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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11.06.06 – Dreifaltigkeitssonntag / Trinitatis

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Eph 1, 3-14 

Dtn 4, 32-34.39-40

Röm 8, 14-17

Mt 28, 16-20

 

Der Text geht auf alle genannten Bibelstellen des Sonntags ein; Stichworte (e): Gott als Planer und Akteur eines Heilsplans, Nachhaltigkeit als weise, vorausschauende (göttliche) Planung, (k): gegen Ignoranz, Sabbatjahr, christliche Wahlmöglichkeit „für das Leben“

Vorbemerkung des Autors: Die Texte der katholischen Leseordnung erhellen sich auch und vor allem in ihrem Bezug aufeinander. Ich habe versucht, diesen Bezug deutlich zu machen bzw. herzustellen. Der par-force-Ritt durch einen Querschnitt des Buches Deuteronomium schien mir unvermeidlich, um die summarische Formel in Dtn 4, 39-40 mit Inhalt zu füllen.

Dtn 4, 32-34.39-40

Exegetische Hinweise

Exegetische Hinweise gibt die Einleitung zu Dtn in der Einheitsübersetzung. Wichtig erscheint mir der dort sich findende Hinweis, dass Dtn ein „alle Lebensbereiche in das Gottesverhältnis hineinziehende(s) Buch“ ist. Ferner: das Buch markiert eine Schnittstelle, einen Wendepunkt, einen dramatischen, entscheidenden Zeitpunkt: nach vierzig Jahren Wüstenwanderung steht das Volk Israel vor dem Einzug ins „Gelobte Land“.

Hinweise zu einer „nachhaltig – ethischen“ Auslegung

Ich konzentriere mich auf Dtn 4, 39-40: Welche Gesetze und Gebote sind gemeint? – Dtn enthält neben kultischen und strafrechtlichen Bestimmungen auch soziale und sozioökonomische Gebote, z.B.
Dtn 14, 28 f.: Der Zehnte für die Armen
Dtn 15, 1-6: Das Sabbatjahr
Dtn 23, 16 f.: Das Verbot der Auslieferung von Flüchtlingen

Markant auch die dreimalige Formulierung in Dtn 22, 1-4: „Du sollst nicht so tun, als ginge dich das nichts an.“ -> gegen Ignoranz gegenüber fremden Leid, gegen Armut, Ausbeutung, Unterdrückung usw. (auch wenn es sich im konkreten Text zunächst um „nachbarschaftschaftliches“ Helfen geht – heute ist „die Welt ein Dorf“).

Die Gesetze und Gebote sollen nachhaltig („dir und deinen Nachkommen“, „lange lebst...“, „für alle Zeit...) dem LEBEN dienen: Dtn 30, 15-20: „Wähle also das Leben...!“ – Die Ankündigungen des Segen für das Halten der Gebote (Dtn 28, 1-4) bzw. des Fluches für den Ungehorsam gegenüber den Geboten (Dtn 28, 15-68) schildern anschaulich die Konsequenzen für das jeweilige Verhalten. Selbst ohne fundamentalistischen Blick liest sich Dtn 28, 15-68 als eine Litanei auch heutiger politischer, sozialer und wirtschaftlicher Katastrophen als Folge der Abkehr von dem Gott, der das LEBEN der Menschen und der Schöpfung will. – Darüber hinaus der fünffache Hinweis (Dtn 6, 11 f.; Dtn 8, 3.10.14.17) auf wohlstandsbedingte Gottes-, Gebote- und Nächstenvergessenheit, die ins Unheil führen.

