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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Maddy Mulheims

Ministère de la Promotion Féminine, Luxemburg

 

Alle Talente zählen – ohne Chancengleichheit von Männern und Frauen ist nachhaltige Entwicklung nicht möglich

 

 

Gleichstellung und Grundgesetz

 

Eigentlich dürfte sich in unseren demokratischen Gesellschaften die Frage nach der Chancengleichheit von Frauen und Männern über­haupt nicht stellen. Grundprinzip der Demokratie ist die Gleichstel­lung von Frauen und Männern und die damit verbundene Gleichbe­rechtigung. Das Gleichheitsprinzip ist im deutschen Grundgesetz verankert. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat för­dert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

 

In Luxemburg wird im Zuge der Verfassungsänderung das Gleich­heitsprinzip der Geschlechter erst in dieser Legislaturperiode in die Verfassung eingeschrieben werden. Der jetzt vorliegende Text sagt: Männer und Frauen sind gleich in Bezug auf Rechte und Pflichten (les hommes et les femmes sont égaux en droits et devoirs).Es be­steht noch eine gewisse Uneinigkeit über den Text zu den Förderungsmassnahmen zur Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern und zwar ob diese als Pflichtaufgabe oder als Kann - Aufgabe für den Staat werden sollen.

 

Die Interpretation des Staatsrates von Artikel 2 des Amsterdamer Vertrages will Fördermaßnahmen eher als Pflichtaufgabe des Staates sehen.

 

Das Beispiel der Verfassung verdeutlicht die unterschiedlichen ge­sellschaftlichen Entwicklungen im Raum Luxemburg – Rheinland-Pfalz. Es ist jedoch die Verfassung, welche den Rahmen der poli­tischen Maßnahmen festlegt, also auch hinsichtlich einer Frau­en­förderung und / oder einer Gleichstellungspolitik.

 

Geht man von dem Grundprinzip aus, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, ist es eigentlich unverständlich, dass Er­werbsarbeit, bezahlte Arbeit der Frauen oder Elternurlaub der Män­ner noch immer nicht im Alltag als Recht für beide Geschlechter an­erkannt werden. Noch immer herrschen traditionelle Rollenbilder vor, geprägt von einer Kultur von Jahrtausenden, welche den Män­nern mehr Macht und Rechte gibt als den Frauen.

 

Nachhaltige Auswirkungen dieser Rollenmuster sind:

·        die unterschiedliche Beteiligung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt

·        die traditionelle Berufsausbildung der Mädchen und Frauen, so­wie der Jungen und Männer

·        weniger Lohn für Frauenarbeit, auch wenn diese die gleiche ist oder gleichwertig mit der Männerarbeit ist

·        soziale Versicherungssysteme mit abgeleiteten Rechten für Frauen und

·        daraus öfters entstehende Notsituationen, bzw. Armutsverhält­nisse für Frauen im Falle einer Scheidung

·        und die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen in der Politik und in der Wirtschaft

·        aber auch die Abwesenheit der berufstätigen Väter in den Fami­lien

 

Meilensteine zur Gleichberechtigung

 

Historisch rückblickend fielen die patriarchalen Strukturen im stän­dig fortschreitenden Demokratisierungsprozess der Gesellschaft auseinander. An Stelle der Hierarchie der Macht, in einer oder wenigen Händen gebündelt, trat die Kultur der gemeinsamen Ver­antwortlichkeit und des Mitspracherechts in den politisch öffent­lichen Strukturen. Menschenrechte wurden genau festgelegt, waren aber nicht für die Frauen gedacht. 1791 proklamierte Olympe de Gouges „Die Rechte der Frauen und der Mitbürgerinnen“ (Les Droits de la Femme et de la Citoyenne). Artikel 1 der Menschen­rechts­de­kla­ration wird bei Olympe de Gouges : « Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne an Rechten gleich » (la femme est née libre et égale à l’homme en droit). Olympe de Gouges starb 1792 auf dem Schafott.

