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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9.04.06 – Palmsonntag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 50, 4-9

Jes 50, 4-7

Phil 2, 6-11

Mk 11, 1-10 oder
Joh 12, 12-16

 

Die Verfasserin geht auf den Text der ev. Reihe IV sowie den der kath. 1. Lesung ein; Stichworte: Knecht Gottes, leben heute als Knecht Gottes, Ziele und Aufgaben als Angestellte(r) in der „Firma Gottes“ in unserer Zeit

Vorbemerkung: Vorschlag für die Altarlesung: Mk 11, 1-10; Liedvorschläge: Er weckt mich alle Morgen (EG 452), Gott gab uns Atem (EG 432), Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326 „ö“)


Jesaja 50, 4 ff. - Text und Kontext:

Entstehungsort: Babylon

Entstehungszeit: etwa Mitte 6. Jahrhundert v. Chr.

Verfasser: „Deutero-Jesaja“, ein unbekannter Prophet aus dem Kreis der jüdischen Exilgemeinde, dessen überlieferte Worte dem Jesajabuch angehängt wurden.

Historischer Hintergrund:

Das Königreich Juda ist zerschlagen, die Oberschicht wurde nach Babylon deportiert und lebt dort seit Jahrzehnten (vgl. 2. Kön 25, 8-21). Das babylonische Weltreich beginnt jedoch bereits zu bröckeln, wird bedroht von den Persern unter Kyrus, die 539 Babylon kampflos einnehmen.

Botschaft des Propheten:

Gottes Volk soll getröstet werden. Um seiner Ehre Willen wird Gott sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreien und sich so nicht nur als König Israels sondern der ganzen Welt erweisen. Als Werkzeuge dienen ihm hierbei zwei gegensätzliche Personen: der Perserkönig Kyrus mit seiner weltlichen Macht (der ja später den Deportierten die Heimkehr erlaubt) und der „Knecht Gottes“ (vgl. Jes. 42, 1 ff.), dessen Stärke nicht in der Macht sondern in der Ohnmacht, nicht in der Gewalt, sondern in seiner Leidensfähigkeit (Vers 6), nicht in Selbstgerechtigkeit, sondern in seinem unbedingten Gottvertrauen (V. 7 und 8) liegt, der nicht die Macht des Stärkeren, sondern die Macht Gottes repräsentiert (V. 10).

Wer war dieser Knecht?

Darüber wurde viel spekuliert: Der Prophet selbst? Das Volk Israel als Ganzes? Der Messias? Die rätselhaften Worte bleiben das Geheimnis des Propheten. Wir wissen nicht, ob er damit eine konkrete Person meint.

Verbindungslinien zum NT:

Jesus fragt nicht: „Wer ist dieser Knecht? Wer tut dies“ Er sagt: „Ich werde es tun.“ Er antwortet, er lässt sich ansprechen von der prophetischen Botschaft, er zieht sich die Schuhe des Gottesknechts an (vgl. z. B. Lk. 4, 16 ff.), er lässt sich von Gott in seinen Dienst nehmen.

Folgerung für unseren Umgang mit dem Text:

Wir, die Jünger, sollen es Jesus insofern gleich tun, als wir diesen Text (wie die anderen Texte, die vom Gottesknecht handeln) lesen wie Jesus dies tat, uns identifizieren mit dem „Ich“ des Textes, uns von Gott in Dienst nehmen lassen, traditionell formuliert als Knechte des Königs in seinem Reich, modern gesprochen als Mitarbeiter in Gottes Firma.

Folgerungen und Ideen für eine Predigt mit ökologischem Schwerpunkt:

Stellenbeschreibung für einen persönlichen Knecht Gottes

Aufgabe:

Mutlose ermutigen, der Mutlosigkeit vorbeugen, Mutige unterstützen, selbst mutig handeln

Qualifikation:

breiter Rücken, Geduld, Mut, Standhaftigkeit, Ausdauer, Vertrauen in die Firmenphilosophie und in die Ziele des Chefs, Verständnis für die Sorgen der anderen

Entlohnung:

Sie werden an Ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Der Chef wird ihnen den Rücken stärken.

In gut bezahlten, angesehenen Positionen sind meist andere Qualifikationen gefragt, sich gut präsentieren, rationalisieren, optimieren. Wem traut man heute zu, dass er Probleme lösen kann? Doch eher einem, der Stärke demonstriert. Entschlossene Manager schließen Betriebe, entlassen Menschen – und die Börse honoriert es mit steigenden Aktien. Firmen machen sich gegenseitig kaputt. Man gebraucht Vokabeln wie im Krieg (z. B. feindliche Übernahme). Sind dies die Führungskräfte, die die Welt braucht?

Dagegen steht Gottes Stellenbeschreibung. Eine Stelle für einen Schwächling?

