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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26.03.2006 – 4. Fastensonntag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Phil 1, 15-21

2 Chr 36, 14-16.19-23

Eph 2, 4-10

Joh 3, 14-21

 

Betrachtet werden der Text der ev. Reihe IV und die Texte der 2. Lesung und des Evangeliums der kath. Leseordnung. Stichworte (e): aus Überzeugung und mit einer Haltung der Gelassenheit – Kraft des Glaubens – christlich handeln, zuversichtlich Ziele verfolgen, (k): „tot sein“ als gefangen im Denken der Zeit, intergenerationelle Gerechtigkeit als Wesen von „Zeit“, ökologisches / nachhaltiges Handeln aus Liebe, aus dem Geist neu geboren, Hoffnung statt Neoliberalismus

Philipper 1, 15-21

Motivation:

Spontan habe ich den Text erst einmal beiseite gelegt, denn was lässt sich daraus über Nachhaltigkeit entnehmen? Angesprochen hat mich dennoch die Überzeugung mit der der Apostel dazu steht, Christus zu predigen. Was kann ich diesem Text entnehmen, ohne zu viel von außen an ihn heranzutragen?

Gedanken zum Text:

Paulus schreibt den Brief aus dem Gefängnis. Er hatte die Gemeinde in Philippi schon einmal besucht – es war während seiner zweiten Missionsreise und die erste Gemeinde-Gründung auf europäischem Boden. Jetzt schreibt er einen Brief, um der Gemeinde von seinen Erfahrungen zu berichten und um sie auf einen weiteren Besuch vorzubereiten. In unserem Abschnitt spricht er von der Gefangenschaft und schließt Gedanken an die Bedeutung von Leiden und Sterben für einen Christen an. Er hat von anderen gehört, die mit Eifer in Philippi predigen – ob in Konkurrenz zum Apostel oder um seine Botschaft zu festigen, ihm selbst sind die Hände gebunden.

Und doch behält er die Gelassenheit: das ist für mich das Erstaunliche an diesem Text. Auch wenn seine eigene Predigt von einigen hinterfragt wird, bleibt er ruhig. Auch wenn er selbst nichts mehr tun kann und die Gemeinde allein ihrem Schicksal überlassen muss, bleibt er gelassen. Er ist verwurzelt in der Gewissheit, dass es gut ausgehen wird: Christus wird verherrlicht, selbst wenn er an Leib und Seele gebunden ist. Gestärkt wird er durch das Gebet der Glaubenden und den Beistand des Geistes. Er weiß: in Christus hat er Teil am Leben.

Ideen für die Predigt:

Auch wenn dem Text ausdrücklich nichts zum Thema „Nachhaltigkeit“ zu entnehmen ist, auch wenn zu konkreten Fragen nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung nichts gesagt wird, ist es diese Haltung der Gelassenheit, die ich aufnehmen könnte. Wie behalte ich die Kraft des Glaubens, auch wenn ihm täglich widersprochen wird? Wie kann der Glaube an Jesus als dem Christus mir eine Einstellung geben, die mich beharrlich und unbeirrbar an den Zielen der Nachhaltigkeit festhalten lässt? Gerne würde ich es konkret machen an dem einen oder anderen Beispiel. (Ich denke z. B. an die Frage des Energieverbrauchs angesichts der Klimakatastrophe. Wie zäh sind die Verhandlungen des Kyoto-Protokolls, wie weit entfernt wirksame Maßnahmen? Wer aber immer schon über Alternativen nachgedacht hat und mit ihnen auch schon Erfahrungen gemacht hat, wird nicht schockiert sein, wenn eine Flut, wie im Süden der USA, auf einmal die Ölpreise in die Höhe treibt – er wird die Situation nicht ungenutzt lassen, auch einen anderen Umgang mit dem Energieverbrauch zu thematisieren.) Was den Weg Jesu angeht, ist es möglich, den Philipper-Hymnus heranzuziehen im Sinne der Bewegung zur Welt und des Gehorsams bis zum Kreuz, ohne ihn jedoch zu einem zweiten Predigttext zu machen.

