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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

15.01.2006 – 2. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag nach Epiphanias

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Kor 2, 1-10

1 Sam 3, 3b-10.19

1 Kor 6, 13c-15a.17-20

Joh 1, 35-42

 

Vertiefend betrachtet wird der Text der ev. Reihe IV. Die Texte der kath. Leseordnung haben als gemeinsamen Schwerpunkt „Berufung“. Das Thema Nachhaltigkeit wird in ihnen nicht unmittelbar berührt. Jedoch bieten sich Gedanken über eine „Berufung“ zu den Aufgabenbereichen Umweltschutz, Gerechtigkeit, Frieden etc. an. Stichworte zum ev. Text: Weisheit, urteilen auch gegen den Augenschein, lebensdienliche Verhaltensweisen, Wissen und Bewertung von ökologischen Erkenntnissen

Reihe IV: 1. Kor. 2, 1-10

Exegetische Bemerkungen

Die Perikope, deren Abgrenzung und Einheitlichkeit umstritten ist, hat zwei deutlich erkennbare Schwerpunkte. In den Versen 1-5 spricht Paulus in der 1. Person Singular von seiner eigenen Verkündigungstätigkeit und ihren Grundlagen. Der letzte Satz enthält das Stichwort für die weiteren Aussagen: Es geht nicht um Weisheit der Menschen, sondern um Gottes Kraft.

Von Vers 6 an wechselt er in die 1. Person Plural. Inhalt der Verkündigung ist dennoch Weisheit. Gegensatz zur menschlichen Weisheit ist nicht mehr die göttliche Kraft, sondern die geheimnisvolle verborgene Weisheit Gottes. Unverkennbar hat Paulus einen Adressaten vor Augen, zu dem er besonders spricht. Das mag eine Gruppe in der konfliktreichen Gemeinde Korinth gewesen sein, das könnte auch ein bestimmter Typ von Gemeindegliedern gewesen sein, die ihm immer wieder begegnet ist. Er nennt sie „Vollkommene“. Ihnen gilt die Aussage von der prinzipiellen Differenz zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit. Im nächsten Kapitel wird Paulus dies zur Aussage steigern, dass die Weisheit der Welt Torheit vor Gott ist (3, 19).

Die verborgene Weisheit Gottes ist der menschlichen Erkenntnis nicht zugänglich, auch wenn man zu den Herrschenden, (den Wissenden und Informierten) dieser Epoche zählt. Der einzige Weg der Mitteilung der Weisheit Gottes ist die Offenbarung durch den göttlichen Geist.


Von der Weisheit

Vor allem Hubert Frankenmölle und seinem Kommentar zum Jakobusbrief (Ökumenischer Taschenbuchkommentar Gütersloh 1994) ist es zu verdanken, dass Weisheit als ein eigener theologischer Zugang wieder entdeckt wurde. Es geht der weisheitlichen Theologie um das Verstehen der Lebens- und Schöpfungszusammenhänge und der daraus abzuleitenden Handlungsanweisungen für ein gelingendes Leben. Weisheit vertraut dabei der der göttlichen Schöpfungsordnung innewohnenden Gerechtigkeit auch gegen den Augenschein. „Alle Weisheitssprüche sprechen deshalb eher einen Wunsch, eine Erwartung aus, die der Mensch dem Leben und der Welt gegenüber haben muß, wenn er wirklich leben will.“ (a.a.O. S. 82) „Weisheitsliteratur hat demnach appellativen Charakter – primär im zwischenmenschlichen Bereich, während im Naturbereich die dort gewonnenen Erkenntnisse Regelmäßigkeit erhoffen lassen.“ (ebenda)


Hinweise für die Predigt

In der Predigt kann das Thema Weisheit in zweierlei Hinsicht entfaltet werden.

Einmal als Appell an die Weisheit des Menschen, sich über die lebensdienlichen Verhaltensweisen zu informieren und die daraus folgenden Schlüsse für sein Leben und sein Verhalten zu ziehen. Die biblische Weisheitsliteratur vom Prediger über die Sprüche Salomos bis hin zum Jakobusbrief macht deutlich, dass eine solche Haltung des Menschen dem ausdrücklichen Willen Gottes entspricht. Die Bibel will keine frommen Ignoranten. Gottvertrauen bedeutet nicht, sich aus der Weltverantwortung zu verabschieden. Im weisheitlichen Kontext bedeutet es vielmehr darauf zu vertrauen, dass in der gottgewollten Ordnung der Schöpfung, Gerechtigkeit über Ungerechtigkeit, Wahrheit über Lüge, Treue über Untreue und alles in allem das Leben über den Tod letztendlich die Oberhand behalten wird.

