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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26. Feb. 06 – 8. Sonntag im Jahreskreis / 1. Sonntag vor der Passionszeit  

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Am 5, 21-24

Hos 2, 16b.17b. 21-22

2 Kor 3, 1b-6

Mk 2, 18-22

Der Verfasser geht auf den Text der ev. Reihe IV und den Evangeliumstext der kath. Leseordnung ein. Stichworte (e): Intragenerationelle Gerechtigkeit / soziale Gerechtigkeit, Kulte pflegen, ohne den Sinn zu sehen; (k): Umkehr, Erneuerung, „alte Schläuche entsorgen“, alte Wahrheiten hinter sich lassen

Mk 2, 18-22

Stellung im Kirchenjahr

Der Markus-Text hat seinen Platz am letzten Sonntag vor Beginn der österlichen Bußzeit / Fastenzeit und fällt damit auf das Wochenende, an dem in vielen Gebieten Fastnacht gefeiert wird. Je nach regionaler Bedeutung der Fastnacht wird dieser Umstand Eingang in die Predigtgestaltung haben. Mit Blick auf den Kontrast zwischen dem "8. Sonntag i. J." bzw. dem "Fastnachtssonntag" einerseits sowie der unmittelbar bevorstehenden österlichen Bußzeit andererseits ist die Frage der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit – gerade in religiöser Hinsicht – durchaus relevant.

Exegetische Hinweise

Für die Verse des heutigen Evangeliums greift der Evangelist auf die "vor-markinische Streitgesprächsammlung" zurück, die vermutlich Mk 1, 15 – 3, 16 umfasst. Bei dem hier untersuchten Text geht die vorangestellte Konfliktsituation, ein Fastenstreitgespräch, nahtlos in einen weisheitlichen Doppelspruch über, der von der Dynamik des Neuen handelt.

Der in den Versen 18 – 20 thematisierte Konflikt um das Fasten folgt dem üblichen wirklichkeitsnahen Erzählschema bei Markus: 1. Schilderung der (anstößigen) Situation, 2. Einspruch von Gegnern, 3. Antwort Jesu. Es wird als bekannt vorausgesetzt, dass sich Johannes der Täufer und seine Jünger in besonderer Weise durch Nahrungsaskese hervortaten und sich von Speise und Trank enthielten (vgl. Mt 11,18 / Lk 7,33). Gleiches gilt für die Pharisäer, die über das allgemein gebotene Fasten am Versöhnungstag (z. B. Lev 16,29ff) hinaus freiwillige wöchentliche Fasttage einhielten (Lk 18,12: zweimal die Woche, am Montag und am Donnerstag). Das Fasten wird hier dem Bereich des Gebets und der Sühne zugeordnet und als außerordentlich verdienstvoll eingestuft. Jesus rechtfertigt die Praxis seiner Jünger mit der eschatologischen Situation: Im Beisein des messianischen Bräutigams wird eine Heilszeit erlebt, in der das Fasten nicht angemessen wäre. Für die Zeit der nachösterlichen Kirche und der Abwesenheit Jesu gilt dies jedoch nicht. Die Praxis des kirchlichen Fastens – etwa am Freitag, dem Todestag Jesu – ist damit gerechtfertigt.

Die Verse 21 und 22 sind als Doppellogion gestaltet: Zwei formal gleich strukturierte und inhaltlich parallelisierte Klugheitsregeln werden allgemeingültig benannt. Die erste Erfahrungsregel ist eine Schneiderregel, die besagt, dass sich da, wo das Neue kommt, die Brüchigkeit und Vergänglichkeit des Alten besonders erweist. Die zweite Regel ist inhaltlich ähnlich, rückt aber das unkluge Verhalten in den Blick. Dieses Doppellogion ist ein authentisches Jesuswort, das die Dynamik der Gottesherrschaft als etwas eschatologisch Neues auslegt. Dabei wird eine radikale Umkehr von einer alten zu einer neuen Praxis gefordert.

Möglicher Predigteinstieg

Heute ist Fastnacht, überall sind die Menschen fröhlich, feiern und trinken gemeinsam. Ab Aschermittwoch steht uns dann die Zeit des Fastens, der Umkehr und Buße bevor. Das Evangelium scheint unsere Welt genau auf den Kopf zu stellen: Da ist zuerst die Rede vom Fasten und von Johannes dem Täufer, der zur Umkehr mahnt, und dann am Ende geht es um den Wein und um die Schläuche, in den man ihn füllen soll.

Bezug zu Nachhaltigkeit und Ökologie

Man kann sich die alten Schläuche, von denen die Rede ist, sehr gut vorstellen: recht groß, mit einem Einfüllstutzen, man kann sie mit Wein oder Wasser füllen, aber sie haben lauter kleine Risse. Kleine Adern sind zu sehen, die nicht dicht sind. Der Schlauch, der immer gute Dienste getan hat, wird nutzlos. Er macht von außen zunächst einen guten Eindruck, aber letztlich wäre es sogar schädlich und eine große Verschwendung, den guten neuen Wein in den alten Schlauch zu füllen.

Jeder Mensch kann in seinem Leben viele Dinge benennen, die so etwas wie "alte Schläuche" sind. Dinge, die früher gut funktioniert haben, die immer noch gut aussehen, die aber nicht mehr passen, die man erneuern muss. Das gilt vielleicht besonders im Leben einer Gemeinde. Da hat jemand über Jahre hinweg Gutes getan und jetzt funktioniert es auf die alte Weise nicht mehr. Man gibt sich die gleiche Mühe, verwendet die gleichen Rezepte, die immer erfolgreich waren, aber der Erfolg bleibt aus, die investierte Energie geht verloren, man könnte ganz den Antrieb verlieren und mutlos werden.

