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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Monique Schweicher-Reis

Gleichstellungskommission der Gemeinde Beckerich

 

Innovative Chancengleichheit in der Gemeinde Beckerich

 

 

Meine Damen, meine Herren,
Im Namen der Chancengleichheitskommission der Gemeinde Beckerich und in Vertretung unserer Präsidentin Marie-Paule Schott, habe ich, als Sekretärin, die Ehre Ihnen unsere Arbeiten und Ziele von 8 Jahren zu beschreiben.

Die Gemeinde Beckerich besteht aus 8 Dörfern. In den letzten Jahren hat die Zahl der Bevölkerung stark zugenommen und zählt momentan etwa 2.100 Einwohner.

Immer mehr Frauen bleiben auch nach der Geburt ihrer Kinder berufstätig. Waren es 1995 noch  43 %  so sind es heute 58 %.

Im Jahre 1995 hat der Gemeinderat Beckerich die erste Gleichheitskommission geschaffen. Spontan meldeten sich 10 Einwohnerinnen um, zusammen mit der Gleichheitsdelegierten, ein Konzept zur Umsetzung einer Chancengleichheitspolitik auszuarbeiten.

Unsere gemeinsamen Ziele waren unter anderem:

·        eine Bestandsaufnahme über die Lage der Frauen und Männer in der Gemeinde

·        den Frauen die Möglichkeit zu bieten Familie und Beruf besser miteinander zu verbinden.

·        die Frauen zu ermutigen sich in allen Bereichen für ihre Belange einzusetzen

Mittels eines Faltblattes stellten wir uns den Bewohnern der Gemeinde vor, indem wir Ihnen unsere Vorstellungen unterbreiteten. Des weiteren baten wir sie uns ihre Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen.

Es zeigte sich alsbald, dass uns der Bedarf einer Kinderaufnahmestruktur für berufstätige Eltern sehr wichtig erschien.

Nachdem die Kommission verschiedene Einrichtungen besucht hatte, wurde ein eigenes Konzept ausgearbeitet. Ganz wichtig waren für uns:

·        die Betreuung der Kinder während den Schulferien zu gewährleisten

·        Hausaufgabenhilfe

·        Freizeitaktivitäten usw.

Im September 97 öffnete die Aufnahmestruktur genannt „Dillendapp“ ihre Türen. Die Kinder werden von qualifiziertem Personal betreut.

Die Mahlzeiten werden an Ort und Stelle zubereitet und auf Qualität wird Wert gelegt.

Waren 1997 im Durchschnitt 20 Kinder angemeldet sind es heute über 40.

In den Ferien werden Freizeitaktivitäten angeboten, an denen alle Schulkinder der Gemeinde teilnehmen können.

Während der Schulzeit wird eine Hausaufgabenhilfe gewährleistet.

Fast 40% der Schulkinder werden übers Jahre hier von qualifiziertem Personal betreut.

Im Moment werden die Kinder an zwei verschiedenen Orten betreut, bedingt zum einem durch die große Zahl der Einschreibungen und zum anderen durch den Altersunterschied.

In anderen Worten, der jetzige „Dillendapp“ ist zu klein und der Neubau eines größeren Gebäudes ist geplant.

Unsere Kommission ist immer bemüht, in Erfahrung zu bringen, was die Einwohner unserer Gemeinde an Bedürfnissen oder an Wünschen haben.

In  Zusammenarbeit mit der Soziologin Barbara Gemnich haben wir 1997 eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich zur Aufgabe gesetzt hatte, den kulturellen, sozialen und ökonomischen Beitrag von Frauen im ländlichen Raum zu erforschen und zu dokumentieren. Am Beispiel der Gemeinde Beckerich sollte die sichtbare und unsichtbare Arbeit von Frauen thematisiert werden.

An Hand von Interviews mit Frauen verschiedener Altersgruppen, erfuhren wir, welche Rollen die Frauen früher in der Gesellschaft hatten und wie sie lebten.

