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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2.07.2006 – 2. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Joh 1, 5 - 2, 6

Weish 1, 13-15; 2, 23-24

2 Kor 8, 7.9.13-15

Mk 5, 21-43 oder kurz:
Mk 5, 21-24.35b-43

 

Der Autor geht ausführlich auf den Text der ev. Reihe IV ein. Es folgen Anmerkungen zu den Texten der kath. Leseordnung. Stichworte (e): Lebensstil als Ursache für verhinderte Lebenschancen von Menschen, Dritte Welt, Zerstörung von Lebensräumen, der Weg des Lichts zeigt sich am Umgang mit dem Bruder / der Schwester; (k): Lebensstil, Artensterben, Gentechnik, Fairness / Ausgleich der Lebensverhältnisse

 

Stellung im Kirchenjahr:

3. Sonntag nach Trinitatis, Thema: Kinder des Lichts; s. a. weiter unten: „Zur Liturgie“, Gottesdienste im Grünen

 

Predigttext der Reihe IV: 1. Joh 1, 5 – 2, 6

Exegetische Überlegungen:

Der erste Johannesbrief ist kein Brief. Dies wird in der Literatur übereinstimmend festgehalten. Es fehlen schlicht die für Briefe typischen Stilmerkmale. Man kann daher wohl davon ausgehen, dass diese Schrift weniger auf eine bestimmte Gemeindesituation hin geschrieben ist, als vielmehr allgemeingültigen Charakter hat. Sieht man sie im Zusammenhang mit dem Johannesevangelium, könnte man sagen: Werden im Evangelium die Grundlagen johannäischer Christologie geklärt, so geht es im 1. Johannesbrief primär um das Bekenntnis der Gemeinde und das Halten des Liebesgebotes (Preuß / Berger 441).

Durch seine Stellung innerhalb der Schrift kommt unserem Predigttext wohl eine besondere Bedeutung zu. Der Abschnitt 1. Joh. 1, 1 - 4 ist das Proömium der Schrift, in welchem die Legitimation und Autorität des Verfassers als einem der ursprünglichen Zeugen (1, 1) festgestellt werden. Im Hören auf diese Zeugen entsteht Gemeinschaft mit Gott und Jesus Christus selbst und unter den Hörenden. Das „Wort des Lebens“ (1, 1) – Jesus Christus – ist konstitutiv für diese Gemeinschaft. Im Hören oder Weghören auf dieses Wort entscheidet sich Wohl und Wehe der Gemeinde.

Diese Opposition (Hören / Annehmen oder Weghören / Ablehnen des Wortes) nimmt der Predigttext in den Versen 1, 5 – 7 im Gegensatzpaar Licht und Finsternis auf. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis (Stichwort „Sünde“; 1, 5). Wer in der Finsternis wandelt, lügt und tut nicht die Wahrheit (1, 6) und zerstört somit die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen. Er gefährdet das Leben. Weil aber auch nach dem Verständnis des Verfassers wohl kaum einer ohne Sünde ist (1, 8; vgl. hierzu auch Luthers „simul justus et peccator!“), ist es „lebensnotwendig“, zur Einsicht in die eigene Sünde und zum Bekennen derselben zu gelangen (1, 9). Die Treue Gottes reinigt dann durch das Blut Jesu von aller Ungerechtigkeit (1, 7.9). Ziel dieser Selbsterkenntnis ist, dass Christen nicht sündigen sollen, weil sie sonst ihr Ziel, das Leben in der Gemeinschaft mit Gott, verfehlen.

Kennzeichen einer gelungenen christlichen Existenz ist für den Verfasser das Halten der Gebote Gottes. Wichtig scheint mir (mit Preuß / Berger 442) zu sein, dass dieses Halten der Gebote (oder auch: so „zu leben, wie er gelebt hat“; 2, 6) Kennzeichen und nicht Bedingung der Gotteserkenntnis und damit christlicher Existenz ist!

