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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

02.04.06 – 5. Fastensonntag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

4. Mose 21, 4-9

Jer 31, 31-34

Hebr 5, 7-9

Joh 12, 20-33

4. Mose 21, 4-9

Bemerkungen zum Text

In Num 10, 11-36, 13 befindet sich Israel unterwegs in der Wüste auf dem Weg vom Sinai zum Jordan.

Dabei muss das Volk die unterschiedlichsten Schwierigkeiten bewältigen. Es ist nicht verwunderlich, dass in der Wüste, in der Schlangen anzutreffen sind, auch eine Bedrohung durch Giftschlangen beschrieben wird.

Die Schlangen werden in Num 21 gedeutet als Strafe Gottes, weil das Volk sich gegen ihn aufgelehnt hat (Num 21, 5).

Die kupferne Schlange, die Mose nach seinem Sühnegebet auf Gottes Wort hin an einer Fahnenstange aufhängt, soll dabei im Kontext von Num 21, 4-9 nicht Wundermittel sein, sondern die Israeliten vor der Schlangenplage schützen, weil sie im Vertrauen auf Gottes Wort hin handeln.

Deutung des Textes

Mutlosigkeit und Auflehnung können leicht auftreten, wenn eine Lage aussichtslos und vergebens erscheint. So wundert es nicht, dass Israel in der Wüste angesichts von Nahrungsmangel an Gottes Führung zu zweifeln beginnt.

Die Giftschlangen - als Strafe Gottes gedeutet - bringen das Volk wieder dazu, sich an Gott zu wenden.

Gott lässt sein Volk daraufhin nicht im Stich, sondern zeigt ihm eine Möglichkeit auf, sich vor den Schlangen zu schützen. Wer auf sein Wort hin die errichtete kupferne Schlange anblickt, wird gerettet. Der Blick zu der Schlange ist so Zeichen der Menschen für die neue Hinwendung zu Gott.

Predigthinweise

Es gibt Situationen, in denen hat man den Eindruck: Alles ist vergebens und bringt nichts. Vielleicht hat man sich vorher idealistisch eingesetzt für ehrenhafte Ziele, nachdem aber die Situation immer auswegloser wird und die Lage sich verdüstert, beginnt man zu zweifeln.

Die Lage des Volkes Israel in der Wüste mag ähnlich sein: Nach dem Aufbruch in das gelobte Land befindet man sich nun in der Wüste: ohne ausreichende Nahrungsmittel und Wasser.

Der Mensch lebt nicht nur von Wasser und Brot, er braucht mehr, um sich wohl zu fühlen. Nicht zuletzt ist er auch auf Bestätigung durch Mitmenschen angewiesen.

Aus diesem Grunde wäre es falsch, ein asketisches Leben von seinen Mitmenschen einzufordern, selbst wenn dadurch in besonderem Maße ökologischen Zielen Rechnung getragen wird.

Der Mensch als ein Wesen, das Kultur hat, ist immer auch Einer, der sich mehr schaffen will als das, was unmittelbar zum Überleben notwendig ist. Auch davon zeugt Num 21, 4-9.

Insbesondere ist der Mensch auf Unterstützung und positive Ansprache angewiesen; sie führen weiter als reine Forderungen oder Ermahnung.

In diesem Zusammenhang sei auch die Bedeutung einer guten Gemeinschaft hervorgehoben. Wer den Eindruck hat, dass er allein für gewisse Ziele einstehen soll, tut sich damit in der Regel schwerer als in einer tragenden Gemeinschaft.

Aus diesem Grunde ist es ein wichtiges Unterfangen, Gleichgesinnte – etwa bei der Umsetzung ökologischer Zielsetzungen – zu gewinnen.

Interessant ist, dass der Weg zurück nach Ägypten als Alternative nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird.

Dies kann als eine Abkehr von sozialromantischen Gedanken („Zurück zu den Ursprüngen!“) gedeutet werden, die manchmal auch in der ökologischen Bewegung anzutreffen sind.

Tatsächliches und effizientes Einstehen für ökologische Ziele kann nicht durch die Forderung, die Zeit zurückzudrehen, durchgesetzt werden.

Ein weiterer Aspekt ist zu sehen in dem Umstand, dass in Num 21 die Giftschlangenplage eine Strafe Gottes ist, die das Volk wieder zur Besinnung bringt.

