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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

30.07.06 – 17. Sonntag im Jahreskreis / 7. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Phil 2, 1-4  

2 Kön 4, 42-44

Eph 4, 1-6

Joh 6, 1-15

 

Der Autor geht auf alle Texte des Sonntags ein. Stichworte (e): im Handeln „gesinnt sein, wie es Jesus Christus war“, „weniger ist mehr“, „schau, was dem anderen (irgendwo in der Welt) fehlt“; (k): Toleranz; Frieden ist, den anderen zu ertragen, ist eine Form der Auseinandersetzung; Fairer Handel als Anreiz zur Auseinandersetzung und als Handlungsmodell; Jesus vermehrt nicht die Brote und die Fische, sondern er teilt aus; Verteilungsproblematik, Geiz; Ausbeutung von Ressourcen; Nachfolge Jesu „in Sachen Verteilung“

 

Phil 2, 1-4

Die feierliche Sprache des Textabschnittes läuft auf den Zuspruch der Liebe Gottes, also die Versicherung der Liebe Gottes und daraus folgend den Zuspruch der Rechtfertigung zu. Dieser Zuspruch der Rechtfertigung lässt mich als Angesprochenen die Liebe begreifen, mit der Gott mich persönlich meint.

Dieser Zuspruch ist mehr als Humanität und hat Folgen im Handeln des Angesprochenen. In dem unserem Abschnitt folgenden Christushymnus wird konkretisiert, woher die Sicherheit der Richtigkeit der Handlung kommt: aus der Liebe Jesu und aus dem „so gesinnt sein wie Jesus Christus auch war“.

Aus dem Zuspruch der Rechtfertigung entsteht Solidarität und die Aufgabe, Gottes „Handlanger“ hier auf Erden zu sein. Dieses geschieht in Gemeinschaft, ebenso wie in unserem Abschnitt die Gemeinde als Gemeinschaft der in der Welt Handelnden angesprochen ist.

Die aus dem Abschnitt abzuleitende Orientierung am Weg Jesu lässt sich leicht mit folgender Frage konkretisieren: „Schau, was dem anderen fehlt.“ Damit sind nicht nur die anderen Mitglieder der Gemeinde angesprochen, sondern alle Menschen, die ebenfalls die „Anderen“ sind: Ausgestoßene, an den Rand Gedrängte, Arme. Der Hinweis im Text, „eines Sinnes zu sein und einander in Liebe verbunden zu sein, einmütig und einträchtig“, bedeutet durchaus nicht Uniformität, weder in der Ökumene noch in der Gemeinde oder in der Kirche. Wir sind unterschiedlich und sollen es sein. Verbinden kann die Orientierung am Weg Jesu: Schau, was dem Anderen fehlt. Diese Ausrichtung auf den Indikativ lässt uns nicht zuerst auf uns selbst achten und die eigenen Interessen, sondern auf den Anderen.

Mit dem Anderen ist der ganze Erdkreis gemeint, nicht spezifiziert. Das bedeutet, Schöpfungsverantwortung einzubeziehen genauso wie die Probleme des Unterschiedes von Reichtum im Norden der Welt und Armut im Süden, die Unterschiede in den südlichen und in den nördlichen Ländern selber. Man hüte sich vor Pauschalen: Es gibt nicht „die armen Länder“ sondern nur Arme in südlichen Ländern, es gibt nicht reiche Industrieländer, sondern nur Reiche in Industrieländern. Immer gibt es ökonomisch Reiche und Arme; es kann aber durchaus sein, dass ökonomisch Reiche arm an Lebensqualität sind – sind sie dann nicht auch arm, obwohl sie viel Geld haben? Was also ist arm oder reich? Doch Vorsicht vor dem Umkehrschluß: Arme sind durchweg nicht glücklich oder reich – sie leiden doppelt: ökonomisch und psychisch-emotional, weil sie z. B. ihren Kindern keine gute Ausbildung mitgeben können.

