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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

19.02.2006 – Sexagesimae / 7. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag vor der Passionszeit

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

2. Kor 12, 1-10

Jes 43, 18-19.21-22.24b-25

2 Kor 1, 18-22 Mk 2, 1-12

 

Der evangelische Text für den Sonntag Sexagesimae kommt in der katholischen Leseordnung am 9.07.2006 vor, das ist der 4. Sonntag nachTrinitatis.

Die katholischen Texte für den 19.02.06 finden sich in den Predigtreihen der evangelischen Kirchen wie folgt: Jes. 43, 18-25 nicht; 2 Kor 1, 18-22 am 4. Advent (18.12.05) und Mk 2, 1-12 am 19. Sonntag nach Trinitatis in Reihe I, das wäre am 10.10.2010, Sonntag nach dem Erntedankfest.

Die Vorpassionszeit

Der Sonntag 19.2.2006 liegt in der „ Hochzeit“ des Karnevals und der Faschingsveranstaltungen und ist der zweite Sonntag vor der Passionszeit. Die einen sagen, Fasching sei traditionell die Gelegenheit, sich vor der Passionszeit noch einmal richtig auszutoben, wenn man denn die Passionszeit (Mitleiden, Verzicht üben) als solche feiern will. Andere feiern lieber gleich Fasching als „Austobezeit“, sozusagen als Pendant zum erholsamen Sommerurlaub.

Die Vorpassionszeit und darin der Sonntag Sexagesimae, sonst geprägt vom „Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld“, deuten hin auf „Hören auf Gottes Wort“ und „Nachfolge“; in der alten Kirche: Vorbereitung auf die Taufe, meist an Ostern.

Mit der Vorbereitung auf die Fastenzeit (und auf die Taufe oder Tauferneuerung) wird heute verstärkt die Tradition der Buße wieder belebt. Buße in der Fastenzeit hat für viele nicht mehr nur einen inneren und individuellen Aspekt (bewusster Verzicht auf Liebgewordenes), sondern hat auch eine soziale, gesellschaftliche Bedeutung. Fasten ist Bestandteil und Ausdruck einer modernen Bußpraxis (ihre Ursprünge hat sie schon in der Antike und besonders im Judentum). Neben einem quantitativen Fasten gewinnt ein qualitatives Fasten in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung für Gesundheit und Wohlfühlen. Man verzichtet auf Genussmittel, insbesondere auf Rauchen, Alkohol und kalorienreiches Essen und besinnt sich dafür auf einfache, gesunde und dennoch wohltuende Ernährung. Viele Menschen besinnen sich auch in dieser Zeit auf einen einfachen Lebensstil und denken in diesem Zusammenhang über soziale und wirtschaftliche (Miß-)Verhältnisse nach, über die ungerechte Verteilung der Güter auf dieser Welt und über die ungerechten Preise für Rohstoffe einerseits und Fertigprodukte andererseits. Die Passionszeit kann Gelegenheiten bieten, über den eigenen Lebensstil nachzudenken und ihn vielleicht dauerhaft ändern; sie regt auch an, über ungerechte Strukturen nachzudenken und mitzuhelfen, die Weichen für mehr Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu stellen.

Zum Text für den evangelischen Sonntag „Sexagesimae“: 2. Kor 12, 1-10

Dem Hörer heutzutage bietet die Briefpassage des Paulus an die Korinther Probleme beim Zuhören durch ihren Aufbau und die paulinische Argumentationsstruktur; auch exegetisch ist der Textabschnitt nicht einfach, allein die Abgrenzung ist schon schwierig. Auch ist es für den Prediger schwierig, dem Hörer die angemessene Hintergrund-Information zukommen zu lassen, sodass er den Apostel verstehen kann, ohne mit Historie „gefüttert“ zu werden.

