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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

21.05.06 – Rogate / 6. Sonntag in der Osterzeit / 5. Sonntag nach Ostern

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Kol 4, 2-4 (5-6)

Apg 10, 25-26.34-35.44-48

1 Joh 4, 7-10

Joh 15, 9-17


Die Verfasserin geht auf den Text der ev. Reihe IV und den Text der kath. 2. Lesung ein. Stichworte (e): Kraft des Gebetes als über den individuellen Handlungsraum hinausweisend, Reflexion auf aktuelle Lebenszusammenhänge in den Fürbitten, Bergpredigt, (k): friedenstiftende Zeichen der Liebe, Ausdrucksform christlichen Handelns; teilen, Wissen und verantwortliche Schlüsse daraus ziehen

Kol 4, 2-4 (5-6)

Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

Der Rogatesonntag ist besonders dem Thema Gebet gewidmet. Darum empfiehlt es sich, sich bei der Textauslegung sowie der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes vor allem darauf zu konzentrieren. Am besten ist es, nicht nur über das Beten zu reden, sondern es auch zu praktizieren. Das bedeutet, ihm in diesem Gottesdienst nach Möglichkeit auch breiten Raum zu geben.

Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Beteiligung verschiedener Gemeinde- (oder Altersgruppen) am (vorformulierten) Fürbittengebet
  • Unterbrechung des Fürbittengebets durch einen gemeinsamen Liedruf
  • Sammeln von Fürbitten in der Gemeinde als Aktion während des Gottesdienstes mit
    anschließendem zusammenfassenden Gebet
  • Möglichkeit zum stillen Gebet
  • Möglichkeit zum freien Gebet (nur falls Gemeinde Übung darin hat)

Viele Menschen heute tun sich schwer mit dem Beten. Nur für wenige (meist Ältere) gehört das Beten noch ganz selbstverständlich zu ihrem Leben dazu. Beide Gruppen sind vermutlich im Gottesdienst vertreten. Beide Gruppen sollten sich von der Predigt ernst genommen fühlen und zum Weiterdenken (bzw. Weiterbeten) angeregt werden.

exegetische Überlegungen:

Der Brief an die Gemeinde in Kolossä stammt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Paulus selbst, sondern von Menschen, die von ihm gelernt haben und nun seine Gedanken aufnehmen und weiterentwickeln. Mit eindringlichen Worten und unterschiedlichen Bildern will der Brief den Menschen Mut machen, ihr Leben an Jesus Christus auszurichten und sich darin nicht beirren zu lassen, weil in Christus allein wirklich und wahrhaftig die Heilsmacht Gottes in ihrer ganzen Fülle wohnt.

Der vorliegende Abschnitt ist eine typische Paränese (Mahnpredigt), wie sie häufiger am Schluss eines Briefes vorkommen. Inhaltlich geht es hier um das Gebet und um die Verkündigung des Evangeliums an Außenstehende, also Mission. Die Verbindung von Wachen und Beten weist auf sehr alte Überlieferungen hin, denn schon im Alten Testament finden sich Hinweise darauf, dass die Menschen aufgefordert werden, auf einen Teil ihres Schlafes zu verzichten, um früh am Morgen zu Gott zu beten. Im übertragenen Sinne wird das Wachsein im Sinne von wachsam und bereit sein für die Wiederkunft Christi im Neuen Testament ja immer wieder betont. Das Gebet besteht aus Dank und Fürbitte, die über den Kreis der Gemeinde hinausweist. Gott soll die Türen öffnen, damit es möglich ist, neue Menschen zu erreichen und ihnen das Geheimnis Christi näher zu bringen. Dabei ist das Verhalten gegenüber den Außenstehenden wichtig, denn damit wird für das Evangelium geworben.

Assoziationen:

Es geht im Predigttext um die Verbindung von Beten und Handeln. Beten ist eine wichtige Lebensäußerung des Glaubens. Denn das Beten ist ein Feld, wo wir ernst machen können damit, dass Gottes Liebe allen Lebewesen in der Welt gilt. Wenn wir Fürbitten formulieren, Kranken Besserung wünschen oder den Menschen im Krieg baldigen Frieden - dann formulieren wir doch aktueller und konkreter, als es im Evangelium ausgedrückt ist, wie wir uns vorstellen, dass die gute Nachricht in der jeweiligen Situation Wirklichkeit werden soll. Wenn unsere Fürbitten eine praktische Anwendung des Evangeliums auf Situationen sind, die wir als besonders der Unterstützung bedürftig wahrnehmen, dann können wir ja auch nicht einfach “Amen” sagen und uns wieder unseren Alltagsgeschäften zuwenden. Wenn ich mich selbst von Gott geliebt fühle, kann ich mein Herz nicht verschließen für die Welt um mich herum. Wenn ich mein Leben als in Gott geborgen empfinde, dann macht mich das empfindsam für die Sorgen und Nöte anderer Lebewesen, Menschen, Tiere und Pflanzen.