Die Schöpfung wird nicht bewahrt nur durch Großprojekte, sondern besonders durch kleine Schritte, die folgen, wenn ich genau hinsehe, was dem Anderen fehlt. Dies bedeutet z. B. abzuwägen, ob der Einkauf nicht auch zu Fuß erledigt werden kann - auch wenn ich dabei dann zwei schwere Taschen nach Hause tragen muss, auch wenn es etwas länger dauert. Es kann nicht darum gehen, das Auto prinzipiell abzuschaffen, sondern nur darum, es sinnvoll einzusetzen: Weniger ist mehr, früher nannte man es Demut.

 

Eph 4, 1-6

Die Mahnung zur Einheit ist eindringlich! Es geht nicht um Uniformität, um vergessen der Unterschiede, um Unterordnung. Die vorgegebene Einheit des Geistes Gottes fordert eben nicht eine einheitliche Meinung, sondern sie fordert die Bewahrung der bereits vorhandenen Einheit des Geistes Gottes - durch das Band des Friedens. Nicht die Einheit in der Ansicht ist es, die hergestellt werden soll, sondern im Bemühen um Frieden wird die Einheit des Geistes Gottes sichtbar.

Frieden bedeutet den Anderen ertragen. Der Epheserbrief ermahnt dieses auf dem Hintergrund der Gemeindezusammensetzung von Juden-Christen und Heiden-Christen. Es gibt in dieser „Einheit“ der Gemeinde durchaus immer Durststrecken, da eben diese Einheit nicht da ist, sondern eine Gemeinde oder eine Gemeinschaft immer durch unterschiedliche Meinungen von Menschen geprägt und bestimmt wird. Das ist auch nicht schlimm, es geht nur um den Umgang miteinander. Und es geht auch nicht darum, den Anderen zu ertragen auf Gedeih und Verderb, sondern es geht um die Form der Auseinandersetzung und um die Form der Einigung.

Die Einheit des Geistes Gottes sichtbar machen in der Einheit und der Gemeinschaft der Glaubenden. Dies wird ausgedrückt in der Art und Weise, wie in einer Gemeinde oder einer Gemeinschaft über strittige Dinge verhandelt wird; dies wird ausgedrückt in Solidarität mit der Schöpfung oder mit Menschen, die ökonomisch am Rande stehen, die schlicht und ergreifend arm sind. Deutlich ist darauf hinzuweisen, dass dieses nicht nur pauschal mit südlichen, sogenannten Entwicklungsländern der Fall ist, sondern dass es Arme durchaus auch in der eigenen Gemeinde gibt - und die werden ebenso übersehen wie die Armen in den südlichen Ländern. Erst wenn wir in unserer Gemeinde wahrnehmen, dass wir nicht nur das Problem der Armut im Süden haben, sondern auch das Problem vor der eigenen Haustür, erst dann wird die Auseinandersetzung in der Gemeinde konkret, wird die Einheit des Geistes Gottes deutlich in gemeinsamem Bemühen um psychische und ökonomische Hilfe für diese Menschen. Die Hilfe für Arme in Entwicklungsländern, bei Partnerorganisationen dort – seien es Kirchen, Nichtregierungsorganisationen oder Teile der sozialen Bewegung – ist oft Caritas, beendet durch die Spende, was gut und nötig ist, aber eigentlich nicht reicht. Könnte die Hilfe in unseren kleinen Schritten zur Bewahrung der Schöpfung bestehen? Im Einkauf Fairer Waren oder sogar der aktiven Beteiligung am Fairen Handel in der örtlichen „Aktionsgruppe“ oder dem Weltladen um die Ecke?

Glaube verlangt oft handfeste Auseinandersetzung. Aber ich muss sie so führen, dass der Andere eine Chance hat. Dies bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens sowohl in der Gemeinde als auch des privaten Lebens einzelner Gemeindeglieder.

Zentraler Satz des Abschnittes ist der Vers 2.