Hier hilft der Blick auf die Worte Jesu: Wenn etwas nachhaltig und von Dauer sein soll, dann gehört die Umkehr dazu, dann ist Wandel notwendig, dann gefährdet es den Einsatz und das Gute, das man bisher getan hat, wenn man immer nur "weiter so" macht und nicht genau hinschaut, was angeraten ist.

Wir erleben es in der Natur, wo die Blumen nicht immer nur bunt blühen, die Bäume nicht immer nur so vor Leben und Grün strotzen, auf den Feldern nicht immer nur die Zeit der Ernte ist.

Bäume verlieren ihre Blätter, Blumen werden welk, das Getreide wird geerntet und es kommt eine Zeit, in der man denken könnte, dass alles vergebens war. Wer nur die trostlosen Bäume im Winter sieht, die gefrorene Erde, in der im Sommer Blumen gewachsen sind oder die öden abgeernteten Felder, der könnte denken, es wäre alles vergebens gewesen. Es wäre alles vorbei und gäbe keinen Neuanfang. Aber der Frühling kann nur kommen, wenn vorher Winter war, ein neuer Anfang nur, wenn das Alte abgelöst wird.

Das gilt in der Natur. Das gilt in unserem eigenen Leben. Das gilt in unserer Gemeinde. Und das gilt umso mehr für die Botschaft Jesu Christi. Die Pharisäer waren fromm und haben ihr Bestes getan. Johannes der Täufer hat den Messias angekündigt. Und trotzdem mussten die Jünger Jesu all das hinter sich lassen, um die Botschaft Jesu wirklich zu begreifen.

Jesus verkündete das Reich des Vaters, und er brauchte hierfür den Alten Bund, den Glauben der Väter. Aber um das Neue zu erreichen, musste er das Alte überragen und in eine neue Dimension überführen. Ohne das Alte kann das Neue nicht sein. Aber ohne echte Erneuerung kann das Neue nicht nachhaltig eingepflanzt werden.

Deshalb ist es eigentlich nicht wichtig, ob erst die Fastnacht und dann das Fasten kommt. Oder umgekehrt erst das Fasten und dann die Fastnacht. Wichtig ist, dass es immer weiter geht. Dass die Bewegung nicht endet. Und dass die Botschaft Jesu immer tiefer und immer nachhaltiger Platz findet in unserem Leben.

Literatur:

Pesch, R., Das Markusevangelium. Erster Teil. 1,1-8,26, in: Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament II/1 (Freiburg 2001).

Am 5, 21-24

Möglicher Predigteinstieg

An vielen Orten wird in diesen Tagen gefeiert, gesungen, gezecht und gelacht. Viele Menschen mögen diese Zeit der Fastnacht und der Ausgelassenheit. Andere hingegen sind froh, wenn die Festtage vorbei sind. Diese Leute könnten den ersten Vers der heutigen Lesung jederzeit unterschreiben.

Bezug zu Nachhaltigkeit und Ökologie

Die Zeitungen sind voll von Berichten über Fastnachtssitzungen und Festumzüge, im TV gibt es kaum etwas anderes zu sehen. Und dann hören wir heute die Worte, die der Prophet Amos dem Gott Israels in den Mund legt.

Amos wettert nicht gegen Frohsinn und Freude. Aber er klagt diejenigen an, die mit Begeisterung religiöse Feste feiern und fromme Gesänge anstimmen, die einen perfektionierten Kult mit fetten Opfertieren begehen und dennoch die elementarsten Forderungen Jahwes missachten: Zuerst sollte es im Glauben um Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe gehen (vgl. z. B. 1 Sam 15, 22; Jes 1, 10-16 oder Ps 40, 7-9).

Der Schöpfergott hat dem Menschen eine Welt überantwortet, die viele Gaben der Natur im Überfluss enthält. Die Quellen scheinen nicht zu versiegen: Frisches Wasser entspringt an unzähligen Orten der Welt; wo eine Quelle versiegt, kann oft die nächste schon entdeckt werden. Getreide, Obst und Früchte wachsen überall auf der Erde, so dass alle Menschen mit den Gaben der Schöpfung versorgt und ernährt werden könnten. Gott hat für jeden gesorgt.

Und was macht der Mensch aus diesem Geschenk des Schöpfers? Wie geht er mit den Gaben um, die er im Letzten der Gnade Gottes zu verdanken hat? Er rafft zusammen und bereichert sich – und dankt Gott dann noch für diesen Reichtum. Die Erde, die natürlichen Ressourcen, die Natur ist allen Menschen überantwortet. Und sie ist allen Menschen geschenkt. Das oberste Gebot, dass der Mensch bei der Verteilung dieser geschenkten Güter beachten muss, ist Gerechtigkeit. Die Ressourcen reichen für alle aus. Aber sie müssen gerecht verteilt werden. Wenn die Gerechtigkeit fehlt, dann nützen auch religiöse Feiern und erhabene Liturgien nichts. Wenn die Gerechtigkeit zwischen den Menschen fehlt, dann können die Gaben der Natur und der Schöpfung so reichhaltig sein wie es nur geht – sie werden niemals für alle hinreichen.

Gott schenkt uns alles, was wir zum Leben benötigen – und wir müssen gerecht sein. Wenn wir es an Gerechtigkeit mangeln lassen, dann verhöhnen wir die Menschen, die unseren Überfluss und unsere Feste sehen und selber Hunger leiden müssen. Wenn wir es an Gerechtigkeit mangeln lassen, dann verhöhnen wir Gott selber, der die Welt allen Menschen überantwortet und überlassen hat. Diesem Geschenk müssen wir uns würdig erweisen.

Kpl. Dr. Tonke Dennebaum, Langen

 

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