Fachtagung "Die Praxis des Gender-Mainstreaming"
Am 29. Januar 2002 fand in Frankfurt am Main die Fachtagung "Die Praxis des Gender Mainstreaming - Europäische Beispiele" statt. .Ausgangspunkt der Tagung war, dass mit der Ratifizierung des Amsterdamer Vertrages das Prinzip des Gender Mainstreaming für alle Länder der Europäischen Union und damit auch für die Bundesrepublik Deutschland obligatorisch geworden ist. Ziel ist es, Instrumente (wie Gender Impact Assessment und Gender Budgets) zu entwickeln und zu verankern, die - effektiver als bisherige frauenpolitische Ansätze - die Benachteiligung zwischen den Geschlechtern strukturell angehen und abbauen helfen. Im Vergleich zu einigen anderen europäischen Staaten steckt die Praxis des Gender Mainstreaming in Deutschland noch eher in den Kinderschuhen.
In einer Podiumsdiskussion wurden am Vormittag der Stand der Umsetzung von Gender Mainstreaming in unterschiedlichen europäischen Ländern (Finnland, Großbritannien, Schweden und der BRD), auf unterschiedlichen Ebenen (Bundes-, Länder- und Kommunalebene) sowie in unterschiedlichen strukturellen Kontexten (Politik und Unternehmen) erläutert. Ferner erfolgten allgemeine Einschätzungen zur Relevanz, zu den Erfolgen und Problemen der bisher erfolgten Umsetzung des Gender Mainstreaming.
Nachmittags wurden in fünf Workshops konkrete Erfahrungen mit der Umsetzung von Gender Mainstreaming-Konzepten, entwickelten Methoden und Instrumenten exemplarisch vorgestellt.· Christin N. Granberg berichtet über die Praxis und die Instrumente des Gender Mainstreaming auf kommunaler Ebene in Schweden, wo seit 1994 Instrumente zur Umsetzung des Gender Mainstreaming entwickelt werden, die inzwischen auf kommunaler Ebene mit dem Ziel der Verbesserung des konkreten Alltagslebens in vielen Bereichen, z.B. in den Bereichen Verkehr, Sozialpolitik usw., angewandt werden. · Dr. Katherine Rake, Vorsitzende der Women's Budget Group in Großbritannien, stellte das Gender Mainstreaming-Instrument Gender Budget am Beispiel des nationalen Haushalts von Großbritannien (für Felder wie Beschäftigungsprogramme und Steuerpolitik) vor. Sie erläutert, wie geschlechtsspezifische Implikationen des britischen Haushalts aufzeigt und damit die ungleichen Auswirkungen von Haushaltsentscheidungen auf Frauen und Männer analysiert und daran anschließend Alternativen erarbeitet werden können. · Outi Tammi aus Finnland beschrieb den im Zuge des Umsetzungsprozesses von Gender Mainstreaming erfolgten Perspektivenwechsel in der finnischen Familienpolitik: im Vergleich zur früheren Betonung der Rechte von Frauen, stehen heute Fragen auf der politischen Agenda, die eine Beteiligung von Männern und die Wahrnehmung ihrer väterlichen Pflichten stärker in den Vordergrund rücken. · Dr. Kristin Körner und Isolde Hofmann stellten Konzept und bisherige Praxis-Erfahrungen des Gender Mainstreaming am Beispiel des Bundeslandes Sachsen-Anhalt dar, welches in Deutschland auf Länderebene mit seiner Politik des Gender Mainstreaming vergleichsweise vorbildhaft ist. · Dr. Doris Hayn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für sozialökologische Forschung (ISOE), stellte das Mitte der 90er Jahre in Holland und Belgien entwickelte Instrument Gender Impact Assessment - neben Gender Budget ein zentrales Instrument des Gender Mainstreaming - vor. Das Gender Impact Assessment (GIA) dient der Identifikation von Auswirkungen von politischen Maßnahmen auf Frauen und Männer sowie auf Geschlechterverhältnisse und überprüft diese hinsichtlich ihrer gleichstellungspolitischen Wirkungen.
Die Entwicklung und Implementierung eines solchen Instrumentes wird seit der Verabschiedung des Leitprinzips Gender Mainstreaming durch das Bundeskabinett im Herbst 2000 auch in Bundesministerien diskutiert. So führt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das ISOE ein Pilotprojekt durch, in dem für den Bereich der Umweltpolitik ein GIA erarbeitet wird.
In diesem Projekt wird im Februar 2002 die erste Phase der Entwicklung eines "Umwelt-GIA" abgeschlossen Die Tagung schloss mit einer Ergebnispräsentation zu den in den einzelnen Workshops dargestellten Strategien der Umsetzung. Dabei stellten VertrerterInnen aus unterschiedlichen Feldern wie bspw. Kirchen, Gewerkschaften, entwicklungspolitische Organisationen, Kommunalpolitik ihrer Ansätze sowie ihrer weiteren Planungen vor.Insgesamt hat die Tagung ihr Ziel, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Umsetzungspraxis in Deutschland zu leisten, mehr als erreicht.