Es gilt die Zeit, die uns verbleibt, sinnvoll zu nutzen. (Vers 5) Und vor allem den rechten Zeitpunkt zu ergreifen. Wir sollen im richtigen Moment die Zeit der Menschen für unsere Zwecke in Anspruch nehmen. Also sie motivieren sich mit uns gemeinsam stark zu machen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, die Menschen gewinnen für bestimmte Projekte. Auch Außenstehende, die nicht zum „harten Kern“ der Gemeinde gehören, gilt es, mit ins Boot zu holen.

Wir sollen leben wie Menschen, die wissen, worauf es ankommt und es dann anderen weitergeben. Die Art wie wir leben hat eine Wirkung nach außen. Der Glauben soll ausstrahlen über die Grenzen der Gemeinde hinaus und andere ansprechen. Wir sollen freundlich und ansprechend Auskunft über den Glauben geben, aber auch mit Würze. So wie das Salz die Speise erst schmackhaft macht, so soll unser Auftreten und Reden Wirkung hinterlassen. Der Auftrag Jesu aus der Bergpredigt, Salz der Erde zu sein, bleibt Herausforderung für uns als Kirche in einer Zeit, in der unbequeme Aussagen von kirchlicher Seite oft eher vermieden werden aus Angst anzuecken und Mitglieder zu vergraulen.

Nachhaltigkeitsbezug:

Angesichts der Verantwortung, die sich aus unserem christlichen Auftrag gegenüber der Welt und insbesondere der Schöpfung ergeben, ist der Predigttext für mich eine Aufforderung, die Fragen um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung als die größten Probleme unserer Zeit als Gebetsanliegen zu formulieren. Durch das öffentliche Aussprechen werden sie ins Bewusstsein der Gemeinde gerückt und motivieren uns zum Handeln.

“Beten ist Revolte. Wer betet, sagt nicht: So ist es und Amen! Er sagt: So ist es! Und so soll es nicht sein! Und das und das soll geändert werden! Beten ist eine intensive Vorbereitung auf das Leben.” (Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky)

In diesem Zusammenhang ist mir ein Lied eingefallen, das ich vor vielen Jahren bei einer Jugendveranstaltung kennengelernt habe. Es stammt aus der evangelischen Jugendbewegung der damaligen DDR und lautet:

Es reicht nicht, dass wir Amen sagen
und meinen, Gott wird’s tun.
Wer Amen will, muss etwas wagen,
so billig kommt man nicht davon.
Wir bitten Gott um Frieden in der Welt
und meinen doch nur uns und unser Geld.
Ja und Amen, das heißt: Geh und tu!
Wir sagen Gott den Hunger und die Not
und meinen doch nur uns und unser Brot.
Ja und Amen, das heißt: Geh und tu!
Wir zeigen Gott den Hass der bösen Welt
und haben ihn bei uns nicht abgestellt.
Ja und Amen, das heißt: Geh und tu!
Es reicht nicht, dass wir Amen sagen
und meinen, Gott wird’s tun.
Wer Amen will, muss etwas wagen,
so billig kommt man nicht davon.

Predigtthema: Beten und Handeln gehören untrennbar zusammen.


1 Joh 4, 7-10

Predigtsituation - Kirchenjahreszeit

Dieser Sonntag liegt im wunderschönen Monat Mai (Marienmonat) kurz vor Himmelfahrt und Pfingsten, ist also von der Stimmung her nachösterlich fröhlich und zuversichtlich. Es bietet sich an, Maienlieder zu singen, Loblieder auf die Schöpfung und die wiederwachte Natur um uns herum.

exegetische Überlegungen:

Die drei Johannesbriefe stehen im engen sprachlichen und gedanklichen Zusammenhang mit dem Johannesevangelium. Die drei Briefe bilden auch untereinander eine sachliche Einheit. Der Verfasser ist allerdings wohl nicht mit dem Verfasser des Evangeliums identisch, sondern stammt aus dessen Schule und schrieb nur kurze Zeit nach dem Evangelisten in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts.

Der 1. Johannesbrief ist nicht wirklich ein Brief, sondern eher eine theologische Abhandlung, vielleicht sogar eine Streitschrift zur Interpretation der johanneischen Tradition. Der Verfasser scheint jedoch bestimmte Leserinnen und Leser vor Augen zu haben und sich nicht an die kirchliche Allgemeinheit zu wenden.

Zur Verwendung der Übersetzung ist anzumerken, dass bei Gebrauch der Einheitsübersetzung zumindest die zweimalige Anrede (Verse 7 und 11) verändert werden sollte, entweder in: „Liebe Schwestern und Brüder“ oder nach Luther: “Ihr Lieben“, um nicht schon beim Lesen des Predigttextes mindestens die Hälfte der Anwesenden auszugrenzen.

