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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

31.12.05 - Silvester

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

2. Mose 13, 20-22 1 Joh 2, 18-21 Joh 1, 1-18

Stellung im Kirchenjahr

Auch wenn der Tag mitten in der Weihnachtszeit keine herausgehobene Bedeutung im Kirchenjahr hat, erhält er seinen Charakter durch die vielerorts gegebenen, oft besonders gestalteten Jahresabschlussgottesdienste. Wenn in der Predigt nicht nur die „statistische“ Seite des Jahres (Zahl der Taufen und Trauungen…, Benennung der Toten des Jahres o.ä.) Thema ist, sondern auch wichtige Themen und Ereignisse in Gemeinde und Gesellschaft noch einmal benannt werden, kann leicht der Gedanke der Ökologie und Nachhaltigkeit ein zentraler Aspekt sein. Z.B. ist ca. 100 Tage nach der Wahl Gelegenheit zu einem Blick auf die sich abzeichnende Entwicklung in der Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme (besonders unter Solidaritätsgedanken!) oder auf Neuerungen / Kontinuitäten und Bewertungen in der Energiepolitik. Der zur Zeit des Verfassens u.a. infolge der Hurrikans stark gestiegene Ölpreis wird voraussichtlich am Jahresende mitten in der Heizperiode immer noch aktuell und wichtiges Gesprächsthema sein. Hier kann gezeigt werden, dass nur ein Umdenken (Priorität für Energieeinsparung, Entwicklung von Technologien abseits von fossilen Brennstoffen) aus dem Dilemma führt, dass die möglichen ökologischen Fortschritte der Verteuerung der Energierohstoffe teuer erkauft sind dadurch, dass gerade die ärmeren Bevölkerungsschichten schwer zu tragende Belastungen auferlegt bekommen.

Bei einem Rückblick im gottesdienstlichen Kontext interessiert natürlich auch die Rolle der Kirchen. Katholischerseits sind im Jahre 2005 zwei herausragende Ereignisse zu vermerken, die auch einen Bezug zur Nachhaltigkeitsthematik haben: Da ist zum einen der Tod Johannes Pauls II. und die Neuwahl von Benedikt XVI. Neben Übereinstimmungen in vielen theologischen und innerkirchlichen Bereichen eint die beiden auch der kritische Blick auf die Entwicklung der (Welt-)Gesellschaft und die deutliche Einforderung von Solidarität. Von beiden war bzw. ist die Kritik am rein kapitalistischen Gesellschaftsmodell zu hören, die Benennung der Gefahr ungezügelter Globalisierung, die Verurteilung von Kriegen mit der Benennung von Gerechtigkeit als einer der wesentlichen Bedingungen für Frieden.

Zum anderen war für die katholische Kirche der Weltjugendtag in Köln ein wichtiges Großereignis. Die Rede von Nachhaltigkeit wurde in diesem Zusammenhang fast inflationär gebraucht, meist im Sinne der Fragestellung „was hat er gebracht und wie wirkt er weiter für die kirchliche Jugendarbeit“. Im engeren Sinne unseres Nachhaltigkeitsverständnisses haben die Tage in Köln aber auch gezeigt, dass jungen Menschen die ökologische und sozial gerechte Zukunftsgestaltung am Herzen liegt und ihnen ein wichtiger Ausdruck ihres Glaubens ist. Hier könnte P besonders auf die zertifizierte ökologische Ausrichtung der Großveranstaltung hinweisen sowie auf den Beitrag der Jugendverbände („global village“ der KLJB, „Magnificat“-Thematik des BdKJ und andere Veranstaltungen mehr von DPSG, CAJ usw.).

Auch unabhängig von diesen (katholischen) Großereignissen lohnt es sich, bei einem Jahresrückblick den Beitrag der Kirchen im Blick auf Nachhaltigkeit zu thematisieren. Unter den Potentialen der Kirche(n) benennt M. Vogt* u.a.: Motivation für Globale Solidarität, Zukunftshoffnung jenseits von Fortschrittsoptimismus, Fähigkeit zur Sinnstiftung und ihrer verhaltensrelevanten Vermittlung. – Was haben die Kirchen in 2005 in diesem Sinne beigetragen? Ist bei ihnen genügend von der Zukunftshoffnung und den Sinnfundamenten zu spüren gewesen oder drehte sich alles um innerkirchliche Strukturdiskussionen und Debatten um eine Beschränkung auf die Kernkompetenzen? Was hat Kirche als „global player“ dazu beigetragen, dass weltweite Solidarität in den Blick kam? – Für die Hörer ist sicher hilfreich, wenn P auch konkrete positive wie negative Beispiele der Kirche vor Ort benennt (s.u.).


Die Perikopen

Weder der evangelische Predigttext noch die von der katholischen Leseordnung vorgesehene (eine) Lesung gibt für unsere Thematik viel her. Als Evangelium ist (katholische Ordnung) der Johannes-Prolog vorgesehen, der auch schon Evangelientext am 1. Weihnachtstag war – deshalb sei darauf verwiesen.


In der Gemeinde

In Bilanz (und Ausblick) sollte sich P auch auf die konkrete Gemeinde beziehen. Hier kann die Gelegenheit genutzt werden, gute Aktivitäten und Ereignisse (sei es der Besuch der Frauengemeinschaft bei einer Arbeitsloseninitiative, die erstmalige Verwendung eines Spülmobils fürs Gemeindefest, das Ergebnis der großen Kollekten bzw. wo vorhanden die Gemeindepatenschaft oder das Sponsoring für sozial bedürftige Kinder bei den Ferienfreizeiten der Gemeinde) als gute Beispiele darzustellen. Ebenso können besondere Desiderate in Sachen Nachhaltigkeit als Ansporn benannt werden.

Thomas Köster, Trier

Literatur
*) Markus Vogt: Religiöse Potentiale für Nachhaltigkeit. Thesen aus der Perspektive katholischer Theologie, in: B. Littig (Hg.): Religion und Nachhaltigkeit. Multidisziplinäre Zugänge und Sichtweisen, Münster 2004, 91-118.

 

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