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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

4.12.05 – 2. Advent

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 63, 15-16.(17-19a).19b;64, 1-3*

Jes 40, 1-5.9-11

2 Petr 3, 8-14

Mk 1, 1-8


2. Lesung = 2. Petr. 3, 8-14

Gegen die unsichere Fragehaltung, ob die Erwartung der Wiederkunft Christi noch angemessen sei, setzt der 2. Petrusbrief die Gewissheit über das Kommen des Herrn.

Freilich dient die Auflistung der heilsgeschichtlichen Erinnerung einem paränetischen Zweck, der Aufrechterhaltung moralischer Rechtschaffenheit. Der jüngste Tag wird als Straf-Katastrophe erwartet. Es kracht und donnert und die Materie schmilzt.

Das Kennzeichen eines neuen Himmels und einer neuen Erde ist, dass in ihnen Gerechtigkeit wohnen wird. Wohlgemerkt: nicht von Menschen herbeigeführt, sondern verheißen. Die angespannte Erwartung lässt jedoch Verhaltensweisen annehmen, die dieser Verheißung analog sind.

Gebt euch äußerste Mühe, untadeligen Lebenswandel zu praktizieren, im Frieden lebend vorgefunden.

Die Strafszenerie ist mir eher fremd.

Aber aus Einsicht so zu leben, wie es der Signatur von Gottes Zukunft entspricht, das gefällt mir. Das Kriterium Gerechtigkeit für eine christliche Weltgestaltung ist der nachhaltigste Wert, der sich denken lässt. Gerechtigkeit- eine konkrete Utopie in vielerlei Hinsicht:

Soziale Gerechtigkeit meint Chancengleichheit. Gerade, weil wir Menschen so verschieden sind, müssen Unterschiede respektiert werden; sie dürfen aber nicht dazu führen, dass ein Mensch nicht wachsen und reifen darf. Gerechtigkeit im Sinne sozialer Chancen heißt nicht Umverteilung der angesammelten Schätze auf alle, sondern dass Stärkere (auch Einkommens- und Vermögensstärkere) mehr tragen müssen als Schwächere. Das war der Kerngedanke der "sozialen" Marktwirtschaft, bei der der Staat (über die Steuer) regulierend für den Schutz der Schwächeren und ihre Entwicklungschancen sorgt.

Internationale Gerechtigkeit kann nur als weltweite Solidarität gedacht werden.Nicht die Länder des Südens auf unser global bedrohliches Zvilisationsniveau zu heben und damit den Verbrauch von Energie und Naturgütern ins Unermeßliche zu steigern, ist die Herausforderung, sondern vielmehr auf die Stimmen aus der südlichen Ökumene zu hören und spezifische, selbst gewählte Entwicklungschancen zu ermöglichen.Das bedeutet zugleich, von einem nicht-nachhaltigen Lebensstil Abschied zu nehmen, verfehlte Konsumgewohnheiten hinter sich zu lassen und weltweit tragfähige, übertragbare Muster zu entwickeln. Also keine Energieverschwendung, keine Konsumsteigerung, sondern Wertschätzung für menschliche Leistung (Beispiel Fairer Handel) und genügsamen Lebensstil (Vom Viel-Haben zum Gut-Leben).

Intergenerative Gerechtigkeit schließlich meint Enkelverträglichkeit.Wie sollen unsere Nachkommen die Welt erleben? Wird es schöne Landschaften noch geben, Ruhe ohne Lärm, Dunkelheit in der Nacht, Atemluft ohne Maske? Sollen sie sich an Orkane gewöhnen und auf flache Inseln im Pazifik zynisch verzichten? Wie wird in der nächsten Generation Erwerbsarbeit verteilt, wie werden Gesundheitskosten und Renten aufgebracht? Zum ersten Mal seit 50 Jahren erleben wir jetzt, dass die Wachstumskurve des Bruttoinlandproduktes so zurückgegangen ist, dass wir auf andere Verteilungsmuster knapper Potenziale kommen müssen.

 

Evangelien: Mk 1, 1-8

War Johannes der Täufer der erste Öko-Typ? Seine Sandalen scheint die Firma Birkenstock als Ausgangsmodell genommen zu haben. Wallende Gewänder, naturbelassene Frisuren, Rohkost aus der Wildnis - das hatten wir als Versuche auch in der Ökobewegung.

Für Johannes, den echten Alternativen, sind dies Kennzeichen radikaler Umkehr: der Zivilisation total entzogen, mit einer umgeschlungenen kratzigen Pferdedecke bekleidet, trotzt er dem unbußfertigen Trott seiner Zeitgenossen. Worum es ihm aber intentional geht, das ist Predigt der Buße und Taufe als Zeichen des Abwaschens.

Seine Legitimation bezieht er aus den Bußrufen der Propheten. Die Redaktion des Evangeliums lässt ihn auf den kommenden Christus verweisen, der sich im selben Kapitel von ihm taufen lässt.

Die Adventszeit ist die Zeit, das Kommen Gottes im Kinde vorzubereiten: also Bußfertigkeit, Innehalten, Fasten, um hernach Gottes Inkarnation als Fest zu feiern.

Es liegt nahe, in einer Predigt Anti-Konsum-Parolen zu verbreiten und zu begründen. Die Haltung des "Genug" ist aber nicht durch Predigen zu erreichen; die Haltung gespannter Erwartung sehr wohl.

Und mit vollen Händen auf Gott zu warten, funktioniert nicht.

Wilhelm Wegner, Frankfurt

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