 

Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern blieben hierarchisch. Erst die Frauenbewegung stellte diese Hierarchie in Frage und löste die Diskussion über eine neue Geschlechterkultur aus. Frauen em­an­zipierten sich aus den ihnen von der Sozialisation auferlegten Rollen. Sie zeigten ihre Fähigkeiten und Talente in gesellschaftlichen Bereichen, die ihnen bis dahin vorenthalten waren – bezahlter Ar­beits­markt, Wirtschaft, Finanzen, Politik und andere – ohne ihr Frausein aufzugeben, während die Männer mehrheitlich in den tra­dierten Verhaltensmustern weiterlebten, den Frauen Freiräume, Spielwiesen einräumten, ihre Vormachtstellung aber als selbstver­ständlich weiterführten.

 

In Deutschland und in Luxemburg erhielten die Frauen bereits 1919 das aktive und passive Wahlrecht

 

Frauen vertreten nicht selbst ihre Interessen auf Entscheidungs­ebenen. Es ist darum auch nicht verwunderlich, dass die Be­dürf­nisse der Frauen nicht vorrangig behandelt werden, ob­schon viele Entscheidungsträger wohlwollend meinen, sie würden sich um das Wohlergehen der Frauen sorgen und sich für sie einsetzen. „Dass der Demokratisierungsprozess aber nicht an einem Punkt aufhören kann, davon sind diejenigen überzeugt die Partner­schaft und Gleich­berechtigung als die zukünftige Geschlechterkultur ansehen.

 

Die heutigen Geschlechterrollen und die damit verbundenen Zwänge sind zu hinterfragen – insbesondere auf das Recht auf freie Ent­wick­lung, welches ein Recht und ein Fundament der Demokratie dar­stellt.“ 1

 

Gender mainstreaming als Instrument – Strategische Perspektive

 

Der Blick auf die unterschiedliche Sozialisation der Geschlechter fehlt in vielen politischen Maßnahmen. Das Gender mainstreaming, das „die gleichwertige Berücksichtigung der unterschiedlichen Inte­ressen von Frauen und Männern als handlungsleitendes Prinzip“ benutzt, ist als Methode erst in der Aufbauphase.

 

Das Englische unterscheidet zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender). Mit gender werden ge­sellschaftliche und kulturell geprägte Rollen, Rechte, Pflichten, Res­sourcen, Interessen von Männern und Frauen bezeichnet.

 

Mainstreaming wird seit langem in der Umweltpolitik benutzt. Die Auswirkungen der politischen Maßnahmen auf die Umwelt werden ins Zentrum des politischen Handelns gesetzt und analysiert. „Gen­der mainstreaming meint eine Strategie, die die Anliegen und Er­fahrungen von Frauen ebenso wie die von Männern in die Planung, Durchführung, Überwachung und Auswertung politischer Maßnah­men selbst-verständlich einbezieht.“3

 

„Gender mainstreaming heißt, dass ein bestimmtes Handeln – hier ein geschlechter - bewusstes – zum normalen und selbstverständ­lichen Handlungsmuster einer Organisation gehört.“3

 

Frauenförderung, gleichstellungspolitische Maßnahmen und ent­sprechende Einrichtungen werden nicht durch Gender main­strea­ming ersetzt. Fördermaßnahmen bleiben notwendig, um an­dauernde und nachgewiesene Benachteiligungen von Frauen aus­zugleichen. Gender mainstreaming hat als Ziel, Systeme, Struktu­ren und Bedingungsgefüge, welche die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern produzieren und reproduzieren, zu analysieren und zu verändern.

 

„Dies verlangt von den Erwachsenen, ihren Verhaltenskodex kritisch unter die Lupe zu nehmen. Wir brauchen Brillen – Genderbrillen – mit unterschiedlichen Stärken, wenn wir die Bedürfnisse von Jungen und Mädchen, Frauen und Männern, wahrnehmen und gezielt die jeweiligen Fähigkeiten unterstützen und einsetzen wollen.

