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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8.01.06 – 1. So. n. Epiphanias/Taufe d. Herrn

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Kor 1, 26-31 Jes 42, 5a.1-4.6-7
oder Jes 55, 1-11
Apg 10, 34-38
oder 1 Joh 5, 1-9
Mk 1, 7-11

Predigtsituation - Kirchenjahreszeit

Weihnachten und Silvester sind gerade vorbei, am nächsten Tag beginnt wieder die Schule - der Alltag hat uns wieder. Im evangelischen Raum sind die Weihnachtsbäume schon wieder abgeräumt.

Weiß - die liturgische Farbe der Christusfeste gilt nur bis Epiphanias - am 1.nach Epiphanias ist schon wieder Grün die liturgische Farbe.

Im katholischen Bereich stehen die Weihnachtsbäume noch etwas länger und machen dadurch darauf aufmerksam, dass wir uns immer noch in der nachweihnachtlichen Freudenzeit befinden.

Die Festtage wirken bei manchen Menschen noch nach. Geschichten und Lieder gehen uns noch im Kopf herum, die letzten Reste Stollen und Gebäck werden verspeist. Manche sind auch erleichtert, dass diese gefühlsbeladene, sentimentale Zeit des Jahres wieder vorbei ist, es sozusagen hinaus in Richtung Frühling geht und die Tage wieder länger werden. Das neue Jahr mit allem, was es uns wieder bringen wird, auch mit all unseren guten Vorsätzen, liegt noch wie ein neues, leeres Schulheft vor uns. Chance und Herausforderung gleichermaßen.

Der Gottesdienstbesuch in meiner (ländlichen) Gemeinde ist um diese Jahreszeit nicht besonders gut. Über Weihnachten und Silvester waren alle, die sich Kirche noch verbunden fühlen, irgendwann im Gottesdienst und legen an diesem Sonntag gerne eine Pause ein.

1. Sonntag nach Epiphanias, Perikopenreihe IV - 8. Januar 2005
1. Brief an die Gemeinde in Korinth 1, 26-31 (rev. Lutherübersetzung)

exegetische Überlegungen

Der Abschnitt schließt thematisch und formal direkt an 1. Kor 1,18-25 an. Es geht um den grundlegenden Unterschied zwischen Gott und Welt und Gottes erwählendes Handeln. Das Erwählen wird dreimal erwähnt, also besonders betont. Gott handelt, der erwählte Mensch kann vor Gott keinen Anspruch geltend machen. Paulus weist kritisch auf die sozialen Unterschiede in der Gemeinde in Korinth hin. Nach Meinung verschíedener Auslegungen ist Vers 26 eine der wichtigsten Belegstellen für die sozialgeschichtliche Fragestellung in der neutestamentlichen Exegese. Paulus zeigt den "Höhergestellten", dass Gottes Handeln anders ist als es die Menschen erwarten und dass Gott vor allem die Kleinen im Blick hat. Die sozialen Probleme in der Großstadt Korinth und die daraus resultierenden Streitigkeiten kommen im Brief des Paulus ja an mehreren Stellen vor.

Assoziationen

Die Botschaft von Weihnachten ist vielen noch ganz nahe und klingt im Predigttext 1. Kor 1, 26-31 auch an: "was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt". So ähnlich haben wir es an Weihnachten gesungen: Lied 27 EG (Evangelisches Gesangbuch: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich), Strophe 3 "Er äußert sich all seiner G’walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding."

Wir Menschen neigen zur Selbstüberschätzung und Arroganz. Wir wollen gut angesehen sein und uns "Ruhm" erwerben. Es ist für uns schwer vorstellbar, dass vor Gott ganz andere Dinge zählen sollen als die, die wir gut und erstrebenswert finden. "Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr" so reimte schon Wilhelm Busch. Danach leben wir oft genug. Der Text verweist uns auf den Platz, der uns zusteht: als geliebte Geschöpfe der göttlichen Schöpfungskraft. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Kein Mensch hat Grund sich zu rühmen - Gott allein gebührt der Ruhm als Herr über Leben und Tod und als Herr der Schöpfung. "Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!"

