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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

19.03.06 – 3. Sonntag der Passionszeit / 3. Fastensonntag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1 Petr 1, 13 – 21

Ex 20, 1 – 17

1 Kor 1, 22 – 25

Joh 2, 13 – 25

 

Predigtsituation

Wir befinden uns mitten in der Fastenzeit oder österlichen Bußzeit, bzw. in der Passionszeit (ev).

Fasten ist nicht mehr überall verbreitet. Manche entdecken es aber wieder neu und geben ihrem Leben eine neue Richtung durch eine geänderte Lebensweise. Sie achten mehr auf das, was uns beeinflusst und antreibt. Sie leben bewusster. Fasten ist nicht beschränkt auf weniger essen und weniger trinken. Verzicht auf Annehmlichkeiten und Distanz zu eingefahrenen Verhaltensweisen gehören ebenso zum Fasten wie Reduzieren von suchtgefährlichen Stoffen wie z. B. Nikotin und Alkohol.

Heilfasten entschlackt den Körper und regeneriert ihn. Kurse in unterschiedlichen Längen und Intensitäten werden inzwischen das ganze Jahr nicht nur in kirchlichen Einrichtungen angeboten. In der evang. Kirche gibt es seit vielen Jahren neue Motivation zum Fasten im weiteren Sinn durch die Aktion „7 Wochen ohne“.

Dieser Sonntag ist der letzte Sonntag in der winterlichen Jahreszeit. Das Frühjahr steht bevor. Osterboten sind schon überall zu sehen. In den Kirchen bestimmt aber noch für weitere vier Wochen die violette Farbe der Buße und Umkehr das Bild. Lieder wie: „O Mensch, bewein dein Sünde groß…“ und „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist…“ stimmen nachdenklich und erinnern an die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und die Sehnsucht nach Rettung und ewiges Leben.

Exegetische Hinweise zu 1 Petr 1, 13 – 21

Vergleichsstellen: 1 Petr 1, 14 und Röm 12, 2

1 Petr 1, 17 und Mt 6,9

Der Petrusbrief steht in Paulinischer Tradition, die Nähe zur Rechtfertigungslehre ist erkennbar; der Römerbrief kann als bekannt vorausgesetzt werden.

1 Petr ist nicht nur an einen eng gefassten Personenkreis oder eine einzige Gemeinde gerichtet. Er soll vor allem heidenchristliche Gemeinden im größeren Umfeld in Kleinasien erreichen.

Nach Gruß und Einleitungsteil mit Beschreibung des Heils und der Hoffnung, die Christen empfangen haben, werden Konsequenzen daraus für das neue Leben in Verbindung mit Christus gezogen.

Der Text beginnt mit „darum“ und setzt einen deutlichen Übergang zu den folgenden Mahnungen und Erinnerungen. Leben in dieser Welt wird als Leben in der Fremde gesehen. Die Christen werden Fremdlinge genannt, aber sie sind auserwählt, weil sie die Zukunft bei Gott vor Augen haben. Die Naherwartung ist ähnlich frisch wie bei Paulus. Von dieser Erwartungshaltung her gilt es, die Dinge dieser Welt richtig einzuschätzen und zu beurteilen. Nüchternheit sollte nicht als Verachtung dieser Welt interpretiert werden, wohl aber ihr richtiger Gebrauch.

In 1 Petr 1, 14 wird den Christen ihr früheres Leben im Heidentum vor Augen geführt, wo Begierden, die noch immer eine Macht ausüben können, verführerisch sind.

1 Petr 1, 15 f: Nach den Gefahren, die von Begierden ausgehen, wird jetzt positiv gesagt, dass der Christ heilig sein soll. Was Gott gehört, was er in seinen Dienst stellt, ist heilig. Die Propheten betonen sodann den sittlichen Wert der Heiligkeitsforderung. Im nachexilischen Judentum wird beides betont: kultische Heiligkeit und die Befolgung der Gebote Gottes. Im NT hat die Kirche Anteil an Gottes Heiligkeit. Sie ist selber heilig (Apg 9, 32; Röm 1, 7). Die Gläubigen werden im NT öfter Heilige genannt. Ein Leben in Heiligkeit verlangt eine Distanzierung vom bisherigen Leben.