 

Geschlechterrollen werden uns genau wie andere Normen und Werte unter anderem durch unsere Sozialisation vermittelt. Schon in der frühen Kindheit wird ein Grundstein dafür gelegt, wie wir später Frauen- und Männerarbeit bewerten. Immer noch werden Mädchen und Jungen unterschiedlich erzogen.“

 

Gleichstellungspolitik in Luxemburg

 Aktionsfeld: Erziehung + Bildung

In der Vorschule

Mit der Entwicklung einer neuen Geschlechterkultur befasst sich das Projekt des Frauenministeriums „Partageons l’égalité – Gläichheet delen – Gleichheit teilen“ das augenblicklich in einigen Vorschul­klassen durchgeführt wird. In der methodischen Herangehensweise des Projektes, der geschlechtssensiblen Pädago­gik, werden die unterschiedlichen Verhaltensmuster berücksichtigt und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten außerhalb der traditionellen Rollen ange­boten. Anders zu sein wird akzeptiert. Hausmann, Kranführerin, Sekretär, Telefonist, Finanzministerin zu sein wird nicht als etwas Anormales angesehen.

In der Ausbildung

Die Anwendung der geschlechtssensiblen Pädagogik ist Aufgabe der Lehrenden und Erziehenden. Geschlechtssensible Pädagogik wird nicht an allen Ausbildungsinstituten gelehrt. In Luxemburg gibt es nur einige zaghafte Ansätze der Umsetzung von engagierten Leh­renden. Um zu wissen wie tief die traditionellen Geschlechterrollen die Persönlichkeit der zukünftigen Lehrenden und Erziehenden prä­gen oder geprägt haben, führt das Frauenministerium in Zusam­menarbeit mit den Ausbildungsinstituten für Erziehende und Leh­rende der Grund- und Sekundarschulen eine Studie durch. Haupt­themen der von der Sozialforschungsstelle Dortmund durchgeführ­ten quantitativen Befragung sind:

·        Frauenbilder, Männerbilder – die Wahrnehmung der Geschlechter­rollen

·        Persönlichkeitsentwicklung – der Einfluss der Umgebung, Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrkräfte

·        Berufs- und Lebenspläne

·        Wünsche und Ansprüche zu Ausbildung und Beruf

 

Diese quantitative Befragung wird durch Interviews qualitativ er­gänzt. Es ist vorgesehen die Ergebnisse der Studie in den Curricula der jeweiligen Institute umzusetzen und den Genderaspekt hori­zontal in das Lernprogramm einzufügen sowie in mehreren Fächern transversal zu behandeln. Zukünftige Lehrende und Erziehende werden also Grunderkenntnisse (Genderbildung – Genderaware­ness) besitzen und gezielt Mädchen und Jungen unterstützen alle ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln und zu nutzen.

 

Aktionsfeld: Gemeindepolitik

Akteure, Akteurinnen

Das Projekt des Frauenministeriums ist in jeder Gemeinde durch­führbar. Kinder, Lehrerinnen und Eltern können eine neue Ge­schlechterkultur erproben. Im Rahmen des Projektes wurde päda­gogisches Material entwickelt. Den Lehrerinnen (und den sehr wenigen Lehrern) werden Weiterbildungskurse angeboten.

Auf Gemeindeebene werden Konferenzen angeboten zu den Themen „Erziehung zur Gleichheit“, „Starke Mädchen, starke Jungen“, „Wie wird mein Kind eine starke Per­sönlichkeit“. Die Konferenzen werden meistens mitgetragen von den Chancengleich­heitsdelegierten der Gemeinde. Diese haben mit dem Thema Erziehung ein fruchtba­res Aufgabengebiet gefunden. Das Thema Chancengleichheit in der Er­ziehung  wird so ein konkreter Bestandteil der Gemeindepolitik. Von ihm gehen weitere unzählige Aktionen aus. Vorträge, Seminare werden durchgeführt zu den Themen Frauen und Gesundheit, Al­tersversicherung, Erbschaftsrecht, Umgang mit Geld, Widereinstieg in den Beruf, häusliche Gewalt gegenüber von Frauen und Männern. Das Angebot für Frauen an Berufsorientierungskursen, an Grund- und Weiterbildungskursen im Be­reich der neuen Technologien ist reichhaltig. Frauen bekommen die Möglichkeit Kenntnisse zu er­werben und Erfahrung zu sammeln, die vielen den Einstieg / den Widereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Viele dieser Angebote werden von den Gleichstellungsdelegierten und den Chancengleich­heitskommissionen (mit bera­tendem Charakter) getragen.