Für Paulus sowie für die Hörer ist rühmen nicht gleich rühmen; wenn es nach Paulus ginge, wäre nur Gott zu rühmen; wenn seine Gegner sich selbst rühmen, verleugnen sie Gott. Paulus kann sich nur seiner Schwachheit, Kleinheit, Krankheit und Hilfslosigkeit rühmen, sofern man das überhaupt rühmen nennen kann. Ihm geht es nicht um seine Person, sondern um das Evangelium. Mit der Anfechtung seiner Person wird auch die Botschaft Jesu verfälscht und nur auf ruhmreiches bezogen. Jesu Botschaft wendet sich an uns, aber insbesondere um Armen, Schwachen, Hilfsbedürftigen, den „…geringsten Brüdern…“ zu dienen. Paulus fühlt sich aus der Höhe berufen, aus Gnade, gerade er, der Schwächliche, und erkennt, dass der Weg Gott zu dienen der ist, in die Kniee zu gehen und im Kleinen zu dienen (anstatt sich zu rühmen und sich mit fremden Federn zu schmücken), um so Gott für seine Gnade und Liebe zu danken. So, wie Gott Jesus Christus am Kreuz auferweckt hat, will er auch den Menschen in Schwachheit (Krankheit, Behinderung, Armut, Not, Hunger, Vertreibung) seine Liebe erweisen. Wer an ihn glaubt, traut ihm das zu. Wer Jesus nachfolgen will, nimmt sich auch derer (…meinen geringsten Brüdern) an. Für Paulus sind Schwachheit und Ergebenheit Brücken zur Offenbarung Jesu; sie sind nicht zu rühmen, sondern Wege der Erkenntnis und Einsicht des Evangeliums von Jesus Christus.

Die Hörer (und bisweilen auch die Prediger) denken ganz anders: sie möchten stark, gesund, ewig jung, immer leistungsfähig, erfolgreich … sein: So wie die Werbung das aufgreift oder vormacht. Viele Zeitgenossen möchten wohl auch, dass ihr Verein immer gewinnt, wir -die Deutschen- in allem Weltmeister sind und überall Spitzenplätze einnehmen. (Wahlkampfredner der vergangenen Wochen [der Text wurde kurz nach der Bundestagswahl 2005 verfasst]) Viele Hörer mögen zwar kein Eigenlob (denn Eigenlob stinkt), aber auch nicht zurückstecken, verzichten oder gar verlieren - eher gilt eine vornehme Zurückhaltung und Bescheidenheit.

In Vorbereitung auf die Passionszeit und in ökologischer Hinsicht wäre dieses Thema von Zurückhaltung, Bescheidenheit und Verzicht leicht aufzugreifen.

Die gegenwärtige Situation (die Folgen klimatischer Veränderungen, wirtschaftliche Stagnation, resignative Grundstimmung in den Industrieländern; weitere Verarmung, Bürgerkriege in den Entwicklungsländern; häufigere Naturkatastrophen) drängt uns, über unseren Lebensstil nachzudenken.

„Meine Kraft ist für dich genug; denn meine Kraft kommt in deiner Schwachheit zur Geltung“. Paulus rühmt sich, wenn überhaupt, seiner Schwachheit (Unvollkommenheit) und verherrlicht so Jesu Christi Kraft in ihm; er ist bereit, zur Bestätigung von Gottes Heilstaten in Jesus zu leiden oder Leid hinzunehmen. In der Passionszeit werden wir daran erinnert „… auch mal …“ Verzicht zu üben. Ökologisch wäre es sinnvoll, sich in Verzicht zu üben statt …mehr Konsum / Ankurbeln des Binnenmarktes…, noch mehr Reichtum, noch größere Verschwendung zu propagieren.

