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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14.05.06 – 5. Sonntag der Osterzeit / 4. Sonntag nach Ostern

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Apg 16, 23-34

Apg 9, 26-31

1 Joh 3, 18-24

Joh 15, 1-8

Der Verfasser geht nur auf die Bibelstellen der katholischen Leseordnung ein. Das Bildwort "Ich-bin-der-wahre-Weinstock" im Evangelium zeigt für den Autor, dass Jesus als Kraftquelle Engagement für eine bessere Welt ermöglicht und fordert. Stichworte: Vorurteile und Verhalten gegenüber Fremden, Fürsprache, Integration, Gastfreundschaft als Wesen von Kirche, Wort und Weihrauch statt Taten?

Apg 9, 26 – 31

Mit der Perikope schließt Lukas den Bericht über die Bekehrung und das erste Wirken des Paulus ab. Von Damaskus kommt Paulus auf der Flucht nach Jerusalem und wird dort den Aposteln vorgestellt. Auch aus Jerusalem muss er nach seinen Predigten schon bald fliehen und sich in seine Heimat Tarsus zurückziehen. Die Schlussnotiz Apg 9, 31 fasst die grundlegende Wende durch die Bekehrung des ehemaligen Verfolgers zusammen: Weil er Christ wurde, lebt die Kirche in Palästina in Frieden und kann in Ruhe wachsen.

Der Bericht über Paulus in Jerusalem weicht von den eigenen Angaben des Apostels (vgl. Gal 1, 15-24) stark ab. Lukas ist hier nicht an exakten biographischen Daten interessiert, sondern zeigt am Schicksal des Apostels Paulus etwas Grundsätzliches zur Entwicklung der Urkirche auf.

Bezüge zur Nachhaltigkeit

Am Beispiel der Aufnahme des Paulus in der Jesualemer Gemeinde kann die Frage diskutiert wird, wie man sich einem gegenüber verhält, der sich der Gemeinde „anschließen“ will. Erst die Vermittlung des Barnabas eröffnete Paulus einen Zugang zum Gemeindeleben. Vorurteile, Misstrauen und Angst der Jerusalemer Apostel hätten zur Ausgrenzung des Paulus und so zu einer Fehlentscheidung führen können. Fast zu spät entdeckte man seine missionarischen Qualitäten. Der mutige und offene Einsatz des „Neuen“ brachte frischen Wind.

Gastfreundschaft ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Botschaft Jesu, denn Jesus selbst ist den Evangelien als Gast (Joh 2, Lk 19, 5), Gastgeber (Mk 6, 30-44 par) und Gastgabe (Mt 26, 26-28). In der Rede vom Weltgericht (Mt 25, 31-36) mahnt er eindringlich zur Gastfreundschaft gegenüber den Ärmsten. Das frühe Christentum ist ohne die Aufnahme von Missionaren in den neuen Gemeinden nicht vorstellbar. Die Wirkung der vor allem in der Apostelgeschichte beschriebenen Gastfreundschaftsbegebenheiten ist das Wachsen und die Ausbreitung der Kirche.

So stehen auch die Gemeinden heute vor der Frage, wie offen und gastfreundlich sie für Fremde und Querdenker sind. Zu viel Vorsicht, wer „bei ihnen ein- und ausgehen“ darf, ist für die christliche Gemeinschaft demnach kein Gütezeichen. Vielmehr geht es auf der Grundlage einer biblisch inspirierten Erinnerungskultur um die gastfreundliche Aufnahme von Fremden. Mit dieser Aufnahme geht eine persönliche Verantwortung für die Gäste einher: Keine Unterbringung in Wohnheimen ohne Kontakte nach außen, sondern Zuständigkeiten von Menschen für andere Menschen, damit Begegnungen in Frieden möglich werden. Im gegenseitigen Miteinander das Leben bereichern, gleichzeitig Schenkende und Beschenkte werden: da wird „Leben in Fülle“ erfahrbar und Gottes Verheißung ein Stück Wirklichkeit.


1 Joh 3, 18-24

Der erste Johannesbrief spricht Christen und Christengemeinden an, die in einer ungläubigen Umwelt den Glauben verkünden, leben und verteidigen. Für den Briefautor ist entscheidend, dass der Glaube an Jesus Christus das Leben der Gläubigen sichtbar prägt.

