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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23.07.06 - 16. Sonntag im Jahreskreis / 6. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Apg 8, 26-39

Jer 23, 1-6

Eph 2, 13-18

Mk 6, 30-34

 

Apostelgeschichte 8, 26-39: Thema Wasser

Einleitende Gedanken

Die Leseordnung der EKD führt uns durch die Apostelgeschichte. Hier geht es um die Taufe eines bedeutenden Äthiopiers, der Kämmerer am Hof der Königin Kandake. Er wird vom Lesen des Propheten Jesaja zum Glauben an Jesus geführt und bittet Philippus um die Taufe, als sie an einem Wasser vorbeikommen.

Nicht nur bei der Taufe spielt Wasser in der Heiligen Schrift eine große Rolle, hier ist es Quelle neuen Lebens. Es hat aber noch vielfältige andere Bedeutung.

Exegese

Diese Stelle stammt wohl aus dem Kranz der Legenden über Philippus die vor allem bei den Hellenisten tradiert wurden. Philippus erhält durch einen Engel einen „blinden Auftrag“. Es geht darum, dass Heiden gerade auf den Willen Gottes hin getauft werden können.

Auf dem Weg begegnet er dem Kämmerer der Kandake, der Königin von Äthiopien, das wohl eher das heutige Nubien gewesen sein dürfte. Er war also schwarz, als Heide und Eunuch konnte er nicht Jude werden, er war aber ein Gottesfürchtiger. Unterwegs von Jerusalem las er laut, wie es in der Antike üblich war, in seinem Wagen den Propheten Jesaja. Philippus wird ausdrücklich vom Geist selbst aufgefordert hinzuzutreten. Gott will diese Begegnung wird damit gesagt und auch die anschließende Taufe. Der Kämmerer lädt Philippus zur Mitfahrt und Erläuterung ein. Im Text sind zwei christologische Änderungen, die die Auslegung auf Christus erleichtern, so statt: „denn abgeschnitten wird er vom Land der Lebendigen“ heißt es: „Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen“. Philippus deutet diesen Text auf Jesus. Als eine Wasserstelle kommt, bittet der Kämmerer um die Taufe und Philippus tauft ihn. Dann wird er entrückt und der Kämmerer zieht froh seiner Wege.

Hier wird der lebenssschaffende Tod Jesu geöffnet für einen Beschnittenen und einen Heiden, die nun vollen Zugang durch die Taufe zum neuen Leben bekommen. Der Zugang zum Judentum war ihm doppelt versperrt. Dies im Wasser der Taufe besiegelte neue Leben ist für alle da.

Wasser

A Allgemein

Große Teile der Erde sind mit Wasser bedeckt. Die Versorgung der Weltbevölkerung mit Trinkwasser und hinreichend Nutzwasser ist eine der größten Sorgen für die Menschheit in den kommenden Jahren. Von den 1.386 Millionen km³ Wasser auf der Erde sind nur 2,53% Süßwasser. Die Menschheit stand in ihrer Geschichte immer im Konflikt zwischen zuviel und zuwenig Wasser. Der Körper des erwachsenen Menschen besteht zu 60% aus Wasser. Der Verlust von 15-25% an Wasser ist tödlich. Ein Mensch überlebt nur drei Tage ohne Wasser. Von daher gehört das Wasser zu den lebensnotwendigsten Gütern.

Wasser als eines der vier Elemente spielt in der Philosophie Griechenlands (Empedokles um 450 v. Chr.) eine große Rolle, Thales von Milet (um 600 v. Chr.) sah im Wasser den Urstoff allen Seins. Auch in Mythologien und Religionen hat es einen wichtigen Platz. So in den verbreiteten rituellen Reinigungsbädern aber auch als lebensspendende Kraft.

Das Recht auf Wasser wird auch als ein Menschenrecht betrachtet.

