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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25.05.06 – Christi Himmelfahrt

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Offb 1, 4-8

Apg 1, 1-11

Eph 1, 17-23 oder
Eph 4, 1-13

Mk 16, 15-20


Der Verfasser geht auf alle Texte des Feiertags ein, mit Schwerpunkt Apg 1, 1-11 / Eph 4, 17-23 / Mk 16, 15-20. Stichworte: berechtigter Optimismus, globales Denken, Frieden, Solidarität, Gesundheit

Stellung im Kirchenjahr

Am vierzigsten Tag nach Ostern bildet Christi Himmelfahrt, das sich als eigenes Fest erst gegen Ende des 4.Jahrhunderts durchsetzt, eine Art Scharnier. Es verbindet die Zeit, in der sich der Auferstandene den Jüngerinnen und Jüngern vorhanden und greifbar offenbart, mit der Zeit, in der die Kirche - vom Heiligen Geist gestärkt - aufbricht in die Welt. Zehn Tage vor Pfingsten ist es also keinesfalls Abschluß, sondern integraler Teil der Osterzeit, die den Menschen erfahren läßt und ihn von der Freude anstecken will, dass Jesus lebt, uns sein neues Leben schenken und uns nahe bleiben will.

Zugleich lädt Christi Himmelfahrt zu einem Perspektivwechsel ein: vom Auferstandenen her zu den Menschen, die seine frohe Botschaft und seine Heil erfahren sollen, in Wort und Tat. Gott selber mahnt uns zu dieser neuen Sichtweise: es geht darum, mit der Zuversicht und Gewißheit, dass der Auferstandene uns nahe bleibt, aufzubrechen, damit Gottes Schöpfung von jedweder Zerrissenheit befreit und wieder ganz werde.

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

Offb 1, 4-8: Mit dem Text werden die nachfolgenden sieben Schreiben des Sehers Johannes an Gemeinden im kleinastiatischen Raum eingeleitet. Die Zahl, die sich aus der dem göttlichen Bereich zugeordneten Drei und der irdisch-menschlichen Vier, zusammensetzt, symbolisiert Ganzheit und Vollkommenheit. Das Anliegen der Schreiben braucht sich nicht auf die genannten sieben Gemeinden beschränken. Es geht um Umfassendes, im besten Sinn des Wortes “Katholisches”, das Angelegenheit der Gesamtkirche ist.

Johannes beruft sich auf die Autorität eines Größeren, auf Jesus, den Auferstandenen, der sich als König der Welt offenbart. Er liebt die Welt und gibt sich aus Liebe zu ihr hin. Sein Ziel besteht darin, die in Schuld verstrickte und dem Tod verfallene Welt zu befreien und zu heilen, um schließlich dem Menschen die ihm von Gott zukommende königliche und priesterliche Würde zu geben.

Bei allem Engagement in die Schöpfung hinein bewahrt Gott jedoch seine Souveränität und entlässt den Menschen nicht aus seiner Verantwortung. Gott bleibt Alpha und Omega, Schöpfer und Ziel der Welt, seine Herrschaft umfaßt alle Bereiche der Wirklichkeit. In diesem Kosmos liegt es am Menschen, seiner Würde zu entsprechen, um im Gericht des Kommenden bestehen zu können.

Apg 1, 1-11: Lk erwähnt in seinem Doppelwerk die Aufnahme Jesu in den Himmel zweimal und macht sie so zum Bindeglied zwischen seiner ersten und der jetzt beginnenden Erzählung. Nur Lk spricht von den vierzig Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt. Die 40 gewinnt ihr Gewicht auf dem Hintergrund der Wüstenzeit des Volkes Israel, in der es Gott auf den Einzug in das gelobte Land vorbereitet.

Jesus weist die Jünger an, den Heiligen Geist abzuwarten, der ihnen die nötige Kraft verleihen wird. Da er mit der Geisttaufe eschatologische Erwartungen berührt (vgl. Joel 3, 1-5), entsteht die Frage, ob Jesus noch vor der Geistsendung das von den Propheten angesagte Reich für Israel wiederherstellt. Seine Antwort verändert die Perspektive. Geistsendung ist nicht Ende und noch nicht Vollendung, sondern der Beginn einer Zeugenschaft über Israel hinaus, in aller Welt.