Was vor den Menschen nichts zählt, das kann für Gott wichtig für sein. "Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt" Das macht Hoffnung, dass Gott bei den kleinen Leuten ist, Partei ergreift für die Schwachen und Hilflosen, denen eine Stimme verleiht, die von niemand gehört werden. Das wird schon in der Ankündigung der Geburt Jesu deutlich. Ein junges Mädchen in nicht gesicherten sozialen Verhältnissen bekommt die Verheißung, dass sie einem Menschen das Leben schenken wird, der anders ist und dessen Kommen alles auf den Kopf stellen wird. Von der Umkehrung der Verhältnisse ist schon im Lobgesang der Maria die Rede. Und das wird hier auch wieder bekräftigt. Die Ungerechtigkeit, die auf der Welt herrscht, dass die einen reich sind auf Kosten der anderen, diese Ungerechtigkeit kann nicht im Sinne Gottes sein. Im Leben und Wirken Jesu Christi wurde das ganz deutlich. Denn er hat allen Menschen gezeigt, dass Gott sie liebt. Er ging gerade zu denen, die ausgestoßen und verachtet waren, er war bei denen, die krank waren und Angst hatten. Er gab allen das, was sie brauchten. Vor allem aber gab er den Menschen Zuwendung und Nähe. Er machte für sie Gottes Liebe lebendig und erfahrbar. Jesus handelte immer wieder gegen das Normale und gegen das, was niemand hinterfragte, was als anerkannte Weisheit galt. Er berührte die Aussätzigen. Er stellte ein Kind in die Mitte. Er brach das Sabbatgebot. Jesus zeigte uns, was Gott von uns erwartet. Gott will, dass wir wie Schwestern und Brüder auf der einen Erde leben. Gott will, dass wir die Güter so gerecht verteilen, dass alle ihren Anteil bekommen. Gott will, dass wir in Frieden miteinander leben und uns gegenseitig gelten lassen so wie wir sind.

Wir haben all den Kreuzen dieser Welt, unter denen Geschöpfe leiden müssen, nur eines entgegen zu setzen, und das ist die Liebe, so wie Jesus sie vorgelebt hat. Je mehr wir in diese Liebe hinein wachsen, desto verletzlicher werden wir - das ist die Botschaft Jesu. Wir werden angreifbarer, wenn wir versuchen ehrlich zu sein und zu dem stehen, was wir für gerecht und sinnvoll halten, für das, was Gottes Wille ist. Denn es geht doch darum, dass wir es wagen, auch einmal gegen die Erfahrung, gegen die Weisheit der Welt, gegen die Expertenmeinung etwas anzufangen und zu tun. Und das hat mit Glauben zu tun.

ökologischer Bezug

Jahrhundertelang wurde gelehrt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei und die Welt beherrschen soll. Dadurch wurde unserer (Mit-)Welt viel Schaden und Leid zugefügt. Die Menschheit verhält sich heute mehr denn je so als ob Menschen die Herren der Welt wären. Die katastrophalen Folgen werden täglich deutlicher sichtbar. Viele Tier- und Pflanzenarten sind z. B. schon unwiederbringlich ausgerottet. Der Klimawandel ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Folge unserer Art zu leben und Unmengen von Kohlendioxyd zu produzieren. Die Ressourcen an fossiler Energie neigen sich dem Ende zu und gerade im Moment wird uns unsere Abhängigkeit davon durch steigende Ölpreise sehr stark bewusst.

Nach der Schöpfungsgeschichte wird der Mensch gemeinsam mit den Landtieren am sechsten Tag erschaffen. Krone und Ziel der Schöpfung ist der siebte Tag, der Sabbat. Der Sabbat ist sozusagen ein Stück Paradies, wo alle zu ihrem Recht kommen. Gott hat die Schöpfung für sich selbst gemacht zum eigenen Vergnügen, nicht dass der Mensch darüber herrscht.