Dass mit dem „Halten der Gebote“ Mehr und Grundlegenderes gemeint ist als das bloße Befolgen vieler einzelner Gebote, wird deutlich, nimmt man die auf den Predigttext folgenden Verse 2, 7 – 17 mit in den Blick. Inhaltlich gehören diese eng zum hier behandelten Abschnitt. Am Beispiel der Liebe zu den Schwestern und Brüdern führt der Verfasser exemplarisch vor, dass die Liebe zu Gott („Gott ist Licht“; 1, 5) nicht zu denken ist ohne die Liebe zum Bruder / zur Schwester („Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis...“; 2, 11). Dieses Begründungsmuster begegnet einem ebenso in den Kapiteln 3 und vier (Stichwort: Gott ist die Liebe, s. 4, 16b).

Christsein, so lässt sich resümieren, wird für den Verfasser des 1. Johannesbriefs nicht in erster Linie an den Verfehlungen, sondern an den Taten gemessen, in denen sie das Gebot Gottes erfüllen (Preuß / Berger 441). Es gibt keinen Weg zu Gott, der nicht über das Verhältnis zum Bruder / zur Schwester führte (ebd. 440). Das sog. „Doppelgebot der Liebe“ Jesu (Lk 10, 27) findet hier seine praktische Ausführung.

Berücksichtigt man schließlich, dass für den Verfasser die Sündenvergebung durch das Blut Jesu eine schon geschehene Tatsache darstellt, ist hier viel Trost für die Leser und Hörer der Schrift zu spüren. Durch das, ja auch bei Paulus zu findende, Schema Indikativ – Imperativ / Zuspruch – Anspruch wird schließlich auch die Forderung aus 2, 6 („Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat.“) erträglich. Ohne den kräftigen Zuspruch Gottes im Ohr zu haben, käme dieser Satz einer Überforderung derjenigen gleich, die nach Kräften versuchen, als Christen in dieser Welt zu leben.

 

Homiletische Überlegungen:

Ganz ohne Theologie kann und soll es bei einer Predigt über diesen Abschnitt aus dem 1. Johannesbrief nicht gehen. Zu stark sind die verwendeten Begriffe (vor allem der der Sünde) geprägt. Stark könnte die Versuchung sein, eine – wenn auch gut gemeinte – „Moralpredigt“ zu halten. Doch damit verfehlten wir m. E. die Intention des Textes.

Es gilt deutlich zu machen, dass hier mit Sünde eben nicht der Verstoß gegen bestimmte Moralvorschriften gemeint ist, sondern etwas viel Grundlegenderes. Es sollte klar gemacht werden, dass das Thema Sünde für den Einzelnen nicht einfach mit dem Befolgen z. B. der zehn Gebote erledigt werden kann. Der Dekalog als positive Checkliste für Fromme sozusagen, die dann nur noch nach Verfehlungen anderer Ausschau halten müssen.

Ich möchte hier lieber dem Sinn des griechischen Begriffs für Sünde (das Ziel verfehlen) folgen. Gott ist Leben und will das Leben. Dieses Leben ist in Jesus Christus regelrecht greifbar geworden und verbürgt (Stichworte Licht und Liebe). In der Liebe zum Nächsten (Bruderliebe) erhalte ich Anteil an diesem Licht, bin in den Wirkungsbereich der Liebe Gottes hinein genommen. Das entspricht dem Ziel unseres Lebens. Ist das Verhältnis zum Nächsten – etwa durch meine Schuld gestört – falle ich aus diesem Wirkungsbereich heraus, lebe unter der Macht der Sünde. Ohne Liebe zum Bruder / zur Schwester keine Liebe zu Gott. Verfehltes Leben. Das ist Sünde. Leben zu schädigen und zu behindern. Auch das ist Sünde, weil es dem Willen Gottes, alles Leben zu stärken, zuwider handelt.

Um aus dieser Situation wieder heraus zu kommen, bedarf es vor allem eins: Ehrliche Selbsterkenntnis und das anschließende Sündenbekenntnis. Kernfrage nach der eigenen Sünde kann dabei sein: Wo stehe ich dem Willen Gottes, das Leben zu fördern, im Wege? Wo arbeite ich regelrecht gegen ihn?

Einige schöne Beispiele von „Alltagssünden“ finden sich im Predigtentwurf von Pfr. Ekkehard Lagoda, Genf, Göttinger Predigten im Internet, zum 1. Weihnachtstag 2005.

