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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1.01.06 - Neujahrstag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jos 1, 1-9

Num 6, 22-27 Gal 4, 4-7 Lk 2, 16-21

Der „Kasus“ Neujahr/Jahreswende 2005/6

Ich schreibe diesen Beitrag Anfang September 2005. Das Hochwasser in Bayern, Österreich und der Schweiz ist gerade mal wenige Wochen her, der Hurrikan „Katrina“ hat vor wenigen Tagen den Süden der USA verwüstet. Der Wahlkampf in Deutschland ist auf seinem Höhepunkt. Geschürt werden sowohl hohe Erwartungen – „mit uns wird alles besser!“ – als auch schlimme Befürchtungen – „mit den andern geht es nur abwärts!“. Das Wort „Klimaveränderung“ taucht öfter als sonst in den Zeitungen auf, Politiker verschiedener Couleur sprechen von notwendiger Energieeinsparung, gestritten wird gleichzeitig um eine Senkung des rasant gestiegenen Benzinpreises durch staatliche Maßnahmen. Wissenschaftler wiederholen ihre Prognosen bezüglich der Folgen eines ungezügelt wachsenden Energieverbrauchs und werden – wenn auch vielleicht nur kurzfristig – aufmerksamer gehört als sonst. All das neben der Problematik der Globalisierung, der Arbeitslosigkeit, der resignativen Stimmung vieler Menschen, der Konzeptionslosigkeit in der Politik gegenüber der Übermacht von Geld und Wirtschaft, die z. Zt. wieder einmal lautstark einen Abbau von Umweltstandards fordert...

Dies alles wird zum Rückblick auf das Jahr 2005 gehören, wenn es zu Ende geht und das neue Jahr beginnt. Zugleich wird es im Blick nach vorn bange Fragen, zaghafte Hoffnungen auf mehr Gerechtigkeit, Frieden – auch Frieden mit der Schöpfung - Sehnsüchte nach gelingendem Leben – für den Einzelnen wie darüber hinaus für uns als Gemeinde, Nation, Weltgemeinschaft - Forderungen nach Aufbruch, nach „Kopf hoch“ und „Ärmel aufkrempeln“ und vieles andere mehr geben...

Gefragt sind wir als Christen in den verschiedenen Kirchen nach unserem Beitrag zur „Bewältigung“ sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft.

Nachhaltiges Wirtschaften und Handeln im Großen wie im Kleinen – und somit ein veränderter Lebensstil - wird zur Bedingung des (Über-)Lebens nicht nur der Menschheit, sondern der gesamten Schöpfung. Die Grenze, die nicht überschritten werden darf, ist näher denn je (manche sagen allerdings, sie liege schon hinter uns). Die Frage ist, ob es andere Grenzen gibt, die wir überschreiten müssen, um anders – umweltgerechter und nachhaltiger – zu leben. Die Behauptung etwa, nur das Wachstum der Wirtschaft garantiere uns lebenswerte Zukunft, scheint mir eine solche Grenze zu sein. Zudem müssen die Grenzen nationaler Interessen überwunden werden (siehe z. B. die Haltung der USA zu den Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls etc.), um ein global-nachhaltiges Denken und Handeln zu ermöglichen.

Des Weiteren wird zu bedenken sein, welche Rolle der Kirche als Ganzes sowie den einzelnen Christen dabei zukommt. Die Treue Gottes zu seiner Schöpfung soll erkennbar, „lesbar“ werden in der Treue der Menschen (als Ebenbild Gottes) gegenüber den Mitgeschöpfen. Die Besinnung auf das „menschliche Maß“ und den göttlichen Auftrag des „Bebauens und Bewahrens“ – des bewahrenden statt des verbrauchenden Bebauens – erhält im eigenen Handeln wie in der Verkündigung zentrale Bedeutung.