Die Wolke, die Jesus aufnimmt und ihn den Blicken entzieht, ist wie die Wolke am Mosesberg (Ex 24, 15-18) Zeichen des Eingreifens Gottes und verweist auf jene Wolke, auf der der wiederkommende Christus erscheinen wird (Mt 24, 30). Ein wenig erinnern die Jünger danach Jünger an „Hans-Guck-in die Luft“ und verpassen beinahe den Impuls, der sie auf die Erde zurückholt und an ihre Möglichkeiten auf der Erde erinnert.

Eph 1,17-23: Im Rahmen seiner Danksagung gibt der Verfasser der Gemeinde zu verstehen, daß sie noch zu größerer Einsicht und lebendigerem Glauben gelangen müsse. Um sie zu einem im Himmel beheimateten Selbstverständnis zu führen, hält er ihnen vor Augen, dass Jesus Christus die Unheilsmächte überwältigt und ist den Christen der Erfolg im irdischen Engagement verbürgt habe.

An der den Kosmos umfassenden Herrschaft Gottes partizipieren die Christen durch ihre Zugehörigkeit zur Kirche, deren Haupt Christus ist. Die Kirche ist in dieser Sicht Raum des segensvollen Wirkens Jesu Christi und seines Einwirkens in die Welt. Christus kann und will die Kirche von der Macht der Bösen befreien, Einheit, Liebe und Frieden herbeiführen und durch sie auf die Welt ausdehnen. Dies klingt zwar nur programmatisch an, wird aber im Fortgang des Schreibens verdeutlicht.

Eph 4, 1-13: Die Mahnrede für die Christen in der Welt richtet sich auf das Wiederfinden der christlichen Identität, die den Adressaten inmitten einer nichtchristlichen Umwelt verloren zu gehen droht. Sie stehen in der Gefahr, sich von ihren Mitmenschen zu einem sündhaften Leben verführen zu lassen, sich ihrer Lebensart anzupassen und das zu vergessen, was sie durch göttliche Berufung und Neuschöpfung geworden sind.

Christliche Existenz und Lebensführung orientieren sich allein an Jesus Christus, der durch Berufung, Glaube und Taufe Anteil an der gemeinsamen Hoffnung geschenkt hat. In der lebendigen Verbindung mit der Gemeinschaft der Glaubenden gewinnt der Christ Halt, den trügerischen Stimmen menschlicher Meinungen wie den Verlockungen eines ausschweifenden und doch innerlich leeren Lebens zu widerstehen. Es bedarf einer ständigen Erneuerung, um den von Gott geschaffenen “neuen Menschen” in dieser Welt zu verwirklichen.

Mk 16,15-20: Zweimal wird Jesus - selten bei Mk - Kyrios genannt, um seine Macht und Hoheit zu betonen. Trotz des Abschieds geht sein Werk weiter, die Verbindung zur Gemeinde bleibt bestehen, denn der Erhöhte wirkt durch das Wort und bekräftigt es durch Zeichen. Seine Heilsbotschaft gilt aller Welt und Zeit, ausnahmslos jeder und jede sollen von Christus erfahren, sie hautnah heilend und befreiend erleben.

Die Ausrichtung auf die gesamte Schöpfung ist als Wendung im Judentum vorgeprägt, das Gott als König der ganzen Schöpfung preist oder in seiner liebenden Zuwendung zur ganzen Schöpfung preist. Das auszurichtende Evangelium proklamiert so die Herrschaft, die der auferweckte Christus über die Schöpfung gewonnen hat. Zugleich ruft es zur Entscheidung. Es verlangt nach der Antwort im Glauben als Annahme des angebotenen Heils und als Anerkennung des Königs Jesus Christus. Es will die Taufe als öffentliches Bekenntnis des Glaubens und Möglichkeit zur Rettung im Endgericht.

Die Perikope stellt den zweiten Teil des sogenannten “kanonischen Mk-Schlusses” dar. Einen derartigen Schluß hat Mk in seiner ursprünglichen Fassung wohl nicht vorgesehen. Aber der unvermittelte Schluß in Mk 16, 8, der das Evangelium mit Furcht und Schweigend am Grab enden läßt, wurde offenbar schon bald als zu abrupt empfunden.

Die Tatsache, dass man den Schluß erweiterte, zeugt von einer Spurensuche der ersten Jüngerinnen und Jünger, die nach weiterführenden Spuren Jesu suchen, nachdem seine unmittelbar wahrnehmbare Präsenz in dieser Welt abgebrochen war. So machen ursprünglicher und kanonischer Schluß in sich selbst und auf jeweils eigene Weise deutlich, dass Christsein bedeuten kann, Christus eigenverantwortlich nachzufolgen, auch wenn Christi Spuren abzubrechen oder sich zu verlieren scheinen, um dann seine Spur fortzuführen.

