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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

29.01.06 - 4. Sonntag im Jahreskreis / 4. Sonntag nach Epiphanias

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Eph 1, 15-20a

Dtn 18, 15-20

1 Kor 7, 32-35

Mk 1, 21-28

 

Stellung im Kirchenjahr

Mit dem Fest der Taufe Christi haben wir die Weihnachtszeit beendet. Wir begleiten nun den erwachsenen Jesus auf seinem Weg. Er verkündet das Reich Gottes, das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. Dabei stößt er auf Unverständnis und Widerstand.

Die Perikopen des Sonntags

Eph 1, 15 – 20a:

Beim Epheserbrief handelt es sich um ein Rundschreiben an die Christen Kleinasiens (und darüber hinaus). Es wurde wohl von einem Paulusschüler verfasst. Das Thema des Briefes ist die Kirche, in der die Gläubigen durch die Taufe der Macht des Bösen entrissen und mit Christus zu einem neuen Volk verbunden wurden. Der Verfasser bittet Christus, dass er die Augen ihres Herzens erleuchte (Eph 1, 18), damit sie als hoffende und liebende Menschen die Welt anders sehen und anders mit ihr umgehen. Glaubende sehen tiefer und weiter als Menschen, die nur ihren augenblicklichen Nutzen im Sinn haben. Sie leben bewusst und verantwortlich in ihrer Zeit. Sie erfahren schon etwas vom Reichtum der Herrlichkeit, die Gott den Seinen schenken will im Frieden und in einem Leben im Einklang mit der Schöpfung Gottes. Beispiel aus unserer Gegenwart: Die Montagsdemonstrationen mit Kerzen in der Hand 1989 in Leipzig und anderen Städten der DDR, die zur friedlichen Wiedervereinigung führten.

Dtn 18, 15 – 20:

Das Buch Deuteronomium ist in der uns bekannten Gestalt in der ausgehenden Königszeit, im Exil und danach entstanden. Indem Israel seine späteren Gesetze und Vorschriften Mose zuschreibt, betont es, dass es sich um Gottes Weisung handelt, die festzuhalten und einzuhalten ist. In unserem Abschnitt wird dem Volk Israel zugesagt, dass es immer Propheten haben wird, die ihm den Willen Gottes verkünden. Es wird dem Volk aber eingeschärft, wahre und falsche Propheten wachsam zu unterscheiden und nur auf die wahren Propheten zu hören, die im Namen Gottes sprechen und seinen Willen verkünden.

Wenn wir in unsere heutige Welt schauen, dann stellt sich die Frage, wo wir heute wahren und falschen Propheten begegnen. Präsident George W. Bush etwa gibt sich als gläubiger Christ, der Frieden verheißt. Aber die USA haben selbst dazu beigetragen, dass Saddam Hussein, Osama Bin Laden, die Taliban und andere so mächtig wurden, und ob der Irak–Krieg zu Demokratie und Frieden führt, ist sehr fraglich. Hat nicht Papst Johannes Paul II. mit seiner Verurteilung des Krieges recht gehabt? Und was führt in der Arbeitslosigkeit zum Erfolg: die Rezepte der neoliberalen Propheten oder die Weisungen der katholischen Soziallehre und evangelischen Sozialethik? Es ist heute wie damals in Israel nicht leicht, die wahren und die falschen Propheten zu unterscheiden.

Wenn in unserer Schriftstelle den falschen Propheten der Tod angedroht wird, so deute ich das als Hinweis darauf, dass es kein Kavaliersdelikt ist, Menschen auf falsche Wege zu führen.

Wahre Propheten unserer Zeit sind nach meiner Meinung Helder Camara, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp, Frere Roger Schutz, Johannes XXIII, Mutter Teresa, Eugen Biser, Hans Küng und andere.


1 Kor 7, 32 – 35:

Paulus hatte die Gemeinde von Korinth auf seiner zweiten Missionsreise im Jahr 50 oder 51 gegründet. Danach blieb er mit ihr durch Briefe verbunden. Den 1. Korintherbrief hat er zwischen 53 und 55 nach Chr. in Ephesus geschrieben. Den Anlass bildeten Fragen, die in der jungen Gemeinde aufgetreten waren und die ihm durch Leute aus der Gemeinde überbracht wurden. In unserem Abschnitt geht es um Fragen über die Ehe und Ehelosigkeit. Welche Lebensform entspricht mehr dem Willen Gottes? Die Antwort des Paulus ist geprägt von der Naherwartung der Wiederkunft Christi. Paulus will, dass die Gläubigen Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, ungeteilt dienen. Er sieht, dass der Verheiratete sich mehr um die Dinge dieser Welt sorgt, seiner Frau gefallen will und durch die Familie Verpflichtungen hat. Ihm geht es hier um einen Konflikt zwischen verschiedenen Zielen: Sorge um die Dinge der Welt oder Dienst für den Herrn. Paulus verneint es nicht, dass auch der verheiratete Christ Gott gut dienen kann, aber er sieht es als viel schwieriger an.

Ähnliche Konflikte kennen wir auch heute. Wir gehören vielleicht Gemeinschaften oder Gruppen (Familie, Partei, Stammtisch, Schulklasse, Verein…) an, in denen der ungebremste Konsum wie selbstverständlich praktiziert wird, während wir selbst uns verpflichtet wissen, an mögliche Folgen (Vernichtung des Regenwaldes, Klimaerwärmung, Vergiftung von Luft und Gewässern…) zu denken.

Wir möchten so leben, dass die Schöpfung bewahrt wird und im Zusammenleben der Menschen Gerechtigkeit und Frieden wirksam angestrebt werden, sind aber manchmal eingebunden in Beziehungsnetze, die uns das schwer machen.


