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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24.12.05 - Heilige Nacht 

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 7, 10-14 Jes 9, 1-6 Tit 2, 11-14 Lk 2, 1-14

Exegetische Überlegungen

evangelischer Predigttext: Jes 7, 10-14

Ahas (König von Juda) wird von Efraim und seinen Verbündeten belagert und befindet sich in einer ausweglosen Situation. Der Krieg scheint für Jerusalem und Ahas verloren.

Ahas steht vor der Wahl: Soll er Gott um Hilfe bitten in diesem Kampf oder soll er sich auf seine Verbündeten verlassen. Ahas lehnt die Hilfe Gottes ab. Und seine Begründung klingt fromm. Er kennt die Tora, das Gesetz des Volkes gut und will Gott nicht auf die Probe stellen, wie es Dtn 6, 16 vorschreibt: „Ihr sollt Jahwe, euren Gott, nicht versuchen.“ Und so sagt er: „Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.“ Jesaja als Prophet Gottes reagiert schroff und wütend auf diese fromme Ablehnung: „Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müßt ihr auch noch meinen Gott belästigen?“

Jesaja erkennt, was hinter der frommen Antwort des Königs steckt. In der Antwort des Königs decken sich Frömmigkeit und Unglaube! Er vertraut nicht auf die Hilfe Gottes, dessen eindeutiger Wille es ist, Jerusalem zu retten, und tarnt seinen Unglauben mit einer frommen Antwort. Ahas hat einen eigenen Plan ausgearbeitet. Er weiß, wie er sich gegen seine Feinde behaupten kann. Ahas vertraut lieber menschlicher Macht. Die nämlich kann er berechnen. Seine Antwort ist daher keineswegs fromm, sondern hochmütig. Er versteckt seinen Egoismus hinter der Tradition und der vom Gesetz vorgeschriebenen Frömmigkeit: „Du sollst Jahwe, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“

Jahwes Geduld mit dem König ist erschöpft. „Genügt es euch nicht Menschen zu belästigen. Müßt ihr auch noch Gott belästigen?“ „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ heißt es in Vers 9. Jahwe ist nur noch der Gott derer, die auf ihn vertrauen und an ihn glauben.

„Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“ (7, 14)

An diesen Abschnitt knüpfen sich viele Erwartungen. Die Ankündigung der Geburt eines Kindes wird in unserer christlichen Tradition immer mit der Geburt Christi in Zusammenhang gebracht und sehr positiv gedeutet. Die Ankündigung der Geburt eines Kindes ist auch unleugbar positiv. Der Name des Kindes „Immanuel“ - Gott mit uns - ist eine positive und tröstliche Zusage. Er klingt wie die Verheißung neuen und heilvollen Lebens in der Gemeinschaft mit Gott. Eine solche Heilszusage können wir alle gebrauchen.

Doch dieser kleine Abschnitt ist in erster Linie nicht die Ankündigung des Heils, sondern des Gerichts. Ahas lehnt es ab, Gott um ein Zeichen zu bitten. Er tut dies mit einer sehr fromm klingenden Begründung. Doch Gott reagiert auf den Hochmut, der dahinter steckt, mit Zorn. Ahas hat nun keinerlei Wahlmöglichkeit mehr. Die Zeit, das Angebot Gottes anzunehmen und die Weise seines Eingreifens selbst auszuwählen, ist endgültig vorbei. Gott handelt nun wie er will. Weil du meine Hilfe ablehnst und nur auf deine eigenen Pläne vertraust, wird ein Kind geboren werden. Es wird ein Kind des Heiles sein - Gott mit uns - doch dieses Heil, das kommen wird, wird das Gericht für die bedeuten, die sich von Jahwe abgewandt haben. Gott wird das Heil kommen lassen, auch wenn die Menschen lieber auf ihre eigene Kraft vertrauen. Das Heil für die einen wird so zum Gericht für die anderen.

So erhält der Name des Kindes „Gott mit uns“ eine doppelte Bedeutung. Gott ist mit uns, weil er uns das Heil bringen wird. Und: da sei Gott mit uns, wenn dieser Tag kommt.

Die Stunde der Entscheidung ist jederzeit aktuell, auch für uns: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“

 

kath. 1. Lesung: Jes 9, 1-6

Die Worte der Lesung richten sich an die nördlichen Stämme Israels, die zur Zeit des Propheten Jesaja (Jesaja wirkte von 739 - 697 als Prophet) von den Assyrern unterworfen worden waren.