Programm

Seit 2001 schreibt das Frauenministerium einen Wettbewerb aus für die beste Praxis in Gleichstellungspolitik von Frauen und Männern in den Gemeinden.

Voraussetzung einer Kandidatur ist das politische Programm der Gemeinde.

„Folgende Themenfelder werden vorgeschlagen:

·        eine Bestandsaufnahme der Lage der Frauen und Männer in der Gemeinde, Statistiken, auch der Migranten und Migrantinnen

·        Mitwirken der Frauen und Männer am Entscheidungsprozess, Be­setzung der Posten sowie interne und externe Entscheidungsor­gane

·        die Veränderung der Rolle der Frauen und Männer

·        die Unterstützung zur aktiven Vaterschaft

·        die Erziehung zur Gleichstellung, das Schulwesen und die Schul­beratung

·        die Kinderbetreuung und die Betreuung von pflegebedürftigen Personen, die Bedürfnisse und die Angebote

·        die Förderung der Gleichstellung im Berufsleben, die Information, die Ausbildung und die guten Praktiken

·        die Fortentwicklung, die Bedürfnisse der Frauen, ihre Teilnahme an der Planung

·        die Bekämpfung von Gewalt, Information und Schutz

·        die soziale Einbeziehung der benachteiligten Frauen, Information und Aktionen

·        die älteren Frauen, ihre Bedürfnisse, Wertschätzung und Integra­tion

·        die Kultur , das  Interkulturelle, die kulturelle Vielfalt, die Aktionen, die Integrationseffekte

·        die Städteplanung und die Lebensqualität.

 

Bewertungs- und Auswahlkriterien sind:

* auf Projektebene:

·        der Gegenstand

·        die Verwirklichung

·        die Langzeitwirkung

·        die Auswirkung auf das kommunale Leben

·        der innovative Charakter

·        die Übertragbarkeit auf andere Gemeinden

 

* auf Kommunikationsebene:

·        die Darstellung

·        die Öffentlichkeitsarbeit

·        die Dokumentation, die Veröffentlichungen

 

Durch diesen Preis wird in den Gemeinden das Interesse an der Gleichstellungspolitik geweckt. Gleichstellungspolitik wird bis jetzt nur am Rande der Gemeindepolitik behandelt. Eine kürzlich durch­gezogene Umfrage bei 16 Bürgermeistern zeigt, dass ihr politisches Denken nicht von der Genderthematik geprägt ist.

Prioritäten

Bürgernähe und / oder Bevölkerungsorientierung können generell nur umgesetzt werden, wenn die Unterschiede im Leben von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen, also den verschiedenen Ziel­gruppen, analysiert werden.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass die Entscheidung für die Instand­setzung des Fußballfeldes oder der Erweiterung für Auffang­struk­turen für Schulkinder bei einer paritätischen Besetzung der Ge­meinde­räte zu Ungunsten der ersteren ausfallen würde.

 

Daher geht es bei den Fragen der Budgetisierung auch um die Frage, was wofür, für wen, in welcher Höhe und wann ausgegeben werden soll, also auch wiederum um Geschlechterfragen.

 

In allen europäischen Programmen ist das Einbeziehen der Ge­schlechterfrage eine Voraussetzung für finanzielle Unterstützung. Als Mitglied der begleitenden Ausschüsse der europäischen Struk­turfonds stellen wir immer wieder fest, dass die Geschlechterfrage auf einige wenige Aus- und Weiterbildungskurse, als Frauenförder­maßnahme reduziert wird.

Erfreulich ist, dass in 2 Leader+ Regionalprogrammen bereits Gleichstellungsbüros vorgesehen sind, von denen ein Büro bereits in der Umsetzungsphase ist. Ihre Ziele sind dieselben wie die der Gleichstellungsstellen in deutschen Gemeinden.

