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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14.04.06 – Karfreitag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Hebr 9, 15. 26b-28

Jes 52, 13 - 53, 12

Hebr 4, 14-16; 5, 7-9

 

Predigtsituation - Kirchenjahreszeit

Der Karfreitag war in der Vergangenheit der höchste evangelische Feiertag. In vielen pfälzischen Kirchengemeinden war es früher üblich, an Karfreitag das einzige Abendmahl im Jahr zu feiern, an dem die Menschen schwarz angezogen teilnahmen. Auch der Rest des Tages wurde in einer eher feierlichen, ernsten Stimmung verbracht. Kein Lokal war geöffnet.

Heute ist das nur noch in der Erinnerung der älteren Gemeindeglieder präsent. In den letzten Jahren hat der Karfreitag in den meisten Gemeinden und vor allem im Bewusstsein der Öffentlichkeit an Bedeutung verloren. Nur noch die Kerngemeinde ist anwesend. Es hat offensichtlich eine Bedeutungsverschiebung in Richtung Ostern stattgefunden. Die mittlerweile auch in vielen evangelischen Gemeinden angebotenen Osternachts- bzw. Auferstehungsfeiern in unterschiedlichen Formen erfreuen sich größerer Beliebtheit als der traurige Karfreitag.

 

Exegetische Überlegungen

Der Text gehört zu den sogenannten Gottesknechtsliedern bei Deuterojesaja (Jes 40-55). Die Forschung ist sich nicht einig darüber, wer dieses prophetische Buch verfasst hat. Es könnte eine uns nicht näher bekannte Einzelperson sein, die vielleicht bei den Gottesknechtsliedern von sich selbst und ihrem eigenen Leiden spricht. Die mir wahrscheinlicher erscheinende Theorie geht davon aus, dass es sich um eine Prophetenschule handelt, die in den Gottesknechtsliedern vom Leiden des ganzen Volkes Israel spricht. Die Entstehungszeit ist vermutlich Ende des Babylonischen Exils, die Zeit der Heimkehr steht bevor.

 Die Botschaft des Deuterojesaja geht, wie schon der Prolog (Jes 40, 1-11) zeigt, in zwei Richtungen: Das verzweifelte Volk soll einerseits aus der Klage heraus zu neuer Hoffnung geführt werden (“Tröstet, tröstet mein Volk ...“), andererseits soll bewiesen werden, dass Gott auch weiterhin in der Geschichte des Volkes wirksam ist.

 Als die Gottesknechtslieder entstanden, hofften die Menschen, dass sich entweder am Leiden eines Einzelnen, des Messias oder auch am Leiden des ganzen Volkes Israel zeigen würde, dass Gott da ist, dass Gott mitleidet.

 Viel später haben dann Christinnen und Christen diese Worte auf Jesus Christus bezogen. Von Jesus konnte der Verfasser 400 Jahre vorher natürlich noch nichts ahnen. Aber wir legen das heute so aus, dass wir sagen: Für uns wurde in Jesus Christus sichtbar, was der Prophet Jesaja hier meint. Wir glauben schließlich, dass sich im Leiden Jesu und in seinem Sterben am Kreuz zeigt, dass Gott bei uns sein will, wenn wir leiden.

 Assoziationen

Unsere Welt ist voll von Leiden. Und wir erfahren täglich davon - mehr denn je. Wir sehen sie andauernd, die Bilder von Menschen, die gequält und misshandelt werden, von Menschen, die hungern oder unter Krieg und Terror leiden. Wir haben mit Entsetzen die Bilder von der Flutkatastrophe gesehen und waren schockiert, wie hilflos wir Menschen solchen Naturgewalten ausgeliefert sind. Wir sehen Bilder von zerstörter Natur und von leidenden Tieren. Und wir erleben es im eigenen Umfeld, wie Menschen von Krankheit und Tod gezeichnet sind. All das macht uns Angst. Das Lebensgefühl vieler Menschen in unserer Zeit ist von Angst bestimmt. Angst vor der Zukunft, Angst vor Sinnlosigkeit und Leere im Leben. Angst vor Gewalt und Unglück. Angst davor, selbst leiden zu müssen. Es gibt sehr unterschiedliche Arten mit unserer Angst umzugehen und auf das Leiden, das wir sehen, zu reagieren. Oft genug schauen wir weg, weil wir es nicht ertragen können. Wir versuchen zu verdrängen, was uns beängstigt. Es gibt aber auch ein sensationslüsternes Zuschauen aus dem bequemen Fernsehsessel heraus, das den Abstand genauso wahrt wie das Wegdrehen. Unsere Kultur lädt uns auch eher dazu ein, das Kreuz nicht zu sehen, nicht darauf zu achten, wieviel Menschen immer noch ihr Kreuz tragen müssen. Dabei ist genaues - mit-leidendes Hinsehen so wichtig. Nur wenn wir uns informieren, wenn wir einfühlsam Leiden wahrnehmen, dann können wir solidarisch sein und helfen.