Wir können heute, in unserer Zeit in dieser Hl. Nacht, an all die Menschen und Völker denken, bei denen Krieg herrscht; Hunger und Vertreibungen die Menschen bedrohen.

Der Abschnitt lebt im ersten Teil von dem Gegensatz Dunkel und Licht. Finsternis und Dunkelheit stehen für Unheil, Unterdrückung, Krieg, Krankheit, Schuld und Tod. Licht und Helligkeit sind Zeichen für alles, was die Dunkelheit vertreibt: Licht ist Leben. Wo das Licht aufstrahlt, gibt es keine Angst, Unterdrückung endet, und Friede und Freiheit breiten sich aus.

Das Licht hat eine Ursache: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.“ Ein Thronfolger aus dem Geschlecht Davids ist geboren. Er schenkt den Stämmen Israels neue Hoffnung und Zukunft.

Bedeutungsvolle Namen sind es, die dem Neugeborenen zugesprochen werden: Er ist „Wunderbarer Ratgeber“, „Starker Gott“, „Vater in Ewigkeit“, „Fürst des Friedens“.

Der Titel „Fürst des Friedens“ ist wohl der wichtigste, denn Jesaja führt weiter aus: „der Friede hat kein Ende“. Frieden im biblischen Sinn bedeutet mehr als einen politischen Zustand ohne Krieg. Frieden - schalom - bezeichnet die umfassende heilvolle Ordnung der Welt, wie Gott sie geschaffen hat und von der er sagt: „Es war sehr gut“ (Gen 1, 31). Gemeint sind wahrhaft paradiesische Zustände, dass alle Menschen so miteinander leben, wie es sein soll, dass gegenseitiges Wohlwollen und Wohlergehen für jeden Menschen die Welt erfüllen. Im Alten Orient sind die Könige (die Herrschenden) dafür verantwortlich, dass die für alle Menschen heilvolle Welt bewahrt bleibt und dass die heilvolle Ordnung der Welt dort, wo Menschen diese Ordnung gestört oder zerstört haben, wieder hergestellt wird.

Das göttliche Kind wird die Ordnung der guten Schöpfung wieder herstellen. Der Fürst des Friedens wird den Menschen das zurückbringen, was sie durch ihr eigenes Fehlverhalten verspielt haben.

 

kath. Evangelium: Lk 2, 1-14

Das Weihnachtsevangelium ist zweigeteilt. Den Höhepunkt dieses Abschnittes bildet die Botschaft der Engel an die Hirten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.“

Die Verse 1 - 7 schildern die düsteren, armseligen Umstände der Geburt Jesu. Die Verse 8 - 14 erstrahlen im Glanz der Botschaft der Engel. Inmitten der Armseligkeit menschlicher Lebensumstände erstrahlt das Heil der Welt und verwandelt das Leben der Menschen.

Damit führt das Weihnachtevangelium die Botschaft der ersten Lesung weiter. Das Kind, das Jesaja ankündigt, ist das Kind, dessen Geburt wir heute feiern: Jesus von Nazaret. Mit der Geburt Jesu ist der Friede in unsere Welt gekommen.

 

Gerechtigkeit und Frieden / Assoziationen:

Die Texte der Heiligen Nacht sprechen vom Geschenk des Friedens.

Im evangelischen Predigttext wird die Geburt eines Kindes angekündigt (angedroht?), das das Heil für die Völker bringen wird, gegen den Hochmut des Menschen, der alles selbst machen will, glaubt, alles im Griff zu haben, meint, alles selbst regeln zu können, und aus dieser Haltung heraus Gottes Geschenk des Friedens ablehnt.

Die erste Lesung in der katholischen Leseordnung spricht von diesem Kind als dem Fürst des Friedens, dessen Friede kein Ende hat, der sein Reich festigt durch Recht und Gerechtigkeit, nicht durch Unterdrückung und Gewalt. Der die heilvolle Schöpfung wieder herstellt, die der Mensch zerstört hat.