Auch heute vermögen Katastrophen den Menschen daran zu erinnern, dass nicht alles möglich ist und man bescheiden bleiben sollte.

Es muss aber eindringlich davor gewarnt werden, Naturkatastrophen als Strafe Gottes gegen „hochmütige“ Menschen zu sehen. Angesichts fürchterlicher Erdbeben und Flutwellen mit Tausenden von Opfern wäre eine solche Deutung zynisch und falsch.

 

Jer 31,31-34

Bemerkungen zum Text

Jer 30 f. wird auch als Trostschrift bezeichnet. Bei allen Schwierigkeiten der Zuordnung und Datierung dieser Kapitel bzw. einzelner Teile davon ist doch der Inhalt eindeutig. Von Gott her wird die Erneuerung des Bundes zwischen ihm und seinem Volk angeboten.

Der „alte“ Bund, so oft durch menschliches Verschulden gebrochen, wird auf Gottes Initiative hin erneuert.

Dabei ist zu beachten, dass in Jer 31, 31-34 der Begriff „alter Bund“ nicht auftaucht. Daher sollte auch von dieser Stelle ausgehend kein Widerspruch zwischen dem „alten“ Bund des Alten Testaments und dem „neuen“ Bund des Neuen Testaments konstruiert werden. Hebr 8 (in dem Zusammenhang ist die 2. Lesung nach katholischer Leseordnung für den Sonntag zu sehen) stellt aus neutestamentarischer Sicht diesen Gegensatz auf.

Gott kündigt in Jer 31, 31-34 nicht seinen Bund, sondern erneuert ihn.

Für das Projekt „nachhaltig predigen“ seien kurz einzelne Assoziationen zu der Perikope zusammengefasst – eine ausführliche Interpretation kann unterbleiben, da in diesem Bereich kein Schwerpunkt zu finden ist.

Predigthinweise

Gott macht einen Neuanfang und geht auf den Menschen zu.

Auch wenn eine Situation oder ein Zustand verfahren oder sogar ausweglos erscheint, ist im Vertrauen auf Gott ein Neuanfang möglich.

Gottes Neuanfang in Jer 31 ist deshalb vielversprechend, weil Gott seine Weisungen nun ins Herz, also ins Innere des Menschen einschreibt. Diese Weisungen wollen dem Menschen Hilfestellungen zu einem gelingenden Leben geben. Sie sind keine Anordnungen mehr, die dem Menschen von außen auferlegt werden, sondern treffen sein Inneres.

Daher ist eine größere Nachhaltigkeit zu erwarten.

Wo der Mensch aus eigenem Antrieb entsprechend seinen Überzeugungen handelt und nicht „blind“ Gesetze beachtet, da nimmt er sich selbst in die Pflicht.

Ein derartig überzeugter Mensch steht engagierter und zuverlässiger ein für Werte und Weisungen als ein außengeleiteter Mensch.

Ermöglichung für den neuen Bund und die verinnerlichte Sicht von Weisungen wird in Jer 31, 32-34 erzielt durch das Verzeihen der alten Schuld.

Man kann so in dem Bewusstsein handeln, dass Schuld und Fehler nicht ewig auf einem Menschen lasten und einen Neuanfang verunmöglichen.

Wurden z. B. beim Umweltschutz in der Vergangenheit viele Fehler begangen, so ist es doch für einen Neuanfang nie zu spät.

 

Hebr 5, 7-9

Bemerkungen zum Text

Christus als der Hohepriester des Neuen Bundes (Hebr 4, 14-10, 18) wird in der kurzen Perikope Hebr 5, 7-9 in seiner Menschlichkeit, insbesondere in seiner Leidensfähigkeit im Einsatz für Gott dargestellt.

Auch dieser Text ist nicht primär in Bezug auf das Projekt „nachhaltig predigen“ zu interpretieren.

Es können allerdings einzelne Aspekte, die in den Predigthinweisen aufgezeigt werden, für das Projekt berücksichtigt werden.

Predigthinweise

Wesentliches im Leben wie z. B. der Einsatz für soziale Gerechtigkeit oder für den Schutz der uns anvertrauten Natur kann mit Leid und Schmerz verknüpft sein. Engagement kann bis zur Schmerzgrenze gehen, wenn ein Projekt zu einer Herzensangelegenheit wird.