Vgl. letzter Vers der Psalmen - alles, was Odem hat, lobe den Herrn - soli deo gloria

Gottes Größe zeigt sich in der Schöpfung.

Diese Sichtweise bewahrt uns davor, uns zu viel herauszunehmen gegenüber Umwelt und anderen Lebewesen, die genauso Gottes Geschöpfe sind wie wir. Wir sollten vesuchen, mehr im Einklang mit unserer Mitwelt zu leben.

Predigtthema

Wer groß sein will, preise die Größe Gottes, die sich in der Schöpfung zeigt.

(Quellen: Conzelmann/Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen, 1980

Andreas Lindemann in Gottesdienstpraxis IV,4, Gütersloh 1987)

"Taufe des Herrn" - 8. Januar 2005

Reihe B (kath.) Evangelienlesung: Markus 1, 7-11 (Einheitsübersetzung)

exegetische Überlegungen

Der Abschnitt 1, 1-13 hat die Funktion eines Vorspieles. Johannes der Täufer tritt auf als Vorläufer und derjenige, der das Kommen eines Größeren ankündigt. Der über sich hinausweist und den Auftritt Jesu vorbereitet. Für einen guten Anfang sorgt. Dann übergibt er sozusagen den Stab an Jesu, indem er ihn tauft. Man könnte sagen, Jesus erlebt seine Berufung. Er beginnt nun seine Laufbahn als Verkörperung der Liebe Gottes unter den Menschen. Und in der Reihenfolge der Geschichten im Markusevangelium, dem ältesten Evangelium, wird deutlich, dass seine Taufe für Jesus wirklich ein Beginn war. Sie stand nicht am Ende eines Glaubensprozesses und machte ihn auch nicht gefeit gegen alle Zweifel und Ängste. Direkt im Anschluss erzählt Markus nämlich von Jesu Versuchung in der Wüste. Für Jesus bedeutet die Taufe den Anfang, der die Richtung weist. Und die Versicherung, dass Gott zu ihm steht auf seinem Lebensweg in allem Guten und auch in allem Leiden.

Assoziationen

Hermann Hesse: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Der Anfang ist wichtig. Bei allem, was neu beginnt. Habt Ihr’s gut angefangen - das neue Jahr, haben wir uns gegenseitig letzte Woche noch gefragt.

Ein guter Anfang ist wichtig. Jedes Buch, jeder Film, jedes Gespräch, jede Beziehung, jede neue Aufgabe, jedes Vorhaben, jedes neue Amt - alles sollte gut anfangen, spannend, neugierigmachend, verheißungsvoll und vielversprechend sein. Entweder macht der Anfang Lust auf mehr - oder er setzt negative Vorzeichen, die so schnell nicht wegzubekommen sind.

Jesu öffentliches Auftreten hat mit seiner Taufe begonnen.

Jesus ist zu Beginn seines Wirkens nicht zuerst auf einen Berg gestiegen um durch eine gewaltige Predigt die Menschenmassen anzuziehen. Er beginnt auch nicht mit der effektvollen Tempelaustreibung oder sorgt für Wirbel, indem er die religiösen Führer angreift. Nein, das Zeichen, das er zu Beginn seiner Wirksamkeit setzt, ist ein ganz anderes. Er gesellt sich zu denen, die es nötig haben umzukehren und neu zu beginnen. Er stellt sich auf die Stufe derer, die sich Gottes vergebende Liebe schenken lassen wollen. Er lässt sich taufen. Von einem, der die Menschen zur Besinnung und zur Umkehr ruft.

Mit Jesus geschieht hier etwas Unerhörtes. Der Himmel geht auf und Jesus hört Gottes Liebeserklärung. Er erlebt, dass der Himmel nicht himmelweit entfernt ist, sondern ihm wird deutlich, wie nah Gott ist, dass er Gottes Kind ist.

