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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Nachhaltigkeit neu denken, Nachhaltigkeit konkret denken

Die Dokumentation der ISOE-Tagung vom 3.April 2003 führt den Dialog weiter

Das ISOE hat über Jahre hinweg den Nachhaltigkeitsdiskurs mit kritischer Aufmerksamkeit begleitet. Das 15-jährige Bestehen des Instituts war für uns daher ein willkommener Anlass, das Konzept und seine Realisierung im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zu überdenken. Die Tagung "Nachhaltigkeit neu denken – die Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft im Umbruch" bot über 200 Kongressbesuchern und 30 Referentinnen und Referenten im Casino der Frankfurter Universität im Rahmen eines dichten und vielfältigen Programms die Gelegenheit, sich über den Gehalt und die Aktualität des Begriffs der Nachhaltigkeit zu verständigen und das wissenschaftliche Werkzeug für eine nachhaltige Entwicklung neu zu justieren und zu verbessern.

Eröffnet wurde die Tagung durch Ruth Wagner, damalige Wissenschaftsministerin des Landes Hessen, mit einem herzlichen, die Entwicklung des Instituts würdigenden Grußwort.

Paul Raskin, Präsident des Tellus Institute und Direktor des Stockholm Environment Institute, Boston, USA, präsentierte dann die für die Tagung zentrale Thesen des Essays "Great Transition – Umbrüche und Übergänge auf dem Weg zu einer planetarischen Gesellschaft". Dieses Plädoyer für ein neues Nachhaltigkeits-Paradigma wurde anschließend von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und dem NGO-Bereich diskutiert und kommentiert.

Im zweiten Teil der Tagung wurde an vier Themenfeldern, in denen das ISOE arbeitet, das Konzept der Great Transition konkretisiert: In den Brennpunkten "Wasser", "Lebensstile", "Demographische Entwicklung und Versorgung" sowie "Gender und Ernährung" diskutierten unter der Leitung von MitarbeiterInnen des ISOE u.a. Staatssekretär Alexander Müller (BMVEL), Francis Luck (Kompetenzzentrum Wasser Berlin), Marianne Reeb (Trend- und Zukunftsforscherin, DaimlerChrysler) und Adelheid Biesecker (Universität Bremen). Abschließend wurden "Bilanz und Ausblick" unternommen – Egon Becker (ISOE), Gertrude Hirsch Hadorn (ETH Zürich) und Reinhard Junker (BMBF) zogen Folgerungen für die Nachhaltigkeitsforschung und die Forschungspolitik.

Fazit

Die Diskussion über Inhalt und Zukunft von Nachhaltigkeit als übergreifendes, normatives Leitbild hat mit dieser Tagung einen Impuls bekommen, der von den Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmern, so die Rückmeldung, überwiegend sehr positiv aufgenommen wurde. Dazu hat sicherlich das breite Meinungs- und Themenspektrum beigetragen. Weitgehend geteilt wurde die Einschätzung der Veranstalter, dass es angesichts neuer politischer, sozialer und ökologischer Herausforderungen besonderer Anstrengungen bedarf, um die Idee der Nachhaltigkeit in konkreten Projekten und einzelnen Entwicklungsschritten so umzusetzen, dass dieser Prozess insgesamt unumkehrbar wird.

Nicht einig waren sich die Teilnehmenden in den Schlüsse hinsichtlich Inhalt und Prioritäten der Themen und Aufgaben, die aus dieser Einsicht gezogen werden sollten..

Dabei stand der Wunsch nach stärker handlungsbezogenen, auf das "Wie" der Umsetzung der Nachhaltigkeitskonzepte (einschließlich der vielen Blockierungen) gerichtete Beiträge dem eher analytisch orientierter Wunsch gegenüber, die offenen und ungelösten Fragen einer bewussten Gestaltung von Nachhaltiger Entwicklung in einer komplexen, sich in ihren Grundlagen verändernden Welt aufzugreifen und genauer zu bearbeiten mit dem Ziel über ein besseres Verständnis auch besser handeln und eingreifen zu können. Es ist mit dieser "Auftakt-Tagung" erst in Ansätzen gelungen, die analytische Seite und die handlungsbezogene Seite stärker aufeinander zu beziehen

Folgerichtig kann auch noch nicht abschließend beantwortet werden, ob "Great Transition" tatsächlich den Übergang zu einem erneuerten, "zweiten" Nachhaltigkeitsparadigma markiert, oder lediglich den existierenden eine neue Variante der Ausbuchstabierung des Leitbildes Nachhaltige Entwicklung hinzufügt.

Es sind, folgt man dem Tagungsverlauf, vermutlich vor allem zwei Aspekte an denen sich diese Frage entscheiden wird und die über die Tagung hinaus eine breitere Auseinandersetzung mit Great Transition lohnenswert machen - das verwendete Konzept des Übergangs (Transition) und zum anderen die Verwendung der Szenariotechnik. Zu beiden Fragen wollen wir am Institut weiterarbeiten.

Das Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit "neu denken" und "konkret denken" wird damit für die weiterer Debatten prägend sein.

Die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge, soweit sie uns zugänglich gemacht wurden sowie der Zusammenfassung der Diskussion in den Brennpunkten soll diese Diskussion anstoßen und zugänglich machen. (Download des Tagungsbandes PÖ-Forum: Nachhaltigkeit neu denken - Transformationen in Zeiten der Globalisierung, 1,4 MB pdf-file)

In diesem Sinne nehmen wir mit dieser Veröffentlichung das Versprechen vom Ende der Tagung auf, den begonnenen Diskurs fortzusetzen. Mit der Veröffentlichung der Tagungsbeiträge im Internet sind die Besucher- und Leser/innen der Homepage des ISOE aufgefordert, sich aktiv daran zu beteiligen. Schicken Sie uns unter info@isoe.de Ihre Ideen, wie die Debatte inhaltlich und von den Arbeitsformen her fortgesetzt werden könnte, Ihre Kommentare zu den Beiträgen, die hier veröffentlicht werden oder auch solche Vorschläge, die über die Tagung selbst hinausgehen.

Wir werden sie in geeigneter Form veröffentlichen.

Juni 2003

 

Institut für sozial-ökologische
Forschung (ISOE) GmbH

Hamburger Allee 45
D - 60486 Frankfurt am Main


Tel. +49 - 69 - 7076919-0
Fax  +49 - 69 - 7076919-11
info@isoe.de
 

Bezug der Printversion des Tagungsbandes nur über ökom-Verlag durch Bezug der Politischen Ökologie Nr. 85 (http://www.oekom.de/verlag/german/periodika/poe/index.htm)

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