflanzens“ entfalten kann und soll. Diese Gaben sind vielfältig. Letztlich wird Jahwe bei der Entfaltung dieser Gaben mithelfen; niemand wird damit alleingelassen. Angst vor dieser Aufgabe ist unbegründet, weil Jahwe seine Hilfe zugesagt hat. Als Abschlusstext könnte ein Text von Hanns Dieter Hüsch gelesen werden: „Ich war und bin immer ein Prediger und Zweifler, …“ (s. u.).

 

Liedvorschläge zur Predigt

O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

Sonne der Gerechtigkeit (EG 262)

Gleichwie mich mein Vater gesandt hat (EG 260)

 

Texte zur Predigt

1. Zwillinge im Mutterleib

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter: "Sag einmal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragt der eine Zwilling. - "Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden groß und stark für das was draußen an der frischen Luft kommen wird." antwortet der andere Zwilling. - "Ich glaube, das hast du eben erfunden!" sagt der erste. "Es kann kein Leben nach der Geburt geben - und wie soll den 'frische Luft' bitte schön aussehen?" - "So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herumfliegen können und mit dem Mund tolle Sachen essen?" - "So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumfliegen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz." - "Doch, das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders sein." - "Du träumst wohl! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben einfach zu Ende! Punktum!" - "Ich gebe ja zu, dass keiner genau weiß, wie das Leben 'nach der Geburt' aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird sicher für uns sorgen." - "Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo soll denn die nun sein, bitteschön?" - "Na hier - überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!" - "So ein Blödsinn! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht! Schluss damit!" - "Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie leise singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt ..." (nach Henry Nouwen)

2. Ich war und bin immer ein Prediger und ein Zweifler

Ich war und bin immer ein Prediger und ein Zweifler

Ich war und bin immer ein Prediger und ein Zweifler,

mal mit der Fackel in der Hand,

mal mit der Narrenkappe auf dem Gehirn,

mal als Kind und mal als Komiker.

Ich  bin ein fahrender Poet,

ein Gedankengänger und ein Glückskind.

Ich kann aus Trauer Trost machen,

aus Schmerzen Heiterkeit,

aus Zorn Zärtlichkeit

aus Feinden Freunde

und aus Weinen Lachen.

Wie ich das mache, weiß ich nicht.

Das weiß nur der liebe Gott. (Hanns Dieter Hüsch)

 

Quellen:

Die Gute Nachricht in heutigem Deutsch, Deutsche Bibelgesellschaft, 1982

Artur Weiser, ATD, Bd. 20, Das Buch Jeremia, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen

Gottfried Voigt, Die himmlische Berufung, Predigtexte Reihe IV, Ev. Verlagsanstalt Berlin

Martin Bucholz, Was machen wir hinterher? – Hanns Dieter Hüsch, Brendow-Verlag

Eberhard Dittus, Speyer

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