Epheser 2, 4-10

Motivation:

Beim ersten Lesen sprechen mich einige Aussagen an, denen ich gerne nachgehen möchte. „Gott hat uns in Christus wieder lebendig gemacht.“ Auch wenn wir manchmal mitten im Leben wie tot sind, gibt es durch ihn einen Neuanfang – und zwar nicht aus eigener Kraft, sondern weil Gott seine Geschöpfe nicht aufgibt. Und dann in der Mitte des Textes der Gedanke von den kommenden Zeiten, der Blick in die Zukunft über unser eigenes Leben hinaus.

Gedanken zum Text:

Als Hauptstadt der römischen Provinz Asien war Ephesus damals ein wichtiges Zentrum im östlichen Mittelmeerraum. Durch den Hafen und die zwei wichtigen Handelsstraßen, die von dort in Richtung Osten zogen, war es eine bedeutende Handelsmetropole. Auch den religiösen Herausforderungen musste sich die junge Gemeinde stellen, konkret der Verführung durch gnostische Erlösungsvorstellungen.

Im ersten Teil des Briefes (Kap 1-3) geht es um die Kirche, die in Christus seit der Erschaffung der Welt mit Gott verbunden ist. In Eph 2, 1-10 wird die Wirklichkeit der Taufe beschrieben, durch die ein Christ der Macht der Finsternis entrissen wurde und das Leben als ein Geschenk der Gnade begreifen darf. Im zweiten Teil des Briefes geht es dann um die Praxis des Glaubens, die in Kapitel 5 unter der Überschrift „Das Leben im Licht“ steht.

Aus den Versen vor unserem Abschnitt kann man spüren, aus welchen Bindungen der Geist Gottes befreit. „Ihr wart tot“ heißt, Menschen waren Gefangene des Denkens ihrer Zeit, sie haben sich beherrschen lassen von dem Geist der Welt, sie waren entfremdet von ihrem eigenen Ich, zu dem Gott sie geschaffen hatte. Jetzt aber stehen sie unter dem Einflussbereich Gottes, der reich an Erbarmen ist. Durch Gottes Liebe hat ein Getaufter Anteil an der Auferstehung Jesu Christi und wird fähig „die guten Werke zu tun“, die dem Leben im Licht entsprechen. Damit braucht der Mensch nicht mehr „nach dem Äon dieser Welt zu wandeln“, sondern kann zukunftsfähig im Sinne Gottes leben – „den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen“. Der Brief spricht von verschiedenen Äonen oder Zeiten. Das will ich doppeldeutig verstehen, einerseits theologisch im Sinne einer Unterscheidung zwischen der Weltzeit und der schon anbrechenden Zeit der Erlösung, andererseits im Sinne des realen Zeitablaufs zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Ideen für die Predigt:

Der Gedanke der Zeiten fasziniert mich, vor allem weil es ein anderes Verstehen von Zeit gibt als das lineare Fortschrittsmodell unserer globalisierten Welt, bei dem nur Steigerungsraten und Gewinnmaximierung zählt. Nach afrikanischem Zeitverständnis gibt es eine spiralförmige Bewegung zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Dabei sind immer die Vorfahren und die Nachkommen im Blick, die Gegenwart wird erst dann erfüllt wenn den Ahnen Anerkennung gegeben wird und das eigene Handeln den künftigen Generationen gerecht wird. Das Leben ist nicht nur selbstwert, es verwirklicht sich in der Beziehung zu anderen Menschen, ich möchte ergänzen: zur ganzen Schöpfung mit allen Lebewesen und der Natur.

Ein anderer Anknüpfungspunkt könnte die Bewegung „vom Tod zum Leben“ sein. Im Nachdenken darüber, wo wir Gefangene unserer Zeit sind, wo Menschen lebendig tot sind, weil sie nur noch funktionieren, wo die Marktgesetze das Leben bestimmen, kann diese zentrale Aussage des Textes für heute lebendig werden. Die frohe Botschaft ist das neue Leben in Christus, das zu einer Lebendigkeit führt, die nicht sich selbst zu verwirklichen sucht, sondern aus der Gnade Gottes lebt. Die Gnade ist die Anerkennung des Schwachen, ist das Aufwerten all dessen, das durch die Maschen fällt und keinen Gewinn abwirft.


