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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Ergebnisbericht Arbeitsgruppe III

 

Morgen: wünschen, Ziele formulieren, Pläne schmieden

 

Moderation und Ergebnisprotokoll:

Dirk Kron, domdey & partner, Freiburg

 

 

Wege zur Vision einer Nachhaltigen Entwicklung in den Regionen, standen im Zentrum der Beiträge dieser Arbeitsgruppe: Die „sanfte Vision“ einer partizipativen Umsetzung nachbarschaftlicher Entwicklungsprozesse in Trier-Nord (Prof. Ries) traf auf den Ansatz „Regionaler Entwicklungskonzepte als Impulsgeber für regionale Qualität“ (Herr Weick); beide Perspektiven wurden wiederum ergänzt durch Einblicke in Europäische Entscheidungsprozesse mit Blick auf nachhaltige Gestaltungsspielräume aus Parlamentariersicht (Herr Turmes, MdEP).

 

Da die Vorträge jeweils sehr eigenständig auf einzelne Aspekte des Arbeitsgruppenthemas eingingen, wird sich die Ergebnisschau an den drei Referaten orientieren und abschließend eine übergreifende Diskussion zum Thema „Nachhaltige Entwicklung und Zeit“ dokumentieren.

 

1.      Visionen für einen Stadtteil (Prof. Ries): Wider die Vision des Neoliberalismus – eine Sanfte Vision für den Stadtteil

 

Der Einstieg in die Diskussion erfolge anhand einer Kritik der Vision des Neoliberalismus, der auf Eigennutz und Egoismus als die wahre Natur des Menschen setze. Es wurde im Rahmen der Diskussion kritisiert, daß die neoliberale Wirtschaftspolitik in der Öffentlichkeit zunehmend als alternativlose, ja fast grundgesetzähnliche Doktrin erlebt wird. Hier spielt scheinbar die häufig kritiklose, überwiegend positive Berichterstattung der Medien über die Dynamik der Globalisierung eine wesentliche Rolle. Die Medien selbst seien dabei zum Marktgegenstand geworden und gehorchten dessen Gesetzen: zunehmender Konkurrenzdruck, abnehmende Recherchezeiten, täglicher Aktualitätszwang mündeten nicht selten in einer undifferenzierten Berichterstattung, die zunehmend Meinungen statt Fakten vermittle.

Der Dominanz einer neoliberalen Wirtschaftspolitik wurde die Vielfalt sozial gestalteter Marktwirtschaften entgegengestellt. Auf die Frage weshalb die Globalisierungswelle mit ihrer Monetarisierung aller Lebensbereiche in solch großem Tempo zum gesellschaftlichen Taktgeber geworden sei, der zunehmend jeden Lebensbereich erfaßt, wurde die These geäußert, daß ihr eine durchaus positive Botschaft innewohnt: das Aufbrechen von lähmenden Verkrustungen. Oder anders ausgedrückt, das Versprechen von Dynamik und positiver Veränderung.

 

In Form einer sanften Vision wurde über die Umsetzung nachhaltiger Entwicklungs-bestrebungen in der Wohnungsgenossenschaft „Am Beutelweg – Trier Nord“ berichtet. In Trier-Nord wird die integrative Sanierung eines ganzen Quartiers unter aktiver Beteiligung der dort wohnenden Bevölkerung angegangen. Und dies mit sichtbarem Erfolg: es entstehen modernisierte Wohnungen aus alter Bausubstanz, nachbarschaftliche Beziehungen durch Bürgerarbeit werden geknüpft, sozialer Sprengstoff durch aktive Einbeziehung der Betroffenen bei Konflikten aber auch bei Planungen und Umsetzungen entschärft. Nachbarschaftliche Probleme, die in Häusern entstehen, werden i.d.R. auch dort von den Betroffene selbst gelöst.

In mittlerweile 8 Jahren wurden von der Wohnungsbaugenossenschaft rund 30 Mio. DM aufgebracht zur Sanierung von Wohngebäuden in diesem Stadtteil. Dialog, Voneinander Lernen und Partizipation sind die Grundsäulen, auf denen dieses Projekt ruht: getragen durch das Engagement der Initiatoren und der beteiligten Bewohner wird aus der „Vision weniger Schritt für Schritt die Vision eines Kollektivs“.

 

 

2.      Das Regionale Entwicklungskonzept – Abschied vom Plänemachen, Planung als Gestaltungsprozeß (Hr. Weick)

 

Herr Weick stellte das Konzept des Regionalen Entwicklungskonzeptes dar, das ausgehend vom Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung dieses konkretisiert durch das Identifizieren, Fördern und Verbreiten von regionalen Leitprojekten, die geeignet sind die Region dem Ziel einer nachhaltigen regionalen Entwicklung näher zu kommen. Vorgestellt wurden zwei von 12 Leitprojekten in der Westpfalz, die aus insgesamt 70 nach einem „Appell an die Region“ eingebrachten Projektvorschlägen ausgewählt worden waren. Die ausgewählten Projekte sollten folgenden Kriterien genügen:

 

  • Entwicklungsimpuls setzen
  • Synergistische Wirkung entfalten
  • Innovativen Charakter haben

 

Vorgestellt wurden das Projekt „Wind-Wasser-Sonne“, das im Donnersbergkreis vorhandene Impulse aufgreift und zusammenführt zu einem konzeptionellen Ganzen: der Betreiber einer Windkraftanlage, der Erbauer von Niedrigenergiehäusern, Know-How zur Erstellung von Pflanzenkläranlagen und lokale Kompetenzen zum Baustoff und Bauen mit Lehm. Aus diesen Kontakten entstand in einer Projektkonferenz u.a. die Idee eines Angebotes zum Probewohnen in Niedrigenergiehäusern, sowie von Fortbildungskursen für Selbstbauer. Die verfolgten Teilziele des Leitbildes Nachhaltige Entwicklung liegen in diesem Projekt im Bereich Tourismusförderung, Know-How-Management, Know-How-Transfer und Resourcenschonung. Das zweite vorgestellte Projekt der „Fahraddraisine“ auf der Bahnstrecke Glantal dient dem Ziel der Streckenerhaltung (Regionaler Raumordnungsplan) mittels einer touristischen Nutzung.