Dass unsere Schöpfung, und wir mittendrin, noch nicht ganz am Ende ist, ist einzig und allein Gottes genialer, schöpferischer Macht zu verdanken und weniger unseren guten haushälterischen Fähigkeiten. Die Wirtschaft verselbständigt sich und diktiert weltweit die Regeln und Werte für unser Zusammenleben. Die Kluft zwischen Armut und Reichtum wird noch größer; Wachstum und Verschwendung von Rohstoffen und Energie bereiten bald unlösbare Probleme; dabei sind die Anzeichen seit den 70er Jahren bekannt (Club of Rome, Grenzen des Wachstums). Mindestens erkennen wir, wie sensibel unsere Welt ist (biologisch, geologisch, sozial) und mit wie viel mehr Sorgfalt wir unsere natürlichen Ressourcen schützen müssten. Beim Predigen dürfen wir …um Gottes Willen… nicht Gottes gute Schöpfung leiden lassen, denn so würden wir Gott nicht rühmen und auch das Werk seiner Hände nicht, sondern würden es eher noch mehr quälen, genauso wenig wie Paulus sich gern seiner Schwachheit rühmt. Ich würde der apostolischen Niedrigkeit des Paulus ein gottesfürchtiges Leben und -ökologisch gedacht- Verzichtbereitschaft zuordnen. Und die apostolische Schwäche vergleichen mit unserer Einsicht in mehr Bescheidenheit und Verzicht.

Text 1 nach der katholischen Leseordnung: Jes 43, 18-19.21-22.24b-25

Dieser Abschnitt ist Teil einer Gerichtsrede, in der Gott angeklagt und und vorgeworfen wird, das Volk zu Unrecht zu bestrafen. In den markierten Versen hält der Prophet dem entgegen und wendet sich gegen einen Glauben nur in der Erinnerung (z. B. an frühere große Taten Jahwes), der aber Gott in der Gegenwart nichts mehr zutraut und auch nicht daraus lebt. Das ist die Schuld Israels, das ist auch die Schuld des Menschen schlechthin, dass er nicht Gott vertraut, jetzt, wo es drauf ankommt, sondern lieber nach eigenen Maßstäben lebt und handelt. Aber Gott rettet die Würde des Menschen (= Gott zu dienen), indem er ihm seine Schuld vergibt.

Text 2 nach der katholischen Leseordnung: 2 Kor 1, 18-22

Paulus versucht ein Missverständnis bei den Korinthern auszuräumen, das durch die Änderung seiner Reisepläne entstanden ist. Dabei bekräftigt Paulus sein „Ja“ zu den Korinthern, das so deutlich und unmissverständlich ist wie das „Ja“ Gottes zu den Menschen, das er ihnen in Jesus Christus gegeben hat. Paulus nutzt die Gelegenheit, diese wichtige Verkündigung noch einmal zu unterstreichen. Und er wird alles dran setzen, die Korinther nicht zu enttäuschen.

Ökologisch bietet dieser kurze Textabschnitt eine gute Gelegenheit, hinsichtlich Ökologie und Nachhaltigkeit unsere gemeinhin halbherzigen Haltungen zu benennen.

Text 3 nach der katholischen Leseordnung: Mk 2, 1-12

Diese Perikope steht am Anfang einer Reihe von 5 Streitgesprächen Jesu mit Vertretern der jüdischen Lehrtradition.

Sie nehmen daran Anstoß, dass Jesus Sünden vergibt, was nach der jüdischen Lehrmeinung nur Gott zuerkannt wird. Jesus provoziert diese Auseinandersetzung, um dann mit dem Heilungswunder seinen göttlichen Auftrag zu unterstreichen.

Lesungen: Mk 4, 26-29; Lk 8,4-8

Lieder: O komm, du Geist der Wahrheit

„Mir nach“, spricht Christus

Gebet:

Herr, unser Gott, schenke uns die Fähigkeit, deinen Willen zu erkennen

und stärke uns auf dem Weg in der Nachfolge deines Sohnes bis unter das Kreuz.

Hilf uns frei zu werden von allen (Sach-)Zwängen und Lasten.

Schenke uns deinen Geist, damit wir fröhlich werden,

unser Leben erfüllen und nur dir gehören wollen. Amen.

Waldemar Müller, Rammelsbach

 

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