Die Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen ist kein Privathobby, sondern Auftrag, ergangen an die Menschheit mit der Übergabe der Verantwortung, den Garten zu bebauen und zu bewahren (Gen 2, 15). Ohne die Liebe Gottes, die in der Einheit des Geistes zum Ausdruck kommt, wird es nicht gelingen; weder in der Gemeinde noch im Privathaus.

 

Joh 6, 1-15

Der Respekt Jesu vor dem Hunger der Leute ist offensichtlich, er hört nicht nur zu und heilt Kranke, sondern er sieht und nimmt die vitalen Bedürfnisse von Menschen wahr. Dabei ist Brot das Symbol. Auf der Wanderung durch die Wüste in das verheißene, gelobte Land war Manna das Symbol des Lebens, im christlichen Glauben steht das gebrochene Brot für die Hingabe Jesu zur Vergebung der Sünden. Brot ist Grundnahrungsmittel, nicht nur im Mittelmeerraum. Brot steht symbolisch für sattmachen an Leib und Seele, stillen des leiblichen und geistigen Hungers.

Das Geschehen sich bildhaft vor Augen zu führen hilft, die Falle zu vermeiden: Jesus vermehrt nicht die Brote und die Fische, sondern er teilt aus, während die Jünger rechnen und meinen, es reiche nicht.

Ein Thema dieses Abschnittes könnte das Brot als Grundnahrungsmittel und unser Umgang damit sein. Die Verteilungsproblematik zwischen Nord und Süd auf der Welt, innerhalb unseres Landes zwischen Reichen und Gesättigten auf der einen Seite und Hartz IV- und Sozialhilfeempfänger auf der anderen Seite.

An der Verteilungsproblematik wird es deutlich: Es ist eigentlich für alle genügend da, wir beklagen die Armut in der Welt und den Hunger. Dabei gehören wir zu den Tätern, leben vom wirtschaftlichen Erfolg zu Lasten der armen Länder, selber essen macht satt!?

Je mehr wir aber selber essen und verbrauchen, desto hungriger, gieriger und unbeweglicher werden wir offensichtlich. Geiz ist durchaus nicht geil! Und rechnen und planen hilft nur bedingt.

Die Verantwortung, die Menschen für die Erde von Gott übertragen bekommen haben, passt nicht zusammen mit unserem gegenwärtigen weltweiten Wirtschaftssystem (und der dadurch de facto gestalteten Globalisierung), passt nicht zusammen mit der weiterhin ungezügelten Ausbeutung von Naturressourcen (Regenwald, Erzabbau im Tagebau, Wasserverbrauch, Energieproduktion usw.). Es gilt „Brot für die Welt“, „Fahrrad statt Auto“, „Gewaltverzicht“, es gilt Brocken sammeln, statt Reste wegwerfen. Es gilt zu verteilen, was da ist, statt zu rechnen, ob es wohl für alle reicht. Denn es ist genug da, man muß es nur anders verteilen (siehe: Udo Lindenberg, Mr. Superfinger).

Jesus lehrt verteilen und brauchen, was da ist. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Er nimmt uns eigenes Handeln nicht ab.

Nachfolge ist Übernahme von Verantwortung Tag für Tag.

 

2 Kön 4, 42-44

Das Gerstenbrot ist das Brot der armen Leute. Auch hier, wie bei Joh 6, rechnet der Diener, statt zu verteilen.

Elisa ist der ausgewiesene Prophet Gottes. Propheten sind nicht Wahrsager oder Vorhersager von Zukunft, sondern Mahner, Zeichengeber, Diener Gottes, seinen Willen deutlich zu machen. Die Parallelität dieser Geschichte zu Joh 6, 1-15 fällt auf, Elisa verteilt. Soll der Rückgriff im Johannes-Evangelium die Prophetenrolle Jesu verstärken?

Über die Symbolik um das Brot s. o. Abschnitt zu Joh 6, 1-15.

Wolfram Walbrach, Düsseldorf

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