UN-Bericht ruft Regierungschefs zur Verpflichtung auf nachhaltige Zukunft auf
Die derzeitigen Entwicklungsmodelle gefährden auf Dauer den weltweiten Lebensstandard und die natürlichen Ressourcen der Erde. Dies geht aus dem jetzt veröffentlichten Bericht "Globale Herausforderung, Globale Chance" der Vereinten Nationen hervor, der kurz vor dem Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung in Johannesburg veröffentlicht wurde. Dem Bericht zufolge ist mehr Unterstützung für nachhaltige Entwicklung notwendig, um die globalen Ressourcen besser handhaben zu können.
"Globale Herausforderung, Globale Chance beschreibt die Wahl, vor der wir stehen," erklärte Nitin Desai, Generalsekretär des Gipfels und Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, dessen Hauptabteilung den Bericht veröffentlichte. "Wenn wir nichts unternehmen, um unsere momentanen, unüberlegten Entwicklungsmodelle zu ändern, setzen wir die langfristige Sicherheit der Erde und ihrer Bewohner aufs Spiel. In Johannesburg haben wir die Möglichkeit, eine sichere Zukunft zu schaffen, indem wir eine nachhaltigere Form der Entwicklung verfolgen, welche einerseits das Leben heute verbessert und andererseits eine bessere Welt für unsere Kinder und Enkel gewährleisten kann."
Der Bericht prüft mehrere Sachfragen, die von UNO-Generalsekretär Kofi Annan als grundlegend für die Verhandlungen in Johannesburg bezeichnet wurden. Darunter fallen Wasser und Hygiene, Energie, landwirtschaftliche Produktivität, Artenvielfalt und Gesundheit. In einer ernüchternden Beurteilung der gegenwärtigen Entwicklungen auf diesen Gebieten stellt der Bericht fest, dass:
- gegenwärtig 40 Prozent der Weltbevölkerung von Wassermangel betroffen ist;
- der Meeresspiegel aufgrund der globalen Erwärmung weltweit ansteigt;
- viele Pflanzen- und Tierarten Gefahr laufen ausgerottet zu werden (speziell betroffen ist die Hälfte der großen Primaten - die dem Menschen am nächsten verwandte Tierart);
- 2,4 Prozent der weltweiten Wälder in den 90er Jahren zerstört wurden;
- jährlich mehr als 3 Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung sterben.
Der Bericht verweist aber auch auf die Entstehung von immer mehr nachhaltigen Entwicklungspraktiken in kleinem Umfang, die auch immer öfter nachgeahmt werden, um Problembereiche wie den Schutz der Ökosysteme, Luftverschmutzung in den Städten und Kindersterblichkeit aufgrund von verschmutztem Trinkwasser zu bekämpfen. Diese Erfolge seien allerdings gefährdet, wenn nicht umgehend mehr Maßnahmen ergriffen würden, um den beunruhigenden Entwicklungen entgegen zu wirken.
"Es gibt eindeutige Beweise dafür, dass Ziele der menschlichen Entwicklung und des Umweltschutzes voneinander abhängig sind", so Nitin Desai. Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft müssten mit der Verpflichtung nach Johannesburg kommen, das Leben der Menschen auf nachhaltige Art und Weise zu verbessern. Beim Gipfel selbst sollen einige große Partnerschaftsinitiativen auf den Weg gebracht werden. Aber es seien noch viel mehr derartiger Programme notwendig, um den in dem UNO-Bericht aufgezeigten schädlichen Entwicklungsmustern entgegenzuwirken.
Desai stellte die Initiative WASH (Water, Sanitation and Hygiene for All) als vorbildliches Beispiel für innovative Partnerschaften vor. An WASH beteiligen sich 28 Regierungen, Entwicklungsbanken, Organisationen der Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen und große Unternehmen, die bis zum Jahr 2015 weltweit 1,1 Milliarden Menschen mit Wasser und Hygienevorrichtungen versorgen wollen.
"Eine der wichtigsten Prioritäten des Gipfels ist die Einigung über Strategien und Programme zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Erträge, um den langfristigen Nahrungsmittelbedarf decken zu können," sagte Desai weiter. "Ebenso wichtig ist der Ausbau nachhaltiger landwirtschaftlicher Anbaumethoden, insbesondere die Einführung leistungsfähiger Bewässerungssysteme. In Johannesburg soll auch eine neue Initiative der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vorgestellt werden, die gemeinsam mit mehreren Regierungen und Nichtregierungsorganisationen entsprechende Fortschritte in der Nahrungsmittelproduktion anregen will."
Neben dem besseren Zugang zu und Gebrauch von natürlichen Ressourcen, soll bei dem Gipfel dem Millenniums-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen näher gekommen werden. Darin wird die Halbierung des Anteils der in Armut lebenden Menschen bis 2015 angestrebt. Der Bericht "Globale Herausforderung, Globale Chance" bestätigt einen gewissen Fortschritt in der Armutsbekämpfung während der 90er Jahre: Die Anzahl der Menschen, die von nur einem US-Dollar pro Tag lebt, sei von 1,3 auf 1,2 Milliarden zurückgegangen. Diese Verbesserung konzentriere sich hauptsächlich auf Ostasien und Lateinamerika, während Afrika die höchste Rate an Sterblichkeit, Armut und Hunger aufweise.
Auf dem Johannesburg-Gipfel solle Übereinstimmung darüber erzielt werden, wie die erhöhte Entwicklungshilfe der internationalen Gemeinschaft eingesetzt werden solle, betonte Desai. "Weltweite Lebensstandards können jetzt und in der Zukunft nur verbessert werden, wenn die Ressourcen auf einer tatsächlich nachhaltigen Basis verteilt werden." Quelle: Vereinte Nationen, 13.08.2002
