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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25.12.05 - 1. Weihnachtstag

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

1. Joh 3, 1-6 morgens Jes 62, 11-12
am Tag Jes 52, 7- 10
Tit 3, 4-7
Hebr 1, 1-6
Lk 2, 15-20
Joh 1, 1-18

Stellung im Kirchenjahr

Das Weihnachtsfest und der Versuch von P, Rummel, idyllische Illusionen u.a. Verzerrungen auf den Kern der Botschaft hin zu übersteigen, bieten eine Reihe Anknüpfungspunkte zum Thema Nachhaltigkeit. Wenn Gott in Jesus in die Welt hineinkommt, dann ist die konkrete irdische Wirklichkeit mit allem Reichtum und allen Problemen und Herausforderungen im Blick, denn sie ist von Gott auf Erlösung hin angenommen.

P könnte etwa über den Gedanken des „heruntergekommenen Gottes“ und die Erbärmlichkeit seiner Geburt in einem Stall „am Rande der Welt“ Verbindungen zu den heute Marginalisierten ziehen (wo würde Gott heute Mensch? Wo sind die Ställe und Krippen von heute?) oder, aufgehangen an der Bildrede von Jesus Christus als dem Licht der Welt ergründen, welche Dunkelheiten dieses Licht heute erhellen will und wo wir zu seiner Ausbreitung beitragen können.

-„Gott wird in Jesus Bruder aller.“ Aus diesem Gedanken wären besonders Verbindungen zum Themenfeld sozialer Gerechtigkeit zu ziehen: Wie gehen Menschen miteinander um, die im anderen, besonders im Bedürftigen, Christus erkennen?

Das theologische Motiv vom „wunderbaren Tausch“ (Gott wird Mensch, damit der Mensch wahrhaft Mensch werden und so auch seine Gottebenbildlichkeit verwirklichen kann) kann zu ähnlichen Gedankenverbindungen führen, wobei über das Stichwort Gottebenbildlichkeit auch die Geschöpflichkeit des Menschen, mithin die ökologischen Aspekte deutlicher in den Blick kommen.


Die Perikopen

1 Joh 3,1-6
Die evangelische Perikopenordnung sieht als Predigttext einen Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief vor. Der zentrale Gedanke des Geschenks der Gotteskindschaft (der auch im Johannes-Prolog (Joh 1,12) vorkommt, einem der von der katholischen Leseordnung vorgesehenen Tagestexte) führt in der Argumentation de Briefs von der Gabe zur Aufgabe: In Ihm zu bleiben, d.h. sich zu reinigen, nicht zu sündigen, nicht das Gesetz zu übertreten.

Wenn P Sünde versteht als ein Sich-Absondern von Gott, indem der Mensch seine Stellung in der Schöpfung und in der Gemeinschaft der Menschen missachtet, so liegen die Verbindungen zur Nachhaltigkeit in allen Dimensionen auf der Hand.


Joh 1,1-18
Der Prolog des Johannesevangeliums, im katholischen Lesejahr B „am Tage“ vorgesehen, bietet einen Anknüpfungspunkt über V.12 und den Gedanken der geschenkten Gotteskindschaft (vgl. oben).

Eine weitere Perspektive liegt in der deutlichen Betonung des gnadenhaften Kommens Gottes zu allen und zugunsten aller (bes. V.9 und V.16). - Was heißt es, wenn das wahre Licht jeden Menschen erleuchtet, angesichts der bei uns immer noch zu oft zutreffenden Beschreibung Brechts: Die im Dunkeln sieht man nicht?! Wenn Gott aus seiner Fülle allen mitteilt, gilt offenbar eine gleiche Würde aller. Menschenwürde muss ihre Entsprechung in der Bewahrung und Schaffung menschenwürdiger Verhältnisse finden: Lebensrecht und faire Lebensbedingungen für alle – z.B. die nachkommende Generation, die nicht (mehr) Leistungsfähigen, Menschen in der sogenannten Dritten Welt.