Umsetzungsstrukturen

Gleichstellung der Geschlechter als Gesellschaftsentwicklung zu thematisieren ist ihre Aufgabe. Die Umsetzung ist die Verantwor­tung der Politik. Dazu braucht es:

·        politisches Engagement der Regierung / des Gemeinderates

·        Gesetze; Konzepte

·        Strukturen zur Umsetzung

·        auf nationaler Ebene

o       ein Ministerium

o       eine interministerielle Arbeitsgruppe

·        auf lokaler Ebene

o       eine Gleichstellungsstelle

o       eine Chancengleichheitskommission

·        Instrumente der Umsetzung

o       Bewusstmachung und Sensibilisierung der Notwendigkeit ge­schlechter-    politischen Handelns

o       Bewertung geschlechtsspezifischer Auswirkungen politischer Maßnahmen

o       Koordinierung und Steuerung

o       Aus- und Weiterbildung der Akteure und Akteurinnen

o       Daten

o       Evakuierung


 

·        Öffentlichkeitsarbeit

o       in den Verwaltungen

o       außerhalb der Verwaltungen

Netzwerk

Die Wichtigkeit der Einbindung von Nichtregierungsorganisationen in die Politik der nachhaltigen Entwicklung ist nicht  zu verkennen. Sie bilden die „kritische Masse“ und sind auch ein Beständigkeits­faktor.

 

Der luxemburgische nationale Frauenrat unterstützt im Rahmen seines Programms für Chancengleichheit in den Gemeinden ein Netz­werk der Delegierten und Kommissionsmitglieder. Hier werden pro Semester Pläne und Erfahrungen ausgetauscht, Projekte aufge­baut und Zusammenarbeit gepflegt.

 

Unter den Teilnehmenden findet man selten Männer. Es ist ein Netz­werk der Frauen, ein Freiraum für Frauen, die sich in Politik einar­beiten, sich weiterbilden und Führung übernehmen in Be­reichen in denen sie Kompetenzen haben. Dies sind noch lange nicht immer die klassischen Themenbereiche: Familie, Schule und Soziales, sondern auch Finanzen, öffentliche Bauten und Dorfent­wicklung. Das Netzwerk des nationalen Frauenrates ist nicht mehr aus der Gleichstellungspolitik auf lokaler Ebene wegzudenken. Der nationale Frauenrat ist eine Nichtregierungsorganisation, der Dach­verband von 12 Frauenvereinen. Die Gehälter der Politologin (halb­tags), der Juristin (ganztags) und der Sekretärin (10 Stunden) werden vom Frauenministerium übernommen. Kurse, Konferenzen, Veröffent­lichungen des Frauenrates werden finanziell vom Frauen­ministerium unterstützt.

 


 

Aktionsfeld: Gesellschaftspolitik

Männer

Die Teilnahme beider Geschlechter an der Entwicklung der Gesell­schaft ist nicht mehr aufzuhalten.

 

Männer wollen Väter sein.

·        Sie nehmen Elternurlaub, reduzieren ihre Arbeitszeit, vornehm­lich die Überstunden

·        Sie übernehmen Haushaltspflichten, versuchen gleichberechtigte Partnerschaft

·        Sie emanzipieren sich aus der Rolle des alleinigen finanziellen Versorgers der Familie

·        Damit durchbrechen sie das Klischee des Arbeitnehmenden, der ausschließlich für das Unternehmen da ist in dem er arbeitet

·        Dadurch verändern sie die Strukturen der Arbeitswelt, die sich jetzt der Wichtigkeit des privaten Wohlergehens der Arbeitnehmenden bewusst wird. Genau dieses Wohlergehen stei­gert die Arbeitslust und die Produktivität der Arbeitnehmenden

·        Männer bauen Beziehungen zu ihren Kindern auf, erleben wie sie wachsen, zu Jugendlichen heranreifen

·        Väter erkennen die Notwendigkeit von Betreuungsangeboten, weil sie privat Mitverantwortung tragen; sie unterstützen kinder- und familienfreundliche Ortsentwicklung.