Es handelt sich um einen ziemlich steilen Text, der zu klischeehaftem Reden verleitet. Die Gleichsetzung von Liebe und Gott definiert menschliche Liebe, und zwar beschränkt auf den Kreis der Rechtgläubigen als eine Art Gottesbeweis. Weil Gott die Liebe ist und uns liebt, lieben wir uns untereinander und machen dadurch Gott existent. Das ist ein sehr hoher (fast übermenschlicher) Anspruch an die christliche Gemeinschaft.

Die Predigt muss über Liebe reden und dennoch im Auge behalten, wie unvollkommen und gefährdet menschliche Liebe ist. Viele Menschen, die im Gottesdienst sitzen, haben eher schmerzliche Erfahrungen mit der Liebe gemacht und brauchen gerade deshalb die Bestärkung, dass Gottes Liebe ihnen gilt, auch wenn sie selbst nicht perfekt sind im Lieben.

Assoziationen

Die Brüder vom Berge Morija

Eine Geschichte erzählt, warum der Tempelberg in Jerusalem sich gerade besonders gut geeignet hat, um dort ein Haus für Gott zu bauen. Vor langer, langer Zeit wohnten auf diesem Berge zwei Brüder. Man nennt sie die Brüder vom Berge Morija. Der Jüngere der beiden war verheiratet und hatte zwei Kinder. Der Ältere war alleinstehend. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen. Sie pflügten das Feld zusammen und streuten den Samen zusammen aus. Zur Erntezeit brachten sie das Getreide zusammen ein und banden es gemeinsam in Garben. Als sie mit ihrer Arbeit soweit gekommen waren, teilten sie die Garben in zwei gleich große Stöße. Jeder der beiden bekam einen genau gleich großen Stoß Garben. Als es Nacht geworden war, legten sich die beiden Brüder bei ihren Garben nieder um zu schlafen. Der ältere Bruder konnte aber keine Ruhe finden. Er dachte bei sich: Mein Bruder hat eine Familie, die er ernähren muss. Ich bin dagegen allein, nur eine Einzelperson, ohne hungrige Kinder. Trotzdem habe ich genauso viele Garben genommen wie er. Das ist doch nicht in Ordnung. Das muss ich unbedingt ändern. Leise stand er auf, nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich, still und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und konnte endlich beruhigt einschlafen. Kurze Zeit später wachte jedoch der andere Bruder auf und konnte nicht wieder einschlafen, weil er sich Gedanken machte, die ihn beunruhigten. Er überlegte: Mein Bruder ist ganz allein. Er hat niemanden, der einmal später für ihn sorgen kann. Er ist ganz allein auf sich gestellt. Niemand wird sich um ihn kümmern. Als er soweit gekommen war, stand er auf, nahm soviel von seinen Garben wie er gut auf einmal tragen konnte und trug sie heimlich, still und leise hinüber zum Stoß seines älteren Bruders. Sie staunten beide nicht schlecht, als sie am andern Morgen aufwachten und entdeckten, dass ihre Garbenstöße noch genauso groß waren wie am Abend zuvor. Aber keiner der beiden verlor ein Sterbenswörtchen darüber. In der nächsten Nacht warteten sie beide ein Weilchen, bis jeder dachte, der andere sei mittlerweile eingeschlafen. Jeder der beiden stand auf und nahm ein Bündel von seinen eigenen Garben Getreide, um sie auf den Stoß des anderen zu legen. Wie groß war die Überraschung, als sie auf halbem Weg aufeinander trafen. Sie waren jeder sehr gerührt zu sehen, wie gut es der andere mit ihm meinte. Sie ließen ihre Garben fallen und umarmten sich gegenseitig liebevoll.

Gott im Himmel aber schaute zu ihnen hinunter und sagte: Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen.

(Quelle unbekannt)

Nachhaltigkeitsbezug

Der Bezug zur Nachhaltigkeit ergibt sich indirekt daraus, dass Menschen, die aus der Liebe Gottes leben, Verantwortung übernehmen für ihre Mitwelt. Gottes Liebe lebendig zu machen in unserer Zeit heißt für mich automatisch, sich für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Gottes Liebe gilt schließlich der ganzen Schöpfung Gottes, die wir zu bebauen und bewahren beauftragt sind (vgl. Schöpfungsgeschichte). Liebevoll mit anderen Mitgeschöpfen umzugehen macht ja nur dann Sinn, wenn diese Geschöpfe in einer friedlichen und gesunden Umgebung leben können. Wer sich geliebt fühlt und selbst wirklich liebt, kann nicht bewusst zerstörerisch wirken.

Predigtthema: Was unsere Welt braucht, das ist die Liebe, so wie wir sie bei Gott erfahren können.

Quellen:

Conzelmann / Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen, 1980

Wolfhart Koeppen in Gottesdienstpraxis II,4, Gütersloh 2004

Hans Jürgen Milchner in Gottesdienstpraxis IV, 3, Gütersloh 2000

Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky, Nicht nur Ja und Amen. Von Christen im Widerstand, Hamburg 1983, Seite 53

Klaus Berger in: Christ sein. Sieben Abschnitte aus dem Kolosserbrief, Neukirchen-Vluyn, 1998

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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