Predigtskizze (Schwerpunkt Apg 1, 1-11 / Eph 4, 17-23 / Mk 16, 15-20)

Optimismus oder Pessimismus - vor dieser Alternative sieht man sich ständig gestellt, ob bei sich selbst oder bei anderen. Und je nach dem, welche Alternative man ergreift, wird das Handeln eher von Verzagtheit und Euphorie bestimmt. Es kann resignatives Gejammer herrschen oder couragiertes Engagement, das einem von überstürzter Panik geprägtem Aktivismus wehrt.

Für die Lesungen ist die Alternative klar. Denn es besteht überhaupt kein Grund mehr, pessimistisch zu sein. Jesus ist wahrhaftig auferstanden. In seinem Geschick hat sich gezeigt, das das Unheil nicht das letzte Wort haben konnte und auch nie mehr haben kann. Der gekreuzigt und begraben wurde, lebt und bezeugt das seinen Jüngerinnen und Jüngern in Wort und Tat. Das Leben lebt und breitet sich aus. Ganz intensiv in der ersten Zeit, in der sehr überschaubaren Gemeinschaft der nach der Katastrophe des Karfreitags verbliebenen Jüngerinnen und Jünger. Lukas spricht von vierzig Tagen, in denen die ersten Zeugen unmittelbar die heilsame Gegenwart des Auferstandenen erfahren.

In diesem ersten Gemeinschaftskern legt der Auferstandene so die Grundlage für das Weitere. Er gibt Hoffnung weiter, die über den Tod hinausreicht, eine Hoffnung, die der Gemeinschaft bleiben wird, auch wenn Jesu Spur sich in ihrem Leben zu verlieren droht. Die Hoffnung bleibt, wenn auch Jesus als Person nicht mehr greifbar in ihrer Mitte ist. Dazu verleiht er der Gemeinschaft seinen Geist, der Diesseits und Jenseits zusammenhält, der die Verbindung des Christen und der Christin mit dem erhöhten Herrn garantiert. Wo die Kirche diesen Geist bewahrt, wird sie auch den Frieden genießen, den die Welt nicht gibt, weil sie ihn nicht geben kann.

Jesu verbindender und friedensstiftender Geist hilft zudem, die richtige, weil entscheidende Perspektive zu gewinnen und zu behalten. Denn er mahnt, nicht wie angewurzelt stehen bleiben und sich ins Jenseits zu verlieren. Er reflektiert unseren Blick vom Himmel weiter auf die Schöpfung, in all ihre Weite und Vielfalt. Nicht um den Himmel geht es Gott, sondern die ganze Schöpfung, alle Kreatur. Ihr ist er in Liebe zugewandt, will sie heilen und befreien.

Dieses Ziel ist deshalb auch das Ziel der Kirche. Sie braucht Gottes Segen für sich selbst. Doch hat sie ihn weiterzutragen, in die Welt, gerade wo sich Dämonisches, Vergiftetes und Krankes zeigt und breit machen will. Überall soll Gottes Segen erfahrbar werden, in Wort und Tat, damit überall Heil werden kann.

Dass diese globale Aufgabe gelingt, ist nicht selbstverständlich, sondern an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Kirche muß

- sich der eigenen Identität bewußt bleiben, die in ihrer Berufung grundgelegt ist und sich in der Taufe manifestiert. Berufen sind die Christen durch den einen Herrn, der ihnen mit der gemeinsamen Berufung auch die gemeinsame Hoffnung gibt, die trägt, motiviert, belebt, gestalten läßt.

- eine differenzierte Einheit bilden. Sie ist keine unstrukturierte Veranstaltung, sondern mit hierarchischen Strukturen versehen. Diese dienen dem Aufbau und der Weiterentwicklung der Gemeinschaft, aber auch einer sinnvollen Aufgabenteilung - nach innen und außen. Sie sollen dazu beitragen, dass die Christen ihrer gemeinsame Verantwortung für das Heil der Welt in differenzierter Weise gerecht werden können.

- von einer solidarischen Grundeinstellung aller Getauften zueinander und mit der ganzen Schöpfung geprägt sein. Diese Einstellung gilt es im Inneren der Gemeinschaft immer wieder zu erneuern und sie ist nach außen zu bezeugen. Nur so ist Kirche glaubwürdige Zeugin von und für Frieden, Gerechtigkeit und nachhaltiger Erlösung der Schöpfung.