Aktueller Hinweis: die Erd-Charta der Vereinten Nationen. Daraus nur zwei markante Sätze mit Bezug auf unseren Dtn-Text. – „Wir stehen an einem kritischen Punkt der Erdgeschichte, an dem die Menschheit den Weg in ihre Zukunft wählen muss.“ (Hervorhebungen von mir; Bezug: der „entscheidende Zeitpunkt“, s. exegetische Hinweise oben). – „Wir haben die Wahl: Entweder wir bilden eine globale Partnerschaft, um für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zugrunde zu richten.“ (Hervorhebung von mir; Bezug: Dtn 30, 15-20, „Wähle das LEBEN...“, die Wahl zwischen „Leben und Tod“, „Segen und Fluch“; sowie: Dtn 28, 15-68 als „Ausmalung“ des Zugrunderichtens des Lebens). – Die Erdcharta formuliert in 16 Punkten Gebote zu einer nachhaltigen ökologischen, politischen, ökonomischen und sozialen Gestaltung der Zukunft und liest sich bis in stilistische Wendungen hinein als ein „aktuelles Deuteronomium“. – Die Erdcharta als Volltext findet sich unter www.erdcharta.de im Internet inkl. des derzeitigen Diskussions- und Konsens- (bzw. Dissens-) Standes.

Röm 8, 14-17

Exegetische Hinweise

Als exegetischer Hinweis mag auch hier der Verweis auf die Einleitung zu Röm in der EÜ genügen.

Aktualisierung

Ein Bezug zum Themenfeld „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ ergibt sich nicht unmittelbar, lässt sich aber unter Einbeziehung der Lesung aus Dtn sowie des Evangeliums Mt 28, 16-20 herstellen.

Laut Einleitung zu Dtn in der EÜ schildert Dtn das Verhältnis Gott-Volk „nach Art eines Lehensverhältnisses zwischen einem Herrn und denen, die sich ihm durch einen Vertrag anvertraut haben (Bund)“.

Röm 8,14-17 „transzendiert“ und verschärft zugleich dieses „Lehensverhältnis“: schon gar nicht Sklaven, aber auch nicht Vasallen, sondern „Kinder Gottes“ sind wir, „Erben Gottes und Miterben Christi“.

Erben von was? – Erben der Schöpfung Gottes, noch mehr: Erben der Verheißungen des Reiches Gottes! – „... die Verheißungen des Reiches Gottes sind nicht gleichgültig gegen das Grauen und den Terror irdischer Ungerechtigkeit und Freiheit, die das Antlitz des Menschen zerstören. Die Hoffnung auf diese Verheißung weckt in uns und fordert von uns eine gesellschaftskritische Freiheit und Verantwortung,...“, weiter: „Das Reich Gottes ist nicht indifferent gegenüber den Welthandelspreisen.“ (aus dem Synodenbeschluß „Unsere Hoffnung“ der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Freiburg 1976).

Ein solches Erbe kann man verprassen (auch wenn es auch dann noch Rettung in der Umkehr gibt, vgl. das Gleichnis vom verlorenen Sohn), oder man kann konstruktiv damit umgehen und es für den Lauf der Weltgeschichte, der Geschichte Gottes mit den Menschen fruchtbar machen, es „ins Spiel bringen“. – Unter der Leitung des Geistes Gottes auch die „alten Gebote“ fruchtbar machen, z. B. das Gebot des Sabbatjahres (vgl. Dtn 15, 1-6) als „Inspiration“ im Einsatz für einen Schuldenerlass gegenüber den Ländern der sogenannten Dritten Welt. Das ist keine materialistische Verzweckung der Bibel für fremde Ziele – im Gegenteil: das ist Freilegung der „Reich-Gottes-Ziele“ von übertriebener „Spiritualisierung“ (vgl. auch hierzu den o. g. Synodenbeschluss, der auch bedeutende Hinweise auf die eschatologische Spannung zwischen „Reich Gottes“ und einem „Weltethos“ z. B. im Sinne der in der Dtn-Auslegung erwähnten Erdcharta enthält!).