Die Taufe ist auch bei uns der Eintritt ins Glaubensleben. Unser Leben als Christ oder Christin beginnt ebenfalls mit der Taufe. In unserer Freisbacher Kirche wird das sehr schön sichtbar in dem Bild, das über der Tür zum Turm ist. Ursprünglich muss dort wohl der Haupteingang in die Kirche gewesen sein. Denn über dieser Tür ist ein Gemälde von der Taufe Jesu. Die Taufe markiert den Eingang, den Eintritt in die Kirche Und zwar nicht nur in das Gebäude, sondern natürlich auch in die Gemeinschaft der Glaubenden. Die Taufe soll der Anfang sein. Mit diesem guten Anfang bekommen wir eine Orientierung für unser Leben. Im Zeichen der Taufe wird Gottes Liebe deutlich. Da wird erfahrbar, dass Gott alle Menschen lieb hat und etwas vorhat mit uns.

Jedes Mal, wenn wir einen Menschen taufen, dann geht der Himmel ein Stückchen auf sozusagen.

Als Getaufte haben wir alle immer wieder ein bisschen Anteil daran. Wir sind Gottes Kinder. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass wir eine Heimat haben und einen Halt. Wir brauchen uns nicht wie verlassene Waisenkinder zu fühlen. Wir sind keine ungewollten Findelkinder. Nein, wir sind Geschwister Jesu und Kinder Gottes. Das sagt uns die Taufe. Daran sollten wir uns immer wieder einmal erinnern. Es tut gut zu wissen, dass es bei uns so gut angefangen hat. Wir haben in unserer eigenen Taufe gute Startchancen bekommen. Die sollten wir nutzen und niemals vergessen, dass Gott uns damals versprochen hat bei uns sein zu wollen, was auch immer passieren mag in unserem Leben. Nach diesem Start ins Leben eines Christenmenschen bekommen wir im Laufe unseres Lebens immer wieder Gelegenheiten, einen neuen guten Anfang zu machen. Uns Menschen steht die Möglichkeit der Umkehr immer offen. Das ist gut zu wissen. Gleichzeitig müssen wir unsere Verantwortung gegenüber der Welt wahrnehmen. Denn Gott will, dass wir umkehren, wenn wir auf dem verkehrten Weg sind. Gott will, dass wir ein erfülltes Leben haben und glücklich sind und dass alle Lebenwesen leben können.

ökologischer Bezug

Der Aufruf zur Umkehr muss immer wieder erneuert werden. Auch bei uns lauert ständig die Versuchung. Die Versuchung, so zu leben, dass unsere Umwelt leidet. Die Gefahr, verschwenderisch und achtlos zu leben, gedankenlos Ressourcen auszubeuten und unsere Umwelt zu zerstören. So viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Naturkatastrophen häufen sich. Wir brauchen den Neuanfang - immer wieder. Gott will ihn uns ermöglichen. Wir sollten die Chance nutzen.

Für Jesus öffnet sich der Himmel. Wo öffnet sich für uns der Himmel? Müssen wir nicht gut "geerdet" sein, damit wir erleben können, dass sich der Himmel öffnet? Himmel und Erde gehören zusammen. Ein Buchtitel der Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel drückt das für mich sehr schön aus: "Wer die Erde nicht berührt, kann den Himmel nicht erreichen".

Wir können nicht nur mit dem Kopf im Himmel schweben, der "Hans guck in die Luft" geht schließlich unter. Nur wenn wir mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen, d. h. sorgsam und aufmerksam mit unserer Mitwelt umgehen, schützen und bewahren, was unser gemeinsamer Lebensraum ist, nur dann können wir auch immer wieder ansatzweise ein Stück Reich Gottes erfahren, den Himmel geöffnet sehen.

Predigtthema:

Gott gibt uns immer wieder die Chance des neuen Anfangs.

Wenn wir mit beiden Füßen auf dem Boden stehen, dann öffnet sich für uns der Himmel.

Martina Horak-Werz, Gommersheim

Quellen:
Conzelmann/Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen, 1980

Elisabeth Moltmann-Wendel: Wer die Erde nicht berührt, kann den Himmel nicht erreichen, Hannover 2002)

 

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