Die Vielfalt des zivilgesellschaftlichen Engagements
Mit der Bürgerinitiativebewegung, den grossen Friedensdemonstrationen in den 80er Jahren, den Aktionen der Antiatomkraft- und Umweltbewegung und dem Engagement vieler Gruppen für die Länder und Probleme der dritten Welt ist international ein neues Verständnis von zivilgesellschaftlicher Mitwirkung an Politik gewachsen, das sich heute in einer Vielzahl von sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) einen Ausdruck verschafft.
Das Kapitel 27 der Agenda 21 geht ausdrücklich auf die Rolle von Nicht-Regierungsorganisationen und von Beteiligung im Agendaprozess ein. Dort heißt es: "Nichtstaatliche Organisationen spielen eine entscheidende Rolle bei der Ausformung und Umsetzung einer teilhabenden Demokratie. Ihre Glaubwürdigkeit ist durch die verantwortliche und konstruktive Rolle begründet, die sie in der Gesellschaft spielen. Formelle und informelle Organisationen wie auch Basisgruppen sollen als Partner bei der Umsetzung der Agenda 21 anerkannt werden. Die unabhängige Rolle, die den nichtstaatlichen Organisationen innerhalb der Gesellschaft zukommt, verlangt nach einer echten Mitwirkung; deshalb ist Unabhängigkeit ein wesentliches Merkmal nichtstaatlicher Organisationen und eine Voraussetzung für wirkliche Partizipation. "
Heute rufen insbesondere die ökonmischen und sozialen Auswirkungen der Globalisierung Proteste, Widerstand und die Forderung nach einer Einschränkung der Warengesellschaft hervor. Eine Form sind die weltweiten Sozialforen, die als Gegenbewegung gegen die Politik der Welthandelsorganisation (WTO) und als Bündnis von lokalen und regionalen Initiativen entstanden sind.
Aufsehen erregt hat auch der, im Dezember 1998 stattgefundene, Zusammenschluss globalisierungskritischer Gruppen zu Attac, einem Bündnis, das auf die sozial, ökolologisch und ökonomisch zerstörerischen Folgen der internationalen Finanz- und Kapitalmärkte hinweist. "Die Welt ist keine Ware", so ein Motto, das auch in dem Buch No Logo, von Naomi Klein seinen Widerhall findet. Sie fordern eine Regulierung der Finanzströme. Die Kritik an der Globalisierung wartete mit überraschenden und spektakulären Aktionen auf, wie die des Bauern José Bové in Frankreich, der gegen Mc Donalds demonstrierte, um auf die zunehmende Standardisierung und Entregionalisierung der Produktion von Nahrungsmitteln aufmerksam zu machen. Viel Interesse gewinnen auch Initiativen wie Slow Food, die eben diesen Tendenzen einen lustvollen und auf den Erhalt lokalen und handwerlichen Wissens gerichteten Umgang mit Ernährung entgegensetzen.
Es gibt auch eine Reihe von NGO's, die sich mit den sozialen und ökologischen Folgen der Globalisieurng beschäftigen, wie medico oder Ärzte ohne Grenzen und die Hilfen zum Überleben und zum Aufbau von Basisstrukturen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Wohnen leisten. Mehr zu globalisierungskritischen Initiativen finden Sie in der Linksammlung.