Johannes 3, 14-21

Motivation:

Das Stichwort „Liebe“, das die Beziehung Gottes zur Schöpfung und den Menschen beschreibt, ist gleichzeitig die Voraussetzung für jedes ökologische und nachhaltige Handeln. Nur was ich liebe, werde ich auch schützen. Dieser Zusammenhang ist mir wichtig geworden, als viele Appelle zum Handeln ins Leere gingen, weil pro und contra verschiedener Verhaltensweisen zur Diskussion standen. Wenn ich aber im Sinne christlicher Spiritualität nach der Beziehung Gottes zur Welt frage und in allem Geschaffenen seine Liebe und seinen Geist entdecke, dann wird die Frage der Beziehung wichtiger und verantwortliches Handeln zu einer Selbstverständlichkeit.

Gedanken zum Text:

Unser Abschnitt ist Teil des Gespräches zwischen Jesus und dem Pharisäer Nikodemus. Er war bei Nacht gekommen und fragt danach, wie ein Mensch durch den Geist neugeboren werden kann. Auch wenn der Leser Nikodemus im Lauf des Gespräches (Joh 3, 1-21) aus dem Blick verliert, so bleibt die Frage aus Vers 9 auch für unseren Abschnitt leitend: „Wie kann das geschehen?“ – dass ein Mensch neu geboren wird, dass ein Mensch aus dem Geist geboren eine neue Kreatur ist? In den Versen direkt vor unseren Predigttext legitimiert sich Jesus als der, der befugt ist, darüber Zeugnis abzulegen, denn er kommt „von oben“, er selbst ist unmittelbar mit Gott verbunden. An diese Verbindung zum Himmel knüpft nun der Vers 14 an.

Im zentralen Teil des Kapitels 3 (V. 14-17) wird die Begründung für ein neues Leben aus Gottes Geist gegeben in seiner Liebe zur Welt. Dieser Teil besteht aus drei parallelen Sätzen, in denen Gottes Tun durch seinen Sohn beschrieben wird:

1. V. 14+15: die Erhöhung des Menschensohns. Parallel zur Erhöhung der Schlange durch Mose in der Wüste wird der Menschensohn erhöht. Und so wie das Volk in der Wüste gerettet wurde, werden die Glaubenden durch ihn gerettet.

2. V. 16: die Hingabe des Menschensohns. Es ist Gottes Liebe zur Welt, die ihn dazu bringt, seinen Sohn hinzugeben. Seine Schöpfung ist ihm so viel wert, dass er ihr diese Nähe schenkt.

3. V. 17: die Sendung des Menschensohns. Jesus Christus ist als Sohn Gottes Gesandter – er tritt auf mit der Autorität seines Vaters. Und die Botschaft, die er bringt, ist die der Rettung und nicht des Gerichtes.

Zum Stichwort „Erhöhung“ wird das Bild von der kupfernen Schlange aus Num 21, 4-9 herangezogen. Das Volk befand sich in einer verzweifelnden Situation in der Wüste. Sie murrten und haderten mit Gott und beklagten sich über die schlechte Versorgung. Die kupferne Schlange, die Mose hochhielt, wurde zu einem Zeichen: wer auf dieses Zeichen sah, blieb am Leben. Leben wird denen verheißen, die am Vertrauen zu Gott festhalten. Selbst in einer bedrohlichen Situation ist Leben möglich. Die Erinnerung an diese alttestamentliche Tradition ist hilfreich, um eine realistische Einschätzung der Situation zu erhalten. Der Bedrohung des Lebens wird hier begegnet und eine neue Grundlage eröffnet, auf der das Leben weitergehen kann.

Neues Leben ist möglich, weil Gott seinen eigenen Sohn hingegeben hat. In der Sprache des Johannes ist mit „Erhöhung“ und „Hingabe“ das Kreuz Jesu verbunden. Damit ist der Evangelist mit anderen Traditionen des Neuen Testamentes verbunden. Neu und von ihm selbst dazugetan ist das Motiv von der Liebe Gottes zur Welt. Nicht nur der Einzelne, nicht nur die Menschen, sondern die Welt, der ganze Kosmos ist Ziel der Liebe Gottes. Das Lamm trägt die Sünde der Welt (Joh 1, 29), der Menschensohn ist das Brot Gottes, das vom Himmel herabsteigt und der Welt Leben gibt (Joh 6, 33). Er ist nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten (Joh 3, 17). Die Liebe Gottes zur Welt zielt in ihrer Rettung. Das ist Inhalt der „Sendung“ des Sohnes. Er ist Botschafter und Retter zugleich. Nicht wir müssen die Schöpfung retten – es ist Gott selbst, der die Welt, den ganzen Kosmos rettet. Er hält an seiner Liebe fest.