Jes 52,7-10
Die alttestamentliche Lesung aus Deuterojesaja benennt vor dem gedanklichen Hintergrund der Zionswallfahrt die Ankündigung von Frieden als Grund des Jubels. - Die Verbindung zum Weihnachtsfest ist durch die Botschaft der Engel an die Hirten gegeben. Interessant für P wäre, den menschlichen Beitrag zur Schaffung von Frieden, der nie allein Geschenk ist, zu thematisieren: Ökologische Katastrophen, Hunger und (immer stärker:) Wassermangel treiben Menschen nicht nur in die Flucht (auch eine Erfahrung der Heiligen Familie!), sondern sind auch Krisenherde und mögliche Kriegsgründe. Globalisierung und Strukturen des Welthandels haben oft negative Begleiterscheinungen für Menschen „vor Ort“ – hier wäre für P allerdings wichtig, nicht zu global zu sprechen und damit Ohnmachtsgefühle hervorzurufen, sondern auf die konkreten Möglichkeiten des einzelnen wie fairer bzw. regionaler Einkauf, ethische Geldanlage o.ä. hinzuweisen.


Hebr 1,1-6
Die neutestamtliche Lesung aus dem Hebräerbrief stellt Jesus Christus, den Sohn Gottes, ins Zentrum als den, der das All trägt und als sein Erbe eingesetzt ist. - Auch hier können Gedanken der Nachhaltigkeit angeschlossen werden: Die in Gen 1 aufgetragene Herrschaft des Menschen über die Schöpfung ist so wahrzunehmen, dass das Erbe, das der Herrscher des Alls antritt, bewahrt bleibt, für nachkommende Menschen-Generationen und weit über den Blickwinkel des Menschen hinaus. Christus trägt das All (V.3) – das rückt zurecht: Die Schöpfung ist nicht die Um-Welt, gruppiert um das Zentrum Mensch, sondern das Geschöpf Mensch und seine Mit-Welt sind zusammen die Schöpfung. - Dass ausgerechnet das Kind in der Krippe das All erbt (so die Botschaft, wenn die Perikope am Weihnachtsfest gelesen wird) hat auch eine herrschaftskritische Dimension gegenüber unseren Herrschaftsstrukturen (z.B. dem alles beherrschenden Wirtschaftssystem).

Während also von den Texten der katholischen Leseordnung „zum Tage“ verschiedene Bezüge herstellbar sind zu Gedanken der Nachhaltigkeit, bieten die morgendlichen Texte (vom sogenannten „Hirtenamt“) kaum Anknüpfungspunkte; hier müsste man auf die o.g. allgemeinen Aspekte des Weihnachtsfestes zurückgreifen.

In der Gemeinde

Gott hat mit der Inkarnation seines Sohnes die Welt, so wie sie ist, angenommen. Über die gesellschaftlichen Bezüge hinaus, die in den allgemeinen Überlegungen zu Anknüpfungspunkten der Nachhaltigkeitsthematik am Weihnachtsfest angedeutet sind, wäre für P denkbar und für die Hörer sicher reizvoll zu beleuchten, was solche Zustände in der Gemeinde derzeit sind, die Gott annimmt / annehmen muss, wenn er auch heute bei uns zur Welt kommen will: Das von vielen Seiten als notwendig angesehene Projekt des Umbaus der Sozialsysteme (Stichwort: Eigeninitiative) lässt in der Folge eine, wenn auch nicht gewollte, schleichende Entsolidarisierung der Menschen befürchten. Wie sieht es z.B. in der Gemeinde aus mit Räumen für Arbeitslose, Besuchsdiensten für Zugezogene oder Alte, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder Alleinerziehender? Oder: Welche realen oder Herzens-Räume für Kinder sind in unserer Gemeinde offen bzw. verschlossen: Positiv wäre z.B. auf das bald wieder aktuelle Engagement von Kindern für Kinder in der Sternsingeraktion hinzuweisen; aber möglicherweise gibt es auch Negativerfahrungen: Raumverbot für eine unbequeme Jugendgruppe, Desinteresse an einem Abend über Aids-Waisen in Afrika o.ä.

An Weihnachten sollte P die Bedeutungsfülle und –schwere des Festes bedenken und Aspekte der Nachhaltigkeit dosiert einbringen, jedenfalls Acht geben, dass moralische Akzente nicht überstrapaziert werden.

Besonders organisch können die Zusammenhänge eingebracht werden, wenn sie von anderen Elementen im Weihnachtsgeschehen der Gemeinde unterstützt werden: Z.B. gibt es in einigen Gemeinden die Tradition, an diesem Fest (Lebensmittel-)Gaben zugunsten Bedürftiger zur Gabenbereitung vor der Krippe zu sammeln, so dass die Dimension sozialer (Un-)Gerechtigkeit auch sinnfällig wird. Interessant könnten auch experimentelle Gestaltungen der Krippenlandschaft sein, die ökologische oder soziale Themen (Armut, Generationen gemeinsam unterwegs zur Krippe...) ins Bild setzen.

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