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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Widersprüche der technischen und ökonomischen Entwicklung

Ob im Berufsleben, im Freizeitbereich oder im Haushalt: Immer neue wissenschaftliche und technologische Entwicklungen erleichtern uns das Leben und ermöglichen uns eine Fülle immer differenzierterer Tätigkeiten, die man noch vor einer Generation für völlig undenkbar gehalten hätte. Nicht zuletzt den Naturwissenschaften ist es zu verdanken, dass sich das globale jährliche Bruttosozialprodukt seit 1900 auf derzeit 20000 Milliarden Dollar verhundertfachte.

Doch dieser triumphale Erfolg, der auf dem Bündnis zwischen Kapital und Technik beruhte, erscheint vielen Kritikern im Rückblick als teuer erkauft. Auf dem Weg von der Dampfmaschine zum Atomkraftwerk sind in ihren Augen die Menschheitsprobleme immer größer geworden, hat sich der Fortschritt in schwer lösbare Widersprüche verwickelt. Trotz des Wohlstandes in den Industrieländern wuchs die Zahl der Armen in den letzten 20 Jahren um 40 Prozent, sterben in der Dritten Welt jede Woche Hunderttausende von Kindern an Mangelkrankheiten, die mit einfachsten ärztlichen Mitteln heilbar wären. Und ökologische Katastrophen wie das Waldsterben oder das Ozonloch kann man wohl wissenschaftlich korrekt voraussagen, bis jetzt aber nicht verhindern.

Der Publizist Jürgen Dahl geht mit der Wissenschaft hart ins Gericht: Mit allem, was wir angefangen haben, sind wir in die Absurdität des Gegenteils geraten: Mit dem Versuch, die Äcker  fruchtbarer zu machen, haben wir sie fast zu Tode gefoltert. Mit dem Versuch, uns vor Feinden zu schützen, sind wir so nah wie möglich an den großen Weltbrand gekommen. Der Versuch, zu heilen und zu helfen, gerät auf die unterschiedlichste Weise an die Grenzen der Unmenschlichkeit. Wenn es für die Wissenschaftler noch etwas zu tun gibt, dann eben dies: dass sie anfangen, darüber nachzudenken, wie man aufhören könnte. Doch die Forscher denken nicht daran, ihr Schaffensdrang ist ungebrochen. Ihr Argument: Die Menschheitsübel, vor allem auch jene, die ernst durch den Fortschritt verursacht wurden, seien nur durch mehr, nicht durch weniger Wissenschaft zu lösen. Auch wenn die Feuerwehr den Brand selbst gelegt habe, könne man zum Löschen nicht auf sie verzichten.

(nach K. Franke,Die Welt wird zum Labor, in SPIEGEL SPEZIAL Nr.4/93)

 

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