Predigtimpulse zu 1 Petr 1, 15
Was ist uns heilig? Was verehren wir? Was ist unantastbar? Im Grundgesetz steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sie entzieht sich unserer Verfügungsgewalt. Sie darf nicht angetastet werden. Sie ist so viel wie heilig. Wir hören Menschen sagen: „Der Sonntag ist mir heilig.“ Oder: „Der Urlaub ist mir heilig.“ Es gibt vieles, was uns heilig ist. Heiliges ist kostbar, meist unbezahlbar, unersetzbar.

Von Gott, der uns berufen hat, wird gesagt, dass er heilig ist. Wir sollen genauso heilig sein in unserem ganzen Wandel. Seltsam: Von Dingen sprechen wir leichter davon, dass sie uns heilig sind. So gibt es heilige Zeiten, Bereiche, die tabu sind. Aber wir als Menschen? Liegt es daran, dass wir unserem oft allzu menschlichen Verhalten nicht über den Weg trauen und ständig mit schlechten Gewissen herumlaufen, weil wir unsere selbst formulierten Ziele nicht erreichen? Vielleicht legen wir aber auch unsere moralischen Messlatten zu hoch.

Unser Christsein sollte sich aber auszeichnen an dem, was uns heilig ist. Der Schöpfer taucht gleich zu Beginn des Glaubensbekenntnisses auf. Er hat nicht nur den Himmel geschaffen, auch die Erde. Sie ist nicht dafür da, alle Begierden der Menschen zu erfüllen – ohne Rücksicht auf Schädigung und Zerstörung. Die Zeit der Unwissenheit ist vorbei. Wir kennen meist die Zusammenhänge und die Folgen menschlichen Handelns im Umgang mit der Schöpfung. Ein Leben auf Kosten der nachfolgenden Generationen entspricht nicht einem Leben, das heilig ist.

„Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit…“ singen wir in einem ökumenischen Lied. Das ist eine Verheißung, eine Seligpreisung, die wahres Leben ermöglicht: heilig zu sein im ganzen Lebenswandel. Die Zeit der Umkehr und des Verzichtes kann uns einladen, darüber nachzudenken, was uns heilig ist und was es zu bewahren gilt.

Ex 20, 1 – 17

Exegetische Hinweise
Der Dekalog ist gleich an zwei Stellen im AT zu finden. Neben Exodus 20, 1 – 17 findet er sich unter Dtn 5, 6 – 21. Einige Abweichungen fallen auf. Die Pentateuchforschung hat herausgefunden, dass die ersten fünf Bücher des AT auf verschiedenen Überlieferungen zusammengestellt wurden. Bei Ex 20, 1 – 17 handelt es sich um eine nachträgliche Einschiebung, da Ex 19, 25 den Dekalog nicht so recht einzuleiten scheint. In Dtn 5 ist dagegen der Zusammenhang mit dem anderen Text problemlos herzustellen. In keiner Fassung gibt es ein Durchzählen der Weisungen. In den christlichen Traditionen gibt es unterschiedliche Zählweisen, die irritieren, aber rein formal sind und die Bedeutung des Inhalts keinesfalls schmälern. Die Weisungen sind im Imperativ ausgedrückt, wie z. B. „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!“ oder enthalten Verbote, wie wir sie kennen („Du sollst nicht…“). Im Urtext steht allerdings ein Indikativ des Futurs, z. B.: „Du wirst nicht stehlen.“ Das klingt ganz anders und ruft nicht ein unangenehmes Pflichtgefühl hervor, das abschreckend wirkt. „Du wirst nicht…“ betont mehr die Person, die angesprochen wird und nimmt ihn in die Verantwortung für die Zukunft mit hinein. Bei der Auslegung ist die Betonung des persönlichen Verhaltens auf Zukunft hin besonders hervorzuheben. Nur Verbote sind frustrierend und können nur in geringem Maß motivieren, etwas ins Positive zu verändern.