Sich dessen bewußt, wird Kirche kein fest gefügter Block sein, der Welt gegenüber. Im Rahmen ihrer Einheit bildet sie ein dynamisches Gefüge, das sich vom Geist tragen und von ihm führen läßt.

Sie bleibt offen für das, was noch unheil ist in der Welt und wird heilsam sein.

Sie läßt sich betreffen von dem, was an Dämonischem sich noch zeigt und wird in der Gewißheit des Sieges Christi auch diesen Kämpfen nicht ausweichen.

Sie wird ihre gesunde kritische Haltung bewahren, um die entscheidenden Anfragen aufzugreifen und als Chance annehmen, in Gottes Geist diese Welt nachhaltig zu verändern.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

1. Hoffnungsperspektive als Motivation (Eph 1, 18; Eph 4, 4; Mk 16, 20)

Christi Himmelfahrt ist von einer sehr positiven Einstellung zum Leben geprägt, die durch den Sieg Christi über Sünde, Unheil und Tod genährt wird. Sie kann den Einsatz zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in den verschiedensten Bereichen unterstützen und motivieren, den Herausforderungen mit einem gesunden Optimismus zu begegnen.

Einer geworden sein,
der über den Schatten
der eigenen Angst gesprungen ist.
Einer der immer Tag anfängt,
keine Endabrechnungen mehr schreibt,
keine Schlußbilanzen zieht.
Einer, der nicht mehr sammelt,
nicht einmal Steine als Kopfkissen.
Einer, der ohne Ort D
ennoch ein Zuverlässiger ist:
Zuflucht und Ort für viele.
Einer, dessen Gedanken schneller gehen,
als seine Vernunft nachkommen kann:
nur Liebe macht sie langsam,
läßt sie verweilen.
Auch bei verfinstertem Himmel
ein Sternsinger,
sogar in der Wüste
ein Wasserträger,
noch im Winter
ein Gärtner.
Für jeden, der ihm begegnet,
ein Heilender,
ein Segnender.

(Joop Roeland: Die Stimme eines dünnen Schweigens, 1992)

2. Heil der ganzen Schöpfung als Ziel (Apg 1, 8; Eph 1, 21-23; Mk 16, 15)

Die Sendung der Jünger durch Jesus richtet sich auf die ganze Schöpfung, ohne lokale oder regionale Begrenzung. Sie zielt zu allererst ab auf die Ausbreitung des Glaubens, doch geht es um das umfassende Heilwerden der gesamten Schöpfung.

Die Zielperspektive der Nachhaltigkeit schließt vor allem die Verantwortung für die Schöpfung ein. Im biblischen Denken ist diese Dimension der Verantwortung darin begründet, daß der Mensch Geschöpf unter Mitgeschöpfen ist (Gen/1. Mos 1-2; Ps 8; 104). Er ist in eine Schicksalsgemeinschaft mit allen Geschöpfen eingebunden. Es kommt ihm eine besondere Verantwortung für die übrige Schöpfung zu. Er soll die Erde bebauen und bewahren (Gen/1. Mos 2,15), d. h. sie kultivieren und zu einem bewohnbaren Lebensraum gestalten und sie als solchen bewahren. Die besondere Stellung des Menschen begründet kein Recht zu einem willkürlichen und ausbeuterischen Umgang mit der nicht-menschlichen Schöpfung. Vielmehr nimmt sie den Menschen in die Pflicht, als Sachwalter Gottes für die geschöpfliche Welt einzustehen, ihr mit Ehrfurcht zu begegnen und schonend, haushälterisch und bewahrend mit ihr umzugehen (Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, 1997, Nr. 123)

3. Frieden nach innen und außen (Eph 4, 3)

Die Gemeinschaft der Glaubenden wird gemahnt, den Frieden zu bewahren, der sie zusammenhält. Diesen Frieden, der in der Verbindung zu Gott grundgelegt ist, gilt es aber nach außen zu vertreten und in der Welt zu verbreiten.

Seit Herbst 2004 besteht das Kooperationsprojekt "Friedenssicherung und Nachhaltigkeit" zwischen dem Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz und dem Wehrbereichskommando II der Bundeswehr. Die Vereinbarung zählt zu den ersten offiziellen deutschen Beiträgen zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Ziel der dieses Jahr beginnenden Weltdekade der Vereinten Nationen ist die Verankerung des Gedankens einer ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähigen Entwicklung der Weltgesellschaft in allen Bereichen des Bildungssystems.