Mk 1, 21 – 28:

Dieser Abschnitt beschreibt den ersten Tag des Wirkens Jesu in Kafarnaum. Jesus zeigt in Wort und Tat seine Vollmacht. Jesus begegnet hier einerseits den Schriftgelehrten, die diese Vollmacht in ihren Predigten vermissen lassen und andererseits dem Besessenen.

Gibt es nicht auch in unserer Zeit Besessene, deren Herz besetzt, besessen ist vom Verlangen nach Macht, Reichtum, Ruhm, Genuss, die sich oft sehr lautstark artikulieren und die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen? Aber nicht der, der am lautesten schreit oder sich am auffälligsten in Szene setzt, hat uns etwas zu sagen, sondern nur der, der im Namen Gottes kommt und Gottes Reich im Sinn hat! Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen von denen, die eine große Show abziehen. In Jesus wendet sich Gott den Menschen zu, auch denen, die ihn anfeinden. Durch Jesu Wort kann auch ein besessener Mensch zu sich selbst kommen.


Bezug zur Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden:

Der Epheserbrief lädt ein, in einer neuen Lebensweise zu leben. Das Herz, das von Christus erleuchtet ist, wird nicht mehr nur um das eigene Ich kreisen und in Folge dessen nicht Karriere, Reichtum, Macht und Ehre auf Kosten anderer als Lebensziel haben, sondern Gerechtigkeit, Frieden und verantwortungsbewussten Umgang mit Gottes Schöpfung.

Dieser Abschnitt aus dem Buch Deuteronomium mahnt uns, nicht auf die falschen Propheten zu hören, weil sie die Welt in den Tod führen. Falsche Propheten berufen sich oft auf einen Aspekt der Bibel (z. B. Erwählung, Kampf gegen das Böse…), deuten es aber einseitig ohne den Gesamtzusammenhang der Bibel zu beachten (Gottes Heilswillen für alle Menschen, Gottes Liebe zu den Armen, Gottes Barmherzigkeit…). Sie legen die Bibel parteiisch zu ihren Gunsten aus.

Der Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief ruft uns auf, uns nicht durch Vernetzungen mit Menschen und Menschengruppen und andere Einflüsse von dem abbringen zu lassen, was Gott von uns erwartet.

In der Markus–Perikope geht es darum, dass das Reich Gottes Widerstand erfährt, aber dennoch seinen Weg nimmt. Wenn wir mitbauen wollen am Reich Gottes, dürfen wir uns von niemandem einschüchtern lassen, weder von falschen Propheten, noch von Dämonen, von Interessenlobbies, von Gemeinschaften, in denen wir leben noch von sonst jemandem.

Predigtgedanken:

Thema: Im Kampf gegen falsche Propheten und dämonische Kräfte wächst Gottes Reich.

  1. Gott warnt sein Volk vor falschen Propheten

    Wer sind heute falsche Propheten? Und welche Lehren und Ideologien unserer Zeit führen nicht zu einem Zusammenleben der Menschen in Frieden, Gerechtigkeit und im Einklang mit der Schöpfung?
  2. Wie können wir falsche und wahre Propheten unterscheiden?

    Wir müssen nach den Interessen fragen, die hinter ihren Worten stehen. Nicht wer am lautesten schreit, hat recht! Heute wird durch die Medien vieles laut und wirksam angeboten, was den Menschen nicht dient (Gewaltdarstellungen, Sexismus, luxoriöser Lebensstil…).

    Wenn aus der Bibel einseitige Aspekte ausgesucht und interpretiert werden, dann wird das der Bibel nicht gerecht.

    Dient das, was die Propheten unserer Zeit verkünden, dem Leben (besonders der Armen, Schwachen, Benachteiligten, Ausgegrenzten…)?

    Alles, was die Menschen niederdrückt, was Menschen gegeneinander treibt, was sie abhängig macht und ihre Würde verletzt, ist unreiner Geist, dämonische Macht und kommt aus der Finsternis. Wer mit erleuchtetem Herzen spricht, wird die Menschen zur Freiheit, zur Würde, zum Frieden, zum Einklang mit der Schöpfung und zum Leben nach Gottes Weisungen führen.
  3. Jesus lässt sich mit den Mächten des Bösen ein.

    Er steht auf der Seite der Opfer. Er will aber auch die Besessenen zum Heil führen. Er tut es mit Vollmacht. Er entlarvt die Dämonen und falschen Propheten.
  4. Auch wir kommen kaum um Konflikte herum, wenn wir mit erleuchtetem Herzen leben.

    Sind wir geübt in der Unterscheidung der Geister? Es genügt nicht, zu beten und Gottesdienst zu feiern, wenn wir uns nicht der Wirklichkeit des Bösen und Gottwidrigen stellen. Gott will, dass wir frei sind, die Dinge – auch Besessenheiten unserer Zeit – beim Namen zu nennen, damit die Menschen so leben können, wie Gott es will.
  5. Wahre Propheten unserer Zeit:

    Die Obengenannten, aber auch Pater Ivo Zeiger SJ, der schon 1948 auf dem Katholikentag in Mainz sagte: „Deutschland ist ein Missionsland geworden.“

    Das Urbild des Propheten ist Mose, der das Volk aus der Sklaverei in die Freiheit führt.

    Dämonische Mächte heute: Terrorismus, ungezügelter Kapitalismus, Kindesmissbrauch, Rassismus, Nationalismus.

 

Albert Seelbach, Frankfurt

Quellen:
Einheitsübersetzung der Bibel

Ferdinand Kerstiens „Glaubenswege durch das Lesejahr B – Wachsame Geduld – Zeit für Entscheidung“, Luzern 2002

 

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