Weitere Hinweise
Die Zehn Gebote sind für das jüdische Volk von Anfang an das, was für das Christentum das Evangelium ist. Das Judentum spricht über den Dekalog im Gegensatz zu den Christen, die von den Zehn Geboten sprechen, von „Zehn Worten“. Sie bilden schlechthin das zentrale Fundament des Bundes Gottes mit dem Volk Israel. Für die Christen gelten sie gleichermaßen, beruft sich doch Jesus immer wieder auf sie. Er will kein Gesetz aufheben, wie er sagt, sondern das Gesetz erfüllen. Allerdings fasst er alle Gebote zusammen im Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe (Mt 22, 37 – 40). „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (Mt 22, 40).

Bei allen Entmythologisierungsversuchen, die die Bedeutung der Zehn Gebote bis hin zur Urheberschaft Gottes in Frage stellen, bleibt die Frage bestehen: Wie soll der gläubige Mensch handeln und wonach soll er sich richten? Ohne festen Grund können wir Menschen nicht leben. Die Zehn Gebote bilden eine feste Grundlage für Juden und Christen und verbinden zwei Weltreligionen miteinander, die im Dekalog klar den Willen Gottes erkennen. Interpretationen über die einzelne Gebote / Weisungen sind natürlich möglich und haben in unterschiedlichen Zeiten und bei unterschiedlichen Menschen immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt, vor allem beim Gebot: Du sollst nicht morden (= du wirst nicht morden). Die Todesstrafe bei Mord war beim Volk Israel z. B. nie in Frage gestellt worden. Heute ist sie in den meisten Ländern abgeschafft.

Auf alle Probleme und Fragen kann die Bibel keine Antwort geben. Aber die Intension und die Absicht des Schöpfergottes sind klar erkennbar. Für die Christen sind zudem die Aussagen von Jesus zum Beispiel in der Bergpredigt von hohem Gewicht.

Ökologischer Bezug
„Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus, Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ (Ex 20, 2 f)

Gott ist nicht nur der Schöpfergott, der alles auf Erden gemacht hat und dazu gesagt hat, dass alles gut war. Er hat dem Menschen auch eine Würde gegeben, die ihm ähnlich ist. Denn er hat den Menschen nur wenig geringer gemacht als Gott (siehe Psalm 8, 6). Deshalb widerspricht es dem Willen Gottes, dass der Mensch in Unfreiheit lebt und versklavt wird wie es damals in Ägypten geschehen ist. Jede Unterdrückung von Menschen stört das Verhältnis zu Gott. Ungleiche Verteilung von Gütern und Lebensgrundlagen stört das Zusammenleben der Menschen und schafft Spannungen und Ungerechtigkeiten. Die Erde ist unser gemeinsames Haus, wo alle Menschen in Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit leben sollen. Damit das gelingt, braucht es eine übergeordnete Autorität, eine moralische Instanz, die unantastbar ist. Der Dekalog betont die Einzigartigkeit Gottes und stellt allen anderen Weisungen voran die Taten Gottes. Er ist es schließlich, der unser aller Gott ist und etwas für unsere Freiheit tut. Er führt uns heraus aus allen Zwängen und Unterdrückungsmechanismen, die es auch heute zahlreich gibt, z. B. die Forderung der Wirtschaft und Politik immer mehr Wachstum zu haben ohne Rücksicht auf die Begrenztheit des Bodens und der fossilen Brennstoffe.