Im abschließenden Teil des Predigttextes (V. 18-21) wird die Folgerung der liebenden Zuwendung Gottes zur Welt beschrieben. Die Tatsache, dass wir in einer noch nicht erlösten Welt leben, wird dadurch erfahren, dass einige schon gerichtet sind. Was in V. 17 als Ziel der Sendung Jesu Christi beschrieben ist, wird hier relativiert. Jetzt müsste gesagt werden: „Gottes Wege mit der Welt sind noch nicht an ihr Ziel gekommen.“ In der Nachfolge Jesu Christi werden wir zu seinen Gesandten, die seine Liebe zum ganzen Kosmos in dieser Welt bezeugen. Wie geschieht dies?

Der Grundgedanke aus Joh 1, 5 wird in V. 19 aufgenommen: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ In der Nachfolge Jesu stellt sich die Gemeinde in das Licht, und ihre Taten bezeugen die Liebe Gottes zur Welt. Und „jeder, der Böses tut, hasst das Licht“. Es gibt also ein Leben im Schein, das die göttliche Liebe verleugnet und sich von den Lichtern der Welt blenden lässt. Wer aber aufschaut zu Christus als dem Licht der Welt (Joh 8, 12), dessen Taten bezeugen Gottes Gerechtigkeit. Dieses „Tun der Wahrheit“ erinnert an die Aufzählung in Ezechiel 18, 5-9, die ohne weiteres auf die weltweite Gerechtigkeit übertragen werden kann.

Ideen für die Predigt:

Dieser zentrale Abschnitt aus dem Johannesevangelium kann die Gemeinde in dem Glauben an die Veränderung der Welt bestärken. Es gibt eine Alternative zur neoliberalen Globalisierung, es gibt eine Hoffnung für die Schöpfung, weil Gott die Welt stärker liebt als die Menschen. Wir feiern jeden Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes, „der Bund und Treue hält ewiglich und nicht preisgibt die Werke seiner Hände“. Wenn Gottes Liebe zum gesamten Kosmos unumstößlich ist, trotz aller Enttäuschungen und trotz aller Ausbeutung und Unterdrückung durch Menschen, dann kann unsere Liebe wachsen und Vertrauen gewinnen. Gottes Ziel ist die Rettung der Welt. Die Gemeinde kann sich in das Kraftfeld seiner Liebe stellen und sich gegenseitig bestärken zu Taten der Gerechtigkeit. Aufgaben und Konkretionen fand ich in einem Gedicht des kürzlich verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, in „Das Schwere leicht gesagt“, s. 129 f.:

„Bedenkt, dass jetzt um diese Zeit, der Mond die Stadt erreicht.
Für eine kleine Ewigkeit sein Milchgesicht uns zeigt.
Bedenkt, dass hinter ihm ein Himmel ist, dem man nicht definieren kann.
Vielleicht kommt jetzt um diese Zeit ein Mensch dort oben an.
Und umgekehrt wird jetzt vielleicht ein Träumer in die Welt gesetzt.
Und manche Mutter hat erfahren, dass ihre Kinder nicht die besten waren.
Bedenkt auch, dass ihr Wasser habt und Brot,
dass Unglück auf der Straße droht,
für die, die weder Tisch noch Stühle haben
und mit der Not die Tugend auch begraben.
Bedenkt, dass mancher sich betrinkt, weil ihm das Leben nicht gelingt,
dass mancher lacht, weil er nicht weinen kann.
Dem einen sieht man’s an, dem andern nicht.
Bedenkt, wie schnell man oft ein Urteil spricht.
Und dass gefoltert wird, das sollt ihr auch bedenken.
Gewiss, ein heißes Eisen, ich wollte niemand kränken,
doch werden Bajonette jetzt gezählt und wenn eins fehlt,
es könnte einen Menschen retten, der jetzt um diese Zeit in eurer Mitte sitzt,
von Gleichgesinnten noch geschützt.
Wenn ihr dies alles wollt bedenken, dann will ich gern den Hut, den ich nicht habe, schwenken.
Die Frage ist, die Frage ist,
sollen wir sie lieben, diese Welt?
Sollen wir sie lieben?
Ich möchte sagen, wir wollen es üben.“


Christian Sandner, Mönchengladbach

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