B Im Christentum

In der Bibel spielt Wasser eine große Rolle. So schwebte bei der Schöpfung der Geist Gottes über dem Wasser (Gen 1, 2) oder die Ströme im Garten Eden (Gen2, 10). Das Wasser ist eine lebensspendende Kraft. Moses verwandelt Wasser in Süßwasser bei Mara (Ex 15, 25) und schlägt Wasser aus dem Felsen (Ex 17, 6). In der großen Flut (Sintflut) zerstört das Wasser alles (Gen 7, 7ff.). Naaman heilt der Aussatz im Wasser des Jordan (2 Kön 5, 1ff.).

Im Neuen Testament bekommt das Wasser in der Taufe eine entscheidende Bedeutung. So in der Taufe Jesu im Jordan, als der Geist Gottes auf ihn herabkommt (Mk 1, 8 par.). Geist und Wasser gehören zusammen. (Apg 10, 47), das Untertauchen symbolisiert den Tod, das Auftauchen die Auferstehung und neues Leben (Röm 6, 3). Durch die Taufe werden alle in einen gemeinsamen Leib aufgenommen (1 Kor 12, 13). Das Wasser der Taufe reinigt und heiligt zu neuem Leben (1 Petr 3, 21).

Gedanken zur Ansprache

Durst ist schlimmer als Hunger, Durst kann man nur drei Tage überleben, Hunger aber fast 30 Tage. Wasser hat etwas mit unserem Leben zu tun.

In der Heiligen Schrift hat das Wasser eine große Bedeutung. Durst ist Symbol für die Sehnsucht nach dem Wort Gottes, ohne das wir nicht das Leben haben. So sieht es die Heilige Schrift immer wieder. Wasser hat eine lebensspendende Kraft. Gerade deshalb ist es auch wohl zum Symbol der Taufe geworden. In der Taufe wird uns neues Leben gespendet. Wir erhalten neu Anteil am unvergänglichen Leben Gottes in Jesus Christus, der lebensspendende Geist lebt in uns.

Allein schon deshalb sollte Wasser bei uns einen großen Respekt genießen. Aber es kommt vor allem noch hinzu, welche Bedeutung Wasser für unser Leben überhaupt hat. Ohne Wasser können wir nicht leben. Der Zugang zum trinkbaren Wasser ist aber nicht mehr überall selbstverständlich oder mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Zu den Ländern mit Wasserkanppheit sind 2005 neu dazu gekommen: Äthiopien (siehe unseren Text), Burkina Faso, Haiti, Kenia, Malawi, Marokko und Somalia. Deshalb gibt es eine Schweizer Kampagne „Wasser für alle“ - der Zugang zum Trinkwasser soll zu einem Menschenrecht erklärt werden. In dieser Aktion arbeiten kirchliche und nichtkirchliche Organisationen und weitere Religionen zusammen. Kritisch beobachten wir Tendenz von großen Unternehmen, Wasser zu einem Wirtschaftsgut zu machen.

Wasser spendet und erhält Leben, das erfahren wir durch die Taufe. Unser Dank könnte auch ein der Einsatz zum lebensspendenden Wasser für alle.

Literatur

Kürschner-Pelkmann, F., Menschenrecht Wasser 7, Hintergrundmaterialien, Hg. Brot für die Welt, Stuttgart 2003

Roloff, J., Die Apostelgeschichte, NTD Bd. 5

Wikipedia (Internet) Stichwort <Wasser>

 

Jeremias 23, 1-6: Recht und Gerechtigkeit als Aufgabe des Staates

Einführung

Recht und Gerechtigkeit gehören zu den wichtigsten Aufgaben eines Staates. Dort wo die Regierenden sich nicht danach richten, werden sie zu einer Räuberbande, wie es schon Thomas von Aquin betonte. Letzter Garant der Gerechtigkeit vor allem für die Armen und Schwachen ist Gott. Wenn wir auf unsere Vergangenheit schauen, aber auch auf viele andere Länder in der Welt, dann erkennen wir, was Recht und Gerechtigkeit für das Zusammenleben der Menschen bedeuten.