Diese Sehnsucht nach jemandem, der oder die sich nicht abwendet, sondern mitleidet, spricht auch aus diesem alten Text. Dieses Bild vom leidenden Knecht Gottes rührt uns an. Da hat es einer offenbar nicht nötig, sich vor fremdem Leid zu schützen. Da wendet sich einer nicht von denen ab, die krank oder schuldig geworden sind. Nein - er teilt sogar ihr Schicksal. Und er tut das völlig freiwillig und um keinen geringeren Preis als den des eigenen Lebens. Da leidet einer bis in den Tod und geht bis zur letzten Konsequenz mit denen mit, die leiden. Leid, Angst und Schuld bekommen ein anderes Gesicht, wenn im entscheidenden Moment eine Person da ist, die bei uns ist und die Hand hält. Als dieser prophetische Text aus dem Jesajabuch entstand, da hofften die Menschen, dass sich entweder am Leiden eines Einzelnen, des Messias oder auch am Leiden des ganzen Volkes Israel zeigen würde, dass Gott da ist, dass Gott mitleidet.

Viel später haben dann Christinnen und Christen diese Worte auf Jesus Christus bezogen. Auch wir alle haben unser ganz persönliches Kreuz zu tragen. Wir brauchen dabei aber die Hoffnung nicht zu verlieren. Denn Gott ist bei uns und will uns helfen. Gott war bei Jesus am Kreuz dabei und Gott ist auch in unserem Kreuz dabei.

In Jesus wurde, wie wir glauben, Gott auf ganz besondere Art lebendig und menschlich. In Jesus litt Gott mit. So zeigte sich Gott solidarisch mit allen, die leiden. Das zu wissen, kann uns helfen, mit Leid umzugehen, es nicht künstlich auszusparen, sondern damit leben zu lernen.

Ökologischer Bezug

Die “gekreuzigte Schöpfung”, die Zerstörung der Natur um uns herum und das Leiden von Tieren, die zum Beispiel völlig ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse nur zu Versuchszwecken oder für unsere Nahrungsmittelindustrie gehalten und dabei gequält werden, geben uns oft das Gefühl, hilflos und ohnmächtig zusehen zu müssen. Wir spüren, dass da Lebewesen, Geschöpfe Gottes, leiden müssen durch die Willkür und Brutalität der Menschen. Menschen spielen Schicksal für ihre Mitwelt. Solidarisches Verhalten ist nicht nur gegenüber den Mitmenschen erforderlich, sondern auch zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt. Wir müssen lernen, Welt zu begreifen als ein System, wo alle mögliche Prozesse ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen. Wir können nicht mehr so leben als würde es uns nichts angehen, wenn irgendein Lebewesen leidet. Wir spüren die Konsequenzen letztendlich am eigenen Leibe, wenn das Gleichgewicht nicht mehr stimmt und Wasser und Umwelt verschmutzt sind.  

Predigtthema

Wie gehen wir mit eigenem und fremdem Leiden und Ohnmachtserfahrungen um? Wie zeigen wir uns solidarisch mit leidenden Lebewesen?

  

(Quellen:

Prof. Diethelm Michel, Vorlesung in Mainz, ca. 1983 
Claus Westermann, Das Buch Jesaja, 1966, 
Sabine Bäuerle in: Gottesdienstpraxis, VI,2 Güttersloh 2002 
Brigitte Menzel-Wortmann, Gottesdienstpraxis, VI,4 Güttersloh 1989) 

Martina Horak-Werz, Gommersheim

 

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