Sowohl für den Rückblick als auch den Ausblick auf das neue Jahr ist es sinnvoll, Beispiele dafür zu benennen, wo und wie die Kirchengemeinde zum Abbau von Umweltbelastungen beigetragen hat oder beitragen könnte.

Hinweise zu den Texten:

1.) Evangelische Predigtreihe:

Josua 1, 1-9
Der Text ist zu lesen im Kontext zwischen 5. Mose 34, dem Tod des Mose und dem Anfang des Josuabuches. Die Israeliten stehen nach dem Aufbruch in die Freiheit und der langen Wüstenwanderung an der Schwelle zum verheißenen Land. Die „Ära Mose“ geht zu Ende, der „große Prophet“, dem kein größerer mehr folgen wird, kann das gelobte Land nur sehen, aber nicht hineinkommen. Josua wird sein Nachfolger und führt das Gottesvolk über den Jordan und hinein in die Kämpfe mit den Bewohnern Kanaans. Vor dieser Grenze verspricht Gott, so wie mit Mose auch mit ihm zu sein gegen alle Widerstände (V. 5) und ermahnt ihn zugleich, nach seinen Weisungen zu leben und sie „recht auszurichten“ (V. 7f). Wie Mose wird auch Josua zum Führer des Volkes und zum Vermittler des göttlichen Gesetzes. Und, wie unter Mose, so zeigt sich bald (s. Kapitel 7, Achans Diebstahl), dass das Wohl oder Wehe des Volkes sich daran entscheidet, ob und wie das Gesetz, die Weisung Gottes eingehalten wird.

Wie Josua und das Gottesvolk damals stehen wir am Ende des alten und am Beginn des neuen Jahres an einer „Grenze“. Altes lassen wir zurück – und doch wird es weiterwirken und das Neue mitbestimmen, das auf uns zukommt. So bestimmt auch unser bisheriges Verhalten gegenüber der Schöpfung, ihre Ausbeutung, die Belastung durch Schadstoffe etc. und deren Folgen, wie z. B. die Klimaerwärmung, weiter die Lebensbedingungen auf der Erde mit.

Und doch bekommen wir immer wieder neu die Chance der Veränderung. Der Jahreswechsel hat dafür eine große Symbolkraft und fordert uns auf, unser Verhalten zu überdenken und es auszurichten am Verhalten Gottes. Er bleibt seiner Schöpfung durch die Zeiten treu – das ist das Beständige und Verlässliche in allem Wandel - und gibt uns damit zugleich den Maßstab für unser eigenes Handeln. Es wird entscheidend darauf ankommen, woran wir unser Leben orientieren.

Die Ermahnung und Ermutigung an Josua gilt auch uns: „Sei nur getrost und unverzagt!“ Nur wenn wir uns den Problemen stellen, die wir ins neue Jahr mitbringen, und die neu auf uns zukommen, und wenn wir uns dabei an den Maßstäben Gottes orientieren und nicht an den selbstgeschaffenen – scheinbaren - „Sachzwängen“, werden wir die Chance zur Veränderung nutzen können.

Dabei stellt Gott uns keinen Leistungskatalog auf, sondern bietet uns seine Begleitung an. Der an Weihnachten in Jesus (Jehoschua und Jesus = „Gott hilft“) menschgewordene Gott will auch in uns Mensch werden, Mitgeschöpf alles Geschaffenen, „Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer, „Die Ehrfurcht vor dem Leben“). So ist er mit uns unterwegs zum „Frieden auf Erden“, den wir nur mit ihm erreichen werden.

2.) Katholische Lesereihe

Vorbemerkung
Auf den ersten und vielleicht auch noch auf den zweiten Blick erscheint es schwierig, von den Texten aus zu den Themen „Ökologie“, „Nachhaltigkeit“ etc. zu kommen.

