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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18.06.06 – 11. Sonntag im Jahreskreis / 1. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jer 23, 16-29 

Ez 17, 22-24

2 Kor 5, 6-10

Mk 4, 26-34


Jeremia 23, 16-29

Predigtsituation

Das Pfingstfest liegt zwei Wochen zurück, und der Pfingstmontag ist in diesem Jahr zugleich „Tag der Umwelt“. In manchen Regionen wird dem mit Märkten und Aktionen Rechnung getragen, in Kirchengemeinden eher im Zusammenhang mit dem Erntedankfest im Herbst. Überlegenswert zumindest wäre auch hier eine Orientierung auf den „weltlichen“ Umwelttag.

Bemerkungen zum Text

Der Text gehört zu dem Teil des Jeremia-Buches, in dem Prophetenworte gegen Juda und Jerusalem von der Zeit König Joschijas bis Zidikija gesammelt sind.

Seine Berufung erfuhr der Prophet unter König Joschija (641-609). Er wendet sich zunächst gegen die aus der Zeit König Manasses noch nachwirkenden religiösen und ethischen Missstände. Als Joschija sich um 622 vom zerbrechenden Assyrer-Reich unabhängig macht und eine Reform des Jahweglaubens durchführt, schweigt Jeremia zustimmend. Als unter König Jojakim (609-597) die Reform teilweise rückgängig gemacht wird und heidnische Sitten wieder um sich greifen, kämpft der Prophet leidenschaftlich dagegen an, überwirft sich mit der Regierung und wird verfolgt. Tief enttäuschen ihn der Misserfolg seiner Verkündigung und seiner Warnungen vor der antibabylonischen Herrschaft Jojakims, fast mehr noch aber der Unglaube seiner Zuhörer und die Nachstellungen sogar durch die Verwandtschaft.

Von der Verschleppung König Jojachins (597) und eines Teils der Einwohner nach Babylon bleibt Jeremia verschont. Den neuen König Zidikija warnt er ebenfalls vergeblich vor einer antibabylonischen Poilitik und wird als Verräter verhaftet, schweigt aber selbst im Gefängnis nicht. Von der erneuten Verschleppung wird er zwar verschont, muss dann aber nach Ägypten fliehen, nachdem gegen seinen Rat der babylonische Statthalter ermordet wurde. Im ägyptischen Exil stirbt der Prophet.

Seine leidenschaftliche Klage wie sein ebenfalls leidenschaftlicher Trost, gipfelnd in der „Verheißung des neuen Bundes“, sind sein Vermächtnis.

Predigthinweise

Frage an uns selbst: Auf welche Seite hätten wir uns geschlagen im Jerusalem des ausgehenden 6. Jahrhunderts? Auf die der vielen Propheten, die sagen, was die Leute hören wollen? Die sich beliebt machen mit Schönwetter-Reden? „Warum sollte ausgerechnet über uns die Katastrophe hereinbrechen?“ Auch heute ist es leichter, sich und andere in Sicherheit zu wiegen, die Augen vor den „Unheilszeichen am Horizont“ zu verschließen. Auch wenn die Medien gern Katastrophen-Meldungen verbreiten zwecks „Gänsehaut-Unterhaltung“, lautet die Alltags-Meinung auf der Straße eher: “Solche Warnungen sind uncool, cool ist, was Spaß macht, Party ist angesagt.“ Und diese Haltung macht auch vor Kirchen- und Weltjugendtagen nicht Halt; kritisches Nachdenken fast als Alibi am Rande, vor allem aber „Hallelujah-Event“. (Der Prediger spürt jetzt den Jeremia in sich.)

Da steht dann Einer, der die Kühnheit besitzt, von sich zu behaupten, der Einzige zu sein, der sich mit Recht „Prophet“ nennen darf und im Namen Gottes Schrecken, Unheil und Katastrophen ankündigt. Weniger dramatisch, aber nicht unähnlich stehe ich im Bürogroßhandel und frage nach Recyclingpapier für Drucker und Kopierer. „Das ist out, uncool, kauft doch niemand mehr. Umwelt? Wie – Mitwelt? Wasser und Energie sparen? Ach.“ Ungläubiges Lächeln, fast schon Bedauern.