 

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage angesprochen, ob solche kleinen Projektimpulse tatsächlich Wirkung zeigen könnten in Zielrichtung einer Nachhaltigen Entwicklung oder ob es sich hierbei nicht vergleichsweise um „peanuts“ handle. „Monetär gesehen sicherlich“, so die Antwort des Planers. Als Beiträge einer auf Impulsen aufbauenden Veränderungskultur werden sie jedoch als wichtige und richtige kleine Schritte angesehen, als Ideen die von der planerischen Seite aufgegriffen, gebündelt und koordiniert werden müssen, um ihre Wirksamkeit im und auf den Raum entfalten zu können. Hierzu sei es zukünftig noch viel erforderlicher in der Region projektbezogene win-win-Situationen zu schaffen, in denen unterschiedliche Interessen zielgebündelt wirksam werden können. Für solche synergistischen Vorhaben sei es besonders wichtig, ressortübergreifend verstärkt Fördermittel zur Verfügung zu stellen.

 

 

3.      Vorsicht Europa - Europa, ja bitte! (Claude Turmes)

 

Am Beispiel der europäischen Planungen zur Fortschreibung der Energiepolitik stellte Herr Turmes die mangelnde Transparenz europäischer Planungspolitik heraus. In einem aktuellen EU-Energieszenario sollen der Kernenergie Optionen offengehalten werden, ohne dass diese Planungen Gegenstand einer parlamentarischen Erörterung wären. Nicht einmal die Grundlagen des Szenarios seinen öffentlich bekannt.

Für eine zukunftsbezogene Regionalpolitik sei es daher wichtig in Europa dafür Sorge zu tragen, dass Gestaltungsräume für nachhaltige Entwicklungen offen blieben.

Dies solle u.a. erfolgen durch

 

  • erhöhte Transparenz in der europäischen Politik
  • stärkere Demokratische Kontrolle
  • Bildung und Förderung regionaler Netzwerke
  • Förderung der Koordination von Projekten (Begleitung von Projekten).

 

In der Diskussion wurde deutlich, dass INTERREG und LEADER-Programme in den vergangen Jahren deutlich verbessert worden seien; bemängelt wurde hingegen, dass in den Förderrichtlinien die Projektrealität noch zu wenig berücksichtigt sei. Vielfach sei eine längere Projektbetreuung erforderten, um diese in eine Phase der Stabilität überzuführen und sie dauerhaft wirksam werden zu lassen.

Der Aspekt der Informationsgewinnung und Verbreitung in Netzwerken, die impulsgebende Funktion von Erfolgsprojekten und das Lernen über gemeinsame Erfahrungen wurde zum Ende der Diskussion nochmals aufgegriffen.

Abschließend blieb festzuhalten, daß es keine Alternative zu einem geeinten Europa gibt, auch und gerade um in der Weltwirtschaft ein Gewicht zu haben und dieses im Sinne einer Nachhaltigen Entwicklung einzusetzen.

 

In allen drei Beiträgen und Diskussionen wurde der Gefahr wachsender Monokulturen von Wirtschaften, Planungszielen und Informationen eine Vielfalt an Ideen, Impulsen und Wirtschaftsformen gegenübergestellt, die es weiterhin zu fördern und gestalten gelte.

 

Abschließend wurde versucht, das Thema der „Zeit“ nochmals in einen Bezug zu setzen mit den Erfordernissen einer Nachhaltigen Entwicklung. Aus Frage nach einer notwendigen Beschleunigung oder Entschleunigung für eine Nachhaltige Entwicklung, wurden unterschiedliche tempi als notwendig erachtet. In Kürze gibt nachfolgende Tabelle die Nennungen thesenhaft wieder:

 

 

Nachhaltige Entwicklung braucht...

Entschleunigung:

Beschleunigung:

Weniger Kaminzimmerpolitik auf EU-Ebene

Einen gläsernen Rat

Funktionieren der europ. Demokratie

Verlängerung von Produktzyklen

 

Förderung kleiner dezentraler Projekte

Verringerung der Oberflächlichkeit in der Arbeit (durch den zunehmenden Zeitdruck)

Förderung von Netzwerken (Informa-tion, Kommunikation, Erfahrungs-austausch)

Weniger Belastung ökologischer Systeme

Mehr Hightech zur Ressourcen-schonung

Reduzierter Ressourcenverbrauch

Preise, die die ökologische Wahrheit sagen

 

Identifikation der Bevölkerung mit dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung

 

 

Als Ziele einer nachhaltigen Entwicklung wurden definiert

 

  • Erhalt bzw. Schaffung einer Vielfalt von Zeitstrukturen und -kulturen
  • Förderung des bottom-up-Prinzips
  • Organisieren von Zeitfenstern,

 

in denen zum richtigen Zeitpunkt, die richtigen Menschen zusammenkommen, um Impulse und Projekte für eine zukunftsbeständige Regionalentwicklung möglich zu machen.

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