 

Chancengleichheit ist nicht nur eine Frage der Frauen. Chancen­gleichheit ist auch eine Frage der Männer. In der Berufs- und Ar­beitswelt wurde bis jetzt vornehmlich die Chancengleichheit der Frauen gefördert.

 

Madeleine Arnot, eine britische Sozialforscherin, fordert sich in Zu­kunft auch der Chancengleichheit der Männer in diesen Bereichen zuzuwenden. Ihren Erkenntnissen zufolge liegen die Berufschancen der Jungen im Sozialwesen. Der Bedarf an Betreuungsstrukturen wird wegen des Vergreisungsprozesses der Bevölkerung zunehmen. Hier sind die zukünftigen Arbeitsplätze, auch für Männer. Die Ge­schlechterfrage ist vielseitig, vielschichtig und kennt keinen Still­stand in ihrer Entwicklung.

 

Frauen

Frauen wollen am öffentlichen Leben teilhaben

·        Sie haben gleiche, wenn nicht bessere Schulabschlüsse als Män­ner

·        Sie haben berufliche Kompetenzen

·        Sie sind gut qualifizierte Arbeitskräfte

·        Sie haben ein Recht auf bezahlte Arbeit und die damit verbun­dene finanzielle Unabhängigkeit

·        Frauen bringen Familienerfahrungen mit in die politische Diskus­sion und bereichern damit Maßnahmen zu Gunsten der Familien­angebote und der Ortsentwicklung

·        Sie setzen andere Prioritäten.

 

Besonders in der Arbeitswelt stellt man fest, dass die Chancen­gleich­heitspolitik nicht unabdingbar zur Gleichstellung führt. Frauen haben die gleichen Chancen bei der Berufswahl. Aus welchem Grund findet man sie vorrangig in traditionell weiblichen Ausbildungen? Die Gleichbehandlung der Geschlechter ist gesetzlich verankert. Frauen kandidieren für dieselben Arbeitstellen als die Männer. Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit bleibt aber eine Zukunfts­vision.

Genderkultur

Es bedarf der Erkenntnis jeder Frau und jeden Mannes, dass Gleich­stellungspolitik zur Verbesserung der Geschlechterverhältnisse führt. Gleichstellungspolitik beruht auf der Anerkennung der Gleich­wertigkeit jedes Menschen und erlaubt es beiden Geschlechtern, ihre individuellen Talente voll zu entfalten. Gleichstellungspolitik führt zu einer neuen Geschlechterkultur, der Genderkultur.

 

Die Lösung der Geschlechterfrage bleibt eine fundamentale Frage der nachhaltigen Entwicklung. Talente und Kompetenzen kann ich einsetzen, wenn sie wahrgenommen werden. In der Wahrnehmung liegt die größte Herausforderung! Beginnen wir also mit der Produk­tion von Genderbrillen und deren Vermarktung mit den dazu gehö­renden Gebrauchshinweisen.

 

Es gehört schon eine gewaltige Portion Optimismus dazu zu glau­ben, dass in dieser Zeit von Macht, Krieg, Hierarchie, Patriarchat, Frauen und Männer es schaffen den Weg der Gleichstellung und Gleichwertigkeit zu gehen.

 

In der Peking-Nachfolgekonferenz im Jahr 2000 setzte die UNO ihre Arbeit unter das Motto: Gleichheit der Geschlechter, Entwicklung und Frieden im 21. Jahrhundert.

Wenn der Friede in den zwischenmenschlichen Beziehungen an­fängt, sind wir alle, ob Mann oder Frau, mehr denn je gefordert.



Maddy Mulheims: Geschlechtssensible Pädagogik in Kindergarten und Vorschule, BMUK, Auf dem Weg zu einer neuen Geschlechterkultur

Faltblatt zur Regionaltagung zur nachhaltigen Entwicklung

Gender mainstreaming in Sachsen-Anhalt, Ministerium für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales, S. 8

Maddy Mulheims: Geschlechtssensible Pädagogik in Kindergarten und Vorschule, BMUK, Auf dem Weg zu einer neuen Geschlechterkultur

Faltblatt des Frauenministeriums zum Preis für Gleichstellungspolitik der Gemeinden

 

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