Jeremia erfährt Schlimmeres. „Schafft den beiseite, der ist unbequem, stört uns mit seinen Klagen!“ Doch Jeremia klagt nicht um der Klage willen, droht nicht, weil er seine Mitmenschen etwa nicht leiden könnte, - im Gegenteil: es geht ihm um gelingendes, erfülltes und reiches Leben; denn darum geht es Gott. Der will nicht, dass wir auf einem lebensfeindlichen Weg blind oder gleichgültig weiterlaufen, bis es zu spät ist.

Die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff warnte vor einigen Jahren „vor einer Gesellschaft, deren einziger Wert die Verwirklichung eigener Wünsche darstellt“.

Die Warnung wurde ignoriert und wird es noch. Selbst da, wo durchaus Verantwortung gesehen wird. „Hauptsache die Wirtschaft kommt in Schwung, der Haushalt ist gedeckt (Hauptsorge jedes kirchlichen Leitungsgremiums), egal wie. Jeremia sagt dazu: Nicht egal wie! Das Wie ist wichtig. Der Schwung darf nicht zu Lasten der Kleinen und Schwachen herbeigeführt werden und nicht zu Lasten der Lebensräume, der Umwelt. Gott wird nicht müde, durch den Mund berufener Menschen den Weg zu gelingendem, sinnvollen Leben für uns und die Mitwelt aufzuzeigen, auch wenn sie im Verständnis dessen, was gelungen und sinnvoll bedeutet, von der gängigen Mehrheitsmeinung abweichen.

„Ein Prophet, der Träume hat, erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht.“ Gerade das unbequeme, warnende, eindeutige Wort erweist sich oft genug als verlässlich, kraftvoll. Anders als die abertausend leeren Worthülsen, die uns Tag für Tag, besonders in Wahlkampfzeiten, um die Ohren klingen. Es leuchtet die falschen Wege aus, auf denen die ohnehin Benachteiligten wie auch die Mitwelt auf der Strecke bleiben. Es gehört Mut dazu, so zu reden, wie Jeremia geredet hat. Es gehört aber auch Mut dazu, auf das zu hören, was Gott uns durch seine Propheten sagt. Weil es durchaus unbequem sein kann, zu hören, was heilsam ist für uns und unsere Umwelt; weil es bequemer ist, zu hören, was wir hören wollen. Wir können Gott danken für Menschen wie Jeremia, die uns heilsam in die Quere kommen.

Ökologische Aspekte

Schon seit Jahren deutliche Warnungen vor Folgen der Klimakatastrophe werden ignoriert oder kleingeredet. Umweltmüdigkeit greift um sich, auch bei Kirchengremien. Angebote für ökologisch verantwortete Lebensgestaltung nehmen ab. Medienberichte erscheinen oft nicht von einem verantwortlichen Bewusstsein gesteuert, sondern von dem Interesse, eine große Öffentlichkeit in ihrem Sensationsinteresse zu bedienen (Katstrophen-Journalismus). Schriller Erlebnishunger verdrängt ein sorgfältiges, interessiertes Wahrnehmen der guten Schöpfung Gottes. Wer es wieder lernt, ehrfürchtig über den Reichtum und die Schönheit der Schöpfung zu staunen, dem/der wird es nicht schwer fallen, an ihrer Bewahrung mitzuwirken. Alle Warnungen und Drohungen sind kontraproduktiv, wenn sie nicht in der Liebe Gottes gründen.