Mit dem Projekt, das den Titel „Fra a Mann ass e Gespann“ trägt, sollte für mehr Verständnis bei Männern wie bei Frauen für echt partnerschaftliche Gleichberechtigung in der tagtäglichen Aufgabenverteilung geworben werden.

Die Endergebnisse wurden in Form einer Wander-Ausstellung und einer Broschüre zusammengefasst. Die Ausstellung kann man in unserer Gemeinde gratis ausleihen, der Preis der Broschüre beträgt 5 Euro.

Im Jahre 2001 ergaben sich Kontakte mit dem Réseau Culture Europe in Brüssel, welcher ein ähnliches Projekt auf  internationaler Ebene plante.

16 Frauen aus Schweden, Frankreich, Belgien und Luxemburg, erzählten aus ihrem Leben.

Dank der Bereitwilligkeit von vier Frauen unserer Gemeinde, die ihren jeweiligen Lebenslauf schilderten,  haben wir uns auch an diesem Projekt beteiligt.

Das Buch, das  den Titel „Femmes d’Europe, Voix et Visages“ trägt, wurde von Roine Jansson aus Schweden, mit Aquarellen der betreffenden Regionen in denen die Frauen leben, illustriert, sowie mit Porträts der Frauen bei der Arbeit und Zeichnungen.

Im Rahmen einer Hobby-Kunstausstellung wurde das Buch am 6 Dezember 2002 in Beckerich vorgestellt.

Neben den zeitraubenden Projekten haben wir im Laufe der 8 Jahre eine große Zahl an Konferenzen und Seminaren organisiert.

·        Erbschaftsrecht

·        Pensionsrecht und soziale Sicherheit

·        Frauen und ihre Altersversorgung

·        Gesundheit und Ernährung

 

Es wurden des weiteren diverse Kurse angeboten:

·        Informatikkurse für Frauen, die zurück ins Berufsleben wollten

·        Sprachkurse (Spanisch, Englisch, Luxemburgisch)

·        Antistress- Seminar

·        Selbstverteidigungskursus

·        Djembéskursus

·        Kursus zur Behebungen von Autopannen, geleitet von einer Mechanikerin

·        Fahrsicherheitstraining in Colmar-Berg

·        Im September 2002 gründeten wir zusammen mit den Kommissionen aus Ell, Préizerdaul, Useldingen und Redingen eine Vereinigung mit dem Ziel, ein regionales Chancengleichheitsbüro in Redingen zu eröffnen. Dieses Büro wird von einer professionellen Frauenbeauftragten geleitet werden.

Ziel dieses Dienstes ist es:

·        Eine Beratungsstelle für Frauen und Männer anzubieten und zwar 3 x wöchentlich.

 

·        Hier kann jeder sich zu Themen wie „congé parental“, Kinderbetreuung, Berufsrückkehr, Weiterbildungsangebote, Mobbing......informieren.

 

·        Ein breit gefächertes Angebot von Veranstaltungen, Seminaren, Workshops und Weiterbildungen werden ausgearbeitet, die zum Thema „Chancengleichheit“ beitragen.

 

·        Schwerpunkt in der ersten Phase wird sein, Projekte auszuarbeiten, die ein verbessertes Netz von Kinderbetreuung in der Region ermöglichen

 

·        Der zweite Akzent liegt bei der Weiterbildung. Frauen, die wieder eine bezahlte Arbeit annehmen wollen, erhalten hier die Möglichkeit, Kurse und Seminare zu belegen, die ihnen den Berufseinstieg erleichtern sollen.

  

Im Jahre 2002 erhielt die Gemeinde Beckerich den Preis für die beste Gleichstellungspolitik in Luxemburg. Diese Auszeichnung wurde, zum ersten Mal, auf Grund eines Wettbewerbes verliehen. Es wurde unter anderem Wert auf kontinuierliche und innovative Projekte gelegt.

 Auch in der Gemeinde Beckerich bleibt noch viel zu tun. Denn unsere Pionierarbeit im ländlichen Raum stieß nicht immer auf Verständnis.

 Die faktische Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt auch in unserer Gemeinde eine Herausforderung.

 

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