Damit befasst sich die Mahnrede mit einem Vorwurf auch an die Kirche heute: schöne Worte, fromme Sprüche, viel Weihrauch, aber keine Taten. Dagegen wendet sich der Briefautor: Reden und Tun sind in Einklang zu bringen: „Die Wahrheit der Absicht ist die Tat!“ Christusglaube und geschwisterlicher Umgang miteinander und der Schöpfung gehören untrennbar zusammen.

Und auch wenn nicht alles gelingt und wir dem Anspruch nicht gerecht werden, der Apostel betont: Wir haben im Glauben an Jesus Christus eine unerschütterliche Zuversicht gewonnen, dass Gott uns nicht verurteilt und verdammt. Er ist größer als unser Herz.


Joh 15, 1-10

Das Bildwort vom wahren Weinstock in den Abschiedsreden Jesu ist das letzte der sieben „Ich-bin-Worte“, die eine Besonderheit des Johannes-Evangeliums und einmalig im Neuen Testament sind. Es ist sicher kein Zufall, dass es 7 Worte sind - galt doch die „Sieben“ in der Antike als heilige Zahl, die Vollkommenheit, das Göttliche symbolisierte. So bündelt Johannes in diesen sieben Selbstaussagen allumfassend und endgültig das, was Jesus für die Menschen ist, und wie er für sie da ist. Er ist und bringt ewiges Heil. Demgegenüber hält die „Welt“ nicht, was sie zu sein vorgibt: Ihr „Weinstock“ spendet vorübergehendes, aber kein bleibendes Glück.

„Ich bin …“

Die jüdisch geprägten Menschen, für die Johannes sein Evangelium schrieb, erkannten mit den am Alten Testament geschulten Ohren in den beiden einleitenden Worte „Ich bin“ die Selbstoffenbarung Gottes vor Mose am brennenden Dornbusch (Ex 3, 14) wieder. Mit den Worten „Ich bin der Ich bin für euch da“ stellte sich Gott vor. Im „Ich bin“ klingen auch Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja an, mit denen sich Gott selbst als den Herrn und Retter der Welt bezeichnet (Jes 41, 4; 43, 10). So will der Evangelist der durch Verfolgung und Unterdrückung verstörten und verunsicherten Gemeinde Mut und Trost zusprechen und sie vergewissern, dass Jesus Christus für sie da und gegenwärtig ist.

„Der Weinstock“

Auch das Bild vom Weinstock ist ein in der jüdischen Tradition oft gebrauchtes Bild. Es nimmt ein Bild auf, in dem Israel als „Weinstock“ bezeichnet (Ps 80, 9-14) wird. Die Propheten gebrauchen das Bild für ihre Kritik an ausbeuterischen, gottlosen, tödlichen Gesellschaftsformen und erinnern daran, dass Gottes Weinstock sich davon unterscheiden muss.

Verheißung und Entscheidung

Zu jedem „Ich-bin-Wort“ gehört eine Verheißung und der Ruf zur Entscheidung. Auch das Bild vom „wahren Weinstock“ will durch Verheißung ermutigen und durch Warnung wachrütteln. Es warnt davor, die Verbindung mit Christus abreißen lassen, weil dann das Leben in Gottes Augen wertlos wird. Aber es verheißt den Christen, dass sie viel Frucht bringen, wenn sie mit Christus verbunden bleiben. In den Augen Christi ist „Frucht“: Liebe zueinander, Glaube an den Christus Gottes, Vertrauen in Gottes Macht.

„Ich-bin-der-wahre-Weinstock“ für uns

Mit den sieben Ich-bin-Worten beschreibt Johannes seiner Gemeinde, wie Jesus für sie da ist. Er wollte ihr Christus bildhaft an die Seite stellen, damit sie in ihrer Verunsicherung und Verwirrung Halt findet. Wir dürfen die Worte heute genauso hören, wie die Gemeinde damals, denn sie beschreiben den „Jesus für uns“, der erfahrbar sein will als Weinstock, der Kraft zufließen lässt und hält im Engagement für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.


Literatur:

Annegret Puttkammer, Ich bin für euch da!“. Die Ich-bin-Worte Jesu, in: Kath. Bibelwerk (Hrsg.), Johannes entdecken, Stuttgart 1998, 76-88

Christoph Hof, Andernach

 

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