Allerdings wird eine Predigt, die vom oben beschriebenen „Kasus“ des Jahreswechsels ausgeht, diese Themen nicht ausklammern. Davon ausgehend, versuche ich nun doch ein paar kurze Hinweise zu den drei Texten:

4. Mose 6, 22-27
Hier liegt die priesterschriftlich fixierte liturgische Form des aaronitischen Segens vor, wie sie im Jerusalemer Tempelkult verwendet wurde. Mit dem Segen wird der Name Jahwes auf die Israeliten gelegt und sie damit als zu Gott gehörig gekennzeichnet. In dieser einzigartigen Gottesbeziehung wird ihnen die besondere Zuwendung und Verheißung Gottes zugesprochen:

Schutz und Begleitung (V. 24, vgl. z. B. Psalm 23), Gnade als Ermöglichung des neuen Anfangs trotz menschlichen Versagens gegenüber dem göttlichen Gebot (V. 25), Verheißung und Zusage des „Schalom“ als umfassendem – äußerem und innerem – Frieden und Wohlergehen (V. 26, vgl. z. B. Micha 4, 4). Gerade der hebräische Begriff des „Schalom“ geht weit über das hinaus, was das deutsche Wort „Frieden“ gemeinhin bezeichnet. Im „Schalom“ konzentriert sich die ursprüngliche – und zugleich in ihrer Vollendung noch ausstehende - Fülle des siebenten Schöpfungstages. Insofern klingt in dem segnend zugesprochenen „er gebe dir Frieden“ beides an: Das Geschenk des Friedens inmitten einer unfriedlichen Welt und die Aufgabe des Menschen, an der Vollendung des „Schalom“ mitzuwirken.

Galater 4, 4-7
Ziel des Textes ist die einzigartige Beziehung der Gotteskindschaft. Jesus, der wirklich Mensch Gewordene (von einer Frau geboren und in der Beschneidung „unter das Gesetz getan“) befreit von der Knechtschaft des Gesetzes. Sein Geist lässt uns die Beziehung zum Vater erkennen und zum Ausdruck bringen (V. 6). Die Gotteskindschaft schließt das „Erbe“-Sein der Glaubenden mit ein (V. 7, vgl. Lukas 15, 31: „Alles, was mein ist, ist auch dein“).

Der Erbe aber ist verantwortlich für das, was ihm gegeben ist.

Lukas 2, 16-21
Bemerkenswert ist, dass die Hirten, nachdem sie das Kind in der Krippe gesehen haben, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und nicht etwa eine neue religiöse Gemeinschaft gründen. Sie kehren – mit einem Lobpreis Gottes auf den Lippen – in ihren Alltag zurück (V. 20). Das entspricht der Situation der Gemeinde am Neujahrstag: Nach dem Weihnachtsfest und den Tage „zwischen den Jahren“ wird am nächsten Tag wieder Alltag weitergehen, in den wir einerseits etliches von den Lasten des alten Jahres und andererseits auch „gute Vorsätze“ für das neue Jahr mitnehmen. Hier kann die Predigt neben vielem anderen natürlich auch auf die bedrängende Umweltproblematik eingehen (s. o.). Der Lobpreis Gottes über das Geschehen von Weihnachten kann sich in unserem alltäglichen Handeln ausdrücken, wenn wir versuchen, nach Gottes Maßstäben in und mit seiner Schöpfung zu leben.

Zum Schluss noch ein Gedicht von Joachim Ringelnatz für diejenigen, die der Gemeinde angesichts vieler ernster Gedanken auch noch etwas zum Schmunzeln mitbringen möchten.

„Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?

Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
Die ersten Nächte schlaflos verbringen
und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
Ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.

Dann – hoffentlich – aber laut lachen
Und endlich den lieben Gott abends leise
Bitten, doch wieder nach seiner Weise
Das neue Jahr göttlich selber zu machen.“

(Joachim Ringelnatz, Und auf einmal steht es neben dir - Gesammelte Gedichte, Berlin 1950, S. 261)

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt-Sausenheim

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