Wenn Paulus sich an die „Vollkommenen“ in Korinth wendet, dann hat er Gemeindeglieder im Blick, die sich um die Erkenntnis der Welt und ihrer Ordnungen mühen. Es sind gebildete, philosophisch interessierte Menschen. Auch an anderen Stellen seiner Briefe stellt Paulus seine kommunikative Kompetenz im Hinblick auf dieses Milieu unter Beweis.

Was er an ihnen störend findet, ist nicht ihre Weisheit, ihr Bemühen um das Verstehen der Welt ihre Freude an (philosphischer) Bildung, sondern ihre Unfähigkeit, zwischen ihrer Weisheit und Gottes Weisheit zu unterscheiden, ihre Tendenz, ihren Geist und Gottes Geist zu verschmelzen.

Damit leiten wir über zum zweiten Schwerpunkt des Themas Weisheit. Paulus leitet mit seiner Unterscheidung zwischen Menschenweisheit und Gottesweisheit zum christologischen Kern seiner Botschaft über: Der aller menschlichen Weisheit widersprechende gekreuzigte Christus ist der offenbare Kern der Weisheit Gottes. In ihm hat menschliche Weisheit ihre existentielle Grenze. Die Offenbarung Gottes geht aller menschlichen Erkenntnisbemühung und Erkenntnisfähigkeit ebenso wie die liebende Zuwendung Gottes den menschlichen Glaubensbemühungen allemal voraus.

Darin werden zugleich die Kränkung und die Befreiung der Weisheit des Menschen offenbar. Die fortwährende Kränkung der menschlichen Weisheit liegt in dem Bewusstsein, dass mit jeder Erweiterung des Wissens auch die Dimension dessen, was wir Menschen nicht wissen, wächst. Insoweit ist der Hinweis auf die Weisheit Gottes, die der menschlichen Weisheit prinzipiell überlegen ist, eine stete Warnung, unsere Erkenntnisse nicht für den absoluten Schlüssel zum Verstehen der Welt zu halten. Das gilt auch für Menschen, die sich mit ökologischen Zusammenhängen beschäftigen. Es gilt aber in gleichem Umfang für wissenschaftliche Gutachter, die die Folgen von ökologischer Ignoranz weiterhin verharmlosen.

Diese Erkenntnis ist aber zugleich eine Befreiung menschlicher Weisheit. Wir können, dürfen, ja wir müssen in Verantwortung für die Welt handeln, bevor wir alle Ursachen und mögliche Folgen abschließend untersucht haben. Die mit dem Glauben verbundene Einsicht in unsere persönliche Begrenztheit und die Begrenztheit der Menschheit, denen die Ewigkeit Gottes gegenüber steht, begrenzt auch das Maß der menschlichen Verantwortung. Die Erlösung der Welt dürfen wir getrost in die Hände Gottes legen. Es genügt, wenn wir das Menschenmögliche tun und berücksichtigen.

Für Gemeindeglieder, die sich für die Schöpfung engagieren wollen, gibt Paulus darüber hinaus einen Rat für die Gestaltung der Beziehung zur übrigen Gemeinde und zu anderen gesellschaftlichen Akteuren. Das dominierende Beziehungsthema der Korintherbriefe besteht in dem Konflikt zwischen Angehörigen unterschiedlicher Sozial- und Bildungsschichten in Korinth. In seiner bildkräftigen Sprache appelliert Paulus immer wieder an alle Beteiligten: Ihr gehört zusammen. Die Gemeinde die Kirche und die eine Welt braucht jeden und jede an seinem Platz. Bildung, Reichtum, gesellschaftlicher Einfluss sind Gaben Gottes an seine Kinder für seine Welt. Jeder ist nach seinem Maß und seinen Möglichkeiten eingeladen, an der Zukunft der Schöpfung Gottes mitzuwirken.

Gottfried Müller, Speyer

 

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