In einem ersten Teil der Predigt möchte ich diese theologische Klarstellung vorstellen. Wichtig wird mir dabei – in enger Anlehnung an den Text – sein, dass diese Selbsterkenntnis möglich ist, weil Gott uns schon mit sich versöhnt hat! Wir können dem Anspruch Gottes nachkommen, weil er verspricht, uns vom Ballast unserer Schuld zu befreien, wenn wir uns zu dieser bekennen.

 

Zur ökologischen Relevanz des Textes:

Der Verfasser des 1. Johannesbriefs hat selbstverständlich Menschen vor Augen, wenn er davon spricht, dass sich unser Verhältnis zu Gott am Verhältnis am Verhältnis zum Bruder / zur Schwester entscheidet. In einem zweiten Teil der Predigt gilt es daher (im Sinne der oben angesprochenen Selbsterkenntnis) zu beleuchten, wo wir als Einzelne, wie als Gesellschaft, dem Leben schaden oder nützen. Beispiele könnte man aus dem Bereich der ungleichen Verteilung von Ressourcen und der damit verbundenen verhinderten Lebenschancen für Menschen in der „Dritten Welt“ gewinnen. Dem sollten aber auch positive Beispiele gegenübergestellt werden, um zu zeigen: Wir können etwas tun!

Die nichtmenschliche Natur hatte der Verfasser des Predigttextes sicher nicht im Blick. Doch lässt sich m. E. einleuchtend erklären, dass Leben letztendlich unteilbar ist und alles Leben (auch das der Tiere und Pflanzen) seinen Ursprung in Gott hat (vgl. z. B. Psalm 104).

An dieser Stelle kann auf den Auftrag Gottes an uns Menschen verwiesen werden, als seine Statthalter die Erde zu bebauen und in ihrer Lebensvielfalt bewahren. Zur Ehre des Schöpfers, der das Leben will (Gen 1 + 2). Auch hier sollten Beispiele angeführt werden, wo und wie wir Leben hindern und zerstören (z. B. Zerstörung von Lebensräumen) oder aber fördern und bewahren (Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten im eigenen Garten usw.).

Ziel der Predigt wird es sein, Zuhörerinnen und Zuhörer zum Nachdenken über das eigene Handeln gegenüber Mensch (in Nah und Fern) und Natur zu ermutigen. Nicht die „Moralkeule“ soll geschwungen, sondern die Freude an einem gelingenden Leben im Sinne des Johannesbriefs soll geweckt und gestärkt werden. Gott will das Leben – in jeder Form. Christliche Existenz als freudiger Dienst am Leben: Darin erfahren wir Sinn, Lebensfreude und Gottesgemeinschaft.

 

Zur Liturgie:

Der Predigttext ist für den 3. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagen. 2006 wird dies der 02. Juli sein. In diesem Monat feiern wir in unseren Landgemeinden regelmäßig Gottesdienste im Grünen. Erfahrungsgemäß werden diese gut besucht und die Gemeinde kommt mit einer spürbar gelösten und freudigen Grundstimmung zum Gottesdienst. Nicht zuletzt wird dies auch durch den äußeren Rahmen (der Pfälzer Wald ist rundum im Blickfeld) beeinflusst. Diese Stimmung sollte aufgenommen und verstärkt werden (Kritisches Nachdenken schließt das ja nicht aus!).

Daher wähle ich für die Psalmlesung den 104. Psalm aus. Predigtlied wird das Lied „Geh aus mein Herz...“ (EG 503) sein. Hier eignen sich, neben den Eingangsstrophen, besonders auch die Strophen 8, 13, 14 und 15 (13 – 15 auch nach der Predigt) im Sinne des oben formulierten Predigtziels.

 

Literatur:

H. Conzelmann/ A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT

Preuß/ Berger, Bibelkunde des AT und NT, Bd. 2

W. G. Kümmel, Einleitung in das Nt

 

 

Da ich mich ausführlicher mit dem vorgegebenen Predigtext der evangelischen Perikopenreihe auseinandergesetzt habe, hier noch einige Anmerkungen zu den katholischen Lesungs- bzw. Predigttexten.