Du sollst nicht morden (Du wirst nicht morden) (Ex 20,13)
Das Tötungsverbot ergibt es aus der Erschaffung des Menschen durch Gott. Nach dem Bild Gottes hat Gott den Menschen erschaffen. In dieser Weisung wird gesagt: wer sich als Mensch an einem anderen Menschenleben vergreift, handelt gegen die göttliche Würde des Menschen. Das Notwehrrecht eines einzelnen Menschen wie eines ganzen Staates beim Angriff von außen wie von innen bleibt trotzdem bestehen. Aber letztlich geht es um die Achtung des anderen als Geschöpf Gottes. Wer Gott als Schöpfer anerkennt, wird sich nicht gegen ihn stellen und ihn beseitigen, es sei denn in Notwehr. Wir können deshalb nicht zusehen, wie Menschenleben verachtet und mit Füßen getreten wird. Menschenrechtsverletzungen müssen ebenso geächtet werden wie nicht gerechtfertigte Kriege mit vielen Toten und Verletzten. Verletzung der Menschenwürde führt zu Rachegefühlen und Hass, der sich festsetzt und vererbt wird. Es braucht oft mehrere Generationen bis wieder friedliche und nachbarschaftliche Verhältnisse zwischen Völkern und Volkgruppen hergestellt sind.

Die fünfte Weisung im Dekalog ist nicht auf Menschenleben beschränkt. Auch die Tiere haben eine Würde. Franz von Assisi hat ein ganz enges Verhältnis zu den Tieren gehabt. Es wird berichtet, wie er sogar den Vögeln eine Predigt gehalten hat und ihnen anschließend nach andächtigem Zuhören aufgetragen hat, Gott zu loben und zu danken für das, was er ihnen alles geschenkt hat und dieses Lob in alle Winde weiter zu tragen. Unnötiges Töten von Tieren kann nicht mit dem 5. Gebot in Einklang gebracht werden.


Du sollst nicht stehlen (Ex 20, 14)
Der Auftrag des Schöpfers an den Menschen, sich die Erde untertan zu machen, hat das Beherrschen der Welt durch die Ausbreitung des Menschen oft auf Kosten der Natur mit sich gebracht. Die Folgen bekommen wir immer mehr zu spüren. Wenn z. B. durch Überfischung der Meere und durch einseitige und großflächige landwirtschaftliche Nutzflächen Tier- und Pflanzenarten bedroht sind oder gar zum Aussterben verdammt sind, dann wird die Menschheit insgesamt bestohlen. Sie wird ihres Reichtums an Artenvielfalt beraubt, der über Jahrmillionen entstanden ist. Die Auswirkungen solcher Vernichtung von Leben und Lebensgrundlagen sind kaum bekannt und können in manchen Fällen nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wenn es z. B. keine Feldhasen oder keine Heringe mehr gibt, wie kann das wieder gut gemacht werden?

Die Bedeutung des Sabbats/Sonntags

Gott ruhte am siebten Tag um sich alles anzusehen, was er gemacht hatte. Dieser Tag, der Sonntag als Ruhetag bei uns, lädt uns ein, Gottes große Taten anzuschauen und ihm dankbar zu sein für das, was er uns geschenkt hat. Der Ruhetag ist für uns da, um Freiräume zu haben und Zeit zur Besinnung. Gerade in der österlichen Bußzeit sollte er Gelegenheit geben, sich zurück zu besinnen und sich nicht treiben zu lassen vom Konsumzwang und pausenlosen Aktivitäten. Nach Möglichkeit wäre ein privater autofreier Sonntag z. B. eine Anregung zum behutsamen Umgang mit den Ressourcen unserer Welt. Ein Sparziergang durch Gottes reiche Natur, die zum nahenden Frühlingsbeginn sich erneuert, kann auch uns neue Impulse geben und der eigenen Erneuerung dienen.

(Quellen: Karl Hermann Schelkle, Die Petrusbriefe, Herders theologischer Kommentar zum NT, Freiburg 1976;

Alfons Deissler, Ich bin dein Gott der dich befreit hat, Freiburg 1975)

Michael Kohlhaas, Herschbach

 

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