Ezechiel 17, 22-24

Hinweise zum Text

Im Jahre 597 v. Chr. war Ezechiel zusammen mit König Jojachin und vielen anderen Einwohnern Judas von Nebukadnezar nach Babylonien geführt worden. Dort erhielt er seine Berufung zum Propheten. Er warnte vor der falschen Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach Jerusalem, kündigte Gottes Gericht über Stadt und Tempel an, aber auch -nach deren Zerstörung - sein rettendes Eingreifen und die Wiederherstellung des Volkes um den neu gebauten Tempel. Der Predigt-Text steht im Abschnitt „Drohungen gegen Juda und Jerusalem“. Kapitel 17 handelt von der Untreue des Königs, ab Vers 22 dann aber von Gottes Ankündigung eines Neuanfangs mit seinem Volk.

Anhaltspunkte für ökologisches Predigen

Das Kapitelthema „Untreue des Königs“ könnte aufgegriffen werden mit Gedanken über die Untreue der Verwalter Gottes überhaupt angesichts des Auftrags, die gute Schöpfung zu bebauen und zu bewahren; weiter gefasst: Wo geschah und geschieht das – Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ansage prophetischer Hoffnung: Gott wird einen Neuanfang machen, er bleibt treu. Das allerdings ist nicht ein sanftes Ruhekissen „Den lieben Gott mal machen lassen“, sondern das „Mitspielen der Geschöpfe“ begleitet den Neuanfang. Allerdings: Auch wenn im Text vom Pflanzen, von Bäumen, Vögeln, Zweigen und Früchten die Rede ist, geht es hier im Grunde nicht um ökologische Fragen. Es ist schon Vorsicht geboten, den Text nicht ökologisch zu verbiegen.

Markus 4, 26-34

Hinweise zum Text

Markus gilt als Verfasser des ältesten, griechisch geschriebenen Evangeliums (um 70 n. Chr. vermutlich in Rom), war Mitarbeiter des Paulus und später des Petrus. Er sammelte Überlieferungen über Jesus, vor allem Wundererzählungen, Gleichnisse, Einzelworte und Passionsberichte, ordnete sie zeitlich und sachlich und verarbeitete sie so zu seinem Evangelium. Geographisch gehört der Predigttext in den Abschnitt „Jesu Wirken in Galiläa“, thematisch zur Botschaft „Jesus richtet das Reich Gottes auf“ und von der Gattung her zu den Gleichnissen.

Anhaltspunkte für ökologisches Predigen

Auch hier gilt: Das Bild vom Wachsen der Saat darf nicht vordergründig als ökologisches Thema betrachtet werden. Jesus VERGLEICHT das Reich Gottes mit einer aufgehenden Saat. Ausgangsfragen könnten lauten: Das Reich Gottes ist uns angesagt, aber seit 2000 Jahren herrschen Kriege, Gewalt, Ungerechtigkeit und Zerstörung der Lebensräume. Zwei Drittel der Menschheit lebt in Armut, viele von uns selbst pflegen einen Lebensstil, den wir uns eigentlich nicht leisten können. Arbeitsund Perspektivlosigkeit, soziale und ökologische Unsicherheit – Reich Gottes?? Fragen wir nach dem Schwachpunkt im Prozess des Aufgehens der Saat, so lautet die Antwort: Es ist der Mensch; wir sind der Schwachpunkt. Aber in uns Schwache ist die gute Saat von Gott hineingelegt, und Gott bleibt dabei. Durch ein Zusammenwirken von Erde, Saat, Regen, Sonne geht die Saat auf. So wirken auch Gottes Gabe und unser antwortendes Tun zusammen. Und wenn das Tun noch so kümmerlich ist, so sorgt Gottes treue Gabe dafür, dass der Prozess des Aufgehens der Saat in Gang bleibt. Gottes Gabe besingen wir trefflich mit dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“, wo jedoch auch sein Anspruch und damit unsere Aufgabe genannt sind. Unsere Schwäche, unser Versagen, können das Aufgehen der Saat verzögern, doch – Gott sei Dank – nicht verhindern.

Wilfried Stender, Essen-Altenessen

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