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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7.05.06 – Jubilate / 4. Sonntag in der Osterzeit / 3. Sonntag nach Ostern

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

2. Kor 4, 16-18

Apg 4, 8-12

1 Joh 3, 1-2

Joh 10, 11-18

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV ein. Stichworte (e): Eneuerung aus dem Unsichtbaren hin zum Sichtbaren, Kyoto-Protokoll, das Machbare für den Menschen zählt, nicht das Unmögliche

2. Kor. 4, 16-18

Predigtsituation:

Am dritten Sonntag nach Ostern wird der Jubel über die Auferstehung schon verklungen sein, selbst wenn er tatsächlich laut war. Jubilate Deo, omnis terra. Ein universaler Ruf, der in der Maienzeit ein bißchen Nachhall finden kann durch Kommunionen und Konfirmationen, auch durch viele Hochzeiten. Aber bei diesen Kasualien kann er leicht in bürgerlichen und kleinbürgerlichen Netzen eingefangen werden. Gott ist nicht der, der bejubelt wird aus Begeisterung über seine Schöpfung und Versöhnungstaten, sondern der gebraucht wird, um der bürgerlichen Familie Glanz und Glück zu verleihen.

Bemerkungen zum Text:

Und zwanzig Jahre nach der Auferstehung wird der Jubel bei den Christen vielleicht auch stiller geworden sein, allerdings werden die Geräusche der Auseinandersetzungen lauter. Die Entstehungszeit des vorliegenden Textes, im Zusammenhang 2. Kor. 2, 14 - 7, 4, die sogenannte Apologie, ist in etwa 55/56 n. Chr. anzusetzen, der Entstehungsort wird in Ephesus zu suchen sein, gemeinsam mit dem sogenannten Tränenbrief, von dem wir ein Fragment in 2. Kor. 10-13 vorliegen haben. Die gesamte Komposition des 2. Kor. wird erst Anfang des 2. Jh. stattgefunden haben, wobei es dann vor allem um die Legitimität des Apostelamts insgesamt ging. Apologie und Tränenbrief sind noch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, daß die Situation zwischen der Gemeinde in Korinth und dem Apostel sich deutlich verschlechtert hatte. Die Verschlechterung wird offenbar durch Gegner des Paulus verschärft, die als Judenchristen zu sehen sind (2. Kor. 11, 22; zu weiteren Einzelheiten s. Lohse, S. 41 ff.).

Predigthinweise:

Der Jubel ist verklungen, Zeit also, einen neuen Fixpunkt zu finden und Paulus tut es wie Bonhoeffer später: "von guten Mächten treu und still umgeben" dichtend, mitten im Nazi-Gefängnis, Berlin Tegel: Er setzt auf das Unsichtbare, im Sinne von dem, was noch nicht sichtbar ist. Der innere Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Und ich werde jetzt nicht den inneren Menschen gegen den äußeren ausspielen, die äußere Welt gegen eine innere. Traue ich den Ergebnissen der neuro/psychologischen Wissenschaften und ihren therapeutischen Auswertern in der systemischen Psychologie, gibt es nur innere Welten, 6 Milliarden individuelle innere Welten. Ich werde jetzt ebenfalls nicht ein "Noch nicht" gegen ein "Schon jetzt" ausspielen und damit die eschatologische Spannung zerstören, die wir aufbauen können, jeden Tag in unserem Leben, nicht nur in der Auslegung von Texten.

Oekologische Gesichtspunkte:

Wenn wir des Paulus Impuls, uns aus dem Unsichtbaren erneuern zu können, jeden Tag, nutzen, geht es wieder ins Sichtbare. Hier ist eben nicht ein stiller Rückzug hinter Klostermauern gemeint, um ewig unsichtbar zu bleiben, sich also für immer vor dieser bösen Welt zu schützen. Hier ist eben auch nicht die leibliche Auflösung in christlichen Aktionismus gemeint. Hier ist von Hingabe an das göttliche Wachstum gemeint, das immer von innen nach außen geht. Nichts, nur das Wachsen bleibt. Wie schnell, wie groß, wie weit dieses Wachsen geschieht, spielt keine Rolle. Ich erinnere gut die seit 30 Jahren erlebten Diskussionen, ob das bißchen, das wir tun können, denn reicht? Der Text zeigt uns, daß es nicht unsere Aufgabe ist, die Welt zu retten. Das ist Gottes Aufgabe. Aber unsere Aufgabe ist es, auf diese Absicht Gottes hinzuweisen, und nicht müde zu werden, es zu tun. Und wir tun das mit dem Wort, hell und klar, indem wir Leben und Tod in dieser Gesellschaft klar unterschieden darstellen und was Leben bringt und was den Tod bringt. Und dann ist kein Bürgerbus, der endlich fährt, zu klein und keine Brennwertheizung, die endlich, endlich die alte Rußschleuder von 1970 ablöst und kein Dach mit Photovoltaik. Es geht nicht so sehr um die Dinge an sich, sondern um das, wofür sie stehen. Natürlich wäre es ein Riesenerfolg für alle ökologisch Engagierten, wenn die Amerikaner an der Fortschreibung des Kyotoprotokolls teilnehmen könnten. Werden sie aber nicht, solange ihnen von fundamentalistischen, natur- und schöpfungsfeindlichen Theologen der Rücken gestärkt wird. Vielleicht wäre es von unserer theologischen Seite her ökologisch sehr sinnvoll, uns stärker mit diesen eigenartigen amerikanischen Vorstellungen auseinanderzusetzen, anstatt ständig angewidert die Nase zu rümpfen und uns abzuwenden. Gemessen werden wir am Beitritt der USA nicht.

Literatur:

Eduard Lohse: Entstehung des Neuen Testamentes, Mainz, 1972

Michael Schuck, Uedem

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