Frieden, das bedeutet mehr als die Abwesenheit und Verhinderung von Krieg. Eine Botschaft von Weihnachten lautet, dass der Friede Gestalt annehmen soll: Gerechtigkeit für alle Menschen. Das Bemühen um das Recht auf Wohnung und Heimat, auf Arbeit und Gesundheit, auf freie Ausübung der Religion, auf Gewissensfreiheit und freie Meinungsäußerung, auf Freiheit und Menschenwürde gibt dem Frieden ein Gesicht.

Das Evangelium in den katholischen Kirchen ist die Geschichte der Geburt Jesu. Der Höhepunkt dieses Evangeliums ist die Botschaft der Engel an die Hirten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2, 14). Die Botschaft ist zweiteilig. Das Erste ist die Verherrlichung Gottes, das Zweite der Friede auf Erden. Ohne Gott gibt es keinen wahren Frieden. Friede auf Erden hat die Verherrlichung Gottes als Voraussetzung. Gott verherrlichen kann bedeuten, sein Geschenk an uns annehmen. Gott macht sich klein. Er wird ein Kind, hilflos wie jedes Kind. Gott macht sich klein, wird ein Mensch wie wir. Gott macht sich klein, wird Diener der Menschen. Gottes Geschenk annehmen heißt, ein Mensch zu werden wie er.

Gott wird Mensch,
das hat Folgen,
das bringt alles in Bewegung,
das eröffnet Möglichkeiten,
das macht betroffen.

Gott wird Mensch,
damit wird man sich auseinander setzen müssen,
damit wird man leben dürfen,
damit sieht alles anders aus.

Gott wird Mensch,
für die Verlorenen,
für die Verfolgten,
für die Verachteten,
für...

Gott wird Mensch,
und alle Welt könnte sich freuen,
und jedermann könnte aufatmen,
und niemand müßte abseits stehen.

Gott wird Mensch,
in unseren Zeiten,
in der heutigen Situation,
in einer Welt, die nur eines braucht:

Gott wird Mensch,
und der Mensch wird Mensch.

(Autor unbekannt)

Der Widerspruch zwischen der Friedensbotschaft der Engel und den tatsächlichen Lebensumständen in unserer Welt, auch in unserem Land (auch wenn wir in bevorzugten Gegenden dieser Welt leben, herrschen bei uns noch lange keine Zustände, in denen es allen Menschen wohl ergeht), ist wichtig. Dieser Widerspruch zeigt, dass Gott den Zustand unserer Welt nicht einfach hinnimmt. Dieser Widerspruch verweist auch auf den Auftrag, den Christen in unserer Welt haben, nämlich Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Leid, Krankheit etc. nicht einfach hinzunehmen, sondern Widerspruch anzumelden.

Und es gehört zur Botschaft von Weihnachten dazu, dass Menschen, die überall auf dieser Welt gegen den Unfrieden (wie er im Einzelnen auch aussehen mag) aufstehen, einen Verbündeten haben. Weihnachten, die Geburt Jesu, kann man auch als Kampfansage Gottes verstehen gegen all die, die Menschen Unheil zufügen, Hass und Gewalt verbreiten, Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen.

 

Predigtthema

Das Weihnachtsfest ist ein in höchstem Maße emotionales Fest. In der Familie, in den Weihnachtslieder, im Fernsehen, in politischen Reden werden Friede und Freude beschworen, und ich habe den Eindruck, dass an Weihnachten, dem Fest der Freude und des Friedens, Streitigkeiten, Einsamkeit und Ängst eher unter der Decke gehalten werden. Doch gerade an einem solchen Fest, wo in diesem Maße von Freude und Harmonie die Rede ist, brechen bei vielen Menschen gegensätzliche Erfahrungen durch. Viele fühlen sich in diesen Tagen einsamer, zerstrittener, unharmonischer als sonst. Manchen fallen gerade in diesen Tagen die Katastrophenmeldungen in den Nachrichten besonders auf. Ich denke, dass die Predigt diese emotionale Situation der Menschen, die zum Gottesdienst kommen, wahrnehmen muss.

Die Bibeltexte der Heiligen Nacht lassen dies zu. In ihnen werden die dunklen Lebenserfahrungen (Krieg, Hoffnungslosigkeit, Armut und Verfolgung) genauso angesprochen wie die trostreiche Botschaft, dass Gott sich den Menschen in ihren Nöten zuwendet und zu ihnen steht. Ja, dass er gegen den Unfrieden in der Welt aufsteht.

Dr. Sabine Gahler

 

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