Exegese

Der Prophet Jeremias ist um 650 v. Chr. geboren. Als Prophet machte er sich unbeliebt durch sein Eintreten für die Kooperation mit Babylon und nicht Ägypten. Er warnte immer wieder König Zidkija und wird um 590 vom eigenen Volk nach Ägypten verschleppt, sein Schicksal dort ist ungewiss.

Im Text verweist er darauf, dass es letztlich die Hirten Israels selbst waren, die schuld sind an der Zerstreuung. Der Herr wird sie zur Rechenschaft ziehen, das geschieht in ihrem bitteren Ende. Zidkija war König von Nebukadnezars Gnaden. Er zieht zwar manchmal Jeremias zu Rate, aber sein Hof ist stärker als er. Der Name Zidkija (= Der Herr ist unsere Gerechtigkeit), war ihm von Nebukadnezar gegeben worden. Als Spross einer Nebenlinie hieß er ursprünglich Mattanja.

Jeremias sagt den Untergang voraus, weil Zidkija sich nicht an seinen Rat hält. Er kommt auch. In dieser Situation spricht Jeremias trotz aller kritischen Erfahrungen in Gefängnis und Verschleppung den Heilspruch, der hier vorliegt. Ein messianisches Königtum wird Gott errichten, das Volk sammeln und einen Davidsspross zum König einsetzen, der das Volk in Recht und Gerechtigkeit richtet. Er kann sich wahrlich Zidikia = Der Herr ist unsere Gerechtigkeit nennen.

Nach biblischer Auffassung ist Gott gerecht und der König ist Statthalter dieser Gerechtigkeit.

Die Bedeutung von Gerechtigkeit

Allgemein

Gerechtigkeit ist von „gerecht“ hergeleitet und bedeutet ursprünglich "angemessen, richtig". Gerechtigkeit steht jedem „das Seine“ (Aristoteles) zu, es ist der Versuch, jedermann fair und moralisch angemessen zu behandeln. Die erste wissenschaftliche Diskussion erfolgte in der griechischen Philosophie.

Wesentlicher Bestandteil sind die Grundrechte des Menschen wie Freiheit, Menschenwürde und Gleichheit vor dem Gesetz. In besondere Weise ist in einem Gemeinwesen auch die „soziale Gerechtigkeit“. Sie meint die Gleichverteilung des Zugangs zu den notwendigen Grundgütern für die individuell zu entscheidende Entfaltung von Lebenschancen, die Vermeidung von Armut, Soziale Chance durch Bildung, gerechte Einkommensverteilung (auch durch Zugang zur Arbeit), gleichberechtigte Rolle der Frau, soziale Sicherung. Erster Garant ist der Staat.

Nach Angaben der Weltbank hatten im Jahr 2001 weltweit ca. 1,1 Mrd. Menschen (21% der Weltbevölkerung) weniger als 1 US-Dollar in lokaler Kaufkraft pro Tag zur Verfügung und galten damit als extrem arm. Da diese Probleme aber nicht mehr allein nationalstaatlich zu lösen sind, sind Formen der Weltordnungspolitik immer notwendiger.

Zur Gerechtigkeit gehören auch das Recht auf Heimat und das Recht auf Unversehrtheit des Lebens.