Im Gegenteil. Es ist schwerer, zu heilen als zu zerbrechen. Es ist schwerer, Leben zu schützen als Leben auszulöschen. Es ist schwerer, zu erhalten als zu machen. Es ist leicht, Bomben zu werfen, aber schwer, das Land aufzubauen – nicht nur die Häuser, sondern fast verlöschte Hoffnungen, beschädigtes Leben, geknickte Seelen. Es ist leichter, politische Gegner zu demontieren als eine sozial und ökologisch verantwortliche Politik zu machen.

Interessant ist die Entlohnung: Sie werden an ihrer Aufgabe nicht zerbrechen (V. 7). Mag sein, dass die Macher mächtig sind, dass manche von ihnen reich sind, dass sie ihren Erfolg genießen. – Aber gerade sie sind stark gefährdet, selbst zum Opfer zu werden, zu verbrennen in der Glut des Feuers, das sie angerichtet haben (V. 11). Wie viele Karrieren waren schon von heute auf morgen vorbei, wie viele wurden schon geopfert auf dem Altar der Macht? – Wie viele der scheinbar so erfolgreichen Macher haben sich selbst geopfert: ihr Privatleben, ihre Familie, ihre Gesundheit, ihr Glück, ihre Träume, ihre Ideale? – Wer einsteigt in das Geschäft des Zerbrechens riskiert, selbst zerbrochen zu werden.

Gott verspricht: Wer sich in meinen Dienst stellt, dem verspreche ich keine leichte Aufgabe, kein sorgenfreies Leben, keine Macht, aber ich verspreche ihm/ihr: Du wirst an Deiner Aufgabe nicht zerbrechen. Ich werde dir nicht mehr aufladen als du tragen kannst. Du wirst Deine Arbeit bewältigen können: Leben schützen und bewahren. Zu viel für einen Menschen? Unmöglich?

 

Gottes Stellenbeschreibung konkret:

Mutlose ermutigen:

Die Mutlosen unserer Zeit ermutigen zum Aufbruch aus der selbstverschuldeten Gefangenschaft in den scheinbaren Zwängen unserer Zeit:

„Man kann ja doch nichts machen!“ „Auf mich kommt es nicht an.“ „Die Klimakatastrophe lässt sich eh nicht mehr verhindern.“ „Wenn wir die Legebatterien verbieten, sind wir nicht mehr konkurrenzfähig.“ „Ökologische Produkte sind zu teuer.“ „Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme sind wichtiger. Wir können uns Ökologie nicht leisten.“ Die Totschlag-Argumente entlarven, Auswege zeigen.

Der Mutlosigkeit vorbeugen:

z.B. indem wir die Ehrfurcht vor dem Leben in die Herzen unserer Kinder pflanzen – das wichtigste aller Bildungsprojekte, an dem sich alle beteiligen können: Eltern, Großeltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, PfarrerInnen, Ehrenamtliche, AusbilderInnen…

Mutige unterstützen:

z.B. Naturschutz- und Umweltschutz- und Tierschutzorganisationen – durch Spenden und Beiträge, indem wir für sie und ihr Anliegen werben, indem wir mitarbeiten

selbst mutig handeln:

  • im Alltag – z. B. als Konsumenten, als Verkehrsteilnehmer, als Urlauber, als Bauherren (siehe z. B. Tu was! 57 Tipps für eine bessere Welt in greenpeace magazin Januar-Februar 2006)
  • in Kirche und Gesellschaft: sich als Anwälte der Schöpfung einmischen und mitmischen in Presbyterien, Gemeinderäten, Synoden, Parlamenten, Bürgerinitiativen etc.

Möglicher Predigtschluss:

Ich stelle mir vor, dass diese Stellenanzeige Gottes in allen Tageszeitungen, im Fernsehen, im Internet, im Radio, an Plakatwänden veröffentlicht wird – und dass sich Milliarden von Menschen darauf melden, eintreten in Gottes Firma. – Ein Traum - sicher. – Vielleicht könnten ja wenigsten wir uns melden. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir Christen uns angesprochen fühlten von der Stellenanzeige Gottes:

Gesucht: persönlicher Knecht Gottes

Aufgabe: Mutlose ermutigen, der Mutlosigkeit vorbeugen, Mutige unterstützen, selbst mutig handeln –

Qualifikation: breiter Rücken, Geduld, Mut, Standhaftigkeit, Ausdauer, Vertrauen in die Firmenphilosophie und in die Ziele des Chefs, Verständnis für die Sorgen der anderen

Entlohnung: Sie werden an Ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Der Chef wird ihnen den Rücken stärken.

Alter, Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Schulabschluss spielen keine Rolle. Jeder kann sich melden.

Heike Krebs, Bellheim

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