Die Kooperationsvereinbarung "Friedenssicherung und Nachhaltigkeit" von Umweltministerium und Bundeswehr setzt bei der Erkenntnis an, dass Konflikte häufig auf ökologischen und sozialen Ursachen basieren und dass Auseinandersetzungen um Ressourcen geführt werden. Dies könnten die größten friedensbedrohenden Faktoren unserer Zeit sein. Daher sollen Einsatz und Kooperation für eine ökologisch, ökonomisch und sozial gerechte Entwicklung ein zentraler Beitrag für die Friedenspolitik der Zukunft sein.

4. Solidarische Einstellung (Eph 4, 2 f.)

Die Gemeinschaft benötigt eine Solidarität aller Getauften zueinander, damit sie nicht zerbricht oder unglaubwürdig wird. Weil Gott die Schöpfung liebt, kann sich christliche Solidarität nicht auf die Kirche beschränken, sondern muß die Welt als ganzes einschließen. Christliches Handeln ist deshalb immer auch solidarisches Handeln.

Ein Zukunftsfähiges Deutschland hat Voraussetzungen: Solidarität und Gerechtigkeit. „Solidarität und Gerechtigkeit sind notwendiger denn je. Tiefe Risse gehen durch unser Land: Vor allem der von der Massenarbeitslosigkeit hervorgerufene Riß, aber auch der wachsende Riß zwischen Wohlstand und Armut und der noch längst nicht geschlossene Riß zwischen Ost und West" , ganz zu schweigen von dem Riß zwischen Nord und Süd.

Es sind diese Spaltungen in unserer Gesellschaft und in der ganzen Welt, die auf einen eklatanten Mangel an Gerechtigkeit und Solidarität hinweisen, auch auf eine Spaltung in den Köpfen. „Dem Egoismus auf der individuellen Ebene entspricht die Neigung der gesellschaftlichen Gruppen, ihr partikulares Interesse dem Gemeinwohl rigoros vorzuordnen. Manche würden der regulativen Idee der Gerechtigkeit gern den Abschied geben. Sie glauben fälschlich, ein Ausgleich der Interessen stelle sich in der freien Marktwirtschaft von selbst ein. Für die Kirchen und Christen stellt dieser Befund eine große Herausforderung dar. Denn Solidarität und Gerechtigkeit gehören zum Herzstück jeder biblischen und christlichen Ethik" (Franz Kamphaus, Bischof von Limburg)

5. Medizinischer Einsatz (Mk 16, 18)

Für Jesus zeigt sich die Verkündigung des Evangeliums vor allem im Einsatz für die Kranken. Dies legt nahe, den Zusammenhang von medizinischer und nachhaltiger Entwicklung zu beleuchten.

Weltweit sind es über 200.000 Mediziner und Medizinerinnen, die sich im Rahmen des "International Physicians for the Prevention of Nuclear War" (IPPNW) in über 60 Ländern engagieren. 1985 erhielten sie hierfür den Friedensnobelpreis. Der Ableger in Deutschland, in dem immer noch 8.000 Ärzte und Ärztinnen, Medizinstudierende und Fördermitglieder aktiv sind, heißt "IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V."

Das Bestreben der IPPNW liegt darin, die erdumspannenden Bedrohungen für Leben und Gesundheit abzuwenden. Zu diesem Zweck setzen sie sich über alle politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinwegund für friedliche Konfliktbewältigungen, internationale Verträge, die Abschaffung von Atomwaffen und Atomenergie und eine Medizin in sozialer Verantwortung ein.

Das Engagement der IPPNW spiegelt sich zudem in zahlreichen Arbeitskreisen wieder, so z.B. der AK Atomenergie, der AK Flüchtlinge, der AK Medizin und Gewissen (incl. Medizinethik, gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen, Kommerzialisierung von Gesundheit, Kostendruck im Gesundheitswesen etc.) oder der AK Süd-Nord (www.ippnw.de)

Literatur:

Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus (Mk 8.27-16,20) = Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament II/2, 19893

Pesch, Rudolf: Die Apostelgeschichte (Apg 1-12) = EKK V/1, 1986

Schnackenburg, Rudolf: Der Brief an die Epheser = EKK X, 1982

Joachim Feldes, Frankenthal

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