Markus 5, 21 – 43:

Ich beginne mit dem Evangeliumstext, weil er m. E. für unser Thema – nachhaltiges, ökologisches Predigen – nichts hergibt. Hier geht es um anderes: Den Erweis der Vollmacht Jesu, die ihn als Messias qualifiziert. Was aber – typisch für Markus – zu diesem Zeitpunkt noch nicht offenbar werden darf (Messiasgeheimnis, s. Mk 5, 43a). Wir wollen gerade als Prediger ja hören, was ein Text uns heute zu sagen hat, und ihm nicht „unser Thema“ aufzwingen. Also lassen wir es hier getrost sein.

 

Weisheit 1, 13 – 15. 2, 23 + 24:

Ganz anders verhält es sich mit diesem weisheitlichen Textausschnitt. Hier bieten vor allem die Verse 1, 13 – 15 viele Anknüpfungspunkte für „ökologisches“, besser vielleicht ganzheitliches Predigen.

Gott hat alles, was lebt, zum Dasein geschaffen. Eine fundamentale Aussage, die unser derzeitiges menschliches Handeln ebenso in Frage stellt. Wenn Gott das Leben will (vgl. auch 1. Johannes 1), dann kann ein Lebensstil, der massenhaftes Sterben von Menschen aufgrund ungerechter Verteilung der Güter dieser Welt in Kauf nimmt, nicht gerechtfertigt werden. Aber auch das immense Artensterben, das durch unsere Art und Weise zu leben Tag für Tag seine Opfer fordert (über 70 Tier- und Pflanzenarten pro Tag), ist dann ein fundamentaler Widerspruch zum Willen Gottes. Widernatürliche Haltung (Massentierhaltung) von Tieren und eigenmächtiges Manipulieren der Schöpfungsprinzipien (Gentechnik) könnten im Zusammenhang mit diesem Text ebenso angesprochen werden.

Wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass die angesprochene Gottesebenbildlichkeit (2, 23, vgl. Gen 1, 26) die Begründung für verantwortliches Handeln bedeutet und keinen Freibrief für menschliche Überheblichkeit und Raffgier ausstellt.

Weil Gott gerecht und gnädig ist, weil er das Leben will und nicht den Tod, kann gerechtes menschliches Handeln nur sein, was letztendlich dem Leben dient. Alles andere führt zu einer Trennung (Beziehungslosigkeit) von Gott, die den (geistigen, seelischen) Tod bedeutet.

Einen besonders interessanten Aspekt für eine Predigt bietet Vers 1, 14b: „heilbringend sind alle Geschöpfe der Welt“. Anhand dieses Verses könnte für ein anderes Verständnis der Mitschöpfung geworben werden. Praktische Beispiele wären z. B. die positiven (heilbringenden) Auswirkungen der Rolle von Tieren in Therapien (Autisten) oder in Seniorenheimen.

 

2. Korinther 8, 7 + 9. 13 – 15:

Es geht um die Sammlung für die Gemeinde in Jerusalem. Weil von ihr das Christuszeugnis ausging, stehen die jüngeren Gemeinden in ihrer Schuld (vgl. Röm 15, 26 + 27). Seiner Liebestat (2 Kor 8, 9) entspricht als Antwort der Gemeinde die tätige Nächstenliebe (vgl. Gal 5, 14 und Gal 6, 2). Dabei geht es nicht um den Ruin der eigenen Existenz, sondern um einen fairen Ausgleich der Lebensverhältnisse.

Auch anhand dieses Textes können die aktuellen Ungleichheiten der Verteilung von Lebensgütern und –chancen thematisiert werden. Was bedeutet Fairness? Positive Handlungsoptionen (Spenden, Einkaufsgewohnheiten) sollten aufgezeigt werden.

Wichtig bei allem wäre mir, wiederum die Abfolge von Indikativ und Imperativ aufzuzeigen (s. die Ausführungen zu 1 Joh 1). Wir können im Sinne Jesu (im Sinne der Liebe und des Lebens) handeln, weil er das Entscheidende für uns bereits getan hat. Wir müssen nicht so handeln, um uns seine Liebe noch zu verdienen!

 

Quellen: Göttinger Predigten s. www.predigten.uni-goettingen.de

Andreas Gutting, Albersweiler

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