Letzter Hinweis: „als Miterben Christi mit ihm leiden“ -> der „Antritt“ der „Reich-Gottes-Erbschaft“, der Einsatz für das Reich Gottes führt in Konflikte und Leiden. Jesus als erster, sodann aber die Schar der „alten“ Zeugen und Märtyrer, aber dann auch der „neuen“ Zeugen und Märtyrer (beispielhaft seien hier nur Martin Luther King oder Oscar Romero genannt, aber auch die vielen weniger bekannten oder unbekannten, die ihren Einsatz für den Frieden und die Gerechtigkeit unter den Menschen oder die Bewahrung der Schöpfung mit Verfolgung, Gefängnis, Folter oder dem Leben bezahlt haben).

Mt 28, 16 – 20

Exegetische Hinweise

Die Perikope bildet den Schlussakkord des Mt-Evangeliums. Im Kontext der Lesungen des heutigen Tages führt sie den Gott des ersten Bundes (vgl. Dtn), den Christus des zweiten Bundes und den Heiligen Geist (vgl. Röm 8,14-17) in der trinitarischen Taufformel zusammen. Sie enthält den Verkündigungsauftrag an „alle Völker“ und „alle Menschen“, den Taufauftrag, den „Lehrauftrag“ und die Verheißung der „nachhaltigen“ Gegenwart des Auferstandenen.

Aktualisierung

„lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ – was hat Jesus denn geboten? -> Meine erste Assoziation auf B. Brechts Frage „Wie handelt man, wenn man euch glaubt, was ihr sagt?“ (in dem Gedicht „Der Zweifler“) zielt auf die Gebote und Verheißungen der Bergpredigt (Mt 5, 1 – 7, 29) und auf die Rede Jesu vom Weltgericht (Mt 25, 31 – 46). Hier findet sich genügend Stoff, um das summarische „alles“ im Verkündigungsauftrag Jesu inhaltlich zu füllen und auszugestalten. Die Bergpredigt wird auch als „Magna Charta des Reiches Gottes“ bezeichnet (vgl. den Hinweis auf die Erd-Charta in den Auslegungsanregungen zu Dtn sowie die Überlegungen zu „Reich Gottes“ in den Anregungen zu Röm).

Mt ist der Evangelist, der Kontinuität und Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen und Gebote durch Jesus am stärksten betont. Sie sind in den Geboten Jesu „aufgehoben“, und diese Gebote sollen nun zu allen Völkern und allen Menschen getragen werden -> Globalisierung der Gebote und Verheißungen der Bergpredigt gegen eine Globalisierung der Ausbeutung, der Ungerechtigkeit, der Verarmung und der Gewalt. – So formuliert auch Anselm Grün: „Heute sind wir auf der Suche nach einem Weltethos, wie es vor allem der Schweizer Theologe Hans Küng seit langem fordert. Auf diesem Weg ist das Matthäusevangelium ein wichtiger Beitrag.“ (A. Grün: Jesus – Wege zum Leben, Stuttgart 2005, S. 147). Der Titel des Buches von A. Grün erlaubt wiederum einen Brückenschlag zu Dtn: dort die Gebote als „Weg zum Leben“, hier: Jesus und seine Botschaft als „Weg zum Leben“.

Der Orientierungspunkt und Fokus allen Handelns sind die Armen und die arm gemachten: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40). – „Wer seinem Nächsten zu Hilfe kommt ins seinem Leid – es sei geistlich oder weltlich – dieser Mensch hat mehr getan als derjenige, der von Köln bis Rom bei jedem Meilenstein ein Münster errichtet aus reinem Gold, dass darin gebetet und gesungen werde bis zum Jüngsten Tag. Denn so spricht der Sohn Gottes: Ich habe meinen Tod nicht gelitten eines Münsters wegen und auch nicht um des Singens und Betens willen, sondern um des Menschen willen.“ (Albertus Magnus). – Eine „ökologische“ Erweiterung dieses (noch) anthropozentrischen Blickwinkels mag assoziativ (gewagt?) ein Zitat des französischen Vagabunden und Dichters Francois Villon leisten: In der Einsamkeit seiner Gefängniszelle ist ein Mäuseweibchen, das seine Jungen gebiert, sein einziges Mitgeschöpf – und er dichtet: „Es ist wohl kein Geschöpf so klein, dass es nicht eines Menschen Bruder könnte sein.“