Wer sich so für eine Sache einsetzt, der setzt sich auch aus.

In dieser Hinsicht kann Hebr 5, 7-9 Bestätigung und Unterstützung sein, auszuhalten, selbst wenn es schwer fällt.

Die Lesung wird am 5. Fastensonntag vorgetragen. Wer die Fastenzeit ernsthaft eingehalten hat und seit fünf Wochen Verzicht geübt hat (z. B. durch Autofasten), der stellt sich mitunter die Frage: Wozu der ganze Verzicht – könnte man es nicht bequemer haben?

In dem Zusammenhang macht die Perikope deutlich, dass Einsatz für Überzeugungen auch bedeutet, Härten auf sich zu nehmen – mitunter bis hin zur Schmerzgrenze.

Man ist dabei jedoch nicht allein und das Tun ist nicht vergebens (vgl. Hebr 5, 7), auch wenn es menschlich oftmals aussichtslos erscheint. Als Beispiele seien hier Martin Luther King, Oscar Romero und Mutter Teresa genannt.

Dabei wird das Leben und Werk eines Menschen oft erst später und von anderen positiv beurteilt.

Ökologisch verantwortungsvolles Handeln hat mit Disziplin und Ernsthaftigkeit zu tun. Dies ist unserer „Freizeitgesellschaft“ oft ähnlich fremd wie entscheidende Aspekte des Christentums (vgl. Hebr 5).

 

Joh 12, 20-23

Bemerkungen zum Text

In Joh 12 begibt sich Jesus auf seinen entscheidenden Weg nach Jerusalem. In diesem Zusammenhang stellt Joh 12, 20-33 Jesu letzte öffentliche Rede dar.

Seine Verherrlichung durch Gott wird gedeutet in Verbindung mit dem Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, um zu neuem Leben zu erwachen.

Auch diese Perikope legt ihren Schwerpunkt sicher nicht primär auf Themenbereiche, die für „nachhaltig predigen“ relevant sind. Deshalb kann eine ausführlichere Bearbeitung der Bibelstelle unterbleiben.

Im Folgenden seien unter den Predigthinweisen aber mehrere Assoziationen zu der Perikope genannt.

Predigthinweise

Das Bild vom Weizenkorn, das erst dann zu neuem Leben erwacht, wenn es in die Erde gelegt wurde und gestorben ist, kann bedeuten, dass vielleicht erst etwas kaputt gehen muss, bevor Neues entstehen kann.

Raum für ein neues Verständnis wird oftmals dort geschaffen, wo alte Denkhorizonte zusammenbrechen. Wenn Altes einfach keinen Bestand mehr hat (z. B. Denkhorizonte, die den Umgang mit Energieressourcen betreffen), kommt man u. U. eher zur Besinnung.

Dabei bedeutet ein solcher Umbruch auch eine existentielle Erschütterung, die nicht leicht zu ertragen ist (vgl. Joh 12, 27).

Christliches Handeln bedeutet nicht, an die Rettung der eigenen Haut zu denken (vgl. Joh 12, 25). Der Einsatz für andere ist dabei auch mit persönlichen Opfern und Gefahren verbunden. Wer sich darauf einlässt und Egoismen zurückstellt, der trägt dazu bei, dass sich „ein reicheres Leben entfalten kann“.

Als Lebensentwurf bedeutet dies auch, im Leben „loslassen zu können“.

In Bezug auf Nachhaltigkeit kann diese Einstellung nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Wer loslassen kann und nicht krampfhaft an Dingen hängt, wird auf neue Art beschenkt.

Verzicht kann zu einem Gewinn werden. Wer sein Leben in dieser Welt dergestalt gering achtet, hat Zugang zu dem Fragenkreis: Brauche ich wirklich dieses oder jenes Luxusgut? Stürze ich mich so nicht in neue Abhängigkeiten? Schaffe ich so nicht neue Probleme?

In diesem Zusammenhang ist auch das Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ von Alexander von Schönburg interessant.

Als Aspekt für die Fastenzeit kann „loslassen können“ z. B. tatsächliches Fasten bedeuten, das dazu führt, bewusster zu essen und zu leben.

Dr. Ralph Hildesheim, Saarbrücken

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