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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18.12.05 – 4. Advent

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

2. Kor 1, 18-22 2  Sam 7, 1-5.8b-12.14a.16 Röm 16, 25-27 Lk 1, 26-38


Stellung im Kirchenjahr

Auch wenn in diesem Jahr der 4. Advent noch so weit vom Weihnachtsfest entfernt ist wie rechnerisch möglich, ist der Sonntag doch schon bestimmt von der nahenden Erfüllung des Wartens dieser Adventszeit. Die Texte des Sonntags sind auch schon nicht mehr von apokalyptischen Bildern oder den klassischen Figuren des Advents geprägt (wie an den ersten drei Adventssonntagen), sondern haben die Verheißungen Gottes zum Thema. Die Rede von der Größe der Verheißungen Gottes atmet eine Weite, die helfen kann, auch Themen der Agenda 21 einzubringen ohne moralische Verengung. Denn die Aufgaben, die sich für die Gesellschaft im Sinne der Nachhaltigkeit bieten, lassen sich als Zielformulierungen mit den Verheißungen Gottes in Verbindung bringen.

Die Perikopen

2 Kor 1, 18-22
Im Paulustext, den die evangelische Leseordnung als Predigttext vorsieht, ist das zentrale Bekenntnis: „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm (Christus) das Ja“ (Luthertext; Einheitsübersetzung: „Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat“). Unter den Verheißungen Gottes kann ganz weit z.B. die Verheißung aus dem Noachitischen Bund („nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben“ – die Erneuerung der Bejahung der ganzen Schöpfungswirklichkeit durch Gott) gemeint sein; näherhin wäre aber besonders an die Messiasverheißungen zu denken, die Christen im Kommen Jesu erfüllt sehen.

2 Sam 7, 1-5.8b-12.14a.16
Damit spannt sich der Bogen zu 2 Sam 7, denn im katholischen Lesejahr B sind Ausschnitte aus der Verheißung an David als alttestamentliche Lesung vorgesehen, auf die die Evangelien mit der zentralen Bezeichnung Jesu als „Sohn Davids“ deutlich Bezug nehmen. Die Verheißungen an den König und sein Volk sind vielfältig und überreich: sicher zu wohnen, nicht mehr unterdrückt zu werden, Ruhe vor den Feinden und den ewigen Bestand des (Herrscher-)Hauses und des Königtums garantiert zu haben. Die konkrete Ausgestaltung der Verheißung ist deutlich im Kontext der bedrohten Situation des kleinen Volkes Israel in der Bedrohung zwischen den es umgebenden Großmächten zu sehen.

Damit liegt nahe, auch auf unsere heutige Gesellschaft zu schauen und ihre Bedrohungen und Problemlagen. In welche Richtung würden heute Verheißungen Gottes gehen? Aus der Botschaft Jesu vom Reich Gottes wird ganz deutlich, dass es jedenfalls nicht um Exklusiv-Verheißungen an eine Gruppe (z.B. von Kirchentreuen) geht. Die Verheißungen Gottes gelten allen, damit sie das Leben in Fülle haben (Joh 10,10). Hier kommen Ziele von Nachhaltigkeit in den Blick: so leben, dass nicht die eine (Schicht, Nation, Generation ...) auf Kosten der anderen lebt.


Lk 1, 26-38
Der Evangelientext der katholischen Leseordnung bringt noch ausdrücklich den Gedanken ins Spiel, wie das Ja Gottes das Ja des Menschen einwirbt und einbaut in den eigenen Heilsplan. Jesus, der Sohn Davids und die Fleisch gewordene Rettung Gottes, kommt zur Welt, weil Maria bereit ist, den Verheißungen Gottes zu trauen und ihren Beitrag zu leisten.


Nachhaltigkeitsbezug konkret

Oft wird die Adventszeit in den Gemeinden durch ein durchgängig verwendetes Motiv geprägt („Bereitet dem Herrn den Weg“, „Licht“, „Engel“...). Die Texte des Tages mit ihren Assoziationen zum Themenbereich Nachhaltigkeit sind in verschiedener Weise daran anschlussfähig. Entscheidend wird sein, als P für aktuelle Beispiele und ein Herunterbrechen des Themas nachhaltige Entwicklung auf eine konkrete Ebene zu sorgen. Dazu sollte Rückgriff auf aktuelle gesellschaftspolitisch diskutierte Themen genommen werden (Arbeit, Gesundheit, Rente, Ökosteuern o.ä.); vielleicht gibt es auch vor Ort Initiativen zur Lokalen Agenda 21, deren Schwerpunktthemen aufgegriffen werden können, weil sie eh diskutiert werden.

In Verbindung mit dem o.g. zentralen Gedanken der Verheißungen Gottes könnte z.B. hypothetisch gesagt werden: Eine Verheißung, wie damals an David, könnte heute an uns heißen: Ich werde euch Frieden verschaffen. Frieden ist aber auch Tat-Sache, so dass die Verheißung konkret auch beinhaltete: Ich werde euch Einsicht verschaffen, dass ihr Ursachen von Konflikten und Kriegen wie eine extreme Ungleichverteilung lebenswichtiger Ressourcen abbaut, dass ihr Armut wirksam bekämpfen müsst, dass ihr Fantasie entwickelt, statt Militär zivile Friedensdienste zu schulen.

Eine weitere Verheißung Gottes an uns könnte sein: Ich werde euch ein Leben in Anerkennung und Würde verschaffen. In Verbindung mit dem Nachhaltigkeitsthema Generationengerechtigkeit könnte P darauf hinweisen, dass eine Diskussion um das Rentensystem allein unter der Überschrift „Lebensstandard sichern“ zu kurz greift. Zur Würde alter Menschen gehört auch, gesehen zu werden, in guten menschlichen Kontakten zu leben, nicht in Vereinsamung zu verbittern. Damit verweist der Anspruch nachhaltigen Lebensstils wieder direkt auf den unmittelbaren Lebenszusammenhang in Gemeinde und eigenem Lebensumfeld.

Bei aller Übertragung der „Verheißungen Gottes“ in unsere Zeit muss sich P bewusst bleiben, dass eine Verheißung Gottes nicht einfach zusammenfällt mit unseren Wünschen für uns und die Welt, sondern dazu immer in einer Spannung bleibt.

Thomas Köster, Trier

 

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