Einer solchermaßen fokussierten Verkündigung ist die Gegenwart des Auferstandenen „alle Tage bis zum Ende der Welt“ zugesagt, in allen Konflikten und Leiden, die diese mit sich bringt (vgl. Röm 8, 17). Christen haben das Erbe der Verheißungen des Reiches Gottes nicht für sich erhalten, sie sollen es zu allen Menschen und allen Völkern tragen, um gemeinsam mit „allen Menschen guten Willens“ nach lebensfördernden Weisen des Umgangs miteinander und mit der Mitschöpfung zu suchen.

Eph 1, 3 – 14

Der Text zeichnet sich durch eine trinitarische Grundstruktur aus (Gott, der Vater – unser Herr Jesus Christus – der Heilige Geist) und zielt damit auf die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. Der Sinn dieser Geschichte ist „unsere Erlösung zum Lobe seiner Herrlichkeit“ und die „Zusammenfassung von allem im Himmel und auf Erden in Christus“. – Nach Röm 8, 18 – 30 soll die ganze Schöpfung, die seufzt und sich ängstet, zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes befreit werden.

Gott wird vorgestellt als weiser und vorausschauender „Planer“ und „Akteur“ dieses seines Heils-Planes, seiner Heils-Ökomomie mit den Menschen und der ganzen Schöpfung: „ehe der Welt Grund gelegt war“, hat er „vorherbestimmt“ (2x), seinen Ratschluss „zuvor in Christus gefasst“, er hat einen „Vorsatz“. Gott plant und agiert in seiner Geschichte mit den Menschen weitsichtig und nachhaltig, um sein Ziel zu erreichen: die Zusammenfassung von allem in Christus und die Freiheit der Kinder Gottes.

Assoziation:

Gottes nachhaltiger Heils-Plan, Gottes nachhaltige Heils-Ökonomie, die zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes und zum Lobe seiner Herrlichkeit (3x in Eph 1, 3-14) führen soll – gegen unsere menschlichen Unheils-Ökonomien, in denen kurzfristige Interessen von Wenigen gegen das Wohlergehen der Vielen und auf Kosten der Schöpfung Gottes durchgesetzt werden. „Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch.“ (Irenäus von Lyon). Wo immer dieser lebendige Mensch in einer lebendigen Schöpfung durch Handlungen oder von Menschen geschaffene (politische, soziale, ökonomische) Strukturen Schaden erleidet, wo die „ganze Schöpfung seufzt und sich ängstet“, stehen die Dinge (noch) nicht im Einklang mit diesem Heilsplan Gottes.

Christen sind im Heiligen Geist zu Erben eingesetzt, durch den und im Glauben befreit, „untadelig und heilig vor ihm zu sein“ -> in diesem Sinne: die Welt nicht nur ins Gebet zu nehmen, sondern sie zu gestalten, in der „Freiheit eines Christenmenschen“, „zum Lobe seiner Herrlichkeit“: eine Welt, in der der Plan Gottes mit den Menschen „transparent“ wird.

Was Beispiele für eine Konkretisierung dieses „heilig-und-untadelig-vor-ihm-seins“, dieses „etwas-seins-zum-Lobe-seiner-Herrlichkeit“ angeht, dürften evangelische Predigende (ich schreibe diesen Beitrag als katholischer Theologe), die überhaupt im Kontext einer im weitesten Sinne „politischen Theologie“ predigen möchten, schnellen Zugriff auf Verlautbarungen, Bekenntnisse oder beispielhafte Initiativen haben – ich erinnere daran, dass die Idee einer „Ökumenischen Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ im Umfeld der Evangelischen Kirchentage entstanden ist.

Günter Harmeling, Idstein

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