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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

27.11.05 – 1. Advent

ev. Reihe IV

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Offb 5, 1-5.(6-14)

Jes 63, 16b-17.19b; 64, 3-7

1  Kor 1, 3-9

Mk 13, 24-37

 

Stellung im Kirchenjahr

Der Markus-Text steht am Beginn des Kirchenjahres und fügt sich so ein in die dramatische Szenerie prophetischer Warnungen, die die adventlichen Texte durchziehen.

Exegetische Hinweise

Der Text gehört zur großen eschatologischen Mahnrede Jesu (Mk 13), die auf die Schilderung des Wirkens Jesu in Jerusalem folgt. Den Anschluß bildet Kap. 14 mit Jesu Leiden, Tod und Auferstehung. Diese Rede klingt wie das Vermächtnis des Lehrers an seine (ausgewählten) Schüler. Aber sie ist mehr: hier wird die Offenbarung des Menschensohnes bei seiner Wiederkunft in Verbindung mit dem Messiasgeheimnis gesehen. Wichtig für das Evangelium ist, dass die Rede vor der Passion steht und so den Blick weit über das irdische Wirken Jesu hinaus lenkt. Sie öffnet ihn für die Zukunft, sogar das Ende der gesamten Geschichte und des Kosmos.

Die Gattung der Apokalypse – hier ist der älteste neutestamentliche Niederschlag zu finden – entstand im 3. und 2. Jh. V. Chr., als Israel brutalsten politischen Verfolgungen unterlag. Die Apokalyptiker hielten an der Hoffnung fest, dass Gott gegen alles Unheil Rettung herbeiführen wird. Sie wollen jedoch keinen „Fahrplan“ der Endereignisse darstellen, anhand dessen sich Berechnungen über den Zeitpunkt des Weltuntergangs anstellen ließen. Es geht um eine theologische Deutung der Geschichte.

Der Text warnt geradezu vor eschatologischen Rettergestalten, vor Lügenpropheten, kündigt Kriege und Aufstände an, aber die Christen sollen angesichts des nahen Endes geduldig ausharren, sich nicht verführen und anfechten lassen. Dann werden sie gerettet werden.

Die aufgezählten Ereignisse, seien sie noch so unheilvoll, bedeuten nicht das Ende. Die Gottesherrschaft ist nahegekommen, aber noch nicht eingetroffen.


Ökologische Relevanz

Die Frage nach dem Wann der Wiederkunft des Menschensohnes wird durch ein kleines Gleichnis beantwortet: beim Feigenbaum ist sein Blätteransatz ein untrügliches Zeichen für den nahen Sommer. In Palästina wirft der Feigenbaum im Winter sein Laub ab (im Gegensatz zu anderen, immer grünen Bäumen). Die Zeitspanne zwischen Winter und Sommer, also der Frühling, ist sehr kurz.

Übertragen heißt das also: Die „Zeichen der Zeit“ (2. Vatikanisches Konzil) erkennen. Hier gibt es eine eigentümliche Spannung: Mk warnt sehr deutlich vor falschen Propheten und vor Verängstigung durch die Schrecknisse der Gegenwart. Aber er ermahnt auch zur Wachsamkeit.

Liegt es nicht nahe, die gegenwärtigen Krisenphänomene (alle paar Jahre „Jahrhunderthochwasser“, Waldsterben, Klimakollaps, Genmanipulation etc.) als Zeichen der Endzeit zu sehen? Die „Zeichen der Zeit“ wahrnehmen: seien es soziale und politische Umwälzungen, sei es die ökologische Bedrohung. Die dramatische Entwicklung der letzten Jahre, die geprägt von Umweltkatastrophen, uns alle ins Nachdenken gebracht hat, sei es die klare Erkenntnis, dass die Energiereserven endlich sind, dass Kriege um den Zugang zu Ressourcen möglich werden usw.

Mk würde davor warnen, dies über zu betonen. Angst und Resignation verhindern das fast Unvermeidliche nicht. Für Mk ist die Konsequenz entscheidend: weiterhin Hoffen, sozusagen wider alle Hoffnung, weil unser Gott das Leben will und weil er in Jesus die Welt erlöst hat. Die apk. Texte der Bibel sind Durchhalte- und Trostschriften, sie nehmen die Katastrophen als gottgegeben und unvermeidlich hin. Daraus soll den Gläubigen auch Vertrauen auf eine gottgegebene bessere Zukunft erwachsen.

Er fordert aber auch: Wachsam sein.

- wachsam sein: heißt sich auf Veränderungen einzustellen, Alternativen anzugehen und umzusetzen.

Hier könnte P ansetzen: „Seid wachsam“ will den Blick über die Katastrophe hinaus erheben. Es ist ein Ruf zur Wachsamkeit ohne Panik, aber mit Engagement die Krisenphänomene sehen und entsprechend „anders leben, damit andere überleben“.

Wir können über Alternativen nachdenken, das Heute sozusagen „übersteigen“ im Vertrauen auf die bleibende Zusage Gottes.


In der Gemeinde

Man könnte in einer Gruppe den Text gemeinsam lesen und im Austausch die heutigen „Zeichen der Zeit“ zu erkennen versuchen. Mit dem Vertrauen auf Gottes Hilfe ließen sich viele Initiativen starten für eine Änderung im Kleinen gemäss dem Motto „global denken – lokal handeln“. Beispiele: den Fairen Handel unterstützen durch persönlichen Konsum oder als Arbeitskreis den Verkauf von fair gehandelten Produkten betreiben. überprüfen, ob die Nutzung gemeindeeigener verpachteter Grundstücke nach ökologischen Kriterien erfolgt. Alle Beleuchtungskörper mit Energiesparlampen ausstatten. Oder bei der Initiative „Aufbruch - anders besser leben“ mitmachen (www.anders-besser-leben.de).

Gemäss dem Luther-Wort: „und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Weltuntergangsstimmung und –prognosen verfehlen den Tenor der markinischen Rede, die zur Wachsamkeit und Zuversicht und damit auch zur christlichen Sendung ermutigen will (VV. 33-37).

Alois Bauer, Mainz


Quellen:

J. Gnilka, Das Evangelium nach Mk, Neukirchen-Vluyn 1979
Bibelauslegung für die Praxis: Markus –die nahe gekommene Gottesherrschaft, Stuttgart 1987

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