In der Bibel

Die Entfaltung des Gerechtigkeitsbegriffs in der Bibel beginnt mit der alten Rechtsprechung am Tor. Die Versammlung der Ältesten am Tor hatte Recht zu sprechen. Allgemeine Rechtsregeln werden entwickelt, wie: sich nicht der Mehrheit beugen, unbestechlich sein, nicht als falscher Zeuge auftreten, den Armen in seinem Recht nicht beugen und einen Fremdling nicht ausbeuten. Gerechtigkeit ist ohne Ansehen der Person, kann aus diesen Sätzen geschlossen werden. Der König wird zum Garant des Rechtes. Das Recht und die Gerechtigkeit werden zu einem sozialen Phänomen. Deshalb hat der König im Auftrag Jahwes die zu schützen, die arm und schwach sind, weil Gott auch ihnen in besonderer Weise Recht schaffen wird. In Israel darf nicht das Prinzip gelten, dass nur wenige im Luxus leben. Die Ausbeutung der Schwachen ist nicht im Sinne der Gerechtigkeit Gottes. Im Jubeljahr wird so etwas wie eine egalitäre Gesellschaft gefordert: Jeder soll zu seinem ursprünglichen Grundbesitz zurückkehren. Gottes Gerechtigkeit soll nicht nur in Israel herrschen; sie gilt für alle Völker. In den späteren Schriften wird Gerechtigkeit zum Kern des künftigen Heilshandelns Gottes. Gerechtigkeit und Frieden sind die Elemente seiner Herrschaft. Das Reich des Messias wird nach dem Neuen Testament ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens für alle, auch die Armen und Schwachen, sein. Wer hier schon so handelt, wird Anteil daran haben.

Gedanken zur Ansprache

Wir haben bei uns schon erfahren, was ein Staat als Räuberbande sein kann, das ist in Tod und Elend eingemündet und war die große Katastrophe unseres Volkes und vieler anderer Völker.

Hinzu kamen die Vertreibungen vieler Völker, Bis zu 100 Millionen Menschen haben im 20. Jahrhundert ihre Heimat verloren. Mehr als fünfzig Jahre ist es her, dass dieses Los 14 Millionen Deutsche traf. Von bis zu zwei Millionen Opfern ist die Rede. Das Recht auf Heimat wurde und wird missachtet. Das Bild der Bibel von den „versprengten Schafen“ wurde drastisch Realität. Abermillionen wurden Opfer ungerechter Gewalt. Jährlich sterben heute ca. 1,6 Millionen Menschen als Opfer der Gewalt.

In manchen anderen Ländern arbeiten Regierungen nur nach dem Prinzip der Selbstbereicherung und die Menschen werden ärmer. Ohne Hilfe von außen gibt es für viele keine Hilfe.

Aber auch heute gibt es in unserem Land eine Diskussion um soziale Gerechtigkeit. Können wir uns diese noch leisten? Hat das eigentlich nicht eher etwas mit Neid als mit Gerechtigkeit zu tun? Soziale Gerechtigkeit gehört im Sinne der Soziallehre der Kirchen und zu wichtigsten Gütern einer Gesellschaft. Wir als Christen müssen deshalb immer dort wachsam sein, wo es um die Rechte der Armen und Schwachen geht. Alle haben ein Recht auf gute Weide.

So weit es in unserer Verantwortung steht, haben wir auch weltweit mitzuhelfen. Erfreulicher Weise geschieht das schon in den verschiedenen Hilfswerken, ein Zeichen dafür, dass Christen die Botschaft von der Gerechtigkeit verstanden haben.

In einer Demokratie hat ja das ganze Volk die Verantwortung, die Regierungen arbeiten im Auftrag des Volkes. Deshalb müssen wir die Botschaft von der Gerechtigkeit Gottes weitersagen. Unermüdlich, auch wenn es manchmal erfolglos scheint; Gott wird endgültig Gerechtigkeit schaffen.

Literatur

Weiser, A., Das Buch des Jeremias, ATD, Göttingen 19767

Leuninger, Gerechtigkeit schafft Frieden, Sozialkurs CD, Köln 2003
(und www.kath-soziallehre.de)

Dr. Ernst Leuniger

 

*) siehe hierzu auch: Umkehr heute, Ein Vortrag zur Ökumenischen Versammlung in Magdeburg im Oktober 1993, Heino Falcke; in: „...,dann werden wir sein wie die Träumenden“, Siegen 1994; ISBN: 3-9801926-2-8

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